strasze,
f. ,
befestigter verkehrsweg höherer ordnung. herkunft und form. ahd. strāza,
mhd. strāze,
altsächs. strāta,
mnd. mnl. strāte,
nd. strāt, strōt,
nl. straat,
altfries. strēte,
ags. strǣt,
engl. street.
lehnwort aus spätlat. (
seit dem 4.
jh.) (via) strata '
gepflasterte strasse'
; vgl. die im klass. lat. belegte verbindung viam sternere.
die karoli ngischen könige bauten die alten verkehrswege nach römischem muster zu straszen
aus, s. Gasner
deutsches straszenwesen (1889) 144. —
aus lat. strata
auch altirisch sṛáth;
und im roman.: altfranz. estrée,
span. estrada,
ital. strada,
daraus strade,
s. teil 10, 3, 614. —
isl. strǣti,
norw. strǣte,
dän. strǣde,
altschwed. strǣte,
schwed. dial. sträde
aus ags. strǣt
oder afries. strēte,
altschwed. strata,
schwed. strt
aus mnd. strate;
s. Hellquist
svensk et. ordb.2 1091; Torp
nynorsk et. ordb. 732.
elbslav. stroto (Rost
Draväno-Polaben (1907) 425)
aus dem nd.;
dagegen entlehnten die südlicheren slaven gasse,
s. teil 4, 1, 1437. — strasze
zeigt schon früh neben der starken auch schwache flexion, z. b. stratun
dat. sg. Heliand; strazzun
nom. pl. ahd. gl. 3, 124, 30; 209, 47;
das mhd. hat starke und schwache formen nebeneinander für alle casus auszer dem gen. sg., der stets stark ist. heute lautet der ganze sg. strasze,
der plural straszen.
im 16.
und 17.
jh. steht für den dat. acc. sg. neben strasze
noch häufig straszen;
seltener so auch noch im 18.
jh. (Besser,
s. sp. 904; Quirsfeld,
s. sp. 899; Stranitzky,
s. sp. 884; Kar. Neuber,
s. bei Herm. Paul
deutsche gramm. 2, 83),
und auf mundartlicher grundlage oder als poetischer archaismus noch bis in die gegenwart, so Hartmann,
s. sp. 891;
sogar gen. sg. straszen
bei Uhland,
s. sp. 892.
bedeutung und anwendung. AA.
eigentlicher bereich. A@11)
über land führende verbindung, ohne anliegende häuserreihen; heute ist die strasze
gegenüber dem weg
durch den höheren grad der befestigung unterschieden. gegenüber der bed. 2)
häufig mit dem compos. landstrasze (
teil 6, 143)
bezeichnet; in Norddeutschland war zeitweise auch chaussee
im unterschied zu strasze
der bed. 2
verbreitet, vgl. Kretschmer
wortgeogr. 162.
die bed. '
landstrasze',
im ahd. und asächs. bezeugt, schlieszt sich, anders als die bed. u. 2,
unmittelbar an die lat. quelle strata '
heerstrasze'
an. A@1@aa) '
landstrasze'.
diese bed. liegt in der alten lexicalischen wiedergabe von strata
und via
als strasse
vor. allerdings wurde im 12.
jh. strata
schon weitgehend synonym mit platea (
u. 2)
gebraucht (Kretschmer
wortgeogr. 496),
doch geben z. b. alle bei Diefenbach
gloss. 555
a zitierten wörterbücher strata
mit strasze
wieder, keines dagegen mit gasse (
s. u. 2);
so auch: strata viarum straza
ahd. gl. 2, 646, 62; via
wird in den ältesten wörterbüchern mit strasze
oder weg, via publica
und via regia
nur mit zusammensetzungen von strasze
wiedergegeben, s. Diefenbach
gloss. 617
a;
vgl. noch: via breyter weg, strasz, landstrasz Alberus (1540) g 4
a;
via ein weg, strasz Calepinus
XI ling. (1598) 1537
b;
seit ältester zeit: antat hie sittian fand thena heritogonan huarabe innan an them stenuuegethar thiu strata was felison gifuogid
Heliand 5462
Sievers; 'wer solz gesinde wîsen hin über lant?' sie sprâchen 'daz tuo Volkêr: dem ist hie wol bekant stîge unde strâze ...'
Nibelungenlied 1536
Lachm.; so haben wir in unsern zwingen und bennen guot straus und weg
deutscher bauernkrieg, aktenband 80
Franz; avia loca ... wäg die von der rächten straasz abziehend Frisius
dict. (1556) 143
a; gen berg gät hart auff wegen schmal, das weyte strasz layfft selbst gen thal Joh. v. Schwartzenberg
teutsch Cicero (1535) 152
c; von Plannia aus windet sich der weg in einer langen schneckenlinie den groszen berg hinan ... mich dünckt, dasz man ohne groszen aufwand die strasze in ziemlich gerader linie hinauf hätte ziehen können Seume
s. w. (1826) 2, 86; als ich durch einen wald gieng. darinnen ich unweit der straszen einen edelmann sambt seinem knecht sahe unter einem baum stehen Grimmelshausen
Simpl. 333
Keller; wartet Wilhelm ob Küsznacht neben einer holen strassen hinder einem hag desz landvogts Stumpf
Schweizerchronik (1606) 343
b; als er nuhn gen Insbrück reutet ... theilet er sich, nachtlager und proviant halber, auf zwo straszen Kirchhof
wendunmuth 2, 59
lit. ver.; wer eine ferne reise thun will, der forschet die strasse, dOerffer, flecken ... bey denen, so sie vorhin gereiset sind
wohlgeplagter priester (1695) 95; die strasze war frequenter an wanderern, als sie sonst zu seyn pflegt; die vögel sangen in den fichtenwäldern Göthe IV 23, 3
W.; es ist schwer, in Sachsen zu reisen, ohne über straszen und postwesen zu sprechen Pückler
briefw. (1873) 2, 2; die ponies ... lieszen in ihrem eifer erst nach, als sie
dicht vor Podelzig wieder an die grosze strasze kamen Fontane
ges. w. (1905) I 2, 181. — die vier straszen,
metaphorisch für die vier himmelsrichtungen, symbolisch für '
allerichtungen, überall': wirdt dann einer erkandt zu viertheilen, sol jhn der züchtiger auszführen auf freyen platz vnd seinen leib zu vier stücken machen und hernach die vier stück auf die vier strassen hencken Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) 13
a; das dem angeclagten an den vier straszen offentlich gerüeft werden soll, ob er sich im recht verantwurten wöll (1574)
weisth. 6, 327; als ihn (
den bischof) der zur bewachung desselben (
schlosses) aufgestellte beamte fragte, von was er mit den seinigen leben solle, zeigte er ihm die vier strassen ... ein name, der der sache gegeben ward, z. b. eines zolles, weggeldes, pfandes
etc. etc. war allenfalls leicht zu finden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 431; ich weise dich hinaus in die vier straszen der welt, und wo der freie wie der knecht fried und geleit hat, sollst du keines haben Uhland
dramat. dicht. (1863) 35; vier ströme brausen hinab in das feld, ihr quell, der ist ewig verborgen, sie flieszen nach allen vier straszen der welt, nach abend, nord, mittag und morgen Schiller 11, 400
G. als '
landstrasze'
ausdrücklich von der städtischen gasse
unterschieden: kaum kan von dem gewülckten reich des himmels weiszer staub abfallen, und schier baumwollengleich die strasz, flusz, gassen, plätz mit eysz und glasz gantz überweissen und besetzen Weckherlin
ged. 2, 263
lit. ver. metaphorisch: ein seestaat dagegen, dessen straszen die wellen sind E.
M. Arndt
schriften f. u. an seine lb. Deutschen (1845) 1, 479. A@1@bb)
auf die landstrasze beziehen sich in krieg und frieden mancherlei rechtliche verhältnisse: daz er den fride an im gebrochen hât ûf des rîches strauzze oder in ainem dorf
Schwabenspiegel 331
Wackernagel; dat de waterstroem und des riikes strate van en nicht gerovet noch geschynnet en werden
Brem. urk. v. 1420
bei Schiller-Lübben 4, 428; des kuninges strâze sol sîn alsô breit, daz eyn wagen deme anderen rûmen moge
Sachsenspiegel 98, 20
Eckhardt. offene, freie, gemeine strasze
öffentliche, für jedermann zum durchzug freie strasze: strata gemeyn strasz
voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 555
a; (
der schultheisz hat) ain hainweg zu unsern gutern und in das nechst dorf ... zu ainer gemeinen offnen strasz gemacht
deutscher bauernkrieg, aktenband 105
Franz; und dasz ihnen (
den juden) alle straszen offen seyn sollen, und dasz sie auch darauf aller freyheit, schirm, friedens und gnaden, es sey fried oder krieg, genieszen J. Ayrer
hist. proc. juris (1600) 537; ich will vorhero die ursach wissen, warumb du mich wilst verlassen, sonst kombst mir auf keine offene strassen Stranitzky
reyszbeschr. 4
Wiener ndr.; via publica ein offne und freye straasz Frisius
dict. (1556) 1373
b; da verklagt sie denselbigen rauber, wie er sye vf freyer strassen het wöllen berauben Pauli
schimpf u. ernst 24
lit. ver.; da kan der fremde schutz und freie strassen finden A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1019; der herr lasse uns passieren, die strassen sind ja jedermann frey zu reisen Ettner v. Eiteritz
medizin. maulaffe (1719) 64.
ebenso: denn wir (
christen) jnen (
den juden) alles gutes thun. sie leben bey uns zu hause, unter unserm schutz und schirm, brauchen land und straszen, marckt und gassen (1543) Luther
w. 53, 482
W.; in verkürzter ausdrucksweise: zum fünfften, das man den juden das geleid und strasze gantz und gar auffhebe, denn sie haben nichts auff dem lande zu schaffen ... sie sollen daheime bleiben
ebda 524.
