lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

störrisch

nhd. bis spez. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
3 von 16
Verweise rein
5
Verweise raus
6

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

störrisch adj.

Bd. 19, Sp. 431
störrisch, adj. , wie oben störrig, doch beschränkt auf den übertragenen gebrauch unter 2, wohl (entsprechend der vorwiegenden eigenart des suffixes) unter stärkerer hervorhebung des moralischen mangels.in der älteren sprache noch vereinzelt ohne umlaut, so bei Luther (der im übrigen oben störrig, storrig vorzieht) u. s.: grausam, grimmig, storrisch, fraiszlich, crudelis Schöpper syn. b 6d. — die form stürrisch (so neben störrisch [und störrig] bei Kramer dict. 2, 986b) auch ohne umlaut (neben störrisch im persian. rosenthal), besonders in der zusammenstellung stürrisch und mürrisch (und unter dem einflusz des letzteren?) vgl. noch stiersch, štiir Müller-Fraureuth 2, 564b; 569b. aa) von personen: störrisch, mürrisch, unfreundlich, sauersehend, streng Rädlein (1711) 848a; omnibus resistens, non flexibilis, contumax Frisch 2, 340c; die storrischen und knorrischen ... menschen Luther 9, 149 Weim.; (der) stürmerische ..., stürrische, ungezwungene (Äolus) Treuer deutscher Dädalus 1, 61; o, über die störrischen männer! theater der Deutschen 17, 187 (maler Müller 3, 97); (frau Berta soll) mit Johann von Lichtenstein, einem bösen, störrischen mann, vermählt gewesen sein brüder Grimm deutsche sagen 1, 183 (Klinger werke 2, 87); du aber bist ein störrisch man, der nicht erkent seine missethat, hat nie gebeten gott umb gnad Hayneccius Hans Pfriem 67 neudr.; darnach gieng hin der störrisch man, fiel seiner mitknecht einen an N. Herman sonntagsevang. 159; ein störrischer wirt un hoste brusco, zotico, fastidioso, saturnino Kramer (1702) 2, 1364b; deinen störrischen freund zu retten! wie dein herz dich antreibt! Klinger neues theater 1, 215; die dringendsten bitten des landgrafen vermochten nichts über den störrischen meister E. Th. A. Hoffmann 7, 57 (vgl. auch 11, 12); das störrische weiblein Rosegger schr. 3, 74. — (entsprechend störrig 2, c, β) eine traurige, ernsthafte, störrische, fürchterliche jugend Gottsched beyträge z. crit. historie 8, 603; dem störrischen kinde sagte er, warum folget die doch einer mutter, die so ist wie die deinige Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 2, 226; einen störrischen, ungerathenen sohn (haben) M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 1, 365; Rudolf, der überhaupt ein störrischer und groszmäuliger bengel Fontane I 5, 131; rohe und störrische kinder Justi Winckelmann 1, 179. — (entsprechend störrig 2 c, γ) eines störrischen subtilen schreibers lehr und gedicht Paracelsus opera 1, 67a; der wenigen kurzsichtigen, störrischen männer willen, die wir noch immer unter uns haben, und die wir nicht nur dulden, sondern mit groszer schonung dulden müssen, weil wir ihnen beyspiele schuldig sind Klopstock gelehrtenrepublik 312; wie hier ... der störrische anmerker widerspricht: so erscheint dagegen billigkeit ... Joh. H. Voss krit. blätter 8, 279; aber der störrische dichter will, dasz dies geschehe, und je lebendiger die person des stücks in ihm aufgegangen, desto unzufriedener wird er mit der geringsten abweichung sein, die er in der gestaltung, in dem spiel des schauspielers findet E. Th. A. Hoffmann 8, 134; die heidenbekehrer, strengfromm, enthaltsam, ... störrisch und in knechtischer abhängigkeit von dem entlegnen Rom, musten das nationalgefühl vielfach verletzen Jac. Grimm mythol. 1, 4 (vgl.Sebaldus, so sehr er eine dürre dogmatik und eine störrische polemik haszte, so sehr war er ein freund herzlicher andacht Nicolai Seb. Nothanker 2, 18). — im unterthanenverhältnisz u. s. w.: (städte,) die immer unbeständig, aufrührisch und störrisch, sich nie recht in die oberherrschaft der kirche schicken wollten M. I. Schmidt gesch. der Deutschen 3, 446 (Rätel-Curäus chron. des herzogt. Schlesien 284); wär ich im lande gewesen, niemals hätten mir meine störrischen kameraden ohne euren befehl, erlauchter herr, ihre posten verlassen C. F. Meyer Jürg Jenatsch 218. — (entsprechend störrig 2, c, ε) (die Juden,) ein unbesonnenes, närrisches, ... störrisches ... volk J. Ayrer processus juris 525; leben sie fröhlich, ... wenn es möglich ist, unter einem verkehrten, störrischen volk Justi Winckelmann 2, 2, 35; kein störrisch volk empfing verachtend die erhabnen gaben Mich. Beer werke 408. a@aα) in der nebeneinanderstellung mit entsprechenden begriffen; besonders erwähnenswerth störrisch und mürrisch (th. 6 sp. 2727) mit späterhin deutlich hervortretender formaler wechselwirkung: erga impios dominos, die do murrisch und storrisch syndt Luther 34, 1, 354 Weim.; herzog Moritz von Sachsen haisz ich, den namen mit der that hab ich, murrisch und störrisch bin ich, argköpfisch, hochfertig, tirannisch bleib ich R. v. Liliencron histor. volksl. 4, 495; aufs letzt, besetzt ist mit list zwar störrisch, mürrisch, der hof sehr gar, narrn han mehr platz denn weisen Kirchhof wendunmuth 1, 75; hiemit zihet der autor dahin, dasz man gerne solle herbergen, nicht sturrisch und murrisch dieselbige versagen Reinicke Fuchs (1650) 291; sich gegen denselben rebellisch, widersinnig, ... störrisch und mörrisch (erzeigen) Hohberg georgica 3, 131a; was sonsten sich stürrisch und mürrisch erwiesen, das lieget fohr liebe gefährlichkrank Zesen vermehrter Helikon 2, 132; sonst: die da in strafung ihrer kinder sich also erzürnen, so unleutselig und störrisch sein Barth weiberspiegel d 7b; ein gehorsam, fromb weib kan auch also einen störrischen und tyrannischen mann biegen theatr. diab. 349a; du bist nicht stoltz und mürrisch, nicht voppend und störrisch, sondern gesitsam V. Herberger magnalia (1607) 356; störrisch und unfreundlich Winckelmann 5, 219; wissen sie, ... dasz ich eine wohlgesittete person mehr ästimiere, als einen braven comicum, der beynebst störrisch und von wildem humeur ist samml. v. schauspielen 5, 70; (die bemerkung), dasz wir menschen ... nicht stolz und störrisch, sondern lieber hübsch bescheiden und demüthig seyn sollten Claudius 3, 49; störrisch und widersinnisch Jung-Stilling 6, 91; der mönch Savonarola, undankbar, störrisch, fürchterlich entgegen Göthe 44, 347, 23 Weim.; ihr Wolfgang war einseitig, störrisch, ehern, ohne phantasie Jean Paul 30, 25 Hempel; sie (die leute) wären trotzig, störrisch und lieszen sich gar nichts gefallen Chr. Fr. Schulz reise eines Livländers (1795) 5, 103; störrisch, widerborstig, ... unzugänglich Hegel 10, 2, 205; er war schön, wild, witzig, keck und dabei störrisch und menschenscheu Eichendorff 2, 50; störrisch und rechthaberisch Willibald Alexis Roland v. Berlin 1, 42; (jene göttliche sehnsucht,) welche in weichen gemüthern die religion und poesie, und in harten, störrischen die lange weile erzeugt Laube 8, 110; von dem störrischen und trotzigen jungen manne Gutzkow ritter vom geiste 2, 97; er war der jüngste von allen, wild und störrisch, aber der begabteste 3, 405; störrisch und eigensinnig Fontane I 2, 479; störrisch und eigenwillig Spielhagen 1, 321; da habt ihrs, bürgermeister, störrisch bis zum letzten, wider alle und wider alles, ganz ungefüg für die menschliche gemeine Anzengruber 3, 199. — gegensätzlich: nicht störrisch, sondern nachgebend Kant 10, 318; schalkhaft und bieder, störrisch und beugsam Musäus volksmärchen 1, 6; die töchter kalt, die sonst so feurig waren — die ältern, einst so störrisch, jetzt so zahm Gaudy 1, 123. a@bβ) störrisch sein u. s. w.: bey einem menschen, der zwar offenherzig, aber etwas störrisch ist Th. Abbt verm. w. 6, 4, 43; ihr seid ein würdger mann; allein zu störrisch — so macht man nicht sein glück! Zach. Werner die söhne des thales 2, 10; die desertion risz unter den truppen ein, die französischweimarschen soldaten waren lässig und störrisch Hebbel I 9, 199 (Olearius pers. rosenthal 76); es könnte sich nämlich ereignen, dasz er störrisch wäre und sie nicht wollte G. Keller 2, 202. — im notfalle, sagte sie, will ich dem garstigen manne einen kusz geben, wenn er störrisch werden sollte Pfeffel pros. vers. 1, 81; darf man diesem nicht sehr ehrenhaften manne glauben, so hatte er (König) mit dem eitlen, neidischen und im alter störrisch gewordenen Besser schwere geduldproben zu bestehen Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung 3, 486. — störrisch bleiben vgl. Brentano chron. 187; störrisch machen Laube 3, 122. a@gγ) störrisch in einem: jedoch war sie in ihren sitten nicht rauh und störrisch Besser schr. 2, 354; man macht durch solches lob das liebe frauenzimmer in dem gefaszten wahn nur störrischer und schlimmer Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 251. im folgenden mit dem beisinn 'ohne neigung, ohne lust dazu': (so) verlor sie die geduld und wurde zuweilen störrisch in den lobpreisungen G. Keller 6, 188. bb) entsprechend störrig 2, d von einem theilbegriff: ein störrischer kopf Kramer (1702) 2, 986c; ich will nur sagen, dasz das eine priesterplage sey, wenn eine pfarrfrau einen eigensinnigen, störrischen kopf und bösen sinn hat der wohlgeplagte priester 149. — von der person selbst: ich wäre ein störrischer kopf, wenn ich ihnen die unschuldige freude miszgönnen wollte discourse der Mahlern 2, 52. b@aα) zum unterschied von störrigem haar, welches borstig emporsteht, störrisch, welches sich der frisur nicht fügen will: beständig liefen ein paar störrische haare von den schläfen herein Wassermann Renate Fuchs 20. b@bβ) vom blick und gesichtsausdruck: sie sehen niemand an, es sey dann mit einem sturrischen oder übermüthigen auge Olearius persian. rosenthal 88b; sie sahe mich mit einem störrischen gesichte an die vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 53; vgl.: verdrieszlicher april ... dein störrisches gesicht gefällt der liebe nicht Weichmann poesie der Niedersachsen 6, 161; er sagte mit störrischem gesichte quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569b; sprach einer noch ein wort; geschah es mit einem störrischen gesicht Brockes irdisches vergnügen 8, 341; die menschen mahlten sie, entblöszt von glanz und lichte, als feindin aller lust, mit störrischem gesichte Drollinger gedichte 289; Gertrud, mit einer störrischen miene J. G. Jacobi werke 4, 168. b@gγ) sonst: mit einer so strengen diät muszte euer Diogenes wohl keine störrischen organe besitzen? Göthe 45, 152 Weim.
10125 Zeichen · 146 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Störrischadj, adv

