stetigkeit,
f. ,
beständigkeit; continuität. ahd. statekheit,
mhd. stætecheit, stætekeit, stætikeit.
abstractum von stetig;
zur entwicklung der ableitungselemente vgl. Wilmanns
deutsche gramm. 2, 383; 385. AA.
dauerhaftigkeit, beständigkeit, unbeweglichkeit. bis ins 16.
jh. lebendig. A@11)
in der juristischen terminologie, wie stetig 1 a, '
rechtsgarantie, gültigkeit, beständigkeit, sicherheit': unde dô diu hantvest guot mit stætikeite wart behuot mit maniger vestikeite sigel, und des kuniges insigel wart gehangen daran Ottokar v. Steiermark 44030
Seem.; doch dat ampt unses presterdombs bestedige wi mit vasten frede unde unvoranderlichen stedicheit in dussen allen
Osnabrücker gesch.-qu. 2, 48; wan umb krank gehugnisse der lude und umb mancherlei unmuszekeit der sine die furme aller dinge und aller virlihunge nach slifunge etzlicher zit virfellet entweder in ein zwifel oder zu male in ein virgeszenheit, so sint alwegen nottorftig gezugnisse der schrift und
auch ander stedekeit
städtechron. 17, 5; neben deme ... ist weiter fürgenomen und auf ein stätigkait beschlossen, das aine iede (
person abgaben zahlen soll)
österr. weist. 3, 46; wolte aber diu frowe ir morgengabe ane wærden durh swelhe not daz wære, swær die gewinnet, dem mak si chein ander stæticheit druber getun diu im stæte muge beliben, ane daz si daz berede zen heiligen daz si die morgengabe nimmer wider angespræche
stadtbuch v. Augsb. 164
Mayer. zu stetigkeit '
zur gröszeren bekräftigung der rechtsgültigkeit': des zu urchunt und ewiger stetikeit so han wir unsir insiegel an diesen brieff gehangen (1360)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 178; daz si ir stede ingesegel zu dem unsern an disen brief gehangen hant zu einer merer stedekeit aller diser vorgeschreben dinge
städtechron. 17, 19;
hierher noch, vereinzelt, '
zur bekräftigung, als ausweis der wahrheit': nimb hin und dise ketten gib meiner lieben zu stätigkeit und sag ir, das sie ein malzeit auff das köstlichst bereiten thu Hans Sachs 11, 227
K.-G.; etwas anders '
gültigkeit, wertbeständigkeit': dat men twier groschen min wenne ein schock scholde geven to tinse binnen der stad vor de mark ein borger dem anderen, alse lange dat de penninge eine stedicheit und ein stand hedden
städtechron. 7, 308. A@22)
unbeweglichkeit: wan uf deme ertriche foreinit sich einis iclichin sterrin craft sunderlichin durch di stedikeit des ertrichis, daz nicht umme leufit alse di andeerin element
paradisus animae 86, 9
dtm. meistens in abstracterer anwendung '
unveränderlichkeit, feste dauerhaftigkeit': daʒ riche hat niht stætikeit, daʒ niht vestet barmherzikeit Ulrich v. Eschenbach
Alexander 3777
Toischer; alse diu cristenheit in der sevenden werlt nichêne stêticheit ne weiz, wî lange siu stân solle
Sachsenspiegel 21
Eckhart; heute lieb und morgen leid; das ist der welt stetigkeit
bei v. Erlach
volksl. d. Deutschen 1, 219;
immutabilitas stätigkeit, bestendigkeit ... das kein enderung nit nimpt Frisius
dict. (1556) 653
b;
lediglich lexicographisch, s. auch u.: stetigkeit
perpetuitas, constantia, perennitas, continuatio Hederich
prompt. lat. (1753) 2150.
mehr im sinne von '
ewigkeit': nu volget mer! so wirt bereit uch freide in ganczer stedikeit
Alsfelder passionsspiel 38, 1217
Grein; ir gewant von alter nüt enwart verwandelot dekaine wis und hielt och sinen ersten pris: als sis von nüwem an sich leit, also belaib es mit stætekeit Wernher
Marienleben 12594
Päpke. die rein zeitliche bedeutung ist sonst für stetigkeit,
im unterschied zu stet
und stetig (3)
nicht bezeugt; auf einflusz von stet
und stetig
beruhend: stedikeit
frequentia voc. a. d. 15.