der straszenraub spielte in alter zeit eine grosze rolle: ein rouber uf der strazze der hat ettelich mazze
kl. mhd. erz. 3
Rosenhagen; unsicher war die stras auf alle mesz und merck Hans Sachs 3, 474
Keller; die strassen seynd unsicher Kramer
dict. 2 (1702) 997
c; die unsicherheit der strassen, der offenen orte ward ärger als jemals Ranke
s. w. 1, 138; sind sie denn einen augenblick vor den ungerechten rittern sicher, die ihre unterthanen auf allen straszen anfallen Göthe I 8, 31
W.; der landesherr soll für die sicherheit der straszen
sorgen: auf das sie hynfurder lernten recht regiern, land und strassen bestellen Luther
w. 18, 394
W.; ain kng und frst fast wrt erkant ... ... wj er helt sein müntz vnd strasz auch frid vnd recht beschtzen lasz Schwarzenberg
Cicero (1535) 134; der wolff war eitel thun vnd lassen des jungen köngs, vnd nicht die strassen rein hielt Er. Alberus
fabeln 150
ndr.; einen fürsten soll man erkennen bey haltung beschehener zusag reiner strasz vnd guter müntz Zinkgref
apophthegmata (1628) 166. die strasze verlegen, belegen, legen
usw. '
gegen den feind sperren': dar umbe hât uns ûz gesant der herzoge sô gemeit. stege unde strâzenhân wir in gar verleit ze leide dem von Bernedem vürsten unverzeit
Alpharts tod 342
Martin; nun hattend die gemelten 3 hertzogen im alle strassen über das gebirg in Italiam ze reisen verlegt Tschudi
chron. Helvetic. 1 (1734) 27
a; wer, ruft er, will die strasse mir verlegen? und jagt hindurch mit eingelegtem speer Gries
Ariost (1804) 2, 7; und belegten mit vleys die strassen zu Meldorff, auf das sie niemand warnet Luther
w. 18, 237
W.; die strassen belegen, verwahren Kramer
dict. 2 (1702) 997
c; werdet jr fürsten und herrn solchen wucherern nicht die strasze legen ordenlicherweise Luther
w. 53, 524
W.; ebenso: deszhalb sie jhre fläcken, auch fürnemlich die straassen vnd pässz, so von natur rauch, haldechtig, eng vnd schwer zu wandlen waren, verschantzten unnd mit grossen starcken bäumen verpollwerckten Stumpf
Schweizerchronik (1606) 418
a; damit Alberts boten und schreiben nicht mehr ... in alle lande gehen könnten, lieszen der erzbischof von Salzburg und der bischof von Brixen alle straszen nach Italien ... bewachen Raumer
gesch. der Hohenstaufen 4 (1824) 88. —
modern elliptisch für '
motorisierter verkehr auf den überlandstraszen': ein kampf schiene gegen strasze dürfe nicht stattfinden; die eisenbahn müsse den wettbewerb von der technischen seite her aufnehmen
Berliner zeitungen a. d. j. 1950. A@1@cc)
häufig in verbindung mit angaben über das woher und wohin der strasze: all so iu uuegos lediat, bred strata ti burg
Heliand 1931
Sievers; ein wirt was da gesezzen ... der wîsete si die strâzein daz Ôsterlant gegen Mûtâren
Nibelungenlied 1269
L.; ein gemeine straasz von einem fläcken oder dorff zum anderen Frisius
dict. (1556) 1374
a; dan hiedurch die strassen auf Vlm in merckliche vnsicherheit gesetzet wurden Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 34
a; die strasse gegen eine stadt zu Kramer
dict. 2 (1702) 997
b; er fand ihn an der strasze nach Wien mit blutigem kopfe bewusztlos liegen G. Keller
ges. w. (1889) 6, 97; dasz drei wanderer ... die strasse von Reick nach Luckenbach daher kamen O. Ludwig
ges. schr. 2, 310; in der Champagne stieszen französische bataillone östlich der strasze Somm-Py-Souain vor
deutscher heeresbericht v. 9. 9. 1917. kamen zuletst ausz dem wald uff ein genge strosz, die fürt uns zuo einer schönen prucken Wickram 2, 311
Bolte; hier geht der sorgenvolle kaufmann und der leicht geschürzte pilger — der andächtge mönch, ... dem jede strasze führt ans end der welt Schiller 14, 391
G.; die strasze führte über Siebenschlosz
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 201; die offne strasze zieht sich über Steinen, doch einen kürzern weg und heimlichern kann euch mein knabe über Lowerz führen Schiller 14, 376
G.; in der gegenwärtigen umgangssprache auch diese strasse geht nach Berlin. A@1@dd)
die häufigsten verbindungen mit verben beziehen sich auf das gehen, fahren usw. auf der strasze: wan er nam urloup unde reit, unde suochte da zehant den næhsten wec den er vant, und volget einer strâze Hartmann v. Aue
Iwein 3827; dar quâmen in allen sîten die vorsten vile wîten in schiffen und an der strâzen und ritere ûzer mâzen Heinr. v. Veldeke
Eneit 344, 17
Ettmüller; so wil ich die rechten strazen durch ewern willen lazen und riten durch disen walt
mhd. erz. III 175, 79
Rosenhagen; trotz Friedrichs dringender warnung verliesz Ludwig am ausgange desselben (
dorfes) die strasze und schlug den feldweg ein
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 64; derowegen schlugen sie sich von der rechten strasze ab Chr. Weise
drei kl. leute (1675) 134. —
fest geworden ist eine strasze fahren, reiten, ziehen
usw., vgl. auch u. B 1 a: thô fuaran thia ginôza andara strâza harto îlenteze eiginemo lante Otfrid I 17, 77
Piper; Pallas vnd Juno mit beger fuhren dieselbig strasz daher Spreng
Ilias (1610) 67
a; ich rite uf acker noch uf sat, ich rite des riches strazen heizt mich riten lazen Ulrich v. Türheim
Rennewart 35219
Hübner; ussgenomen bischoff Gebhard von Costentz, der was ein andre strass gezogen gen Trient Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 47; daz ... die kurfursten zwo strassen für sich genomen haben zu ziehen, die einen uber walt bey Künigswart hinein (15.
jh.)
städtechron. 2, 36; ein wackerer edelmann, der diese strasse absichtlich zog Hippel
kreuz- und querzüge (1793) 1, 212; da lieffen jm entgegen zween besessene, die ... waren seer grimmig, also, das niemand dieselbigen strasse wandeln kund
Matth. 8, 28; ein solcher findet den weg kurtz. hingegen dünckt er einen andern, der gantz allein die gleiche strasse gehet, lang
discourse der mahlern (1721) 4, 118; man lasse sie beide ... neben einander eine strasze heran gegen den beobachter kommen Göthe II 2, 32
W.; signore è tedesco ... sagte mir einer der herren sehr freundlich. die Deutschen müssen häufig diese strasze machen; denn ich hatte noch keine sylbe gesprochen, um mich durch den accent zu verraten Seume
s. w. (1826) 2, 187. A@22)
in der stadt die zwischen den häuserreihen liegende fahr- und gehbahn. A@2@aa)
schon seit ahd. zeit neben der bed. 1)
gut bezeugt. in der wiedergabe von platea '
städtische strasze'
: platea straza (8.
jh.)
ahd. gl. 3, 2, 6;
platee strazzun
ebda 3, 124, 30;
so auch im Tatian (
s.d
β), Notker (
s. d
α;
aber ps. 54, 12
gibt Notker
platea mit gazza
wieder), Williram (
s. d
β),
in der ersten deutschen bibel (
s.d
α)
und in den wörterbüchern des 15.
und 16.
jh.: platea strasze oder geestrichter weg, gepflasterter weg
voc. theut. (
Nürnberg 1482) l 7
b;
vicus gassa;
platea strass
voc. opt. 15
Wackernagel; platea i. lata et spaciosa via ein strasse, gasz oder plan
gemma gemmarum (1508) t 4
b;
s. auch Diefenbach
gloss. 441
a s. v. platea; platea ein grosse gassz oder straasz Frisius
dict. (1556) 1010
b;
auch als wiedergabe von contracta, bei Diefenbach
gloss. 147
b.
für eine reihe von wörterbüchern bezeugt, zeigt strasze
die bedeutung '
stadtstrasze'.
sogar vicus, '
stadtviertel, dorf',
das in ahd. zeit im unterschied zu '
platea'
nur mit gazza
wiedergegeben wurde, wird in den wbb. des 16.
jh. mit strasze
glossiert: vicus eyn straes Tortellius
gemma (1495) Z 3
b;
vicus ein strasz oder gasz
gemma gemm. (1508) E 1
b;
vicus strate (
in anderen vocabularien gasse, platz, dorf, weiler
u. a.)
bei Diefenbach
gloss. 618
b; 381
b;
vicus ein straete, gasse
gemma gemm. (
Köln 1512) Z 6
d; eine strate effte rege hüser na einander liggende
vicus Chyträus
nomencl. latinosax. (1585) 65.
ebenso die wiedergabe von '
pagus' '
dorf'
durch strasze:
pagus strode
voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 405
c;
vgl. auch: strasse, gasse
platea, strata; pagus idem oder weyler oder dorff
voc. theut. (
Nürnberg 1482) ff 4
a.
auch die wiedergabe von '
forum'
durch strasze
im Tatian (
u. d
β)
beruht auf der bed. '
städtische strasse'. A@2@bb)
das verhältnis zu gasse.
früher wurde die städtische strasze als gasse
bezeichnet, so noch in den alten hd. quellen. das einheimische gasse
ist dann durch das lehnwort strasze
weit verdrängt worden, vgl. darüber teil 4, 1, 1436
ff. in Süddeutschland und Österreich steht heute gasse '
stadtstrasze'
im unterschied zu strasze '
landstrasse'
; einigermaszen uneingeschränkte geltung hat aber gasse
auch in dieser bed. nur noch in Österreich; vgl. Kretschmer
wortgeogr. 492.
im nd. fehlt gasse
schon zu beginn der schriftlichen überlieferung völlig, s. teil 4, 1, 1436;
daher auch kleine strasze
im sinne des hd. gasse:
plateae wyde straten;
angiportus ein klein enge strate Chyträus
nomencl. latinosax. (1585) 65;
contracta eyn cleyne strate
voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 147
b. A@2@b@aα)
wenige alte zeugnisse zeigen eine unterscheidung von strasze '
durch die häuserreihen führender fahrweg, marschweg'
gegenüber gasse '
der raum zwischen den einander gegenüberliegenden häuserreihen einschlieszlich der erker, vorspringenden dächer und mauern'
; während gasse
die häuserfronten mit einbegreift, ist die strasze
nur ein teil der gasse.
dieser wortgebrauch kommt der ursprünglichen bed. beider wörter sehr nahe; vielleicht ist er älter und verbreiteter, als die zeugnisse erkennen lassen, vgl. auch teil 4, 1, 1439
ff.: ûf der strâze an allen sîten, dâ der werde solde rîten, golt, silber mangen tiuren stein mit liehtem blicke dô erschein, und alle gazzen wârn behangen mit rîchen tuochen langen Ulrich von Eschenbach
Alexander 14479
Toischer; diu vordren tor in der gazzen bergeshalben, dâ man in den zwein vrîen jârmärkten aller leie gewant und krâmen veile hât, daz nieman sîn vordrez tor her ûz in die strâzen über die nuosche (
rinne) weder mit gewant noch mit ander ihtiu verslahen oder verschrenken noch vermachen sol
stadtrecht von Meran § 19
Pfeiffer; und sol ein keller eins geleyterten wagen wiszbaum nemmen auf ein rosz, und sol das rosz in miten in der straasz führen und den wiszbaum mitten auf dem rosz han, und sol also durch das dorf fahren all gassen ausz, und was der wagenwiszbaum erregen mag, das mag man abhauen mit recht
weisth. 1, 256; so was in dem klein geszlein, das gen der klein Reut geet, ein umbgeender gatter über die strosz, den man verspert mit einem gutten mahelslosz Tucher
Nürnb. baumeisterb. 214
lit. ver.; auf der strosz gen dem Schoppershoffe was an der gassen auf dem eck ... ein htheuslein, darinnen auch stetigs schutzen waren, und hetten ein umbgeenden gatter über die strosz
ebda. 214, 20.
