stankern,
stänkern,
verb. wittern, spüren, wühlen, suchen. das wort ist ausschlieszlich nhd. und seit dem 17.
jahrh., in zusammensetzungen seit dem 16.
jahrh. (Luther,
s. unten 2)
bekannt. es von dem voranstehenden worte abzutrennen, empfiehlt der durchgängige mangel des umlauts in den ältesten belegen. gleichwol liegt auch ihm stinken
bezw. stank in der subjectiven bedeutung des geruchsinnes (
vgl.stank 1)
zu grunde. so schon richtig Stieler (
s. 1)
und Adelung (1): '
als das iterativum oder intensivum des activi stinken,
sofern es ehedem auch riechen, den geruch zu empfinden suchen, bedeutete, ist stänkern
eigentlich den geruch mit mehrmahliger und heftiger einziehung in die nase zu empfinden, und dadurch zu entdecken suchen, wofür im gemeinen leben auch schnobbern
üblich ist. man braucht es nur figürlich in der niedrigen sprechart, für, aus vorwitz durchsuchen. in Meissen lautet es in dieser bedeutung, und vielleicht richtiger, stankern'.
vgl. auch Wachter 1586: '
a stenc (
ags. = stank)
posteritas fecit stenkern
et durchstenkern
olfactu explorare, quod proprie quidem convenit canibus, metaphorice vero iis, qui omnia curiose perquirunt'.
ihm stimmt zu Höfer 3, 179,
während Schmid 507
das wort von stange
ableiten will und auch Adelung
in der anm. an staken, stöchern
erinnert. s. ferner Anton 4, 12 (
von stank). 12, 6 (
von stange). Weinhold 93
b (
weiterb. von stangen
im abl. zu stingen).
vgl. auch stänker 3, stänkerei 3
und stänken 4,
c. 11)
das einfache wort ist in der umlautslosen form mehrfach bei schlesischen autoren des 17.
jahrh. bezeugt: nur dasz hierbei dies in acht zu nehmen, dasz wenn man solche umfliegende, stankernde und summende bienen aus den stöcken fliegen sieht, es ein gewisz zeichen sei, dass die bienen kürzlich auszuziehen in vorhaben sein.
M. C. Höfler
bienenkunst (1614) 133; die mutter schnurrt und purrt, in allen winkeln geht sie stankern rum und murrt. W. Scherffer
ged. 608; man stanckert in dem grab nach einer schwangern faust. A. Gryphius (1698) 1, 214 (
Card. u. Cel. 2, 204);
dazu: ich stanckere,
curiose aliquid perscrutor. Steinbach 2, 667.
schon vorher ist das wort in der umgelauteten form gebucht: stänkern, sive ausstänkern,
etiam est odorari, pervestigare, persentiscere, subolere, olfacere aliquid. Stieler 2170.
so in der litteratur: denn ich besorgte es möchte mir meine neugierigkeit fur ein verdrusz machendes stänkern ausgelegt werden.
avant. 1, 158; nimm sie (
deine mädchen) um gottes willen vor den domherren, ... und vor den — mönchen in acht ... lasz ihnen weder schreiben lernen, noch lesen; denn sonst stänkern sie in allen legenden. Thümmel
reise 7, 44.
diese form beruht wol auf vermischung mit (
dem ersten) stänkern,
wie sie auch in der bedeutung deutlich ist, vgl. den ersten beleg und z. b.: 'stänkern
seine nase in alles stecken, wohin sie nicht gehört, um dann die so erworbenen kenntnisse in unliebsamer weise weiter zu verbreiten, auch soviel wie: kritteln, nörgeln'. Hetzel
wie der Deutsche spricht 298. (
weiteres unter 3.) —
jetzt ist stankern
in der schriftsprache durch schnüffeln
verdrängt, s. theil 9, 1385
f. 22)
neben dem simplex begegnen zusammensetzungen, die theilweise früher belegt sind: