störrig,
störricht,
adj. ,
zu storren,
m. (
truncus, s. oben). —
die umlautlose form storrig (Kehrein
Nassau 1, 394
und (?)
hierher bayr. storig Schmeller
2 2, 779)
benutzt im wechsel mit der umgelauteten Luther;
vereinzelte verwendung auch noch in der neueren sprache: so schöpft Fontane
aus seiner märkischen mundart die form ohne umlaut für die eigentliche (
körperliche)
bedeutung des wortes (
s. unter 1), störrig
dagegen kommt ihm aus der schriftsprache und beschränkt sich auf den übertragenen gebrauch (
z. b. I 1, 258);
auch die umlautlose form bei Eichendorff (
neben der umgelauteten): sie sei das storrigste und trotzigste weib von der welt
graf Lucanor 157. —
ein seltenes stürrig
bei Luther
und Paracelsus (
s. unten). —
die hauptbedeutung unseres wortes liegt auf dem übertragenen gebiet, worauf sich unten die form störrisch
dann überhaupt beschränkt: '
der wie ein storren (
truncus)
und unbehauen (
th. 11, 3
sp. 292)
und ungehobelt (
sp. 710)
ist',
alles übertragungen, die sich auf dem grunde der altdeutschen holztechnik bewegen; einen urzeitlichen hintergrund zieht herauf R. Much
wört. u. sach. 1, 42.
vgl. die im übrigen miszverstandene erläuterung: impolitus, unschurlich, nit sturrig
in dem auch sonst fehlerreichen Frankf. gloss. von 1476 (Diefenbach
nov. gloss. 211
b),
vgl. daneben noch entsprechende bildungen mit ähnlichem begriffsinhalt, wie stockig (
oben sp. 105
unter 3)
zu stock (
sp. 38)
und besonders knorrig (
th. 5
sp. 1491
unter 4)
zu knorre (
sp. 1489). — störrig
wird für stockig
empfohlen allgem. deutsche bibl. 6, 2, 217. —
s. im übrigen unter störrisch. 11)
eigentlich und körperlich genommen: 1@aa)
steif, hart, emporstarrend (Kehrein
a. o.): störrige, wilde, dürre zweige J. Böhme
schr. 6, 317; (
der schneidemüller) fegte mit einem kurzen, storrigen besen den schnee ... fort Fontane I 6, 371; man pferdehackt einen zähen, storrigen boden nicht wie, noch wann man will Schwerz
prakt. ackerbau 481; schroffe, störrge bergesriesen ... neigen, unbeugsame wächter, ihr gefurchtes haupt herab Gaudy 7, 152;
vgl. der schlappernde langstörrige degen
quelle bei Müller-Fraureuth 2, 569
b; ein wüster langstörriger sangfasan
ebenda. 1@bb)
vom schielenden auge: störrige augen hatte er (
Thersites), ein todte farb Alberus
fabeln 9
neudr.; strabo, qui oculos habet distortos, flerraugen, störrige augen Alberus (1540) T 2
b. 1@cc)
von der körperlichen beschaffenheit einer person: der storrige hausknecht ... drängte sich an Bamme, um ihm beim aufsteigen behilflich zu sein Fontane I 2, 195.
vgl.sahe er (
der teufel) einen unter dem haufen stehen, störrig und knörrig wie einen bawm Luther 8, 158
a. 22)
moralisch - geistig '
halsstarrig, starrsinnig, widerspenstig, eigensinnig, unlenksam, widerstrebend'
u. s. w.: störrig
praefractus Alberus (1540) i 1
b; störricht, rauh,
austerus Saurus-Melanchthon (1591) H 8
a;
neben störrisch Kramer
dict. 2, 986
b.