diesem wortgebrauch entspricht die wiedergabe von vicus '
stadtviertel'
mit gasse
im unterschied zu strasse:
vicus gassa;
platea strasz
voc. opt. 15
b Wackernagel; platea ein strasze
in urbibus; vicus ein gasse Trochus
voc. (1517) J 4
a;
vgl. auch: vicus ein gasz,
quia in eo vie sunt. platea ein grosz gasz do die landtstras gat Brack
voc. rerum (1489) e 1
a.
in Mainz, Riga und in Österreich, besonders Wien, entspricht diesem alten wortgebrauch heute die unterscheidung von gasse '
die ganze stadtstrasse'
gegenüber strasze '
fahrdamm',
z. b. über die strasze gehen '
den fahrðamm überschreiten',
s. Kretschmer
wortgeogr. 162
ff. A@2@b@bβ) strasze
und gasse
stehen seit mhd. zeit sowohl in literarischen wie profanen texten ohne derartige reale unterscheidung (
wie o. α)
nebeneinander. in wiedergabe von '
in plateas et vicos civitatis'
Luc. 14, 21: gee ausz schier in die gassen vnd in die strassen der stat
erste deutsche bibel 1, 276
Kurrelmeyer; die breitere, bedeutendere strasze
von der schmaleren, kleineren gasse
unterschieden: si accederet (
Caesar) etiam Coloniensis, Trevirensis et Moguntinus, tum desineret ea ora appellari die pfaffen gasz; es wurdt die keisers strasz heissen Joh. Mathesius
bei Luther
tischr. 4, 570
W.; do sloch men de trummen yn allen gatzen, so gar yn allen straten Liliencron
hist. volksl. 3, 608
b;
so auch heute in der schriftsprache empfunden: sie wagte sich kaum mehr in die straszen und gassen hinein B. Uhse
leutnant Bertram (1947) 217. —
plur. straszen und gassen
meist formelhaft im sinne von '
überall',
vgl. u. B 3 d: seht, da horter und vernam in gazzen unde in strazen von clage al solch gelazen Gottfried von Straszburg
Tristan 6021
R.; ich geschweig der procession ... da sie jhre crucifix durch alle straszen und gassen führen Fischart
binenkorb (1588) 165
a; wer ist, der ... sich um lieder des volks bekümmre? auf strassen, und gassen und fischmärkten? Herder 5, 189
S.; sie sollen auch auf gass' und straszen die leute sonst in ruhe lassen Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 112; vorwärts! ... durch felder und wälder, durch straszen und gassen Hoffmann v. Fallersleben
ges. w. (1890) 6, 43;
in völliger synonymität; de strate offte de gasse de dar hette Aripagus
Lübecker passional bei Schiller-Lübben 2, 16; ein jeder, der ein keller under erden an gemeine straszen oder gassen ... bawen will, der mag kellershäls ... gegen der straszen oder gassen ... machen
würtemberg. bauordn. (1654) 55; zwien hoeff, da haben die vogtherrn nichts zu gepieten, wan sich die hoiffleude uff iren hoefen halden. aber wan sie sich miszbrauchen (
sich vergehn) zu gaszen und straszen, sollen sie abtragen
weisth. 2, 524; die bettler auf der strassen und gassen können dise kunst Veit Dietrich
bei Luther
w. 52, 169
W.; die ihre kinder ... aussm hause stoszen und sie lassen umbher betteln gehen und die leute auff der gassen und strassen verdriesslicher weise anlauffen Prätorius
saturnalia (1663) 341; wenn ich des abends auff der gassen geh, des abends auf der strassen
Venusgärtlein 40
ndr.; der reiter auf die gassen trat, er trat wol auf die straszen Uhland
volksl. (1844) 247. A@2@cc)
in ständig zunehmender anwendung, entsprechend der entwicklung städtischen lebens: in der stat al die strâzen wârn mit tepich bereit Ulrich von Eschenbach
Alexander 14490
Toischer; (
die aufständischen) haben auch dieselb nacht bis in 400 stark den markt und strassn verscart und verwacht
deutscher bauernkrieg, aktenb. 329
b Franz; hab ich den markt und die straszen doch nie so einsam gesehen! ist doch die stadt wie gekehrt! Göthe I 50, 189
W.; markt und strassen stehn verlassen, still erleuchtet jedes haus Eichendorff
s. w. (1864) 1, 603; dasjenige haus sambt dem poden, daran stosst zu zwayen seüthen die strassen (1319) Brandis
gesch. d. landeshauptl. v. Tirol. 39; ich möchte doch unsre schöne gegend nicht an die stadt vertauschen, wo man so viele strassen vorbeylaufen muss Gessner
schr. (1777) 2, 122; die straszen der hauptstadt Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 7; binnen zwei stunden war die stadt erobert. alle strassen waren festlich erleuchtet, als die kaiserlichen ... einrückten Ranke
s. w. (1867) 2, 194; reinliche, breite straszen durchschneiden die obere oder neustadt Immermann
w. 1, 18
Boxb.; der schauplatz stellte eine ziemlich enge strasze vor, in welcher einige hin und wieder zerstreute lampen das düster der nacht schier mehr zeigten, als erleuchteten Meissner
skizzen (1778) 1, 53; die dächer friszt der brand, der strassen boden glühet Pietsch
geb. schr. (1740) 15; freundlich deutet mir eine spinnerin die strasze, sie bezeichnet mir das haus Göthe I 10, 233
W.; du darfst nur nach dem namen einer strasze fragen, so streckt, der dir die antwort gab, die hand nach einer belohnung aus
schr. u. denkw. (1892) 5, 23; vor dem hause, welches sie einige strassen von dem unseren entfernt bewohnte, standen granitne pfeilersteine Storm
s. w. 1 (1898) 62; schnäuzte sich, dass man es drei strassen weit hörte W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 157; es ist nicht durchzukommen. alle straszen sind von menschen vollgedrängt, zu rosz und wagen. laszt uns hieher an diese häuser treten Schiller 13, 293
G.; aus niedriger häuser dumpfen gemächern, aus handwerks- und gewerbes-banden, aus dem druck von giebeln und dächern, aus der straszen quetschender enge, aus der kirchen ehrwürdiger nacht sind sie alle ans licht gebracht Göthe I 14, 50
W.; ... gegen über sind fenster, die auf die strasse gehn H. L. Wagner
theaterst. (1779) 63; mitunter gönnte sie sich einen stillstand in der arbeit und sah dann auf die strasze hinunter, wo jenseits des pferdebahngeleises ein ... kinderwagen hielt Fontane
ges. w. (1905) I 5 4; als ich geräusch von der strasze herauf hörte Holtei
erz. schr. (1861) 2, 51; der nichtswürdige, der mich mit der geheimniszvollsten miene aus einer strasze in die andre, aus einem winkel in den andern führte Lessing 2, 339
L.-M.; sie schritt ... mutig mit ihrer beute von strasze zu strasze und war dem tore nah H. v. Kleist
w. 3, 300
E. Schmidt. A@2@dd)
in ortsangaben wird strasze
mit bestimmten präpositionen zu festen wendungen verbunden. A@2@d@aα)
in verbindung mit an
und auf.
die wendung an der strasze '
auf der strasze'
in der bed. '
stadtstrasze'
ist seit dem ahd. bis ins älter nhd. geläufig, in junger sprache aber selten, und dann nur im sinne von '
am rand der strasze': also daz horo an dero strâzo fertîligon ich siê
ut lutum platearum delebo eos Notker 2, 55
Piper; ez schol auch nieman kain haut schinten an der straze, ane an der leder gassen oder an der ircher gasse
Nürnberger polizeiordn. 157
lit. ver.; zu Meiland in der stat da sassen die frowen an der straussen vnd spunnen
summerteil d. heyl. leb. (1472) 23
b; und sy legten die siechen, wo er eingienge in die gassen oder in die dörffer oder in die stette an den straszen (
in vicos vel in villas aut civitates, in plateis ponebant infirmos Marc. 6, 56)
erste deutsche bibel 1, 145
Kurrelmeyer; in weliche statt ir kummen werdend, und man üch nit annimmt ... gond widerum an die strasz und sprechend Zwingli
dt. schr. 1, 37
Sch.; vnd ob wol meines vatters hausz war an der strassen nit zugegn, sondern abwegs darvon entlegn Spreng
Äneis (1610) 29
b; sie haben mir den rat gegeben, das haus mit dem magazin an die strasze zu stellen und mit dem hinterhaus zu verbinden W. Sommer
gesch. a. d. kleinleben (1894) 357.
dagegen ist auf der strasze
die bis heute gebräuchliche verbindung: (
wenn junge mädchen) sich schemen unnd nicht umme sehen, so sie uff der strassin hin gehen Joh. Rothe
lob d. keuschh. 402
N.; sölichs ze erfaren hub ich an die statt ze durchgeen .. in dem siche ich ain fröwen gegen mir geen vnd als vil ich vf der strasse erkennen mocht jung vnd ryche Niclas von Wyle
translat. 253
Keller; wurden sie durch einen lärm geweckt, welcher auf der strasze entstand Göthe I 21, 15
W.; oft ging er mir auf der strasze nach und frug mich, ob ich denn nicht mit ihm näher bekannt werden wolle (3. 3. 1834) Pückler
briefw. u. tageb. 1, 215
Assing; sie hatten beide sich in ihre mäntel eingehüllet, wie in
rom die weise ist, wann man will auf die strasse gehen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 237; musicanten ..., die des nachts auf die strasze ziehn, um vor den häusern etwas zu ersingen S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 330; ich möchte um alles nicht ihnen auf der strasze in Darmstadt begegnen L. Schücking
briefe 53
Muschler. A@2@d@bβ)
die verbindungen mit in
und durch
sind nur in der bedeutung '
städtische strasze'
möglich, da sie sich auf den raum zwischen den häuserreihen beziehen; in der strasze
seit ältester bis in die jüngste zeit: gilih ist knehtun sizenten in strazu (
similis est pueris sedentibus in foro)
Tatian 64, 12; nu uuil ih ûfstên unte uuil in sûochan after dero burg in gazzon unte in strâzon (
per uicos et plateas) Williram
hohes lied 48, 4
Seem.; nû sâhen sî wâ vor in lac ein burc ûf ter strâze ... diu burc stuont besunder, und ein market drunder: dâ kômen sî ingeriten. do enpfiengen sî mit unsiten al die in den strâzen stuonden unde sâzen Hartmann v. Aue
Iwein 6089; ez sol nieman ... bî tage noch bî naht keinen harn noch hûspaht ... in die strâze niht werfen noch tragen, heimlich noch offenlich
Meraner stadtr. § 12
Pfeiffer; wie Jullia ... über den todten leib jres vatters inn der strassen ligende, mit vnstimmigkeyt den fuormann trang zuo faren Carbach
Livius (1551) 19
a; dort kam ich in eine strasse, namens La Debauche Moscherosch
ges. (1650) 1, 49; wie kommen wir denn grad in diese strasze? Göthe I 9, 172
W.; zwey grosse familien dieses nachtlermens wegen die nachbarschaft verliessen, und in eine andere strasse zogen
Leipz. aventurieur (1756) 1, 184; eine sehr unruhige strasze worin wir wohnen Schiller
briefe 6, 247
Jonas; hier steht von ihm, der ewigkeit heilig, der brunnen in der strasse Grenelle Sturz
schr. (1779) 1, 49; bei Degebrodt in der Leipziger strasze Fontane
ges. w. (1905) I 4 302; ich wohne nicht mehr mit Reichel, aber in derselben strasze, ihm gegenüber Herwegh
br. (1896) 16; mehr und mehr verbraust das ... gewühl ... in den straszen E. T. A. Hoffmann
s. w. 10, 15
Gr. — durch die strasze
erst in junger zeit: er lief und schrie durch die straszen Göthe I 44, 26
W.; wenn er still ... durch die strasze ging Scherer
kl. schr. 1, 113; dann solltest du ... mit vier pferden durch die strasen dahinrasseln Schiller 2, 60
G.; ein langgedehnter grabgesang hallte durch die straszen Bettine
Brentanos frühlingskranz (1844) 128; bald verbreitete dann ... durch alle strassen sich der ruf, dasz ein neuer mahler erschienen Herder 27, 52
S.; bis an den morgen durchirrte ich die einsamen strassen Kotzebue
s. dram. w. (1827) 2, 66; unbeschäftigte arbeiter durchzogen ... die straszen Ranke
s. w. 40/41 (1877) 256;
nur vereinzelt früher bezeugt: ein strasz hindurch gehen
transire plateam Henisch (1616) 1432. A@2@d@gγ)
charakteristisch für die bedeutung '
städtische strasze'
sind auch die wendungen: über die strasze gehen
transire per plateas Stieler
stammb. (1691) 2196; nicht über die strasse können wir gehn allein ... ohne dass die lästerzungen auf uns stechen Heinse
s. w. 4, 129
Schüddek.; das die schwache kindtbetterin yetz da her solt über die straasz gefürt werden Boltz
Terenz (1539) 108
a.
