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streik

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

streik m.

Bd. 19, Sp. 1298
streik, m., gemeinsame, meist von einer gewerkschaftsorganisation geleitete einstellung der arbeit durch eine mehrheit von arbeitenden, mit dem ziel, günstigere arbeitsbedingungen zu erzwingen oder auf politische entwicklungen einzuwirken; ausstand. entlehnt aus engl. strike, das in dieser bedeutung seit 1810 bezeugt (vgl. Murray 9, 1, 1126a) und im gefolge der entsprechenden bedeutung des verbums to strike aufgekommen ist (vgl. streiken). im deutschen tritt streik (bis etwa 1890 in engl. schreibung) zunächst vereinzelt auf und gewinnt erst seit der lohnbewegung um 1865 (Leipziger buchdruckerstreik) gröszere verbreitung, vor allem durch die presse. um 1878 noch als arbeiterausdruck gewertet (vgl. unten die distanzierenden bemerkungen Bismarcks) geht es gegen ende der 1880er jahre, begünstigt durch die zahlreichen arbeitskämpfe dieser zeit, in den allgemeinen sprachgebrauch ein. in gesetzestexten wird streik auch weiterhin als umgangssprachliches, rechtsbegrifflich und terminologisch noch nicht gesichertes wort gemieden und durch wendungen wie 'einstellung der arbeit' (gewerbeordnung des Deutschen Reiches [1869 u. 1900] § 152) umschrieben. erst nach 1945 findet sich das kompositum streikrecht (s. d.) in deutschen verfassungsurkunden.umgangssprachlich begegnet die dem englischen schriftbild folgende eindeutschung stricke in der wendung stricke machen 'streik machen, streiken' (s. u.), verbreiteter im obersächs.: Müller-Fraureuth 2, 576b; auch (in Königsberg/Neumark) strecke machen zs. f. dt. wortf. 8, 136. im schwäb. auch stricket(e), f. (sonst 'strickzeug, strickschule'). lexikalisch als streik zuerst bei Sanders ergänzungswb. (1885) 533c; vgl. Ladendorf histor. schlagwb. (1906) 305. die ersten zeugnisse beziehen sich auf englische verhältnisse: ihre (der colliers) aufrührerischen acte sind in ganz England unter dem namen 'strikes' bekannt. wenn eine maszregel ihrer herren ihnen miszfällt, so ist eine strike bald zu stande gebracht J. G. Kohl reisen in England u. Wales (1844) 2, 24 (an späteren stellen masc.: einen strike organisiren 2, 363); arbeitseinstellung (turn-out oder strike) F. Engels (die lage der arbeitenden klasse in England 1845) in: Marx-Engels gesamtausg. I 4, 206; jeder fabrikant weisz, dasz die folge einer nicht durch umstände, denen auch seine konkurrenten unterworfen sind, gerechtfertigten lohnverkürzung ein strike sein würde ebda 207. erst seit 1865 findet sich das wort auf arbeitskämpfe in Deutschland angewendet: inzwischen dauert der strike der hiesigen setzer noch immer fort (Leipzig 1865) dt. museum 1 (1865) 788; im hinblick auf die immer mehr um sich greifende englische mode der 'strike' warnen wir wohlmeinend unsere abonnenten vor einer arbeitseinstellung am nächsten quartal-ersten kladderadatsch 18 (1865) 117; sie haben im anfang des 14. jahrhunderts in den groszen deutschen städten ... beispiele von — strikes, könnte ich nach dem heutigen wortgebrauche sagen, von strikes der gesellen und arbeiter (1878) Bismarck polit. reden 7, 276 Kohl; wenn nicht die strike der arbeiter wären, würde sich der übermuth in coursen und börsenspiel noch bemerkbarer machen, als ohnedies der fall ist (1889) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 380; der streik wird in der regel keine genehmigung [] und unterstützung durch den vorstand und ausschusz finden, wenn ... am orte schon gestreikt wird statut d. verbandes dt. schneider (1892) 30; eine ... scharfe spannung zwischen beiden interessengruppen, die schon 1369 zu einer lohnbewegung der färber führte, und sich 1370 in einem regelrecht organisierten streik entlud Doren Florentiner wolltuchind. (1901) 301; wir (gesellen) drohten also (wegen der schlechten kost unserm meister) mit streik, noch ehe einer von uns dieses wort gehört hatte (1910) Bebel a. m. leben (1946) 1, 51; streiks, gleichviel welcher art (angriff-, abwehr- oder sympathiestreiks, allgemeine und partielle), bedürfen der genehmigung des verbandsvorstandes dt. bauarbeiterverband, statut (1911) 40; die aktien fielen. infolge der entlassungen drohte ein streik; sie fielen noch tiefer H. Mann d. untertan (1949) 436; als mittel, welche die verabredungen und vereinigungen zum behufe der erlangung günstiger lohn- und arbeitsbedingungen straffrei anwenden dürfen, nennt das gesetz (§ 152 der gewerbeordnung) 'insbesondere' die einstellung der arbeit (ausstand, streik) und die entlassung der arbeiter (die aussperrung) R. Landmann kommentar z. gewerbeordn. f. d. Dt. Reich (1925) 2, 767; Zille ... erzählte, dasz er infolge seiner beteiligung an einem streik arbeitslos geworden sei E. Mühsam namen u. menschen (1949) 101; unsereiner hat leider nichts als sorgen: streiks in Berlin und Wien, in Oberschlesien, im Ruhrrevier A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 32. streik machen 'einen streik durchführen, streiken': und da werden sie (die arbeiter) ja wohl ... hingehen und stricke machen, wie sie es nennen, wenn sie nicht arbeiten und schnaps trinken. ... und die arbeiter in den andern marmorfabriken haben gleich zur gesellschaft mit stricke gemacht Fr. Spielhagen s. rom. 8 (1912) 239. übertragen 'nicht (mehr) mitmachen': wir konnten sehr leicht zu einer abstimmung kommen, der gegenüber die regierungen — lassen sie mich einen vulgären ausdruck gebrauchen — strike gemacht hätten (1878) Bismarck polit. reden 7, 160 Kohl.auch von körperorganen: mein gehirn ist im laufe der letzten jahre in einer weise maltraitirt, dasz ich zuweilen fürchte, es macht nächstens einmal strike (1873) Billroth br. 129. 'eine tätigkeit abbrechen': machen sie nur bald einige monate streik und fahren sie anher (1882) G. Keller br. u. tageb. 3, 389 Ermat.
5693 Zeichen · 98 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    streikm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    streik , m. , gemeinsame, meist von einer gewerkschaftsorganisation geleitete einstellung der arbeit durch eine mehrheit…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Streik

