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struppig

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

struppig adj.

Bd. 20, Sp. 144
struppig, adj. , horridus, strigosus, rauh emporstarrend (zu germ. *strb, vgl.sträuben); die verschobene form strupfig, -icht erscheint bei norddeutschen autoren des 18. jahrh. nicht selten, gelegentlich auch schon früher, anscheinend eine rein litterarische verhochdeutschung. daneben (seltener) erweiterte formen: struppelicht Kramer 2, 1017a; Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1904; noch heute strupplig Bernd Posen 299; struppelig Hertel Thür. 239; bei Fischart auch strupisch (s. u.): oneven, ongelijc strubbich inequalis, rugosus Schueren Teuth. (1896) 264a Verdam; s. auch 384a; ursprünglich also wohl nd. (vgl.strupp), aber schnell nach süden vorgedrungen, im 16. jahrh. in hd. lautform bereits häufig nachweisbar. in den wbb. zuerst bei Stieler: struppicht horridus, hispidus, hirtus, inordinatus, confusus, turbidus (1691) 2191; Kramer (1702) 2, 1017a; Steinbach (1734) 2, 753; Frisch (1741) 2, 349c; struppig Krünitz 176, 207; Fulda 526; struppig, strupfig Heinsius 4, 895b; mundartlich vereinzelt auch strupsich Follmann lothring. 508. 11) in der pflanzenwelt. mit vorliebe von starrendem, gewöhnlich blattarmen oder blattleeren pflanzenwerk geringer höhe: der donnerbesen, ein struppiges, verwirrtes ... gewächs mythol.4 (1875) 153; und lege dein ohr an die struppichte reide (rehheide) an die krüppelföhre auf nackter höh Niendorf Hegler mühle (1852) 119; den wilden wald, das struppige gebüsch soll sanfter gänge labyrinth verknüpfen Göthe 10, 275 W.; die wilde haide hier vom meer bespült mit ihren strupp'gen büschen, starren fichten Grabbe s. w. (1902) 2, 298 Grisebach; das struppige kieferngebüsch Viebig das schlafende heer (1904) 1, 134; seltener von bäumen (substantiviert): je nachdem ... das rauhe, stechende, struppige gerade aufragenden nadelholzes in dem eindruck überwog, je nachdem wurden ... wilde männer ... daraus Scherer kl. schr. 1, 524; dann gewöhnlich mit dem beisinn des beschädigten, namentlich entblätterten: sie (die köhler) sollen ... gewiesen werden an die ... affter-schläge, alte ... kurtz und strüppige, knorrige bäume Schwappach forst- u. jagdgesch. (1886 f.) 1, 367 anm. 36 (aus einer Gothaer forstordnung von 1664); gefällte strupfichte stämme lagen im wege Schönaich ästhetik (1754) 189; viele von ihnen (eichen) sind beschädigt und struppicht Salisch forstästhetik2 (1902) 254. schon im 16. jahrhundert: was sind wir anders denn wilde stemme und strupfichte pfröffer, die der böse geist verbissen ... Mathesius historia Jesu Christi (1568) 1, 65b; schlieszlich auf die landschaft übertragen: den berg und das strupfigte thal Lenz ges. schr. (1828) 3, 279 Tieck; die pfade verlieren sich in struppigen gehängen der thäler und schluchten H. v. Barth Kalkalp. (1874) xvii (s. auch das struppige felsgehänge a. a. o. 57); auch geringe fruchtbarkeit einer gegend charakterisierend: die fahrt ging ... ohne fahrbare straszen durch die sandige und struppige ebene dahin graf Dürckheim erinner.2 (1910) 414. 22) von starrendem haar. 2@aa) auf menschen bezogen gelegentlich 'rauh behaart', vom ganzen körper: dem kayser ... ward ein mägdlein ... vorgestellt, welche ganz behaart und struppig war J. J. Chr. Bode Montaigne (1793) 1, 176; gewöhnlich von kopf- oder gesichtshaar 'starrend, buschig': struppige augenbrauen Göthe 31, 209 W.; kurzer, struppiger bart Auerbach 13, 20; struppiges haar (vgl.strupphaar, strobelhaar) Gutzkow ges. w. (1872) 6, 304; struppiger kopf (vgl.struppkopf, strobelkopf) Storm w. (1912) 1, 66; struppig haupt Scheffel ges. w. (1907) 1, 131. meist mit dem beisinn des ungepflegten, wirren, verwahrlosten: wenn du geliebt seyn willst, so ... lass deine struppichten locken fein auskämmen Wieland Lucian (1788) 2, 35; aber die herren ... verhehlen die unedlen körper und schädel der barbaren, die struppichten haare, den schmutzigen bart Göthe 47, 160 W.; die sehr reiche nationaltracht stand ihnen vortrefflich, nur das sehr vernachlässigte struppige, wilde haar schadete dem eindruck Seb. Hensel Familie Mendelssohn (1879) 182; mit meiner schmutzigen wäsche und dem langen struppigen bart Steffens was ich erlebte (1843) 8, 29; vgl. struppigte perücke Kotzebue theater (1840) 7, 308; seltener mit anderer bedeutungsspielart, 'verwirrt' (als zeichen der furcht, des grauens o. ä.): es fällt auf, dasz die alten gesetze der ... regel, die genothzüchtigte solle zum beweis der that ... mit zerrissenem gewand und struppigem haar lautes geschrei erheben, garnicht gedenken Grimm rechtsalterth.4 (1899) 2, 191, 'gesträubt': sie (die haare) blieben vor schauder struppig Freytag briefw. mit herzog Ernst von Coburg (1904) 354. auch vom menschen selber, 'unsauber': das weib war alt und struppig Scheffel ges. w. (1907) 1, 201; er ... wurde durch eine struppige köchin ... in die stube ... geführt Freytag 4, 271. heute in der umgangssprache für 'unrasiert': er meinte, er sey dazu denn doch zu struppig Hebbel br. (1904) 7, 87; mit dem nebensinn 'verwildert': was führt der teufel da für einen struppigen kerl vom galgenberg herunter A. v. Arnim 1, 122 Grimm; das innere mitumfassend: welcher Deutsche, dessen sinn für einheimische trefflichkeit durch die struppichten romantiker nicht betäubt worden ist J. H. Voss über Götz u. Ramler (1809) 66; von Jakobinern ... kam der struppige lauscher Görres zu romantikern ders. antisymbolik (1824) 2, 261. 