in der modernen umgangssprache die strasze hinauf, hinunter gehen, herauf, herunter kommen: sie gehet auff und nieder, die eine strass' hinauf, die ander kommt sie wieder, durchsucht ein jeglichs hauss Rachel
sat. ged. 19
ndr.; ein befreundeter briefbote, der gerade die strasze herauf kam Fontane
ges. w. (1905) I 5 4; als er einige straszen auf- und abgegangen war Göthe I 21, 103
W.; schön schwarze tinte verkauf' ich! rief ein bübchen gar hell straszen hinauf und hinab Mörike
ges. schr. 1, 95
Göschen; die schritte des polizisten, der die strasze hinunterging B. Uhse
leutnant Bertram (1947) 201;
ähnlich: in dem augenblick hörten wir ein posthorn sehr angenehm die strasze herauf Göthe I 25, 1, 201
W. BB.
übertragene und bildhafte anwendungen. B@11)
redewendungen, deren bildhaftigkeit sich auf das bereisen der landstrasze (A 1)
bezieht. B@1@aa)
verbalverbindungen im allgemeinen sinn von '
weitergehen, fortgehen',
unter aufgabe der eigentlichen vorstellung der landstrasze. jemand fährt, reitet, geht
usw. seine strasze,
auch seiner straszen;
im gleichen sinne heute seiner wege gehen;
seit mhd. zeit: ode vart iuwer strâze mit guotem heile Hartmann v. Aue
Iwein 832; ich far dahin mein strasse von dir vff gten won
liederb. der Clara Hätzlerin 86
Haltaus; si autem nolueris obedire et pati, szo far deyn strasz Luther
w. 34, 1, 338
W; contendere iter constitutum ernstlichen darvon gon, sein straasz faren Frisius
dict. (1556) 319
a; ade, fahr deine strassen, du schnöd- und böse welt Spee
güld. tugendb. (1649) 253; und (
die seefahrenden mit ihrem schiff) fuoren also ir strasz
Fortunatus 81
ndr.; sus reit der werde degen balt sîn rehte strâze ûz einem walt mit sîme gezog durch einen grunt Wolfram von Eschenbach
Parzival 339, 16; unde reden ere straten (15.
jh.) Herm. Korner
chron. bei Schiller-Lübben 4, 427; wenn du nun reisest deine stras zum musterplatz, das mausen las Ringwaldt
lauter warh. (1597) 12; o bfüat di got, o kleines kind mir reisen unsre straszen Hartmann
volksschausp. (1880) 97, 266;
tu abi tacitus viam tuam gang dein straasz ... faar dein weg Frisius
dict. (1556) 5
a; der ensol der mensche nut achten ... so mus er sine strosse gon mit schanden und mit lidiger hant Tauler
pred. 218, 8
V.; der bub (
im palast) bracht ein liecht, vnd gieng wider sein strass
buch d. liebe (1587) 217
c; volgends ein jeder gieng sein strassen, fürst Aiax zu den Griechen kam, deszgleichen Hector lobesam tratt hin zu der Troyaner schar Spreng
Ilias (1610) 89
b; nun lassen wir ihn hie schlaffen, und gehn all heim unser strassen Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 1, 117; da er nun seine strasze ging, dacht er: ich machte mich zu gering Göthe I 16, 114
W.; geh' du deine strasze: ich will die meine gehen Spielhagen
s. w. 2 (1872) 97; und (
wollen) uns dan heben unser strasz, dasz man mer leut zu euch herein lasz
fastnachtsp. 167
Keller seiner strasse wandern Kramer
dict. 2 (1702) 997
c; wir marschirten bald arm an arm in dulci jubilo unter singen und schäckern unsre strasse Bräker
s. schr. (1789) 1, 243; dunckt Eulenspiegel wolgerahten, dasz er sich troll mit seinem braten, nam zu der herberg seine straasz Fischart
w. 2, 281
Hauffen; dasz er heint komb, wenn es drey schlag, zur hintern thür richtig sein strass H. Sachs 17, 9
lit. ver.; darumb so merckend, dasz die leber nichts an sich zeucht, dann das sein, das ist das jenige so vom nutriment ist, vnnd das so vberbleibt, das laufft sein strassen für Paracelsus
opera (1616) 1, 56
Huser, vgl. u. B 2 c; do sê dô los quam ut deme gate, do was Reinke al wech sîne strâte
Reineke de vos 1162
Schröder. in der gehobenen sprache junger zeit hat sich seine strasse ziehen
besonders fest erhalten: so stehet jr morgens fre auff, und ziehet ewr strasse
Mos. 19, 2; der bawr thet ein seufftzer lassen, zog traurig wider seine strassen Sandrub
hist. u. poet. kurzw. 10
ndr.; nehmt, was ihr findet, und laszt mich nur ruhig meine strasse ziehn Bräker
s. schr. (1789) 1, 52; des übermuthes rächer hattest du das ufer zweier meere schon gesichert, der wanderer zog seine strasze frei Schiller 15, 55
G.; mit dem grauenden morgen zog ich meine strasze Schubart
leben u. gesinn. (1791) 2, 65; ich ziehe rüstig meiner straszen, es giebt mir niemand das geleit Uhland
ged. (1898) 1, 49
E. Schmidt; die wendung jemand geht, zieht
usw. die, eine strasze,
ohne das possessivpronomen, steht manchmal der eigentlichen vorstellung näher, verharrt jedoch immer im allgemeineren, abstracten sinn '
einen weg gehen, einschlagen': z allen er (
Christus) wol sprechen mag, ir lut, die die strAvss gAvnt, merkend eben und verstand Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 150; etwann gibt sich, dasz solch stern alle nacht gehndt ein strasz und ein zeit und zu morgennachts wider hinden stehn uud wider gehnd Paracelsus
op. (1616) 2, 34
Huser; darnach sein widerum auch etliche haasen, welche gar seltzame strasse vnd wege zu lauffen pflegen: darum mögen die hunde auch auff keyne spur weiters kommen Sebiz
feldbau (1579) 595; stellte seinem pferde frey zu gehen, was strasse es wolte Bastel v.
d. Sohle
don Kichote (1648) 25; kommt flink und wohlgemuth ein lustiger gesell die strasze hergezogen Schiller 11, 21
G.; kein pilgrim, keine botschaft ... könne die strasse ziehn Ranke
s. w. (1867) 1, 145; der mond zieht unbetretne straszen Joh. Ad. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 65.
ähnliche redensarten sind aus der strasze fahren, gehen '
aus der richtung gehen, vom wege abweichen': aber darnach sind dreyn gefallen (
in die weissagungskunst) die sew und grobe kopff, wie yn allen künsten und leren geschicht, haben tzu weyt aus der strasze gefarn und dieselbige edle kunst vormischt mit keuckeln und tzawbern Luther
w. 10, 1, 1, 561
W.; wie fern die ausz der strassen gangen sind, die gutte werck haben gepunden an steyn, holtz, kleyder, essen, trincken
ebda. 74; item 'corpus' sol nicht bedeutten 'beider gestalt', wie sie itzunder die wordt martern vnd von der straszen gerne wolten mit dem hellen texte A. Lauterbach
bei Luther
tischreden 5, 653
W. '
abseits vom üblichen wege': er nahm ein heimlich nebenweib, ausz dem er ohn gefehr ein töchterlein erzeugt, so längst der strassen her W. Scherffer
bei Drechsler 254. auf die strasze kommen
in stärkster verallgemeinerung '
hinaus gelangen',
vgl. die entwicklung von strasze A 2
zu '
öffentlicher ort' (
sp. 887): auf die weysze mocht eyn furst sagen, wenn seyn botschafft abgeferttigt an seynem hoff und hinnausz auf die strasz kummen ist: die botschafft ist dahyn, zu dem oder dem, so sie doch noch nit gar dahyn ist Luther
w. 10, 1, 1, 23
W. B@1@bb)
in anderen verbindungen ist strasze
zum sinn von '
reise'
verallgemeinert und verblaszt, im mhd. und älter nhd.; sich auf die strasze machen, rüsten, lassen '
auf die reise gehen'
: committere se viae sich auf den wäg lassen, sich auf d'straasz machen Frisius
dict. (1556) 1374
a; (
die knaben haben) sich mit dem creutz bezeichnet vnd auf die strass gemacht, das gelobte land zugewünnen Stumpf
Schweizerchronik (1606) 254
b; dasz sie sich nichts verhindern lasz, sonder sich balt mach auf die strasz vnd nach Franckfurt reisz an den Main J. Ayrer
dramen 1, 643
Keller; Milo ist ... uszgevaren. angesehen das er mit siner gemahel in einem schlitten vngewapnet und gantz nit gerüst sich uf die strass gelassen. und da Clodius des bericht ward ... zu rosz Miloni begegnot in der gassen dadurch Milo fuor ... so het er fuoglicher zu sinen geschefften ander weg mögen bruchen Riederer
rhetoric (1493) C 6
a; wurd bald reysen zu uns herab wider in das land Canaan ... er rüstet sich schon auf die strasz H. Sachs 1, 104
lit. ver. auf die reise bereit sein
usw. '
für die reise'
: viaticum ut dem auf daz ich dir die zerung auf die straasz oder reysz verschaffte Frisius
dict. (1556) 2
b; ich kan nicht mit dir heut noch morgen, wil abr dieweil dein hausz versorgen. wenn du bist auff die strasz bereit, bisz zu dem thor ich dich beleit H. Sachs 6, 158
lit. ver.; der gab mir ein artiges reisgeldlin und gottes geleit auf die strasse Bräker
s. schr. (1789) 1, 84. auf der strasze '
unterwegs',
vgl. in derselben bedeutung lat. '
in via': dô si ûf der strâze wâren, die stolzen ritter vrœlîchen sungen
Kudrun 1696, 4
Symons; und der eltest gieng siner kouffmanschafft nach in ein statt ... und uf der strasz kam er in ein engen weg, der vast tief und unsuber was
buch d. beisp. 56
lit. ver.; der papst so auf der straasz war persönlich in Meyland zureisen, hort diesen verlurst Stumpf
Schweizerchronik (1606) 92
a; dero zit wolt keiser Heinrich ... gen Utrich faren, ... da ward er uf der strass krank Tschudi
chron. Helveticum (1734-36) 1, 60.