unser wort bei Luther,
dem es ausgang und verbreitung dankt; im Basler neuen testament von 1523
durch widerspennig, streittig
erklärt. nach Campe '
von einer finstern und menschenfeindlichen gemüthsart' (
wodurch es sich von wörtern wie hartnäckig, halsstarrig, starrsinnig, eigensinnig
unterscheide). 2@aa) Luther
läszt den bildlichen grund der übertragung gern hervorscheinen: das sie fein vernunftige weiber sind, nicht storrige klotz 25, 45
Weim.; ideo regendum, qui sterrig kletz und steck sunt, terrendi minis 28, 689
Weim.; welche storrig, klötze, stein, stöcke und sewtröge sind
ebenda. —
in der verbindung: dann wo wir diese gerechtigkeit lernen, do ... faren sie dawider mit irer gerechtigkeit, ... die der vernunft gemes ist, darauf stehen sie so
storrig und knorrig, das inen nicht kann eingehen, was man inen sagt oder singet 6, 130
a; hic wil nit hindurch storrig und knorrig mit dem kopf 17, 1, 145
Weim. — dagegen die gottlosen so störrig, stöckisch, unbeweglich und hart sind 28, 689
Weim.; die yhr doch sonst ynn aller veter spruche so storrig, klug und unbeweglich seyt 23, 132
Weim. (
so die hds.; die drucke haben mit starrig
nicht das bessere). —
neben steif: aber weil sie so störrig und steif sind, wil ich auch yhres schirmschlags (
fechterhieb, in die luft geführt) brauchen 26, 475
Weim. 2@bb)
rein sinnlich ist auch noch die anschauung in dem gegensatz störrig und krumm, wie sonst schlecht (
gerade gewachsen) und krumm
von bäumen und menschen (
th. 5
sp. 2443
ff. unter II, 1,
a, α und β,
dazu 2,
a); beug was störrig ist und krumm Wackernagel
kirchenlied 4, 330. 2@cc)
von personen. 2@c@aα)
der grundzug des feindlichen, unfreundlichen, besonders in der älteren sprache deutlich: die selbigen storrigen, unsanfte menschen Luther 10, 3, 405
Weim.; unheuszlich, knorrich, storrich, unfreundtlich, verwegen und alles, was widder gott ist und heyszt, ist, meyn ich, auch bösz S. Franck (1541)
sprüchw. 2, 199
b; die grewlichen zeiten ... seind schon albereit ... vorhanden, in deme, das man gar sehr viel menschen findet, die ... gottes kraft in ihnen verleugnen, sintemal sie seind ... störrige (menschen) Ringwald
lauter wahrheit A 2
a; der störrige und boszhaftige Saturnus hat mit seiner erhöhung gegen mitternacht den gütigen und freundlichen Jupiter nidergetruckt Stephan Rat
die weissagung Johannis Lichtenbergers C 2
b; noch seyn wir lutherische so störrige kerle, verachten und vernichten die papisten mit ihren heiligen
theatr. diabol. 85
a; mainet aber einer, das Absolon allein ein sölcher storriger und unartiger mensch gewesen? Gretter
ep. Pauli an die Römer (1566) 713; ferner auch genugsam wider etlicher frefeler, stOerriger, unversuchter leut mainung, die sie für bös und schädlich verschraiten, ire unschult ... an den tag gepracht Fischart
podagr. trostbüchl. 63
Hauffen; die unterlassung des segens derjenigen sauertöpfe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürüber gehen Dannhawer
catechismusmilch 1, 438. — meister Floh erfuhr, was er längst hätte wissen sollen, nämlich dasz mit dem störrigsten menschen etwas anzufangen ist, nur nicht mit einem verliebten E. Th. A. Hoffmann 12, 58; der störrige, stolze mann Willibald Alexis
Roland von Berlin 1, 125; dasz Ignatz, störriger und unbrauchbarer als je, nun wirklich seines dienstes entlassen (
sei) Holtei
erz. schr. 1, 59. 2@c@bβ)
besonders im familienhaften verhältnisz, vgl. störrig, '
die keine natürliche liebe haben gegen ihr fleisch und blut' Prätorius
reform. astrol. 237. — störrige eltern Luther
tischreden 321
a; denn man findet viel störrige, wunderliche eheleute, die einander feind sind, raufen und schlagen 306
a;
vgl.: der ander, der ein weib dem alter vergleichet, der wird vieleicht ein bose weib gehabt haben, oder ist ein so storriger stoicus gewest, das er niemand umb sich hat leiden können Johan Freder
ein dialogus dem ehestand zu ehren geschrieben (1545) C 4
a; dan was für armselige ehe und haushaltungen weren dise, daraus gebannet weren zucht ..., wann keyns dem anderen nachgebe, keyns sich nach dem andern mäsigte, sondern weren wild, störrig, widerspänstig ... ungezämt irer begirden und zorns? Fischart
ehzuchtbüchl. 238
Hauffen; man findet aber underweilen manchen storrischen vatter Agricola
sprichw. (1534) H 1
a; allwo ihr mehr guts geschahe als von ihrer störrigen schwiegermutter geschehen können
polit. colica 340; es ist mein sohn, es ist mein verwandter; aber es ist ein störriger mensch, ein bösewicht oder ein narr Bode
Montaigne 2, 9; hier mein pflegesohn ist ... ein störriger bursch Rückert
werke 11, 449; saht ihr ein kind so störrig je, als dies? H. v. Kleist 2, 196 (
Käthchen 1, 2).