jh. bei Diefenbach 247
a. A@33)
vom menschlichen charakter und seiner haltung, '
standhaftigkeit, treue, beharrlichkeit',
besonders nach der höfischen periode in reicher fülle, mit dem 16.
jh. erlöschend. mit bezug auf bestimmte taten und haltungen: er (
der Chrysopras) klært das gesiht und nimt die gir der geitichait und gibt den menschen ain stætikait in allen guoten dingen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 439
Pfeiffer; noh nemugen sie von der statekheite des geloiben
concutere Williram
hohes lied 139, 6; min lieber herre, du waist wol das ich mit ganczer stætekait dir han min kunschait gelobet und gehalten Wernher
Marienleben 1929
Päpke; da littend ir lieb und leid, das tätend ir gar gerne mit gantzer stätigkeit Tschudi
chron. Helvet. 2, 464; Penelope hielt iren hailigen wittwenstand, in stetigkait ires mannes Ulixis Stainhöwel
de claris mulier. 7
lit. ver. —
vom ganzen menschen: wir wellen daz diu stætekeit der wîbes güete gar ein krône sî Walther v.
d. Vogelweide 43, 29; do wirt der mensche geleret stetekeit und starkheit, das der mensche als unbeweglich wirt recht als ein stehelin berg Tauler
pred. 330
Vetter; heldit si (
die seele) sich an die ewikeit, so wirdit si stede und starc, und mit der sterke und stedikeit uberwindit si wandilhaftige dinc
paradisus animae 104
dtm; sie seind in irem fürnemen verstockt, darmit beschuldigt er (
zu unrecht) ir stetigkeit
städtechron. 3, 132; die stäticheit oder vestichait ... das ist ein starkes vestes gemüet Hans Vintler
die pluemen d. tugent 4682
Zingerle; das minder warheit, stätigkeit, trew, redlicheit under münch und nunnen ist dann under den hänszlin in wälschlanden Eberlin v. Günzburg 1, 92
ndr.; ein jegklicher richter sol vier tugend an im haben ... das ein ist die gerechtigkeit, das ander die weiszheit, das dritt stätigkeit, das vierdt die masz S. Meichszner
kais. u. königl. land- u. lehenrecht (1566) 15
b; in allen guten, nutzlichen sachen ist die stetigkeit das schönste und das beste Wigand Gerstenberg
chron. 28
Diemar; die pfâwen habent saphirisch prüst und häls, daz ist stæter gelaub und stäteu werk, wan pei plâwer varb verstê wir gemainclich stætikait, wan ez ist ain reht himelvarb Konrad v. Megenberg
buch d. natur 214
Pfeiffer. —
im 16.
jh. gelegentlich an den modernen gebrauch anklingend, '
ausdauer' (
u. B 5 a): den gottseligen aber schreibt er zu vleisz und stettickeit in ausrichtung ihrer sachen J. Menius
auslegung uber die sprüch Salomo (1526) 34
b; '
ausgeglichenheit' (
u. B 5 b): bittere traurigkeit, wollust und zorn ist zu vermeiden, auf das die fridsamkeit und sicherheit des gemüts, die dann stetigkeit und würdigkeit bringet, bleiben müge Johann v. Schwarzenberg
officia Ciceronis (1533) 16
b. —
in neuer zeit nur unter besonderen umständen, die alte tradition darstellend: und er bewundert die 'stetigkeit' seiner dame Scherer
lit.-gesch.7 206; die rechte lieb und stätigkeit lasz ich dir, feins lieb, zur letze
bei Uhland
volkslieder (1881) 137; in blau will ich mich kleiden, bedeut schön stetigkeit A. v. Arnim 21, 146
Grimm. BB. '
folge, continuität, einheit',
seit dem 18.
jh. —
in der neuzeit ist stetigkeit
das abstractum nicht nur zu stetig,
sondern auch zu stet. B@11)
nachdem die alte bedeutung (A)
im 16.
jh. erloschen war, läszt sich das wort kaum noch verfolgen; vgl. o. stetig (
sp. 2568).
die einzigen spuren des wortes seit dem 16.
jh. bis in die erste hälfte des 18.