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Streik (engl. strike , »Schlag, Streich«), soviel wie Arbeitseinstellung (s. d.).

  3. modern
    Dialekt
    Streikm.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Streik m. : ' Niederlegung der Arbeit ', nach dem Schd., Streik (šdraik) [mancherorts]. Odder is der de Lohn zu wenig, d…

  4. Spezial
    Streik

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Streik m. (-[e]s,-s) (Arbeitsausstand) scioper (-i) m. , ciöver (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit streik

34 Bildungen · 23 Erstglied · 9 Zweitglied · 2 Ableitungen

streik‑ als Erstglied (23 von 23)

streikarbeit

DWB

streik·arbeit

streikarbeit , f. , die entgegen einem streikbeschlusz geleistete arbeit: ( der arbeiter ist ) aus dem arbeitsvertrag nicht zu sogenannter s…

streikbeitrag

DWB

streik·beitrag

streikbeitrag , m. : die einsammlung der streikbeiträge von den arbeitenden kollegen dt. bauarbeiterverband, statut (1911) 42. —

streikbewegung

DWB

streik·bewegung

streikbewegung , f. , eine welle verschärfter arbeitskämpfe: 1877 nahm die strikebewegung in den steinkohlenbergwerken in Seraing ihren ausg…

streikbrecher

DWB

streik·brecher

streikbrecher , m. , arbeiter, der entgegen einem streikbeschlusz die arbeit fortsetzt oder arbeit annimmt. anscheinend im zusammenhang mit …

streikbruch

DWB

streik·bruch

streikbruch , m. : auch den nicht organisierten arbeitern wird, um sie von dem streikbruch abzuhalten, eine unterstützung verabfolgt hdwb. d…

streikbüro

DWB

streik·buero

streikbüro , n. , dienstraum einer streikleitung: als wir uns in einem der streikbureaus wieder begegneten Lily Braun mem. e. sozialistin 2 …

streiken

DWB

streiken , vb. , einen streik ( s. d. ) durchführen. zu streik in anlehnung an das engl. vb. to strike ' streichen; sich fortbewegen; schlag…

Streikerīe

WWB

streik·e·rie

Streikerīe f. Strickerieh Ausstand ( Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck Rek He).