in der anrede: drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich zu ihr die strengen worte: störrig kind! Schiller 13, 350 (
Turandot 1, 1),
vgl. O. Ludwig 4, 319. 2@c@gγ)
in der gelehrsamkeit und weltweisheit: Aristoteles, der stürrige mann Paracelsus
opera 1, 122; (
vgl.hart und störrig Bode
Montaigne 1, 388); bei gott! so ist doch nichts störriger als ein philosoph Göthe 45, 42
Weim. 2@c@dδ)
sonst: (
wenn) durch einen schiedsmann kein vergleich kan getroffen werden ... so soll man dem störrigen und widerspenstigen theil eine gewisse geldstrafe auferlegen Hohberg
georgica 3, 41
b; er scheint ein störriger wunderlicher mann zu seyn, aber nicht grob Göthe IV 1, 10
Weim.; den kleinen hader schlichten zwischen dem störrigen Mermeros und dem sanften geliebten Klinger
werke 2, 250; aber unzufriedne, störrige, hadernde geister wie Byron, kämpfen mit der welt, geben oder empfangen wunden Börne 10, 223; (
die nuntien) litten nicht, dasz ... ungehorsame und störrige mitglieder, die man anderwärts los sein wollte, nach Polen geschickt würden Ranke
w. 38, 260; die störrige alte dame Laube 2, 179; an ihrer spitze der ehrenwerte, aber störrige und kurzsichtige consul Octavius Mommsen
röm. geschichte 2, 311 (
vgl. 3, 200); darum hast du auch dein ränzlein immer geschnürt wie ein störriger geselle, der den wanderstecken nicht aus der hand legt, weil die leute sich mit ihm nicht vertragen können Brunner
erzählungen u. schriften 1, 260; ich bin der verwilderte, störrige landstreicher, der mann ohne heimat, ohne ehre W. Raabe
Abu Telfan 2, 155; und heimlich, mit ächzend gedämpfter stimme, wie'n störriger griesgram, der gut gelaunt wird, schwatzt er (
der nordwind) ins wasser hinein Heine 1, 166
Elster; hier (
auf diesem bilde) eine Latona in den sümpfen Lyciens, noch in bittender stellung, indess ihr gegenüber die störrigen, feindseligen wilden ... schon halb verwandelt da stehen G. Forster
schr. 3, 63: wolltest du jetzt an meinem busen dich wiegen, pochte ein störriger vasalle an dein reich Schiller 3, 132 (
Fiesko 4, 14); jedoch nicht lange zögern kann die kunde, getödtet sey der störrige barbar Gries
Bojardo (
verl. Roland) 1, 215; der allgewaltige diener des störrigen herrn Iffland
theatr. w. 10, 159 (
vgl. Immermann 1, 203); es klirrten die becher, es jauchzten die knecht; so klang es dem störrigen könige recht Heine 1, 46
Elster. 2@c@eε)
von sammelbegriffen: ein storrig und halsstarriges volk Prätorius
winterflucht (1678) 220; den fenstern des statthalters drohte ein steinregen, sein ansehen wurde verkannt, und man sah sich genöthigt, dem störrigen volke zu betheuern, dasz seine mitbürger auszer den mauern von Mainz nicht dienen sollten G. Forster
schr. 6, 372; es sind Deutsche, ein störriges und widerbelliges volk, weil sie sich rühmen, von den vätern her freie leute zu sein G. Freytag 11, 122 (Börne 2, 176): denn, wenn der könig fern ist, thun die wächter den störrigen provinzen doppelt noth! Hebbel I 2, 270; (
in anspruch genommen) von der würde, die er nun angesichts der störrigen menschheit zu behaupten den muth nie sinken lassen wird Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 106; das störrige Paris Laube
schr. 5, 62. 2@c@zζ)
