struppig,
adj. ,
horridus, strigosus, rauh emporstarrend (
zu germ. *strb,
vgl.sträuben);
die verschobene form strupfig, -icht
erscheint bei norddeutschen autoren des 18.
jahrh. nicht selten, gelegentlich auch schon früher, anscheinend eine rein litterarische verhochdeutschung. daneben (
seltener)
erweiterte formen: struppelicht Kramer 2, 1017
a; Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1904;
noch heute strupplig Bernd
Posen 299; struppelig Hertel
Thür. 239;
bei Fischart
auch strupisch (
s. u.): oneven, ongelijc strubbich
inequalis, rugosus Schueren
Teuth. (1896) 264
a Verdam; s. auch 384
a;
ursprünglich also wohl nd. (
vgl.strupp),
aber schnell nach süden vorgedrungen, im 16.
jahrh. in hd. lautform bereits häufig nachweisbar. in den wbb. zuerst bei Stieler: struppicht
horridus, hispidus, hirtus, inordinatus, confusus, turbidus (1691) 2191; Kramer (1702) 2, 1017
a; Steinbach (1734) 2, 753; Frisch (1741) 2, 349
c; struppig Krünitz 176, 207; Fulda 526; struppig, strupfig Heinsius 4, 895
b;
mundartlich vereinzelt auch strupsich Follmann
lothring. 508. 11)
in der pflanzenwelt. mit vorliebe von starrendem, gewöhnlich blattarmen oder blattleeren pflanzenwerk geringer höhe: der donnerbesen, ein struppiges, verwirrtes ... gewächs
mythol.4 (1875) 153; und lege dein ohr an die struppichte reide (
rehheide) an die krüppelföhre auf nackter höh Niendorf
Hegler mühle (1852) 119; den wilden wald, das struppige gebüsch soll sanfter gänge labyrinth verknüpfen Göthe 10, 275
W.; die wilde haide hier vom meer bespült mit ihren strupp'gen büschen, starren fichten Grabbe
s. w. (1902) 2, 298
Grisebach; das struppige kieferngebüsch Viebig
das schlafende heer (1904) 1, 134;
seltener von bäumen (
substantiviert): je nachdem ... das rauhe, stechende, struppige gerade aufragenden nadelholzes in dem eindruck überwog, je nachdem wurden ... wilde männer ... daraus Scherer
kl. schr. 1, 524;
dann gewöhnlich mit dem beisinn des beschädigten, namentlich entblätterten: sie (
die köhler) sollen ... gewiesen werden an die ... affter-schläge, alte ... kurtz und strüppige, knorrige bäume Schwappach
forst- u. jagdgesch. (1886
f.) 1, 367
anm. 36 (
aus einer Gothaer forstordnung von 1664); gefällte strupfichte stämme lagen im wege Schönaich
ästhetik (1754) 189; viele von ihnen (
eichen) sind beschädigt und struppicht Salisch
forstästhetik2 (1902) 254.
schon im 16.
jahrhundert: was sind wir anders denn wilde stemme und strupfichte pfröffer, die der böse geist verbissen ... Mathesius
historia Jesu Christi (1568) 1, 65
b;
schlieszlich auf die landschaft übertragen: den berg und das strupfigte thal Lenz
ges. schr. (1828) 3, 279
Tieck; die pfade verlieren sich in struppigen gehängen der thäler und schluchten H. v. Barth
Kalkalp. (1874) xvii (
s. auch das struppige felsgehänge
a. a. o. 57);
auch geringe fruchtbarkeit einer gegend charakterisierend: die fahrt ging ... ohne fahrbare straszen durch die sandige und struppige ebene dahin graf Dürckheim
erinner.2 (1910) 414. 22)
von starrendem haar. 2@aa)
auf menschen bezogen gelegentlich '
rauh behaart',
vom ganzen körper: dem kayser ... ward ein mägdlein ... vorgestellt, welche ganz behaart und struppig war J. J. Chr. Bode
Montaigne (1793) 1, 176;
gewöhnlich von kopf- oder gesichtshaar '
starrend, buschig': struppige augenbrauen Göthe 31, 209
W.; kurzer, struppiger bart Auerbach 13, 20; struppiges haar (
vgl.strupphaar, strobelhaar) Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 304; struppiger kopf (
vgl.struppkopf, strobelkopf) Storm
w. (1912) 1, 66; struppig haupt Scheffel
ges. w. (1907) 1, 131.
meist mit dem beisinn des ungepflegten, wirren, verwahrlosten: wenn du geliebt seyn willst, so ... lass deine struppichten locken fein auskämmen Wieland
Lucian (1788) 2, 35; aber die herren ... verhehlen die unedlen körper und schädel der barbaren, die struppichten haare, den schmutzigen bart Göthe 47, 160
W.; die sehr reiche nationaltracht stand ihnen vortrefflich, nur das sehr vernachlässigte struppige, wilde haar schadete dem eindruck Seb. Hensel
Familie Mendelssohn (1879) 182; mit meiner schmutzigen wäsche und dem langen struppigen bart Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 29;
vgl. struppigte perücke Kotzebue
theater (1840) 7, 308;
seltener mit anderer bedeutungsspielart, '
verwirrt' (
als zeichen der furcht, des grauens o. ä.): es fällt auf, dasz die alten gesetze der ... regel, die genothzüchtigte solle zum beweis der that ... mit zerrissenem gewand und struppigem haar lautes geschrei erheben, garnicht gedenken Grimm
rechtsalterth.4 (1899) 2, 191, '
gesträubt': sie (
die haare) blieben vor schauder struppig Freytag
briefw. mit herzog Ernst von Coburg (1904) 354.