noch stärker von der eigentlichen bedeutung losgelöst: doch so ir yetz sindt kummen here, so wil ich lgen, was ich kan, das nit sy vmb sunst gethan ein solche wytte reisz und strasz Murner
narrenbeschwör. 131
ndr.; so mundartlich: eine strasze machen '
eine reise antreten' Fischer
schwäb. 5, 1828.
im mhd. ist neben der bedeutung '
reise'
der zusammenhang mit der eigentlichen bedeutung meist noch erhalten: ern rîte ûz mit dem degene balt. Gâwâns strâze ûf einen walt gienc Wolfram von Eschenbach
Parzival 397, 26; diu (vrouwe) was ûz der stat geborn; vür die sîn strâze rehte gienc, als er den burcwec gevienc Hartmann von Aue
Iwein 6128. B@1@cc)
verbindungen im sinne von '
durchlasz gewähren, schaffen, sperren',
ausgehend von dem sperren der straszen (
o. A 1 b),
im mhd. noch eng an die eigentliche vorstellung angelehnt: ich füer sô kreftigez her ... unt jene die si besâzen müesen rûmen mir die strâzen Wolfram von Eschenbach
Parzival 768, 4; darumb reuspert sich der herr auff der gassen, dz man an die schlapp greiff vnd weich ausz der strassen Fischart
Garg. 63
ndr.; dare viam alicui per fundum suum eim die straazs durch sein guot offen lassen Frisius
dict. (1556) 1374
a; (
der) weg den du zeugest ... ist aber gantz gestellet in den willen des königs Philippi, dann wo er ... will, werden wir haben die strasz, liuerung unnd füterung, und alles das eyn heer auf eynem langen wege erneret oder helffen mag Carbach
Livius (1551) 334
a;
mundartlich: laat mi free straat
lasz mich in frieden Mensing
schlesw.-holst. 4, 875; im selbs mit gwalt ein straasz machen
aperire iter ferro Maaler (1561) 391
c; eine klare helleuchtende seul (
hat) ... den kindern Israel in der barbarischen wilden wüsten weg und strassen gemacht Dannhawer
catech. (1657) 1, 23; also verdampten sie meinen artickel nicht darumb, das er dem türckischen krieg weret, sondern das er solch helekepplin abreis und dem geld gen Rom die strasse legt Luther
w. 30, 2, 110
W.; die weil dan bischoff und geistlich prelaten hie stil stehen, nit weren odder sich forchten ... sollen wir ... den kortisanen und römischen briefftreger die strasz nider legen
ebda 6, 257; (
die seele) ist von natur geneigt uf schedlich wollust, darumb vertorne ich yr die strassen und besteck yr alle lucken mit widerwertigkeit
der ew. wiszheit betbüchl. (1518) 30
a; dann kömmt so eine schnatterbüchse uns quer in die strasse Bräker
s. schr. (1789) 2, 125; dessen weg ... fortgeht, ohne irgend jemandes straasze zu durchschneiden! Knigge
rom. m. lebens (1781) 1, 10; zu dem weiszen hirschen, der beständig rennt, ohne dasz ein pirschen seine strasze hemmt, eile dieses blättchen Göthe I 4, 236
W. B@22)
ein besonderer anwendungsbereich entsteht aus der übertragung des wortes auf leben, tun und vorgehen des menschen, auf grund der vorstellung, dasz die strasze
zu einem ziel führt, wie A 1 c;
dafür heute überwiegend weg, lebensweg. B@2@aa) '
weg, lebensart, richtung': wan alse vil daz minne zwei herze dar inne von ir straze hæte braht Gottfried v. Straszburg
Tristan 11879
R.; wee den zwifachen hertzen, die auff zweien strassen gehen Heyden
Plinius (1565) 249; also hielt sie im ir zusag etwan biss an den dritten tag, do gieng sie wider ir alte strass (
setzte die buhlerei fort) H. Sachs 9, 371
lit. ver.; laszt mich die männer billich hassn, auch fliehen jhre weg vnd strassn Spreng
Äneis (1610) 26
a; ich musz in dieselbe bahn eingehen, und in derselben strasse wandeln, als ein pilgram J. Böhme
v. d. menschwerd. Jesu Christi (1682) 152; jezt hatt ich eine strasze nur zu wandeln, das unstät schwanke sehnen war gebunden, dem leben war sein inhalt ausgefunden Schiller 14, 42
G. jemanden seine strasze führen '
beeinflussen, in eine richtung bringen': was ein tochter desz fürsten Zur, der unverschempt sie fürt sein strasz H. Sachs 1, 196
lit. ver.; was wettet ihr? den sollt ihr noch verlieren, wenn ihr mir die erlaubnisz gebt, ihn meine strasze sacht zu führen Göthe I 14, 22
W.; er stecket jn ring durch die nasen vnd führt sie, wie er will, ein strassen, ja führt sie an ein solches end, da sie der stoltz geyst ewig schändt Fischart
s. dicht. 2, 382
Kurz. in verbindung mit attributen ist die eigentliche vorstellung der landstrasze deutlicher: die welt an allen orten kracht, vnd sich die weh vnd grosse plagn sampt vielen wunderzeichen jagn, die vns vermanend von der ban der breiten strassen abzulan Ringwaldt
laut. warh. (1588) 8; folg an meinem wanderstabe treugesinnt nur meinem herrn; lasse stille die andern breite, lichte volle strassen wandern Novalis
schr. (1907) 1, 69
M.; der weg zu gottes schoosz führt an tausend abgründen vorüber, und wer dies weisz, dem ist nicht zu vergeben, wenn er von der geoffenbarten sicheren strasze abweicht H. Laube
ges. schr. 2 (1876) 125; auf einer harten ungebahnten strasze wurde Elias durch das leben geführt Hegner
ges. schr. (1828) 1, 318; aber muth genug must du haben, eine finstre strasze zu wandeln Schiller 3, 475
G. die mittlere, mittelste strasze,
vgl. mittelstrasze (
teil 6, 2410): alle stîg niur varn lâz, die da vüerent ûf und abe, und besunderlich dich habe nâch mittern strâzen guot Heinrich der Teichner 62
Karajan; die sicherste strasse ist die mittelste Friedrich Wilhelm
sprichw. (1577) B 1
a; hier gilt mein motto: mittelmaasz die beste strasz Jung-Stilling
s. schr. 6 (1837) 40.
in fester anwendung die rechte strasze '
der richtige weg, die richtige weise',
vgl. o. A 1 a: die werlt hat er verlazen und ist an rechter strazen
mhd. erz. III
nr. 105, 56
Rosenhagen; das ist nicht der rechte weg und strasse, das man zu mir (
gott) kome, da wird nichts aus, wen jr euch schon zu tode fraget Luther
w. 33, 126
W.; das er von sünden abelas, vnd folge mir auf rechter stras Krüger
anf. u. ende d. welt (1580) C 5
b; und
siie werden) zu der tugent jederman weisen die rechte strasz und bann Spreng
Äneis (1610) 8
b; in der rechten strasse bleiben Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 997
c; die ihr im urtheilen die rechte strasse brauchen wollet, bemühet euch den character jedes alten wohl zu erkennen Bodmer
crit. schr. (1741) 1, 57.