2@bb) vom fell der thiere: unsauber starrend; zottig, nicht glatt; so bereits im 16. jahrh.: und zu Rom ist einer angegeben, ... welcher ein mager und struppicht pferd gehabt Joh. Matthesius Syrach (1586) 2, 70b; Göthe lobt an den bildern des thiermalers Roos: das einfältige der physiognomien, das häszliche struppige der haare, alles mit der äuszersten wahrheit gespräche (1899) 5, 37; aber der schakal zeigte das struppigte fell Raabe Abu Telfan (1870) 2, 159; als krankheitszeichen: einem struppigen pfärdt sol man helffen mit der inneren rinden von dem lindenboum Herold - Forer Gesners thierbuch (1563) 136b; unter den anzeichen des milzbrandes finden sich folgende züge: ängstliches brüllen, struppiges haar ... Laistner nebelsagen (1879) 91; häufige verbindung: kleine struppige pferde Freytag 1, 25 bzw. 11, 6; ein struppiges bauernpferd Fontane I 2, 271; der mensch gegen den struppichten bär und den borstigen ygel gesetzt, ist ein schwächeres, dürftigeres, nackteres thier Herder 5, 113 S.; schwarze, struppige büffelherden Ritter erdkunde (1822) 3, 200; sein struppiger, immer verdrieszlicher pintscher folgte ihm bellend nach v. Ebner-Eschenbach 4, 9; terminologisch: der struppige spinnenkrebs parthenope horrida Oken allg. naturgesch. (1839 ff.) 5, 651. ähnlich vom federkleid der vögel: ein raubvogel mit struppigen federn bedeckt Herder 22, 81 S.; oft prägnanter, entweder 'gesträubt, aufgeplustert': die henne jammert am ufer mit strupfigten federn, und locket die jüngst gebrüteten entchen ... Ewald v. Kleist s. w. (1766) 2, 14; sie (die schilfrohrsänger) sind ... immer lustig, wenn nicht ... ein .. nachtfrost ... ihnen ... die nahrung verkümmert, wo man sie dann ... mit struppigem gefieder ... herumkriechen sieht Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 2, 659, oder 'zerzaust': .... traurig sitzt der zarte sklave; strupfig und verwirrt sein prachtgefieder — aller glanz dahin — Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 41; ebenso: Matz sasz auch drüben, dieser mit struppigen, abgezausten, hängenden flügeln hingeworfene amor der kammerherrin Jean Paul 7/10, 208 Hempel. mit vorliebe von der eule: dort sasz und lauschte jungfer eule. schatz, fragte er (kater), bist du auch noch wach? ja, heult die struppige sibylle Ramler fabellese (1783) 1, 122; und in dunkler felsenritze barg der uhu sich, der braune, struppig heute wie ein dornbusch und verdrieszlich böser laune Fr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1361907) 346. übertragen: die flinte in der faust, im gurt das eisen, pistolen auch, die ihre läufe weisen, sitzt Xaver da, ein antlitz wild und bleich, scheint er dem strupp'gen felsenuhu gleich Ferd. Gregorovius ged. (1892) 101 Schack. 33) andere anwendungen nur vereinzelt, z. b. greifbare übertragungen von 1: solche ermagerte spitzmeusz werden durch solch strupisch segspAenenessen ... dahin gebracht, dasz Fischart Garg. 64 neudr.; die hatte ihr struppiges nest gebaut Droste-Hülshoff w. 1, 223 Schücking, oder von 2: schien ... auch manchmal Freiharts (eines schauspielers) natur zu derb, sein pinsel etwas struppig, seine farbe etwas zu grobkörnig Gutzkow ges. w. (1872) 12, 433. uneigentlicher: das gewühl der wechsler und krämer und der kärner, die uns aus jeglicher zone der erde struppigen plunders viel zukarren Bürger 92 Bohtz; auch ins abstracte übertragen, im sinne von 'uneben, ungepflegt' öfter in zusammenhängen wie: wenn ... solche sylben in dem reim (sc. stehen), ... wird der reim rauh, hart und struppich Enoch Hannmann anm. zu Opitz buch von der dtschen poeterey7 (o. j.) 142; du nennst Paulis englische geschichte 'struppig' D. Fr. Strausz augew. br. (1895) 561 Zeller; es ist wahr, sie (die arbeit eines anderen gelehrten) sieht struppig genug aus, sowohl das rhythmische ... als auch der text ... Aug. Böckh (1901) 244 Max Hoffmann. auf anderer linie: er hatte eine so bewegliche einbildungskraft, dasz sie immer ... sich in struppigen, wirren und zackigen dingen luft machte Stifter s. w. 5, 1, 348.
9395 Zeichen · 234 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Struppig

