strohhut,
m.,
aus stroh geflochtener hut (
mundartlich und in älterer sprache dafür auch schattenhut
s. teil 8,
sp. 2259; schaub[en]hut
ebda sp. 2300/01; scheinhut
ebda sp. 2453);
mnd. strohôt,
nl. stroohoed,
engl. strawhat,
älternorw. stráhattr,
dän. straahat,
schw. strhat.
auch halme von gräsern können zur herstellung dienen: der halm (
vom gem. flattergras) zu feinen strohhüten Oken
naturgesch. (1839) 3, 402.
frühe lexikalische belege: pileus stramineus strohutt
nomencl. quat. ling. (1566) C 3
a; breiter hut, strohut für die sonne
umbella Henisch (1616) 497;
petasus stramineus ein grosser strohut
nomencl. lat.-germ. (1634) 427; schaub-
sive strohhut
umbella, causia Stieler
stammb. (1691) 871; 2212;
ist ein von schwartz-gefärbten stroh zusammen geflochtener und hochgethürmter hut, den das frauenzimmer ... zur sommerszeit auf dem kopffe zu tragen pfleget Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1915.
im eigentlichen sinne als kopfbedeckung: ein bouchsagær trunken, ein valsch ros erhunken für kolbensleg ein strôhuot, daz allez ist für niht guot
Seifrit Helbling 2, 1449
Seem.; eyme knechte ..., der unserm homeyster eynen strohut von Danczk brochte (
um 1400)
Marienb. treszlerb. 486
Joachim; also zohe er ausz mit zwei und dreissig legion streitbar mann, die all strohuet furten bisz gen Parisz Goltz
lebendige bilder (1557) V 5
b; dazumal war es bei den Sachsen gebreuchlich, das im sommer jederman einen strohut aufftrug B. Faber
Saxonia (1563) 68
b; er erkante ihn aber sobald an dem weissen band, das auf seinen strohhut geknüpfet Birken
Pegnitzschäferey (1645) 13; pelz und wolle und ein strohhut sind seine (
des landmannes) kleidung Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 583; ging sie in ihrem bürgerlichen schmuck über die strasze, den strohhut auf, von gelbem lack erglänzend H. v. Kleist
w. 2, 183
E. Schmidt; ein feiner italienischer strohhut vollendete das gewählte kostüm W. Hauff
w. (1890) 2, 1, 120; ein professor aus Berlin, der seinen strohhut mit einer klammer vorn an der weste befestigt hatte Kluge
Kortüm (1938) 387.
bildhafter gebrauch, anknüpfend an die leichte brennbarkeit des materials: und ist das bapstumbs gepew auf dissenn spruch gegrundt, gleych als wenn eyn toller mensch eynn strohutt auffs feur bawett Luther 7, 687
W. sinnbildlich: eine menschengestalt ... sie ware beladen mit cronen und strohhten, mit zeptern und bettelkrcken Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 567.
auf personen bezogen: ich bin ein amtmann, ja, und will kein strohhut sehn, ich gebe nur befehl, so stecket man sie ein
slg. v. schausp. (1764) 12,
der verlohrne sohn 19;
so wohl auch das dim. strohhütlein: dieser ist so vermessen, stoltz, prAechtig, hoffertig und gelart gewesen, dasz jhn des mllers eselein unnd des baders strohtlein (
für '
töchterlein'?) manchsmal angelacht hat W. Bütner
epitome hist. (1576) 282
a.
in weiterem sinne '
strohglocke, schutzhaube aus stroh': und damit das geflügel dem hanff nicht schadet, soll man die hauffen mit strohhüten oben wohl zudecken und verwahren
schles. wirthschafftsbuch (1712) 167. —
als tiername für '
oconistis quadra L.': strohut Nemnich
polyglottenlex. 4, 925; Ratzeburg
forstinsekten 2 (1840) 177.
für '
patella compressa'
eine art napfmuscheln in Ostindien Campe 4 (1810) 717.