ungezogene oder gar böswillige verweigerung von rede und antwort in der zusammenstellung störrig und stumm: Blifil war anfangs störrig und stumm, und erwog in seinen gedanken, ob er nicht noch alles läugnen sollte Bode
Thomas Jones 6, 455; nun kam es auch, dasz der vater begann, ihr ermahnungen über ihr störriges und stummes wesen zu geben. dann, wenn sie auch eben redete, hörte sie plötzlich auf, wurde noch stummer und noch störriger Stifter 3, 227. 2@c@hη) störrig sein
u. s. w.: merck ich, das sie storrig sind, so mach ich mich von yhn Luther 15, 615
Weim.; quale exemplum dedi de principe Friderico nostro, qui nicht polter, storrig sey 25, 43
Weim.: er (
Luther) war nicht störrig, fuhr niemand mürrisch an J. Schütz
sacramentteufel (
theatr. diabol. 2, 254
b); mit dem manne werden wir nicht fertig, er ist boshaft und störrig und verbissen G. Freytag 6, 128; wenn er störrig sein sollte, wird der aufenthalt in Gotha am besten
dazu dienen, ihn zu bestimmen
an herzog Ernst 54; lasz sie durch ein gesetz von ihrer pflicht belehren, und wenn sie störrig sind, durch flamm und schwert bekehren Göthe 16, 22
Weim.; denn wer im wasser steckt bis an die kehle, musz störrig seyn, wenn er nicht hülfe schreit Gries
Ariost (
rasender Roland) 1, 21; und auch den vortritt werde ich nur einmal verlangen, wenn du nicht zu störrig bist, nur heut, nur hier am dom, und niemals mehr Hebbel I 4, 104 (
Nibel. II 3, 6); aber vil schälcke under ihnen seind also störrig, filtzig, ungehorsam, halsstarrig, aufsetzig, untrew, betrüglich, und gotlose buben, die von hertzen geneigt, die frommen alle zu verführen Lorichius
instruction und bericht (1618) 304; diese menschen sind so störrig und lügenhaft, dasz sie stets nur damit umgehen, mich und alle zu täuschen, mit denen sie irgend etwas zu thun haben Eichendorff
graf Lucanor 148; 'und immer nur vom alten recht? wie du so störrig bist!' ich bin des alten treuer knecht, weil es ein gutes ist. Uhland
ged. 1, 72; nichts desto weniger aber weren die drei menner drüber erbittert und so störrig worden, für das, dasz sie der stenden decret mit gehorsam bestätigen, und irer empter rechenschaft geben solten Jean de Serres
frantzös. histori (1574) 124
a; aus einem geschmeidigen, freundlichen, aufgeweckten manne, wird er verdrieszlich, rauh, und störrig
neuestes aus der anmuth. gelehrsamkeit 1, 604; betrachtet nur, wie störrig, widerhaarig und trotzig ein volk wird, das blosz vom ackerbau lebt Ad. Müller
verm. schr. 1, 129. — die düringische baurn habe ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden Luther 18, 391
Weim.; je mehr du bei ihnen erläuterst und belehrst, je störriger werden sie Grabbe 3, 526. — wie die sünde den menschen storrig, unempfindlich, schlecht, gantz tod macht Luther 3, 206; das feuchte klima ... macht sie phlegmatisch, gleichgültig, ungesellig, störrig G. Forster
schr. 3, 90; diesen aber hatte der zwiespalt mit seinem gefährten und der nicht zu ende gesprochene streit nur störriger gemacht Fouqué
zauberring 1, 140. — störrig bleiben
vgl. G. Freytag 2, 258. — hier steh ich, götter, und bekenne, bekenne, was man mich beschuldigt, und noch mehr: verdien ich noch, dasz man mich störrig nenne? Wieland 5, 194. 2@c@thθ)
störrig gegen (
wider)
einen: es hilft nichts wider gottes anschläge; vergebens ist man wider sie störrig Chr. Starke