jh. weisen auf die moderne bedeutung, ohne dieser jedoch genau zu entsprechen. '
ruhe, stille, unbewegtheit': kein nebel zeucht sich auf, kein regen und kein wind bei dieser stetigkeit itzt zu befahren sind P. Fleming
deutsche ged. 1, 60
lit. ver.; '
innere ruhe, sammlung',
vgl. u. 4: sie aber ... nahme ihr nicht die stätigkeit, mich anzuhören, und konte kaum soviel sich zwingen, mich als andere hauptleute zum handkusz zuzulassen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 447; ob man schon versuchte, ihn tröstlich zuzusprechen, so hatte er doch keine stätigkeit es zu hören, und wolte nichts bei ihm hafften G. Dexelius
hist. lustgarten (1701) 442;
anders: sie ... sang und rührte das clavier sehr angenehm: worzu ihr die natur eine grosze stetigkeit, eine wohllautende stimme und gutes ohr verliehen hatte J. v. Besser
schr. 2, 354
König; wie stet C 1 b: man lehret ihn (
den jungen soldaten) stätigkeit unter dem gewehre und die unbeweglichkeit einer bildsäule
J. Moore abrisz d. gesellschaftl. lebens (1779) 321;
in der lexicographischen tradition scheint die neue neben der alten bedeutung zu stehen: stätigkeit
continuatio (
s. u. 2),
perpetuitas, constantia, assiduitas, perseverantia, pertinacia (
s. o. A 3) Stieler
stammbaum 2125; stetigkeit
steadiness, steddiness, continuity (
u. 2)
or assiduity (
o. A 3) Ludwig
teutsch-engl. 1860. B@22)
die neue bedeutung ist am frühesten und ausgeprägtesten als '
folge, kontinuität'
bezeugt, wie stetig 4 a. B@2@aa)
in terminologischer schärfe: stetigkeit
continuitas Chr. Wolff
vern. gedanken v. gott (1720)
register; die stetigkeit bezeichnet den zusammenhang der gröszen ohne unterbrechung und merkbaren übergang vom kleinern zum gröszern oder umgekehrt und findet sowohl bei räumlichen als auch zeitlichen gegenständen statt Gehler
physik. wb. (1825) 8, 1049; in meinen beobachtungen über pflanzen und insecten habe ich fortgefahren und bin ganz glücklich darinne gewesen. ich finde, dasz wenn man den grundsatz der stetigkeit recht gefaszt hat und sich dessen mit leichtigkeit zu bedienen weisz, man weder zum entdecken noch zum vortrag bey organischen naturen etwas weiter braucht Göthe IV 11, 143
W.; seine nachweisung des zwischenknochen im oberkiefer des menschen, wodurch die stetigkeit der organischen entwicklung zwischen thier und mensch beurkundet wird D. Fr. Strausz
schr. 6, 120; wir wären auf diese weise an die gränze gelangt, wo die chemischen farben eintreten, ja gewissermaszen haben wir diese gränze schon überschritten, welches für die stätigkeit unsres vortrags ein gutes vorurtheil erregen mag Göthe II 1, 198
W.; aus dem zittern, wenn man schwach wird, solte man fast glauben, (
dasz) die wirckung des willens auf unsern cörper stoszweisz geschähe, und die stetigkeit in den bewegungen sich zum zittern verhalte, wie das polygen zum kreis oder der krummen linie Lichtenberg
aphorismen 5, 43
lit. denkm.; die deduction der eintheilung eines systems:
d. i. der beweis ihrer vollständigkeit sowohl als auch der stetigkeit der eintheilung, dasz nämlich der übergang vom eingetheilten begriffe zum gliede der eintheilung in der ganzen reihe der untereintheilungen durch keinen sprung geschehe Kant
ges. schr. 6, 218
akad.; so können sie (
die wissenschaften) den unbeweisbaren begriff der causalität entbehren und doch ihre aufgabe, die relative stetigkeit der succession bestimmter vorgänge zu constatiren und in praktischer hinsicht die erwartung auf das wahrscheinliche zu richten, durchaus erfüllen W. Windelband
gesch. d. neueren philos. (1899) 1, 341.