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Störrisch , — er, — te , adj . u. adv . s. Störrig .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    störrisch

    Goethe-Wörterbuch

    störrisch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. Spezial
    störrisch

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    stör|risch adj. (trotzig, unfügsam) ostiné (-ná, -nada) , da fá ert, testard (-rg, -a), dal ce dür. ▬ störrisch e Ziege …

Verweisungsnetz

13 Knoten, 9 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 8 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoerrisch

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von stoerrisch

stoerr + -isch

stoerrisch leitet sich vom Lemma stoerr ab mit Suffix -isch.

Zerlegung von stoerrisch 2 Komponenten

stoer+risch

stoerrisch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stoerrisch‑ als Erstglied (2 von 2)

störrischer sinn

DWB

stoerrisch·er·sinn

störrischer sinn animus minax, arrogans, fastosus Stieler ; sie hat viel zu einen störrischen sinn engl. comedien u. tragedien (1624) y 5 b …

störrischheit

DWB

stoerrisch·heit

störrischheit , störrischkeit , f. , zum vorigen und wie oben störrigkeit: er hatte ein rotes gesicht ... und es lag eine sonderbare störris…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „stoerrisch". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/stoerrisch/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „stoerrisch". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/stoerrisch/dwb. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „stoerrisch". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/stoerrisch/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_stoerrisch_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„stoerrisch"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/stoerrisch/dwb},
  urldate      = {2026-05-19},
}