synopsis (1735) 2, 129; dasz meine kinder ... sie immer weniger liebten und ... immer kälter und störriger gegen sie wurden Bahrdt
gesch. seines lebens 4, 91; störrig gegen den schulzwang geht er (
Byron) ... umher Laube 8, 359; doch störrig war auch dieses volk gegen des treibers streichelnde hand Schubart
ged. 1, 331. 2@dd)
von einem menschlichen theilbegriff, besonders vom kopf, wie sonst starrkopf (
th. 10, 2
sp. 928)
vgl. Wallhausen
kriegsmanual (1616) B 3; auf dasz aber euer liebden der jungen grafen eigenschaft etlicher maszen erkennen: so hat der ältere einen etwas störrigen kopf; den wollen eure liebden so viel mildern, als möglich Bauernfeld
ges. schr. 5, 59; auch die nicht ist ein sawer topf, hat kein störrichten wilden kopf Mathesius
werke 2, 299. 2@d@aα)
dann wieder für den ganzen menschen, wie starrkopf 2
und kurzerhand bayr. kopf,
der trotzkopf (
th. 5
sp. 1767): es werden eitel storrig, knorrig kopf Luther 25, 484
Weim.; je mher ich mit der storrigen knorrigen kopfen ago 29, 489
Weim.; umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopfe willen 32, 377
Weim.; die storrigen kopfe nihil curant 34, 1, 309
Weim.; (
gott straft nur,) das er dadurch dem bösen wehre, und mus damit die storrigen, knörrigen köpfe, so gar on schew rauben, stelen ... ein wenig schrecken, umb der seinen willen 6, 48
a; aber weil sie (
die geistlichen) Bonifacio in allen seinen newrungen ... nicht recht geben wollen, hat er ihnen auch hinwider hart zugesetzt, sie falsche lehrer, stoltze, ehrgeitzige geister, störrige friedhessige köpfe gescholten C. Spangenberg
Bonifacius (1603) 28
a; wann aber solche störrige umbilliche saturnusköpfe mit keiner bewegnis zu erkäntnus ihres unrechts zu bringen (
sind) Hohberg
georgica 1, 33;
vgl. noch du störriger krauskopf Arnim 20, 133. 2@d@bβ)
sonst noch im umkreise des menschlichen mikrokosmus zu erwähnen: 2@d@b@aaαα) ein storrig hertz Luther 10, 3, 164
Weim.; und Mose habe solch gesetz yhm nach gelassen umb yhres harten storrigen hertzen willen 30, 3, 214
Weim.; zu sterckung der störrigen und ungehorsamen hertzen Mathesius
Sarepta 160
a; warum soll ich mit zwang ein störrig herz erfreun? Gottsched
deutsche schaubühne 4, 226; ein störriger sinn Kramer
dict. 2, 986
c (Buchholz
Herkuliskus 1129); (
einsehen,) warum sich mein störriger sinn der philosophie der schulen so starr widersetzt hatte Tieck 6,
vorber. xix; dein störriger sinn ... ist eine unart und verwöhnung deines geistes 17, 121; 'fürwahr', sprach der alte herr Hugh weiter, 'lieber Walther, ihr seid mir recht nöthig ... o kommt doch nur öfter herein, ihr lächelnder gottesbote mit eurer liedergabe, und sänftigt mir den störrigen sinn' Fouqué
zauberring 2, 18; aber sein störriger sinn findet sich gekränkt Arnim 2, 21; obwohl ich nicht begreife, wie mein sprödes, mein störriges gemüth sich einem menschen anschlieszen konnte in so kurzer zeit ... wie hat ihr umgang mich so ganz geändert! Bauernfeld
ges. schr. 4, 134;
vgl.: dem bürgermeister hergegen sollte alles verschwiegen bleiben, davon seiner störrigen gemüthsart ... einiger skandal ... zu besorgen war Arnim
kronenwächter 1, 104; — (
die menschen zuletzt) ein störrige, grimmsüchtige, hartneckige natur bekommen Heyden
Plinius (1565) 31; feindseliges, störriges, finsteres, unleidliches wesen lernen J. Müller
w. 4, 70; ein sonderbarer, störriger charakter! H. Beck