Streikeⁿ

Idiotikon

Streikeⁿ Band 11, Spalte 2179 Streikeⁿ 11,2179

streikgeld

DWB

streik·geld

streikgeld , n. , meist plur., für die deckung der kosten eines streiks bestimmter geldbetrag: strenge rechnungslage der strike gelder (1868…

streikkarte

DWB

streik·karte

streikkarte , f. , ausweis für streikende: bureaus der streikkommission, in denen streikkarten ausgestellt ... werden Lily Braun mem. e. soz…

streikkasse

DWB

streik·kasse

streikkasse , f. , zur finanzierung von streiks ( auszahlung von unterstützungen an streikende ) angelegte kasse einer gewerkschaftsorganisa…

streikkomitee

DWB

streik·komitee

streikkomitee , n. , streikleitung: die von einem streikkomitee einem arbeitgeber gegenüber ... erhobene forderung R. v. Landmann komm. z. g…

streikkommission

DWB

streik·kommission

streikkommission , f. , streikleitung: bei allen differenzen zwischen arbeitnehmern und arbeitgebern ... ist sofort eine tarif- resp. streik…

streikleitung

DWB

streik·leitung

streikleitung , f. : die streikleitung wollte aber nur im dringendsten fall auch die noch arbeitenden ... in den streik hineinziehen Legien …

streikordnung

DWB

streik·ordnung

streikordnung , f. : die von dem ausschusse der Berliner gewerkschaftskommission ausgearbeitete 'streikordnung' Benno Maas d. streik a. d. a…

streikposten

DWB

streik·posten

streikposten , m. , ' von der streikleitung am betriebe aufgestellte posten, die die streikbrecher an der arbeit zu hindern haben ' Gerhard …

streikrecht

DWB

streik·recht

streikrecht , n. , erst nach 1945 belegt; wohl schon früher aufgekommen, aber gewöhnlich unter 'koalitionsrecht' subsumiert: der staat anerk…

streikreglement

DWB

streik·reglement

streikreglement , n. : streik-reglement für den verband deutscher schneider und schneiderinnen ( überschrift ) statut d. verb. dt. schneider…

streikverein

DWB

streik·verein

streikverein , m. : streikverein der sattler (1910) Bebel a. m. leben (1946) 2, 202 . —

streikvergehen

DWB

streik·vergehen

streikvergehen , n. , bei gelegenheit eines streiks begangene, an sich nicht strafbare, aber arbeitsrechtlichen verordnungen zuwiderlaufende…

streikversicherung

DWB

streik·versicherung

streikversicherung , f. : strikeversicherung ( überschrift ) hdwb. d. staatswiss. 6 ( 2 1900) 1169; unter streikversicherung wird hier die v…

streik als Zweitglied (9 von 9)

ABWEHRSTREIK

DWB2

abwehr·streik

DWB2 ABWEHRSTREIK m. : DWB2 DWB2 1897 eine bei den arbeitern beliebte einteilung unterscheidet angriffsstreiks und abwehrstreiks, wobei erst…

Generalstreik

DERW

general·streik

Generalstreik, M., ›Streik bei dem alle Arbeitnehmer eines Gebietes unabhängig von der Art ihrer Tätigkeit die Arbeit niederlegen‹, 20. Jh.?…

Hungerstreik

LDWB2

hunger·streik

Hun|ger|streik m. (-[e]s,-s) scioper dla fan m. ▬ in den Hungerstreik treten fá scioper dla fan.

sympathiestreik

DWB

sympathie·streik

sympathiestreik , m. , zu sympathie 2 c α ; streik, durch den eine gruppe von arbeitern ihre sympathie mit den forderungen einer anderen gru…

weilstreik

DWB

weil·streik

weilstreik , m. , verweigerung der weilarbeit, als neue bildung Frankf. journ. v. 2. nov. 1871.

Ableitungen von streik (2 von 2)

bestreiken

LDWB2

be|strei|ken vb.tr. scioperé (-rëia).

Bestreikung

LDWB2

Be|strei|kung f. (-,-en) 1 scioper (-i) m. , ciöver (-s) m. , ciauma (-mes) f. 2 boicot (-oc) m.