störrigkeit,
f. ,
zum vorigen; an stelle von stockigkeit (
sp. 107)
empfohlen allg. deutsche bibliothek 6, 2, 217. 11)
im eigentlichen sinne: das obertheil der ohren, welche spitz sein sollten, ist durch die haare bedecket, die auch nicht die gewöhnliche störrigkeit haben, sondern sich in lieblichen krümmungen legen Winckelmann 4, 95;
und so im bildlichen gebrauch: einseitigkeit des geschmacks und störrigkeit sich anzuschmiegen an den geist seines volks Schubart
ästhetik der tonkunst 269. 22)
übertragen —
bildlich im sinne von störrig 2: bey seiner störrigkeit bleiben,
rimanersi, restarsi contumace, perfidiare sulla sua opinione Kramer
dict. 2, 986
c; solche unfreundlichkeit, störrigkeit (
eines weibes) macht den man zu allen dingen verdrossen Mathesius
Syrach 171
b; bringt unsre (
der frauen) störrigkeit den buhlern ungeduld, so sind sie selbst an ihrem schicksal schuld Weichmann
poesie der Niedersachsen 5, 349; und für den mann das höchste gut, wenn seine frau mit sanftem mut die klugheit ihres mannes fassen und sich von ihr mag lenken lassen, dagegen störrigkeit mir auch zuwider ist wie knobelauch O. Ludwig 3, 649; (
die marquisin,) die ihrer tochter allerley heilsame lehren giebt: welche diese mit jähnen und störrigkeit anhöret
neuestes aus d. anmuth. gelehrsamkeit 1, 58; es ist mir lieb, dasz sie nichts von der schweizerischen störrigkeit angenommen Winckelmann 11, 208 (Dahlmann
gesch. v. Dännemark 3, 161); (
selbsttäuschung,) indem er der natur durchaus keinen antheil an seiner störrigkeit geben will, die immer nur die behandlung der menschen und die verhältnisse in ihm gebildet haben sollen Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 157; Ilse sah mit betrübnisz, wie heftig ihr gatte unter der störrigkeit seines kollegen litt, die er als unreinliches wesen verurteilte G. Freytag 6, 267 (
verl. handschr.); in der weinstube sagte der director: 'der mensch ist unterthan des grafen und wird dort durch die karbatsche von seiner störrigkeit geheilt werden' 13, 11; die störrigkeit der alten mehr gemacht als natürlich Kürnberger
nov. 1, 89; weiszt du nicht, dasz störrigkeit den herrn beleidigt Rückert
werke 11, 469; und wer, vermessner sklave, giebt dir ein, an eure störrigkeit mich zu erinnern? Immermann 16, 364
Hempel. von einem thier entsprechend störrig 2,
e: störrigkeit des schweines Schwerz
prakt. ackerbau 662 (Brehm 1, 187
Pechuel-Lösche). —
sogar: das buch ist eins von denen, welche die störrigkeit der zeit, die sie einengt, nur langsam wie eine wurzel den felsen, sprengen können H. v. Kleist 5, 418
E. Schmidt. 2@aa)
im nebeneinander mit entsprechendem begriff: und dasz anstatt bey anderen höfen die öbersten staatsminister an ihrem stoltz und ihrer storrigkeit erkannt werden müssen: dieser von allen des hofes an seiner gelassenen, freundlichen und gütigen weise zu erkennen sey Besser
schr. 1, 165; die störrigkeit und die tücke Cramer
nordischer aufseher 1, 552; diese sorgfalt machte den capitän bei seiner sonstigen störrigkeit und oft unfreundlichem wesen bey den leuten sehr beliebt Lichtenberg
verm. schr. 4, 77; nehmen sie mir nicht übel, wenn ich ihnen als einfacher mann sage, dasz mir diese bildung ebenso wenig gefällt, als die unwissenheit und störrigkeit, welche sie an unsern landleuten in erstaunen setzt G. Freytag 6, 69 (
verl. handschrift); durch anmuth lassen wir auch die vernunft bestechen, wenn jener (
der schönheit) storrigkeit und zorn die stirne beut Hoffmannswaldau
auserl. ged. 3, 16. 2@bb)
mit adject. bestimmung: trotz aller seiner unbiegsamen störrigkeit hat er mit mir selbst noch nie händel gemacht J. G. Müller
Siegfried von Lindenberg 2, 35; rohe störrigkeit Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 166; für geld und gute worte liesz sich der wirt mit düsterer störrigkeit endlich herbei, sein pferd vom markte holen zu lassen Rosegger
alpensommer 340. 2@cc) aus störrigkeit: das man so trewlich warnet für falschen propheten und wolfen, ... das geschicht warlich nicht aus störrigkeit oder unruigkeit, oder aus lust und liebe zu zancken, kiffeln und hadern Chr. Irenäus
warnung und ursachen (1569) C 2
b (Hermes
Sophiens reise 4, 111); durch foltern wird von ihm (
dem frevler) erquälet, was er aus störrigkeit verhehlet J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 191. 2@dd)
eine theilbestimmung im genit.: sie wollten mich dressiren mit schlägen und schimpfen, allein umsonst mit aller störrigkeit meines charakters hielt ich ihnen entgegen, ... Gotthelf
schr. 1, 132; warum ein zaum in deiner linken? — damit des herzens störrigkeit zu bändigen Schubart
ged. 2, 325. 2@ee)
weiter bestimmt durch einen abhängigen satz: das hastige bauen des greises, die störrigkeit, auf seine satzungen zu halten, ... sind doch nur der dunkle, ermattende trieb des alten herzens, das so süsze leben noch über das grab hinaus zu verlängern Stifter 2, 130.