verirrung ohne laster (1793) 130 (5, 1). — mein störrigs angesicht betraf nicht jederman Anton Ulrich von Braunschweig
Octavia 1, 897; (
wenn man) all traurigkeit und störriges sähen ablegen und vergessen will Kirchhof
wendunmuth 1, 4; sein frostiges, störriges aussehen, womit er die freundlichsten blicke erwiederte Laroche
frl. von Sternheim 1, 243. 2@d@b@bbββ) laufen, wie wol sie niemandt verfolget, allein vor iren storrigen wan Luther 10, 3, 164
Weim.; wie viel mehr sollt yhr das toben und storrige tyranney lassen 18, 297
Weim.; verflucht sey ir zorn, das er so heftig ist, und ir grim, das er so störrig ist
1. Mos. 49, 7; eines störrigen verschweigens (
beschuldigen) J. A. Scheibe
crit. musicus 282
anm. (
vgl. dazu oben 2,
b); ihre störrige unverträglichkeit öffentlich zu tage legen Wieland 7, 277; störriger eigensinn Schleiermacher I 5, 600; nie des weichen sinnes, noch minder störriger parteisucht werk, immer der freiheit reinste that
monologe 52; Anna erschwerte ihm diese aufgabe durch eine eigne störrige laune Arnim
kronenwächter 1, 420; mit störrigem trotz Moltke
schr. 2, 56. —
auch: eine störrige antwort Adelung. 2@d@b@ggγγ)
personific.: von einem demüthigen retter läszt sich auch das störrige laster am liebsten retten Gellert
werke 7, 70; die störrige vernunft liesz sich durch geschickte auslegung befriedigen J. H. Voss
antisymbolik 2, 426;
vgl.: falschheit und freche selbstsucht, bejammernswerthe schwäche, störrige dummheit und frömmelnde hoffahrt ... auf allen seiten W. Raabe
hungerpastor 243; 2@ee)
von thieren, welche sich dem menschlichen willen nicht fügen wollen: (
als er) den versuch machte, am prallstein abzusteigen, war das thier störrig Willibald Alexis
hosen des herrn von Bredow 1, 127; (
die) thiere sind störriger, denn du denkst Chamisso
werke 3, 316 (G. Regis
Bojardos verliebter Roland 111); von seinem störrigen pferde Laube 15, 117; es war eigentlich viel poesie in diesen amphibischen fuhrleuten, die in beständigem kampfe mit stromschnellen, untiefen und störrigen gäulen den tag (
verbrachten) Steub
drei sommer in Tirol 1, 30; bald spornt dein zorn mich, dasz gleich störrigen (
der druck hat störigen) rossen der witz sich bäumt in keckem sprung und bogen Rückert
werke 1, 290; das ist also ein gewitter, ... wobei thauwind herrscht und acht tage lang beständig umspringend die wolken hin und hertreibt, als wäre der 'wetterleichende' Loki an die störrigen wolkengeiszen gebunden Laistner
nebelsagen 289;
vgl.: deshalb hake ich mich in meinem stalle fest wie eine störrige geis A. v. Droste-Hülshoff
an Luise Schücking 285; jetzt — kannst du mir sagen, wie es die liebe macht, der flügelknabe, wenn sie den störrgen leun in fesseln schlägt? H. v. Kleist 2, 104 (
Penthesil. 15)
E. Schmidt. 2@e@aα)
in der scheltensprache: da nue Eva dem Adam von gott zugefret und vertrawet wird, lauft Adam nicht wie ein stOerriger, grober, eheloser bapstesel oder morrischer unholt frm weibe Chr. Irenäus
Adam und Eva (1570) G 6
a; kein bericht wird je darüber sprechen, ob ein minister mit so und so viel mühe eine störrige mähre von fürsten zurecht geritten hat Lagarde
deutsche schr. 447. 2@e@bβ)
aus einem theilbegriff schöpft die redensart: andere haben niemand ohn einen jungen witman, der die störrigen hörner schon abgelaufen, freyen wollen