entsprechend gesetz der stetigkeit: loi de continuité wird ... durch gesetz der continuität gegeben, gesetz der stetigkeit wäre der eigentliche ausdruck
allgem. deutsche bibl. (1771) 25-36
anhang 1044; wenn ein geist sich wirklich von einem orte zum andern bewegt, so muss er nach dem gesetze der stetigkeit alle dazwischenliegenden örter nach und nach einnehmen
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 3, 97; je grösser der durchmesser wird, desto mehr nähert sich die ähnlichkeit aller theile, weil, wenn dieses nicht wäre, die unähnlichkeit bey der graden linie plötzlich evanescent werden müste, welches wider das gesetz der stätigkeit wäre Lichtenberg
br. 3, 43
L.-Sch.; diese idee ... ist nichts anderes als eine anwendung des stetigkeitsgesetzes auf die geschichte Schelling 1, 564. B@2@bb)
ebenso in weiteren anwendungsbereichen: die leidenschaften nicht beschreiben, sondern vor den augen des zuschauers entstehen und ohne sprung, in einer so illusorischen stetigkeit wachsen zu lassen Lessing 9, 185
L.-M.; ich habe nun alle acht bücher des romans aufs neue durchlaufen ... ich gestehe, dasz ich bis jetzt zwar die stätigkeit, aber noch nicht die einheit recht gefaszt habe, obwohl ich keinen augenblick zweifle, dasz ich auch über diese noch völlige klarheit erhalten werde, wenn bei producten dieser art die stetigkeit nicht schon mehr als die halbe einheit ist Schiller
br. an Göthe 2, 77; um uns die vorwärtsbewegung des engels in ihrer stetigkeit empfinden zu lassen H. Brunn
kl. schr. 3, 309; dasz derselbe dem ganzen leben des subjects seine einheit und stetigkeit gibt Fr. Th. Vischer
ästhetik 1, 265; stätigkeit und nothwendigkeit ist zwar der charakter der natur, aber nicht der freyheit Schiller 10, 515
G. —
besonders von der beständigkeit und continuität historischer entwicklungen oder mit der zeit fortschreitender gröszen: es ist für den staatsorganismus von höchstem werthe, dasz die einheit, die ununterbrochene stetigkeit der höchsten gewalt, fest und allen sichtbar dastehe in der verkörperung eines herrschergeschlechts und gegenüber dem wandelbaren willen der gerade lebenden volksgenossen Döllinger
akad. vortr. 1, 2; sieht man das verzeichniss so vieler gleichlautender namen (
der päbste) durch ..., so macht das wohl den eindruck einer ununterbrochenen stetigkeit Ranke 37, xii; das institut der ehrengerichte ... hat ... bisher noch nicht vermocht, ... eine stetigkeit der standessitte und der darauf gegründeten urteilssprüche zu begründen Wilhelm I.
milit. schr. 1, 449; es ist weit weniger stetigkeit im familienbesitz, als man glaubt W. Harnisch
mein lebensmorgen 12
Schmieder; wahrscheinlich ... hat, in folge der .. besonderen fürsorge für die stetigkeit dieser magistratur, der antrittstag der plebejischen oberbeamten sich factisch weit früher fixirt als der der patricischen Mommsen
röm. staatsrecht 1, 496; für die stetigkeit der wirtschaftlichen entwickelung muss ... es ... als ... vorteil bezeichnet werden
hwb. d. staatswiss. (1898) 2, 145. B@33)
der sinn der continuität (2)
erscheint leicht gewandelt als '
einheit, einheitlichkeit'
; es handelt sich dabei zunächst lediglich um einen wandel des gesichtspunktes, vgl.: zugleich aber erscheinen uns die meisten naturkörper als ein ganzes, und mindestens ist es bei keinem möglich, seine kleinsten bestandtheile (
die atome) wahrzunehmen, in ihrer zusammenfügung tritt also das gesetz der stetigkeit hervor Gehler
physik. wb. (1825) 8, 1050; '
