strampfen,
vb. ,
mit den beinen auf die erde stampfen. form und herkunft. neben strampfen
vereinzelt strampen,
so im mnd., s. u. sp. 833,
bei Daniel Stoppe
neue fabeln (1740),
s. mitt. schl. ges. f. volksk. 18, 118
und: strampeln, strampfeln, strampen, strampfen,
ndl. stampen
mit voeten stooten Kramer-Moerbeek
dt.-holl. wb. (1768) 329
c.
heute in obd. maa. strampfen,
s. Ruckert
unterfränk. 177;
Fischer schwäb. 5, 1824; Unger-Khull
steir. 581
b; Ueberfelder
kärntn. 239;
daneben auch strampen,
s. Fischer
schwäb. a. a. o. —
das wort ist seit dem 16.
jh. gut bezeugt, vorher einmal im mnd. des 15.
jh.; Heynatz
antibarb. (1797) 2, 455
empfahl strampfen
statt strampeln,
jedoch weichen die bedeutungen von einander ab, s. u. — strampfen
erhielt sich nicht bis in die heutige schriftsprache; nur von der ma. abhängige obd. autoren gebrauchen es heute, z. b. Rosegger
und Anzengruber,
in der klassischen zeit besonders Schiller. —
das wort gehört wahrscheinlich mit mnd. strumpelen (
vgl. s. v. strampeln)
zusammen zu *stremb,
*stremp,
einer erweiterung der wurzel *ster '
steif gehen, stolpern'
usw., s. Walde-Pokorny 2, 632.
doch ist zu beachten, dasz strampfen
im unterschied zu strampeln
in bedeutung und anwendung dem seit dem 16.
jh. bezeugten stampfen (
teil 10, 2, 678
ff.)
gleichkommt; von Falk-Torp
norw.-dän. et. wb. 1149
wird für strampfen
contamination aus stampfen
und trampen
erwogen. bedeutung. 11) '
stampfen, stoszen'
ist die bed. des wortes während seiner ganzen lebenszeit. 1@aa)
die älteste und festeste anwendung bezieht sich auf das pferd, '
mit den hufen auf den boden stoszen',
wie stampfen: Vagio (
des Holofernes knecht) strampende umme dat telt lep, ene wnderde, dat sin here so lange slep Josef
v. d. sieben todsünden bei Schiller-Lübben 4, 426; es (
das rosz) strampffet auf den boden, und ist freidig mit krafft, und zeucht aus den geharnischten entgegen
Hiob 39, 21 (
terram ungula fodit),
dafür graben
erste deutsche bibel, kleien
Lüb. bibel (1533), scharren Dietenberger (1534), kratzen Eck (1537); (
ein gutes pferd) stehet nicht gerne stille, sondern strampfet immerdar mitt den füszen Walther
pferde- und viehzucht (1658) 2; die pferde trabten her und strampfften auff den bodem
M. Schirmer
Virgil (1668) 576; wann man durch ein wasser reitten will ... so wöllen sie nicht allein nicht fort, sondern fallen ohn alles versehens zum theil auch mit strampffen der füsz ins wasser J. Fayser
hippokomike (1623) 179; und vor dem strampfen ihrer pferde erzittert luft und erde Chr. Fr. Weichmann
poesie der Niedersachsen 1 (1725) 24; dort eilt ein freies rosz zum streiten, es strampft und reucht den kampf von weiten, die adern schwellen ihm für muth Ew. v. Kleist
w. 1, 55
Sauer; die unbändigen leidenschaften des volks, gleich soviel strampfenden rossen, mit dem weichen spiele des zügels zu zwingen Schiller 3, 85
G.; horch! was strampft im galopp vorbei? die adjutanten fliegen: dragoner rasseln in den feind
ebda 1, 233;
auch 1, 305; auf dem glatteis strampfend nahmen auch die pferde des fuhrmanns, vorsorglich durch zottige decken geschützt, das frühstück ein Heinr. Noé
Brennerbuch (1869) 48;
vom pferde her übertragen: ein zartes kind hat keinen sichren raum, wo da ein brünstig hengst laufft frey von stang und zaum, die welt rast, tobt, schaumt, strampfft ... Logau
s. sinnged. 182
lit. ver. 1@bb)
in anderen anwendungen, ebenfalls im sinne von '
auf den boden stampfen',
von verschiedenen tieren: hat dabei grausamlich als ein ochs gebölcket und gestrampfft E. Menius
chron. Carionis (1560) 7
b; wann die gaysz sanfft steht, so strampft sie Joh. Nas
antipap. eins und hundert 2 (1570) N 4
a.
häufig vom menschen: mit diesen (
stiefeln) strampfet er fast löcher in die dielen Arist
schild. f. d. frauenz. (1764) 174; die schlittschue sind vergessen, ich habe gestrampft und geflucht Göthe IV 3, 11
W.; ein bube von drei jahren ... strampft mit wonne im frischgefallenen schnee D.
F. Strausz
ausgew. br. 278. mit den füszen, beinen strampfen,
vgl.strampeln 1: er (
ein mönch) zeigt sich wie ein hawendt schwein und strampffet mit den füszen sein, ... dasz unter ihm der boden brach L. Sandrub
hist. u. poet. kurzw. 135
ndr.; Karls Spanier, die er bei sich hatte, strampften mit den füszen und kamen vor zorn auszer sich
M. I. Schmid
gesch. d. Deutschen (1778) 5, 89; (
er) strampft mit den füszen wie einer, der auf jemand einen groszen zorn hat Rosegger
nixnutzig volk (1907) 115; sein gesicht hatte etwas harsches, strenges, als er sich jetzt leicht vom pferde schwang und ungeduldig mit dem absatz strampfte Aug. Becker
des rabbi verm. (1866) 2, 2, 75;
beim tanzen: Ludwig führte sich nun gerade am schönsten auf, er strampfte am geschicktesten nach dem takt vor seiner tänzerin Melch. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 58; und (
Hannerl) tanzte auch schon mit Herrn Gupfen dahin ... er strampfte den landler, dasz die dielen ... zitterten
quelle v. j. 1912; auch unser gestrampfter gebirgsländler ist graziös Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 190; hierauf fing man an, deutsch zu tanzen; das wüthen, das strampfen, das pfeiffen und übriges zettergeschrey läszt sich nicht beschreiben; alles war besoffen, alles hüpfte mit Hafner
ges. schr. (1812) 1, 50;
mit dem beisinn von '
vorwärtsgehen': und laszt den alten vatter im kadt herstrampffen Agricola
sprichw. (1615) 342
b; die ich vor zeiten durchgestrampffet hab
frantzös. Simplicissimus (1683) 3, 50.
vereinzelte anwendungen im sinne von '
stoszen': das auch die frucht, von wegen vieles strampffens und stossens, der mutter beschwerlich Joh. Wittichius
tröstl. unterricht (1591) 5
b; dort strampfet und stampfet der mlen gehämmer Sigm. v. Birken
forts. der Pegnitz-schäferey (1645) 82. 22)
neben der bed. '
stampfen'
nur selten spuren der bedeutung '
die beine auf und ab bewegen, strampeln': würstu bei einem andern inn einem gemeinen bett ligen, so sei nicht unrwig, damit du dich ausz vil rangern, strampffen oder waltzen nicht entdeckest J.
V. Deyger
paedonomia (1547) F 6
a; ich lieg im bett ... die schauerliche kälten auf einmal ... ich hab wieder meine decken hinunter gestrampft Nestroy
ges. w. (1890) 3, 71; strampffen 'mit den füszen zappeln' Rädlein (1711) 849
b; da begann es in komischer weise mit armen und beinen zu strampfen und dabei zu kreischen und zu murren, dasz der redner nicht zu worte kommen konnte v. Przibram
erinn. (1910) 2, 270; (
kind) das in koth gefallen, und, um sich heraus zu reiszen, mit händen und füszen darinnen strampffet Chr. Fr. Richter
urspr. u. adel d. seelen (1739) 14;
die wörterbücher nennen strampfen
und strampeln, strampfeln
häufig als synonyme, weichen damit aber vom tatsächlichen wortgebrauch ihrer zeit ab: trampen
convenit cum verbo strampfen ... strampfelen Stieler
stammbaum (1691) 2339;
s. auch 2120; strampfen, strampfeln, strampeln Kramer 2 (1702) 996
c; ich strampele, ich strampfe
calcitro Steinbach (1734) 2, 735; strampeln, strampfen Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 729
a.