Reinicke Fuchs (1650) 374,
vgl.horn (
th. 4, 2
sp. 1816
unter 5,
d). 2@ff)
adverb.: das also
s. Paulus mit zungen reden nicht so störrig verbeut Luther 18, 125
Weim.; dann der kompt eigenes ubeles umb, der das lauter, umb sonst angebotene heyl storrig verwirft Michael Rink
paraphrasis Erasmi uber das evangelium Joannes (1524) F 2
a; welches (
weib) zur unzeit, wann der man vileicht kurzweil suchet, ganz überzwerch sawr und störrig zur sachen pflegt zu sehen. und hinwiderumb, wann der man ernsthafte sachen vorhat, kurzweilen, lachen und mutwill treiben will Fischart
ehzuchtbüchlein 137
Hauffen; störrig sprechen
vgl. neuestes aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 4, 289; man siehet, wie seine freunde ihn (
Spinoza) lieben, wie alle, die ihn kennen, ihn schätzen, und wie er sich dessen nie überhebt, keinen aber störrig abweiset Herder 16, 423; was sie mir über die gröszer werdende gleichgültigkeit der Engländer gegen Shakespeare schreiben, musz also zweifel nähren, dasz dies volk, was ihm im groszen gelingt, im einzelnen störrig von sich weise Jacob Grimm
im briefw. mit Gervinus (u. Dahlmann) 2, 112; dann braucht man wieder so manchen freund, den man erst störrig wegstiesz! Zach. Werner
söhne des thales 2, 10; sich den obern zu widersetzen, einem sieger störrig und widerspenstig zu begegnen Göthe
gespräche 2, 111; in der gefangenschaft betragen sich diese vögel (
die wachholderdrosseln) anfangs wild und störrig Naumann
vögel 2, 1, 304; und wenn sie noch so schön mit allen schertzen kan, stellt sie sich doch bei dir mehr als zu störrig an C. Abel
Boileau 86; störrig trittst du nun einher Heyse
w. 3, 109; warum du unsre heilge mutter kirche so störrig niedertrittst und Stephan Langton, erwählten erzbischof von Canterbury, gewaltsam abhältst von dem heilgen stuhl?
Shakespeare 1, 47 (
könig Johann 3, 1);
entsprechend 2,
e: er streichelte und koste den nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. ich will euch die zackigte sporen ins fleisch hauen und die scharfe geisze versuchen Schiller 2, 77 (
räuber 2, 2); störrig knirscht in den zügel das sonnenrosz 1, 302. 2@gg)
subst.: also soll man handlen mit den storigen und wider die halsstarcken Luther 10, 3, lxi
Weim.; man wis wol, wie man des bans sich geprauchen sol, nicht zu verdammen, sunder die stürrigen und widerspenstigen zu bezwingen und schamrot zu machen, dadurch yhre sünde bekennen und leid darüber tragen 23, 459
Weim.; die störrigen und unwissenden G. Keller
nachl. 274; der störrige fällt ins interdikt Platen 2, 28. 33)
die adverb. form (
unter 2,
f)
als erstes glied einer zu sammensetzung: störrigkalt, adj., '
sehr kalt, knitterkalt',
wie sonst starrkalt (
th. 10, 2
sp. 928): jedoch kan man dein thun den (
holdseligen) worten kaum gleich finden, sunst würdest du, hertzlieb, des winters härtigkeit und störrigkalten frost erwaichen und entzünden Weckherlin
gedichte 2, 397. —
störriglos, adj. '
unbotmäszig und sittlich ungebunden' (?
eine anlehnung an starrig
th. 10, 2
sp. 927): mit strafen, die gott der herr gesätzt der stärriglosen rott, die sein gebott verletzt Rompler von Löwenhalt 148. —
störrigträge, adj.: der grosze zuchtmeister der welt ... sucht seine störrigträgen schüler mit unsäglichen leiden heim Dahlmann
franz. revolution 476.