in noch stärkerer abstraktion, im sinne von '
in rechter weise',
vgl. u. d: alsus bezugete an im got, daz er sin heiligez gebot predigete ûf rechter strâze
passional 39
K. mit nur vorauszusetzendem attribut, im sinne von 'vom rechten wege ablenken': o wehe uns pfaffen ... was predigen wyr? was leren wyr? wie füren wyr das arm volck von der strass Luther
w. 10, 1, 1, 37
W. B@2@bb)
mit angabe des ziels, so die strasze zu etwas: und Christus zeigt mit worten streng, di strass zur höllen, brait und geng Schwarzenberg
Cicero (1535) 30; ut omnes, qui credunt in eum habent die strassen ad vitam Luther
w. 34, 1, 498
W.; du bist leben, warhait unnd strasz zu dem ewigen leben Hans Sachs 22, 102
lit. ver.; so bald ein mensch gebohren, so ist er schon auf der strassen zum tod Lehman
floril. polit. (1662) 2, 767; wir werden ihm auf dieser strasze zur freyheit bald folgen Chr. Weise
pol. redner (1677) 519; (
er) fand in dem beyfalle der gelehrten eine sicherere strasse zum ruhme, als seine stolzen vorfahren Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 133; so gewisz möge Kalkagno den weg zum himmel ausfindig machen, als dieses sein schwerd die strasze zu Dorias leben Schiller 3, 40
G.; die ainfalt ist die strasz zum paradeisz Albertinus
zeitkürtzer (1603) 92; wie die liebe einen unterscheid kennet und sich gleichsam in zwo strassen theilet, deren eine zur tugend, die andere aber zur unreinigkeit und lastern leitet Ziegler
asiat. Banise (1689) 115; ist das eine erziehung? nein, das ist ein gräuel, ein führen zum abgrunde, eine strasse zum verderben Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 252; freier literat! das ist die grade strasze zum bettelstabe! A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 522
Schulte-K. ebenso in verbindung mit in: nunmehr schwinget er die fahnen seines sieges über euch und wil uns die strasse bahnen aus dem grab ins himmelreich Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 85. B@2@cc)
in verbindung mit einem genitiv der beziehung, als bezeichnung der kraft, person usw., welche richtung und art des '
weges',
daneben auch des zieles, bestimmt: also es vuget sich ... daz ich des himels straze in wisete in rehter maze
väterbuch 24937
Reissenberger; ez gênt des tôdes strâze die pfaffen sam die leien hin
Seifried Helbling 92
Seemüller; will ich die strasze des todes wandern Mastalier
ged. (1774) 138; ich bin gewandert durch diu lant, war umbe ist daz? daz ich die meisterkünste lernet deste baz daz ich si bræhte ûf rehter sinne strâzen
Kolmarer meisterl. 203, 3
Bartsch; nu vort der tugende straze bewyset den wec, di maze, diz kumphftigen ufirstendes
Hiob 5487
Karsten; der tugent strasz ist streng vnd hart, langweilig und trawriger arth Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, P 2
b; niemandt wil die richtige gemeyne strasz gotlicher gebot wandeln Luther
w. 6, 438
W.; (ihr) wollt von der boszheit straszen euch gar nicht wenden lassen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 399
b; (
jeder) wirde derhalben sich gänzlich eh auf die ebene, lustige waid vnd plumreiche strasen des vnehlichen vnverfangenen stands begeben, wann er nicht das ende vnd den zweck eines jeden wegs erwigte Fischart
w. 3, 206
H.; Paula klaget, dass die strasse dieser welt sey gar zu breit Logau
s. sinnged. 663
Eitner. '
der von Luther gelehrte, geforderte, begangene weg': welche nit bleyben seind auff Luthers bau und strass Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 275
ndr. ebenso in verbindung mit einem possessivpronomen: furht die helle unde mide ir straze an trinken und an vrazze. volge der gotes lere
cod. pal. germ. 341, 21
Rosenhagen; o herr, warumb hastu uns irrig geen gemacht von deiner strass, du hast unser hertz erherttent, domit wir dich nit fürchten Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 254
R.; deine strassen mich ler', o her, lait mich uf rechter ban Schede
psalmen 98
ndr. B@2@dd)
in besonders weitgehender abstraktion entsteht die bedeutung '
methode, mittel, möglichkeit, weg': es sein sunst vil strasen vnd weg ussenwendig deines fürwendens, da mit die geistlichen von dem weltlichen mögen bezwungen werden von ubelem
ab zuoston Murner
an den adel 13
ndr.; durch unbekante strass und weg gott unser seelen ewig pfleg Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 159
b; soo umb ein lehen ein hader sich zu Rom angefangen, wilchs, ich acht, fast die gemeynist unnd grossist strasz ist, die pfrunden gen Rom zubringen Luther
w. 6, 421
W.; es sein zcwo straszn, die man uns durch predig weyszen soll: ministerium litterae et ministerium spiritus
ebda 9, 644; warumb wolten denn wir uns einer neuen und unbekannten strasse befleiszen? lasset uns aber nach den alten sitten leben, nach alter gewohnheit beherrschet werden Lohenstein
Arminius 2 (1690) 1259
b; man hielt auch hier die strasse ein, die zur zeit der gründung der hierarchischen macht betreten worden Ranke
s. w. (1887) 1, 161; was seh ich doch vor schöne leute biszweilen auf der gassen stehn, die alle wolten lieber heute als morgen diese strasse gehn Chr. Weise
überfl. ged. 164
ndr.; wenn du wänest, er (
Gott) strafe oder helfe nit nach sinem wort, irrest du zuo allen strassen Zwingli
dt. schr. 1, 65
Sch. mit jemandem übereinstimmen: so hat auch er den ursprung der sprache nicht gnug von diesen thierischen lauten abgesondert, und gehet also mit den vorigen auf einer strasze Herder 5, 21
S. B@33)
redewendungen auf grund der vorstellung der strasze
als eines besonders typischen ortes der öffentlichkeit. die bedeutung '
öffentlichkeit'
entwickelt sich mit dem städtischen leben der neuzeit, also meist aus '
stadtstrasze' (
o. A 2);
doch sind auch redewendungen dieser bedeutung aus '
landstrasze' (
o. A 1)
übertragen. B@3@aa)
die verbindung auf der strasze
steht metaphorisch für '
draussen'
im gegensatz zu '
drinnen, im hause'
und gelangt dann zur bedeutung '
öffentlich': ein helt in rehter mâze dâ heime und ûf der strâze ein guoter redegeselle
Dietrichs flucht 484
Martin; des andern tags dar nach kamen die zuo im uf der strausz, die Esopus nit hin yn wolt lauszen Steinhöwel
Äsop 61
lit. ver.; der edelman wil fornen dran, verkleidt sich uber d'masse, legt was er hat an seydin wat, die fraw brangt auf der strasse Forster
teutsche liedl. 9
ndr.; zu Venedig ist ein solcher hunger gewesen, das Cesar Pflug gesehen hat, das viel leute auf dem wege und strassen erhungert ... sind Joh. Schlaginhaufen
bei Luther
tischr. 2, 156
W.; im dorf schon keiner sicher sasz vor seiner groszen büberey, was keiner in seim hausz auch frey und auf der strassen noch viel minder Fischart
w. 2, 34
Hauffen; kein mensch war die letzten tage seines lebens auf der strasse mehr sicher Ruge
briefw. (1886) 2, 35; wer von einem bettler auf der strasze um almosen angesprochen wurde Göthe I 45, 125
W.; (
er) stieg von seinon zimmern herunter auf die strasse, um sich die stadt zu besehen, in welcher es ihm so wohl erging G. Keller
ges. w. (1889) 5, 30; die kinder auf der straasze würden mit fingern auf mich weisen Lessing 9, 402
L.-M.; es bleiben fast, wenn sie ihn sehn, die leute auf der strasze stehn Heine
w. 1, 38
E.; ist es gewisz, dasz Friedrich um vier zu hause kam? ... fragt jedes kind auf der strasze A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 286
Sch.; dasz die strengen strafen nicht gerichtet sind gegen den ordentlichen, propperen soldaten, wie sie (
anrede) ihn auf der strasse ... sehen, sondern gegen die wenigen schlechten subjekte
quelle a. d. j. 1892; die gesichter der gemeinen leute auf der strasze zu sehen, ist jederzeit eines meiner gröszten vergnügen gewesen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 25; he liggt ümmer up de straat '
er ist immer unterwegs' Mensing
schlesw.-holst. 4, 875.
im Lüneburg. wendland vom schulzen gerufen, als aufforderung zur öffentlichen beratung: herut, herut, up strat, holla Tetzner
Slaven in Deutschl. (1902) 355. — jemanden auf die strasze werfen, setzen, stoszen '
ihn aus dem hause, hinaus werfen': dat se eyne swangere vrowen uthe deme huse uppe de strate stotte (1443)
Hildesheimer urk.-buch 6, 676; dass sie das unglückselige geschöpf, die Franziska, nicht auf die strasse stossen wolle W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 168; ... wilt nicht dein weinen lassen, hinausz werff ich dich auf die strassen auff das dich da der wolff mög fressen B. Waldis
Esopus 1, 130
Kurz; lassen sie mir diesen schmuck, diese kleider abreiszen. lassen sie mich in nächtlicher stunde auf die strassen werfen. alles, alles will ich leiden Schiller 3, 572
G.; das letzte verpfändet, auf die strasse gesetzt, erschöpft und hungernd
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 323. B@3@bb) zu kirche und strasse gehen
u. ä. als rechtsbrauch; die formel ist seit dem 13.
jh. bis ins älternhd. bezeugt, vgl. auch teil 4, 1439; 5, 793; Fischer
schwäb. 4, 393; 5, 1828;
von verlobten oder jungvermählten '
öffentlich zusammen erscheinen vor den leuten, vor der gemeinde',
was rechtliche wirkungen hat: so zwey ehegemecht ... zusammen kummen, ze kirchen und strassen gangen und sie die ehelich deck beschlagen hat (
qu. a. d. j. 1541)
bei Fischer
schwäb. 4, 393; dasz auch die heimliche ehe zu billigen sei, wenn sie gleich offentlich nicht gehalten noch zu kirche und strasze miteinander gangen wären (
a. 1539) A. Lauterbach
bei Luther
tischr. 4, 256
W; aber so balt mir (
dem bräutigam) hülffet Gott, dasz ich widerumb alhier komm, so will ich, ich sey ehrenfromm, mit euch (
der braut) zu kirch und strassen gehn Ayrer
dramen 3, 1446
K.; sie (
mein eheweib) hat mit uns zcu strosze gegangen yn der stad, zu wegin und zu kirchen, und hat das gut ny angesprochin
Magdeburger fragen 228
Behrend. im gleichen sinn ein mädchen zu kirche und strasse führen: wan sich zwei mit einandir in unsir stad vorelichin, nemlich ein knecht und eine juncfrawe, und die dirne wirt ingefurt zu kirchen und zu straszen, was sie guds zusammen brengin, das sal ir bede sin
qu. a. d. 14.
jh. bei C.
F. Walch
verm. beitr. z. d. dt. recht (1771) 2, 73; eine zur strasz und kirchen führen
celebrare cum aliqua nuptias publice Aler
dict. (1727) 2, 1848
a;
in ähnlicher beziehung: so mein huor zuo kirchen und strass gat Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 63
ndr.; das si di unkuschen vorsmehen, unnd wollen nicht mit en gehen in den kirchen unnd uff den strassen Joh. Rothe
lob. d. keuschheit 5412
Neumann; (
der landsknecht) trat der gute alten frawen für das haus, begegnet ir zur kirchen und strassen, sprach sie gantz tugentlich ... an Hertzog
schiltwache L 1
b.
auch in anderen rechtsverhältnissen im sinne von '
sich in der öffentlichkeit zeigen': wer zu Pfronton ain erbschaft inhat ... und kompt ainer der auch recht darzu haben will ... sol beschechen was recht ist, ob das aber in jar und tag nit bescheche und ... jener (
der ansprüche gemacht hatte) bei im uf und nider zu kirchen und stras gieng, und es in jar und tag nit anfi (
so behält der erste besitzer das gut)
a. d. j. 1459
in weisth. 6, 298; wer abir dat sache, dat wir keinin iren vient zu burgere hettin und der mit in gecriget hette unde lichte durg vorte odir durg drawe stille sitzen wolde, unde bit uns zu kirchen und zu strazin gain mit argirliste ... den sollin wir dar zuo halden, dat er daz abelege
a. d. j. 1301
bei L. Fr. Höfer
ausw. d. ält. urk. dt. sprache 65; sinne rîchen man, hüetet iuwer vor ir (
einer schlechten frau) wâze, stet in iuwer huote dâ ze kirchen und ze strâze Neidhart 83, 22
Wiessner; und ist ehehaftig not und ursach, nämblich gefenknusen, siechtagen, krankheiten, derhalben einer weder zu kirchen noch zur strasze gehen mag
qu. a. d. j. 1501
bei Reyscher
altwürtt. statuarr. (1834) 109. B@3@cc) strasze:
im sinne von '
öffentlichkeit',
meist in präpositionalverbindungen: (
das beschlossene) nicht to vorstrouwende, vormeldende edder op de straten to bringend, er idt is vor deme ers. rade und den gemenen borgern geapent (1502)
mon. Livon. 4, 250; weniger dieses ... verdienet, dass man mich in der leute geschrei, gassen und strassen hierdurch ungütlich besonders bei jetzigen laufen ausgegossen
a. d. j. 1620
in acta publica 6, 8
P.; nach dem sie ist hinauzgangen, schreyt sie über die strasz zu den weibern, die da jnnen sind Boltz
Terenz (1539) 15
b;
in der modernen umgangssprache kuchenverkauf, bierverkauf
usw. über die strasze '
auszer dem hause'; wie gern Wien hab diesen orden, das ist wol nechst gesehen worden in diesem lermen, der da was, da man sie jaget von der strasz Fischart
s. dicht. 1, 15
Kurz; mancher ist voll argwohn und vergönnt der frawen kaum die strassen Voigtländer
oden u. lieder (1642) 105. das recht auf die strasze '
das recht zur öffentlichen demonstration'
bekanntmachung des Berliner polizeipräsidenten v. 13. 2. 1910,
s. Büchmann
gefl. worte (1926) 607; strasze frei! die straszen frei!