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Struppig , -er, -ste, adj. & adv. sehr straubig, als das Intensivum von diesem straubig. Ein struppiges Haar, ein strupp…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    struppig

    Goethe-Wörterbuch

    struppig [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    struppig

    Mecklenburgisches Wb. · +4 Parallelbelege

    struppig unordentlich, wirr, bes. von Haaren o. ä.: die Binderinnen schalten die Mäher, dat se dat Swadd so struppig hen…

  4. Sprichwörter
    Struppig

    Wander (Sprichwörter)

    Struppig Du bist so struppig wie eine Nachteule. Lat. : Multum silvam gestas. ( Philippi, II, 291. )

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit struppig

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von struppig

strupp + -ig

struppig leitet sich vom Lemma strupp ab mit Suffix -ig.

struppig‑ als Erstglied (4 von 4)

struppig I

Idiotikon

struppig I Band 11, Spalte 2317 struppig I -ü- 11,2317

struppig II

Idiotikon

struppig II Band 11, Spalte 2317 struppig II 11,2317

struppigel

DWB

strupp·igel

struppigel , m. , struppiger mensch Autenrieth pfälz. 139 : es wollte mir gleich anfangs nicht gefallen, dasz mein neuer meister so ein stru…

struppigkeit

DWB

struppig·keit

struppigkeit , f. , ableitung von struppig: ruwicheit, strubbicheit inequalitas v . d. Schueren Teuthonista 264 Verdam; litterarisch mehrfac…