einheit': die mathematik ist in den augen ihrer wahren freunde ... nichts anderes gewesen, als die wissenschaft des gegensatzes zwischen mannichfaltigkeit und einheit, zahl und stetigkeit, zwischen arithmetik und geometrie Adam Müller
verm. schr. (1812) 2, 272; vor derselben (
cohäsion) ist keine addition, das A = B ist schlechthin eines, absolute stetigkeit Schelling 1, 173; der gedanke, der in dem kopfe eine ununterbrochene einheit bildet, findet in einer, alle wörter organisch verknüpfenden sprache dieselbe stetigkeit wieder W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 322;
etwa '
gleichmäszigkeit': ja er suchte die vollkommenste stetigkeit des andenkens durch alle grade der abwesenheit und trennung hartnäckig zu erhalten Göthe 28, 256
W. —
im sinne von '
stabilität',
vgl. u. 4: die umänderungen durch fremde beimischung, bis sie wieder zu einem zustande der stätigkeit gelangen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 6; ein sanftes gewicht knüpfte die natur an unsern fusz, um uns diese einheit und stetigkeit zu geben: es heiszt in der körperwelt schwere, in der geisterwelt trägheit Herder 13, 26
S.; die erde, ... das urbild der ruhe und stetigkeit Lange
gesch. d. materialism. (1866) 485; dich aber, herr der welt, fliehn wechsel, grad und zeiten, du unbegreiflich meer von gleichen stetigkeiten bleibst ohne änderung Wieland I 1, 30
akad.; der eigene productenhandel und die stetigkeit der preise der exporten ist dadurch ... gehemmt Ritter
erdkunde 1, 132; stetigkeit ist die sicherheit des fahrzeugs gegen umschlagen v. Alten
hb. f. heer u. flotte 2, 251; die niedrige schwerpunktslage des ganzen fahrzeuges gibt ihm eine grosze stetigkeit
ebda 4, 779; seine persönlichen verhältnisse gelangen erst spät zur stetigkeit Scherer
lit.-gesch.7 439. B@44)
gleichheit, beständigkeit in der zeitlichen abfolge, der rein zeitlichen bedeutung von stet
und stetig
nahe und zum gröszten teil auf selbständiger ableitung von diesen beruhend. wie stetig 3: die betrachtung und die bildnerische darstellung lieben stetigkeit, die leidenschaft, die empfindung den wechsel der formen Uhland
schr. z. gesch. d. dicht. u. sage 5, 69; eine zweite eigenthümlichkeit dieser feststehenden rollenvertheilung war, dasz die stetigkeit des darstellers bei seinen einzelnen partien durchschien G. Freytag 14, 133; es gibt für gehör und verstand nichts widrigeres, als eine stetige hinauf- oder herabschiebung des tones, wie eine solche z. b. beim stimmen einer saite oder bei dem durch diese stetigkeit uns unausstehlichen hundegeheul stattfindet Fr. Th. Vischer
ästhetik 3, 4, 853; näher und näher kam der trupp, langsamen, aber durch seine stetigkeit unaufhaltsam fördernden schrittes C. Viebig
d. schlafende heer (1904) 1, 16;
vgl. auch u. 5 a. '
ortsansässigkeit, beständigkeit',
wie stetig 3 e: der stamm ... war zu einer wenigstens relativen stetigkeit der wohnsitze gelangt Mommsen
röm. gesch.2 1, 15; zu einer solchen endlosen stätigkeit gehört um so mehr liebe und lust für den ackerbau Fouqué
gefühle, bilder u. ansichten 1, 227; unter den pflanzen wende ich mich zunächst an die gattung orobanche, welche nicht blosz beispiele von stetigkeit, ferner auch von holdsein ... vorführt Ratzeburg
standortgewächse (1859) 260. B@55)
der sinn der continuität (2)
und einheit (3)
wird angewandt auf den charakter des menschen und seine haltung. die bedeutungen '
ausdauer in der zeit', '
festigkeit, geschlossenheit'
und '
ausgeglichenheit'
treten in verschiedenen übergängen und verbindungen hervor. die anwendung ist dem klassizismus eigen; Göthe
pflegt sie, vgl. R.
M. Meyer
Göthejahrb. 14, 180;
arch. f. n. spr. 96, 8;
Göthebiogr.2 661;
zs. f. d. wortf. 2, 310.