ruf der polizei oder der demonstranten bei zusammenstöszen, s. Klemperer l(
ingua)
t(
ertii)
i(
mperii) (1949) 245.
verstärkung der bedeutung '
öffentlichkeit'
durch hinzufügung von attributen wie gemeine, offene, öffentliche, freie, helle strasze: also ist der plind Barthineus gesessen bey gemainer strasz und hat daselbs gepetelt Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 604
R.; vil ... auf gemeiner strassen iren geist aufgaben Arigo
decamerone 7
Keller; (
geschieht die gewalttat) up der freien strate edder sonst in hölten, welden edder andern unwegen
Rügisches landrecht 95
Frommhold; es haben sich unsere vorälteren in den nach baurschafften fein früntlich zusammengehalten ... an offenen strassen tisch und bänck auffgericht, ire speisen zusamengetragen und also tugentlich miteinander gessen Wickram
w. 2, 121
lit. ver.; wenns nicht auf offener strasze gewesen wäre, er hätte mich (
Rotkäppchen) gefressen!
kinder- u. hausm. (1894) 101; sind Sie toll, Philine? ... die öffentliche strasze zum zeugen solcher liebkosungen zu machen Göthe I 21, 211
W.; bekanntschaften auf offener strasze machen schickt sich nicht
umgangssprache; denn da sie auf freyer strassen und noch ein feldweges von Ephrat waren, gebahr sie Quirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 746; männer und weiber redeten ohne scheu miteinander auf freyer strassen
ollapatrida 163
Wiener ndr.; ihr thut nicht wol, dasz ihr um diese stunde allein auf freien straszen wandelt Göthe I 10, 239
W.; wenn das sittsamen jungfrauen und ehrbaren weibern auf freier strasse geschehen könne, ... so könne es ja in Sodom und Gomorrha nicht ärger zugehn als in Berlin Alexis
Roland (1840) 1, 101; ich glaub', ihr küsztet euch auf heller strasze! Bauernfeld
ges. schr. (1871) 1, 164. in leerer strasze fechten, sich in einer leeren strasze schlagen '
sich in einer gegenstandslos gewordenen sache bemühen': es war lächerlich und rührend zugleich, dieses fechten in leerer strasze von dem alten manne Annette v. Droste-Hülshoff
br. 2, 284
Schulte-K.; so machte ich es wie die spröden und schlug mich in einer, wie ich jetzt fürchten musz, leeren strasze (1844)
ebda 2, 351. —
zu '
landstrasze' (A 1): euer kloster liegt weit ab von der strasze ... ... alles ist hier still, wie ein geheimnisz Schiller 5, 2, 262
G.; ich hab euch lieder gesungen, nicht laut, nicht an der straszen, andere als die euch behagen E. König
Thedel von Wallmoden (1931) 290. an der strasze bauen
seine tätigkeit den augen der öffentlichkeit aussetzen, s. Wander sprichw. lex. 4, 894: wer an die strassen bawt, musz sich von jedem richten lassen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 175; der da wil bauen an die straszen, der musz die leuth reden laszen; wer auf die straszen baut, der hat viele meister Aler
dict. (1727) 2, 1848
a; wer an der straszen bawen wil, der selb hat wider sprecher vil Murner
narrenbeschw. 9
ndr. in der modernen umgangssprache der mann von
oder auf der strasze '
der einfache mann aus dem volk': nicht nur ... in den unbedachten redensarten des mannes auf der strasze, sondern ... auch ... in den ansichten sogenannter geistig hochstehender personen Joh. R. Becher
rede am 20. 5. 1947; den 'mann auf der strasze' beschleicht ein ungutes gefühl, wenn er an den wahlkampf denkt
Berliner zeitungen a. d. j. 1949.
in immer stärkerer betonung des pejorativen sinnes in der modernen umgangssprache: ein mädchen von der strasze
prostituierte; vgl.: mit schönen, wie Johann ihm von der strasze brachte, vertrieb sich der baron zuweilen seine zeit Kästner
verm. schr. 2 (1772) 257. auf die strasze gehen '
prostitution treiben'
sprach-Brockhaus (1935) 637.
anders: dat wurd tied, dat de dern van de straat kümmt '
dasz das mädchen heiratet' Mensing
schlesw.-holst. 4, 875. B@3@dd)
im sinne von '
überall'
und '
irgendwo': also hand wir (
mönche) die welt verlassen, dass wir uf gassen und uf strassen der welt sind gsin ein überlast Nikl. Manuel 6
Bächtold; von sînen zeichen wil ich niht mê sagen, wan iz sîn di wende vol gemâlt und die blinden singens ûf der strâzen
deutsche mystiker 1, 16
Pfeiffer. verstärkt durch den zusatz von alle: das der teuffel allenthalb umb die menschen ist, an den fürstenhöfen, in heusern, auff dem felde, auf allen straszen, in wassern, in höltzern, im fewr Veit Dietrich
bei Luther
w. 52, 716
W.; in allen gassen und strassen hat man boszheit, laster, untrew, betrug vnd falschheit feil, in allen gassen find man koth Lehman
floril. polit. (1662) 2, 524; der krieg verbreitete leben, wimmeln, woogen in allen straszen und gassen Schubart
leben 1 (1791) 29; dasz sie so ein wichtig phänomen nicht auf allen straszen predigen, anstatt die wiszbegierigen mit so vielen matten details zu quälen Göthe IV 11, 153
W.; in parteiliedern: fahnen wehen über allen straszen.
verächtlich jemanden, etwas auf der strasze finden '
leicht, billig dazu gelangen': o! laszt ihn! er ist guter leute kind. — wir auch nicht auf der strasze gefunden sind Schiller 12, 30
G.; hundert gute anekdoten sind eben nicht auf der strasze gefunden G. Keller
br. u. tageb. 2, 399
Erm.; de (
eine schlechte frau) hett de düwel ok van e kaar verloren un he hett er up e straat upgrabbelt Mensing
schlesw.-holst. 4, 875; du meinst wol, du herrest mek up der strâten efunnen '
du dürftest mich gering ansehen und mir alles bieten' Schambach
Göttingen 213
b;
anders: das hat so oft die edelste natur zum spott gemacht vor menschen, wie man sie auf jeder strasze findet Hölderlin
ges. dicht. 2, 96
Litzmann; ich habe meinen lesern so oft schon erläuternde thatsachen vorgeführt, die ich im spazierengehen an der strasze aufgelesen Riehl
d. dt. arbeit (1861) 67. etwas liegt auf der strasze '
ist leicht zu bekommen': der hochmut leit auf der strass Fischer
schwäb. 5, 1828;
in der umgangssprache: das geld liegt auf der strasze. B@3@ee)
auf die einwohnerschaft städtischer häuserzüge gewandt, seit dem 18.
jh.: wenn ich abends mein dachstübchen erreicht habe ... es ist eine art von leiser klage, die man kaum vernimmt, anstatt dasz ein financier sein schlafgemach erschüttert und die ganze strasze in erstaunen setzt (
et étonne toute sa rue: Diderot Rameau's neffe) Göthe I 45, 23
W.; weil sie liefen, was sie konnten ... so kam die strasze in allarme und alles an den fenstern in bewegung Schiller
br. 2, 290
Jonas; wer sind sie (
anrede)? sagen sie's oder mamsell, ich lasse sie nicht los und sollten die straszen zusammenlaufen Gutzkow
ritter 5 (1851) 224; auch die äuszeren zeichen der theilnahme, welche die strasze für schicklich hielt, verhüllten schlecht die herrschende stimmung G. Freytag
verl. handschr. (1864) 1, 271; (
kranke) traten ... (
mit der aufnahme in öffentliche krankenhäuser) gleichsam aus dem heilig-dunklen bezirk der häuslichen abgeschiedenheit, sie machten sich im schmerze gemein, sie zeigten ihre wunden den vorübergehenden, die strasze hatte ein recht, ihnen nachzublicken Werfel
gechwister von Neapel (1931) 309; die ganze strasze '
die gesamtheit der anwohner'
sprach-Brockhaus (1935) 637;
in der umgangssprache: die ganze strasze weisz es; die ganze strasze lacht, spricht darüber;
vielleicht schon im sinne von '
jedermann': ein lied, das ich nur dir, und keinem andern singe, das ist kein ständgen, freund, das ich der strasze bringe L. A. Gottsched
br. (1771) 1, 27
Runkel. erst in unserm jahrhundert auf die groszstädtischen volksmassen bezogen, in politisch gemeinter abschätzigkeit: an die strasze appellieren Storfer
wörter u. ihre schicks. (1935) 328; von der strasze abhängig sein
ebda.; in der sprache der zeitungen: unter der herrschaft der strasze; unter dem druck der strasze; die strasze regiert;
ebenso: die presse und die strasze drängten zum krieg Stegemann
kampf u. d. Rhein (1939) 566; wir (
die unternehmer) fürchten schlieszlich auszer gott (er wahr uns vor dem pöbelspott!) nichts als die strasze, die von zeit zu zeit nach einem opfer schreit
qu. a. d. j. 1937; der kardinal ging ... in das parlament, ... ohne furcht vor den immerhin möglichen insulten durch die strasze
qu. a. d. j. 1933.
wieder anders, c
näher, in der modernen journalistik: die parteien wollen die strasze beherrschen. B@44)
auf concreta übertragen, auf grund verschiedenartiger gemeinsamkeiten mit der landstrasze (A 1)
und stadtstrasze (A 2),
häufig metaphorisch. B@4@aa)
in verschiedenen anwendungen als '
verbindung': derselbigen dörrofen seind 4 und in jedem vier straszen ... (
man) schürt ... hinden und vorn in die glet strassen ... und was erstlich vom künstöck (
s. o. kienstock) in die glet gassen herab rindt, ... das geust man ausz, das ist frisch bley, und was oben von dörnlein bleibt, felt in die straszn herab Ercker
beschreibung (1580) 108
a; nun gibt die chiromantia aber kein zifferzal, kein buchstaben, kein character, sondern allein linien, adern, runtzeln, straszen Paracelsus
op. (1616) 1, 914
a Huser; sie hieben ... eine strasse in das eis, dass der kahn gehen konnte Stifter
s. w. 3 (1911) 314; die einzelnen eingänge (
der erdhöhlen) stehen mit einander durch schmale, in die moordecke eingetretene strassen in verbindung Nehring
tundren (1890) 26;
sonst heiszt auch strasse
beym deichwesen an der Niederelbe so viel, als eine stromwärts vor hauptdeichen hergehende erhöhung von erde, in der breite eines fahrweges Benzler
deichbau 2 (1792) 199;
im allgemeinen sinne von '
weg' (
s. o. 1): er (
der flusz) entspringet zu äuserst oben in den Rhätischen Alpen, und nachdem er durch Tyrol ihm eine strasse suchend, die hauptstadt ... benahmet S. v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 34; die Ptolomäer ... haben diesem handel jene grosze strasze gebahnt Fr. Schlegel
s. w. (1846) 1, 136; ... es waren diese baumreihen, von osten nach westen, eine allgemeine strasse aller waldzugvögel Naumann
vögel (1822) 5, 340; willkommen ist der frost, der die strasse bahnt durch die unwegsamen wälder
hist. u. polit. aufs. (1886) 2, 14.