auch vom menschen selber, '
unsauber': das weib war alt und struppig Scheffel
ges. w. (1907) 1, 201; er ... wurde durch eine struppige köchin ... in die stube ... geführt Freytag 4, 271.
heute in der umgangssprache für '
unrasiert': er meinte, er sey dazu denn doch zu struppig Hebbel
br. (1904) 7, 87;
mit dem nebensinn '
verwildert': was führt der teufel da für einen struppigen kerl vom galgenberg herunter A. v. Arnim 1, 122
Grimm; das innere mitumfassend: welcher Deutsche, dessen sinn für einheimische trefflichkeit durch die struppichten romantiker nicht betäubt worden ist J. H. Voss
über Götz u. Ramler (1809) 66; von Jakobinern ... kam der struppige lauscher Görres zu romantikern
ders. antisymbolik (1824) 2, 261. 2@bb)
vom fell der thiere: unsauber starrend;
zottig, nicht glatt; so bereits im 16.
jahrh.: und zu Rom ist einer angegeben, ... welcher ein mager und struppicht pferd gehabt Joh. Matthesius
Syrach (1586) 2, 70
b; Göthe
lobt an den bildern des thiermalers Roos: das einfältige der physiognomien, das häszliche struppige der haare, alles mit der äuszersten wahrheit
gespräche (1899) 5, 37; aber der schakal zeigte das struppigte fell Raabe
Abu Telfan (1870) 2, 159;
als krankheitszeichen: einem struppigen pfärdt sol man helffen mit der inneren rinden von dem lindenboum Herold - Forer
Gesners thierbuch (1563) 136
b; unter den anzeichen des milzbrandes finden sich folgende züge: ängstliches brüllen, struppiges haar ... Laistner
nebelsagen (1879) 91;
häufige verbindung: kleine struppige pferde Freytag 1, 25
bzw. 11, 6; ein struppiges bauernpferd Fontane I 2, 271; der mensch gegen den struppichten bär und den borstigen ygel gesetzt, ist ein schwächeres, dürftigeres, nackteres thier Herder 5, 113
S.; schwarze, struppige büffelherden Ritter
erdkunde (1822) 3, 200; sein struppiger, immer verdrieszlicher pintscher folgte ihm bellend nach v. Ebner-Eschenbach 4, 9;
terminologisch: der struppige spinnenkrebs
parthenope horrida Oken
allg. naturgesch. (1839
ff.) 5, 651.
ähnlich vom federkleid der vögel: ein raubvogel mit struppigen federn bedeckt Herder 22, 81
S.; oft prägnanter, entweder '
gesträubt, aufgeplustert': die henne jammert am ufer mit strupfigten federn, und locket die jüngst gebrüteten entchen ... Ewald v. Kleist
s. w. (1766) 2, 14; sie (
die schilfrohrsänger) sind ... immer lustig, wenn nicht ... ein .. nachtfrost ... ihnen ... die nahrung verkümmert, wo man sie dann ... mit struppigem gefieder ... herumkriechen sieht Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 2, 659,
oder '
zerzaust': .... traurig sitzt der zarte sklave; strupfig und verwirrt sein prachtgefieder — aller glanz dahin — Harries
Thomsons jahreszeiten (1796) 41;
ebenso: Matz sasz auch drüben, dieser mit struppigen, abgezausten, hängenden flügeln hingeworfene amor der kammerherrin Jean Paul 7/10, 208
Hempel. mit vorliebe von der eule: dort sasz und lauschte jungfer eule. schatz, fragte er (
kater), bist du auch noch wach? ja, heult die struppige sibylle Ramler
fabellese (1783) 1, 122; und in dunkler felsenritze barg der uhu sich, der braune, struppig heute wie ein dornbusch und verdrieszlich böser laune Fr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden (
1361907) 346.
übertragen: die flinte in der faust, im gurt das eisen, pistolen auch, die ihre läufe weisen, sitzt Xaver da, ein antlitz wild und bleich, scheint er dem strupp'gen felsenuhu gleich Ferd. Gregorovius
ged. (1892) 101
Schack. 33)
andere anwendungen nur vereinzelt, z. b. greifbare übertragungen von 1: solche ermagerte spitzmeusz werden durch solch strupisch segspAenenessen ... dahin gebracht, dasz Fischart
Garg. 64
neudr.; die hatte ihr struppiges nest gebaut Droste-Hülshoff
w. 1, 223
Schücking, oder von 2: schien ... auch manchmal Freiharts (
eines schauspielers) natur zu derb, sein pinsel etwas struppig, seine farbe etwas zu grobkörnig Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 433.
uneigentlicher: das gewühl der wechsler und krämer und der kärner, die uns aus jeglicher zone der erde struppigen plunders viel zukarren Bürger 92
Bohtz; auch ins abstracte übertragen, im sinne von '
uneben, ungepflegt'
öfter in zusammenhängen wie: wenn ... solche sylben in dem reim (
sc. stehen), ... wird der reim rauh, hart und struppich Enoch Hannmann
anm. zu Opitz
buch von der dtschen poeterey7 (
o. j.) 142; du nennst Paulis englische geschichte 'struppig' D. Fr. Strausz
augew. br. (1895) 561
Zeller; es ist wahr, sie (
die arbeit eines anderen gelehrten) sieht struppig genug aus, sowohl das rhythmische ... als auch der text ... Aug. Böckh (1901) 244
Max Hoffmann. auf anderer linie: er hatte eine so bewegliche einbildungskraft, dasz sie immer ... sich in struppigen, wirren und zackigen dingen luft machte Stifter
s. w. 5, 1, 348.