doch kommt ihr die einzige in den mundarten bezeugte anwendung des wortes, '
geduld, ausdauer, beständigkeit',
auszerordentlich nahe: do sitt gen stadigheit in de minske ten Doornkaat-Koolman 3, 294; darto het he kine stedigkeit
brem. wb. 4, 1012;
so auch Richey
id. Hamb. 289; Mensing
schlesw.-holst. 4, 815; Frischbier
preusz. 2, 365;
auszerhalb des nd. vereinzelt, s. luxemburg. ma. 421. B@5@aa)
ausdauer, gleichmäszige haltung des menschen beim durchführen von aufgaben im verlaufe der zeit: stetigkeit, streben nach einer sache Chr. Wolff
vern. ged. v. gott (1720) 267; ein mann, der mit unwandelbarer stätigkeit den geraden weg ging Hermes
Sophiens reise3 (1778) 1, 479; eine grosze lebhaftigkeit, die immer neue gedanken hervorringt, ist selten mit der stätigkeit verknüpft, die einen einzigen gedanken bis in seine tiefe verfolgt Herder 2, 289
S.; denn es wird sich so leicht nicht wieder finden, dasz ein dichter von dem gefühl so viel liebe zu eines andern werk fassen mag, und der glückliche übersetzer so viel thät- und stätigkeit habe um der standhafte übersetzer zu werden Göthe 37, 361
W.; solche menschen ... haben nichts von der einsamkeit zu hoffen, die ... an keine stetigkeit im guten sich gewöhnen Zimmermann
über d. einsamkeit 3, 169; weil sie zu ständigem tagelöhnern nicht viel gelegenheit und noch weniger stetigkeit haben, so wandern sie als handelsleute in die umgegend Gust. Frenssen
Jörn Uhl (1902) 39; die ausruh bester art ist wechselthätigkeit, wo gleich im wechsel bleibt des strebens stätigkeit Rückert 8, 230
Sauerl.; kein wachs so hart, das wärme nicht erweichte, drauf jeder druck zuletzt nicht haften bliebe! kein ding so schwer, das kühnheit nicht erreichte und stetigkeit — vor allem in der liebe! Freiligrath
ges. dicht. 6, 210; in ihr lebte eine neigung von einer tiefe und stetigkeit, wie sie unter den naturkindern des dorfes eine seltenheit ist Melchior Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 3, 20;
ähnlich '
führung, gleichmasz': mein privatstudium, ohne leitung von aussen und ohne stetigkeit von innen Bahrdt
gesch. d. lebens (1790) 1, 171.
mit stärkerer betonung der zeitlichen bedeutung '
ununterbrochenheit, regelmäszigkeit', 4
nahe: die ausführung des gedankens ward alsobald begonnen, und mit einiger stetigkeit so ziemlich durchgesetzt Göthe 32, 163
W.; (
der mangel an werkzeugen) verhinderte die wenigen, ihre beobachtungen mit der stetigkeit anzustellen, die nöthig ist, wenn man veränderungen bemerken will Lichtenberg
verm. schr. (1800) 6, 424; seit dem jahre 662 hatten die grenznachbarn Makedoniens ... ihre einfälle mit auffallender heftigkeit und stetigkeit erneuert Mommsen
röm. gesch.6 2, 287. B@5@bb)
festigkeit, ausgeglichenheit, konsequenz als eigenschaft des geistes: da diese lehre auf unvermittelte erkenntnis durch innre anschauung ausgeht, so fordert sie von dem geiste vor allem festigkeit und stätigkeit W. v. Humboldt
ges. schr. 5, 225; stätigkeit des characters musz consequenz in den maaszregeln herbeiführen A. H. v. Bülow
blicke auf zuk. begebenheiten (1806) 163; aber er gesteht uns hingegen eine eigenschaft zu, die wir von ganzem herzen wünschen, allgemein zu sehen: biegsamkeit im äusseren und stetigkeit im inneren
Frankfurter gelehrte anzeigen v. j. 1772
dld 7, 5; wir waren ferner nicht wankelmüthig; den der wankelmüthige hat nicht stätigkeit, genug grob seyn zu können Hermes
Sophiens reise3 (1778) 1, 308; was ist denn das, dieses sonderbare streben von der kunst zur natur, von der natur zur kunst zurück? deutet es auf einen künstler, warum fehlt mir die stätigkeit? ruft michs zum genusz, warum kann ich ihn nicht ergreifen? Göthe 19, 201
W.; aber auch nur so allein wird es gelingen, unserm volke die stetigkeit und feste haltung zu geben Thibaut
üb. d. notwendigkeit eines allg. bürgerl. rechts (1772) 458; characterlosigkeit führe nothwendig zur verdammnisz, wie die stetigkeit zum heil Scherer
lit.-gesch.7 177; denn weder muth noch heiterkeit führen zu der festigkeit und stetigkeit des willens Th. Abbt
verm. w. 1, 60; zum mustergültigen prosaschreiber fehlte es ihm ... hauptsächlich an ruhe und stetigkeit Chr. Fr. D. Schubart
br. 2, 317
Strausz; sie weinte vor neid. ... aber es gab ihr eine gewisse stetigkeit. es war metall. sie war ganz kühl und rechnete H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 69; er versichert sonach, an dem ausgesprochenen vorstellen ein wissen zu haben, eine stetigkeit, festigkeit und unerschütterlichkeit des vorstellens, auf der er unwandelbar ruhe Fichte 2, 5; erst nach ... der dadurch erreichten stetigkeit der eigenen betrachtungsweise gegenüber den einzelnen fragen des tages soll ... der ... mann sich an der politischen führung ... beteiligen Adolf Hitler
mein kampf (1933) 71.