auf die bahn der lichtstrahlen übertragen: so wird sich der stral (
der sonne), welcher in E. einfällt ... von seiner ordentlichen strasze wegbrechen Schwabe
belust. (1741) 5, 478; schrägher fiel ... ein lichtstrahl durch die schatten, und der staub tanzte in seiner glänzenden strasze A. Sperl
fahrt n. d. alten urk. (1909) 181; auseinander fahrende strassen am himmelszelte bildend, schnitten sie (
die ströme des lichtes) von der gedehnten haide blendend goldne bilder heraus Stifter
s. w. 1 (1904) 201; der mond wies mit einer hellen strasze nach den trümmern Tieck
schr. (1828) 4, 221.
auf kleinste, unbedeutende pfade und steige übertragen, gelegentlich im älternhd.: nach etlichen jahren begab sichs, dasz genannter könig ... durch wilde ungebahnte strassen und abwege umbschweiffete Prätorius
anthropodemus pluton. (1666) 1, 108; in den tagen Jahel ruoeten die steyg, und die do eingiengen durch sy, die giengen durch die unwegigen strassen
erste deutsche bibel 4, 354 (
la. für abweg);
angustus callis ein enge straasz oder enger wäg Frisius
dict. (1556) 176
a. B@4@bb)
kanäle u. ä. im menschlichen organismus, in compos. bei Höfler
krankheitsn. 694: wan sie (
die nieren) seind der weg und die strasz dadurch der ... harn kumpt Braunschweig
chirurgia (1539) 74
b; die strasse des magens
condotto dello stomaco Kramer
dict. 2 (1702) 998
a; '
schlund',
entsprechend lat. via '
speiseröhre': wirt, durch mich ein strâze gât: dar ûf schaffe uns allen rât, manger hande spîse. wînes, der wol tribe ein rat hœret ûf der strâze pfat
Schweizer minnesänger 172
Bartsch. in contamination mit strosse,
mnd. strote, strate '
schlund',
s. teil 10, 4, 76:
gula die strasz im hals dardurch speys und tranck gehet Dasypodius 90
b.
mehr im allgemeinen sinn von '
weg',
vgl. o. 1 c: in dem der menschlichen nahrung nur ein rohr, strass und glid, nemlich der mund ... bestimbt Guarinonius
grewel d. verwüst. (1610) 867; dasz er die zu sich genommene speisen nicht behalten kan, sondern solche also bald wiederumb durch die strasse da sie herkommen sein, auszwirfft
F. Würtz
wundartzney (1624) 119; das blut ... den mund aussfüllet, und der vorgenommenen red die gewohnliche straass verstopffete
theatrum amoris (1626) 201. B@4@cc)
bahn der gestirne am firmament: floug er sunnûn pad,sterrôno strâza, wega wolkônozi theru itis frôno Otfrid I 5, 5
Erdm.; bevilch der witze daz sie die roz nit laufen laze in der planeten straze nach in zodiaci gang Heinrich v. Neustadt
gottes zuk. 1098
S.; der strasen sin zwelfe an dem himele, da die sunne inne loufet uber jar
Lucidarius 21
H.; über die eclipticam oder strasze der sonnen hinüber
qu. d. 17.
jh. bei Fischer
schwäb. 6, 3226;
anders, als poetische metapher: wer deutet ihn (
den sternen) die strassen? wer zeiget ihn die weg? dasz nie nit underlassen, zu finden ihre steg Spee
trutznachtigall 111
ndr.; der allmacht weise hand den ewgen zepter hält ... und macht, dasz jeder stern auf seiner strasze gehet Joh. E. Schlegel
w. (1761) 4, 48. B@4@dd)
wasserweg der schiffe, s. auch brem.-niedersächs. wb. 4, 1058,
übertragen von '
landstrasze' (A 1): vortmer scholen alle wege unde mene straten to watere unde to lande geopent wesen
qu. a. d. j. 1427
bei Schiller-Lübben 4, 428; unde ieglich strâze des küniges ûf wazer unde ûf velde: daz sol allez staeten vride hân
Schwabensp. 195
Wackernagel; und dasjenige volk wird die oberste stelle unter den nationen einnehmen, das die strasze des meers am besten kennen ... wird Haller
Alfred (1773) 219; die maritimen eingänge des persischen golfs ..., des arabischen golfs ..., die berühmtesten strassen des grössten weltverkehrs im hohen altertum Ritter
erdk. (1822) 2, 78; ein seestaat dagegen, dessen strassen die wellen sind, macht mit seinen heeren und hülfen eine strecke von hundert meilen so geschwind, als ein landstaat die strecke von zehn meilen E.
M. Arndt
schr. (1845) 1, 479;
meist von B 1
her auf den bereich der seefahrt gewandt: und hättest du dich gleich gewaget umb den nort, die schwere strasz entdeckt an den Chinenser port Simon Dach 729
Ö.; nach dem auch Ptolomeus Evergetes von einem gestrandeten Indianer die strasse nach Indien erfahren, hat ... er ... flotten dahin ausgerüstet Lohenstein
Arminius (1689) 1, 122
a; unde zeghelden wedder ere strate Herm. Korner
chron. bei Schiller-Lübben 4, 427; dass wir einige tage hernach, ohne die geringste hindernisz von dem cap abseegeln, und unsere strasse nach Ost-Indien fortsetzen konnten Schnabel
Felsenburg 42, 12
Ullrich; erfahrung ... auch klugheit, so zugleich am steuerruder sasse die machten, dasz das schiff lief eine ebne strasse, von sturm und klippen frey Neukirch
anfangsgründe (1724) 394; die strasze, die der mensch befährt, worauf der segen wandelt, diese folgt der flüsse lauf Schiller 12, 86
G. B@4@ee) '
durchlasz, durchgang',
aus der eigentlichen bedeutung '
städtische strasze' (
o. A 2)
übertragen, dafür häufiger gasse (
s. d.): mit sînem guoten swerte tete er manegen slac. er hiu eine strâzen durch die wîte schar. diu her ze beiden sîten nâmen sîn genôte war
heldenbuch 2, 50
Martin; daz wir unser mûren brâchen funfzich klâfteren nider, ... daz ros zogen wir dar in. ... wir rûmden eine strâze funfzich klâfteren breit Heinrich von Veldeke
Eneit 46, 16
Ettm.; wenn nicht hertzog Ganasch ... durch die in der schlachtordnung zwischen ieden dreyen fahnen gelassene strassen ... ihnen zu hülffe kommen wäre Lohenstein
Arminius (1689) 1, 39
b; hertzog Klodomar machte hiermit zwischen dem fusz-volcke eine strasse, durch welche der ritter Falckenstein hundert zweyrädrichte sichelwagen anführte
ebda 1, 767
b; und schon ordnet sich die menge, gassen bilden sich und strassen Brentano
ges. schr. (1852) 3, 187; die geopferten thiere jeder art ... muszten in zwei hälften zerhauen, an zwei seiten gelegt werden, und in der strasze dazwischen befanden sich diejenigen, die mit der gottheit einen bund schlieszen wollten Göthe I 26, 215
W.; der scharfrichter (
soll) im eine blutige strasz durch seinen halsz machen oder seinen leib in zwey stück schlagen Kirchhof
milit. discipl. (1602) 250; das in der nachrichter ... richten soll so lang, bis dass zwischen seines haubts und des bottichs (
rumpf) werde ein strasze
qu. v. j. 1530
bei Fischer
schwäb. 5, 1828. B@4@ff) '
streifen'.
in gewändern, wie lat. via '
streifen in einem kleide': die sidenen straze die kos man kumeliche da: si waren wa unde wa so mit dem golde ertrenket und in daz golt versenket gottfried v. Straszburg
Tristan 11108
Ranke; die zwo strazen die sie vor in an der stolen tragent, betútent daz si suln rihten die zwei leben activam et contemplativam
Lucidarius 42
Heidlauf. '
erdzone': ein straze gat miten durch die welt. die ist verbrennet von der sunnen, daz da deheines menschen wesen mac sin. die uzeren zua strazen sint niht gebuwen ... die zwo strazen enmitten sint gebuwen
ebda 9.
in der heraldik '
schräg über ein wappen laufender streifen': ein pfal ist das mittlere stück eines durch zwey perpendicular-linien getheilten schildes. einige nennen ihn auch einen aufrechten balcken, eine die länge herab gehende strasse Trier
wapenkunst (1714) 99;
si quae medium occupat tertia pars alio colore a reliqua scuti tinctura pingatur ... nostri band
vocant, aliquando strasz, balcke, strich Spener
op. herald. (1680) 140; (
das) waapen ... namlich zween rot löwen in weyssem väld vnd dazwüschen uber ort hindurch ein rote straassen Stumpf
Schweizer chron. (1606) 447
b; 'strasse
ist eine von den vielen verschimmelten bezeichnungen für den von den zopfheraldikern ganz besonders mit vielen namen begnadeten balken, wird jedoch ... von einigen zopfigen für den schräglinken balken gebraucht' Querfurth
herald. termin. (1872) 151. —
als bezeichnung der bekannten sternenschicht am himmel, die dem auge als heller streifen (
s. auch unter c)
erscheint, heute milchstrasze (
s. teil 6, 2199,
wo dafür auch andere zusammensetzungen mit strasze): daz an dem tail des gestirnten himels, da diu straz scheint, vil zesamen gesæter stern sint Konrad v. Megenberg
buch d. natur 78
Pfeiffer; lacteus circulus vel via lactea tractus est conspicuus ille, quem agmina stellarum densissima efficiunt, rustici die Römische strassen
vocant Faber
thesaurus (1587) 427
a,
vgl.rom strose
galaxia bei Diefenbach
gloss. 255
c; und printz der weiten welt, der helt die lufft vor sein, die zierlich ist gewirckt mit lichten sternelein, die mit der strahlen glantz gehn auf der weissen strassen Opitz
teutsche poemata 114
ndr.; das mittel zwischen der wag und dem scorpion nennet man die verbrennt strass
qu. d. 16.
jhs. bei Fischer 6, 2, 3226; (
dem) Augustus sein gestirn, als er geboren ward, ist des Saturnus haus, in der gestirnten strassen Besser
schr. (1732) 1, 9
König.