steinalt,
adj. 11)
hochbetagt, grandaevus. 1@aa)
ohne weiteren nebensinn: summa senectute Stieler
stammb. 35;
attributiv verbunden mit mann: wie ich ... von einem steinalten
m. ... gehöret Kirchhof
wend. 3, 52
lit. ver.; der priester Libys, ein
st. m. Lohenstein
Arm. 1, 109; mein vater ... ist ... ein
st. m. Klinger
theat. 2, 86; zeigte er auf einen steinalten
m. Fouqué
alts. bild. 4, 126; ein trefflich steinaltes männchen von mehr als 125 jahren Jean Paul 32, 145
H.; von tieren: (
der rollaffe) kommt ... teils in banden vor, bei welchen sich immer einige steinalte männchen befinden Brehm
tierl.3 1, 233;
frau: von einer steinalten
f. verpflegt werden Schnabel
Felsenbg. 1, 360; da stand am lodernden herdfeuer eine steinalte
f. C.
F. Meyer
Jen. (1901) 29;
weib: zur zeyt Dionysii ... sey gewesen ein steynalt weyb Agricola
sprichw. (1534) i 4
a; Hauff
s. w. (1890) 4, 126; ein w., st., aber rüstig
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 129;
jungfer: ich will eine steinalte j. werden, wenn es nicht wahr ist Kotzebue
dram. sp. 3, 225; Bauernfeld
ges. schr. 8, 21;
mit anderen substantiven: ich wolte mich in mein steinaltes hertz hinein schämen
frantz. kriegs- Simpl. (1683) 3, 43; ich ward zwischen eine steinalte tante und einen jungen menschen ... hingeschoben Hermes
Soph. reise (1778) 1, 176; ein steinalter derwisch Jung Stilling
s. schr. 4, 597; auf den wink ... der liebenswürdigen steinalten gräfin Holtei
erz. schr. 28, 43;
prädicativ: ir werdet ... wol tawern und st. werden Mathesius
Sarepta (1571) 2
a; Petri
weissh. 2, k 4
r; die egyptischen einsiedler werden oft ... st. Zimmermann
einsamk. (1784) 1, 377; da ihr doch selber so st. seyd Tieck
schr. 9, 142; während ... der riese ... st. werden kann
myth.4 1, 371; ich gedenke st. zu werden G. Freytag
ges. w. 13, 125; die urahne ist ja ... st. geworden Storm
w. (1899) 2, 242. 1@bb)
häufig abschätzig mit dem nebensinn des altersschwachen, gebrechlichen, so meist in den wörterbüchern seit anfang des 17.
jhs.: steinalter mann
der den einen fusz schon im grabe hat, decrepitus, senex Decimator (1615);
nomenclator lat. germ. (1634) 237;
vecchio como una pietra o rocca, cioè vecchio decrepito Kramer 2, 950
b;
décrépit, cassé de vieillesse Schwan 2, 708
b;
mundartlich: stanalt
sehr alt Hügel 155; a stoanlda tattel mit eisgrauem bart Hartmann
volksschsp. in Bayern u. Öst. 8, 4; auf oamal kimmt a stoanalts wei Stieler
ged. 2, 53
Recl. st. und steinreich sind niedrige ausdrücke Braun
orth. gram. wb. 245
b;
verfehlte erklärung: st., der auf die steine sehen musz, worauf er geht, damit er nicht fällt Frisch 2, 329
b;
richtig: st. heiszt sehr alt, eigentlich so alt wie stein, weil man das alter des menschen mit dem alter eines steines vergleicht, der schon seit undenklichen jahren sein dasein gehabt hat Stosch
in berlin. monatsschr. (1783) 1, 156;
attributiv verbunden mit mann: o abgelebter und steinalter
m. A. Olearius
pers. baumg. 27; ein steinalter
m., der schon mit einem fusz auf dem grab stehet Stranitzky
ollapatrida 160
Wiener ndr.; fand er ... einen steinalten
m. sitzen, die augenbrauen wie bereift, die augen fast erloschen Fouqué
zaub. 3, 69;
frau: ihre groszmama, eine steinalte fr. ... entschlief J. Möser 3, 61; eine steinalte
f., die im lehnstuhle sasz und mit dem kopfe bebte K. Ph. Moritz
A. Reiser 345
lit. dkm.; eine steinalte zitternde
f. Heine 3, 32
E.; weib: erger ist es, wenn ein junger geselle ein steinaltes und kaltes w. nimpt J. Gigas
postille (1595) 1, 55
b; als ich ein jung geselle war, nahm ich ein steinalt weib v. Erlach
volksl. d. Dtsch. 2, 117; ein steinaltes weiblein, welches mühselig dahergepilgert kam G. Keller 5, 330;
ferner: steinalte mütter und wankende greise Böhme
volksth. lied. 494; als aus der ferne ein steinaltes, eisgraues mütterchen auf krücken hinankeuchte E. T. A. Hoffmann 6, 193
G.; wir steinalten, verlebten und unvermöglichen leute Mathesius
hochzeitpr. (1591) G 331
a; die beiden gatten lebten beinah ein seculum, betraten endlich beide steinalt und lebenssatt ... den düstern todespfad Hölty
ged. (1869) 13
Halm; ein steinalter, menschenfeindlicher hausverwalter E. T. A. Hoffmann 3, 139
G.; mit spöttischem unterton: auf einen steinalten liebhaber J. Grob
dicht. versuch. (1678) 64; weil sie so steinalt aussieht, haben sie sie (
die mühe) der Malcolmi nicht zugemuthet Caroline 2, 148
W. 22)
grauer vergangenheit angehörend oder auf sie zurückgehend: mehrere inhaber des ältesten thierkreises erkennt der symboliker, z. b. ... den steinbock, den steinalten urbock der Ägypter J. H. Voss
antisymb. 1, 38; eine steinalte prophezeiung Tieck 11, 40; die steinalte geschichte Jean Paul 36, 16
R.; dinge, die einem dann sehr bald einer steinalten zeit anzugehören scheinen A. v. Droste-Hülshoff
br. 221; der steinalte hesiodische vers Steub
wanderg. 44;
absichtlich übertreibend: ein steinaltes madrigal W. H. Riehl
Eisele (1848) 306.
oft mit einem unterton der verehrung: der baum, auf dem die kinder der sterblichen verblühn, steinalt, nichts desto minder stets wieder jung und grün Schiller 11, 348
G.; stets war unser geschlecht steinalt J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 287; der Raubholz war freylich ein graf und zwar von einem steinalten stamm Pestalozzi
s. schr. 4, 228; wenn über die schneeige firne von bergeshäuptern, steinalten riesen purpurn aufflammt das frühroth Arent-Conradi-Henckell
mod. dicht. 124;
in humorvoller selbstverspottung: die alten leute ... nennen sich selbst gern alte krieger ... oder ... steinaltes kommisz Imme
soldatensprache 13.
verstärkt