stäbler,
m. der einen stab trägt, führt. zuweilen dafür stabler;
weitere nebenformen in der bedeutung 7. 11)
als individuelle neubildung, übersetzung des lat. namens Scipio: der grosz hauptman Publius Cornelius Scipio, auf unser sprach der 'stäbler'. Aventin 1, 455, 18,
vgl. 464, 5
unter stäber. 22) '
eine zum zeichen der richterlichen oder befehlshabenden gewalt mit einem stabe versehene person; in welchem verstande dieses wort nur noch in einigen gegenden üblich ist.' Adelung. —
für staber, stäber (
hier also nomen agentis zum verb staben),
qui in judicio praeit jus jurandum. Scherz-Oberlin 1548,
so mnd. steveler,
s. ebenda; kumpt he aver vor dem heren, so bidde he alder erst enes vorspraken, unde darna der hilgen unde enes stevelers.
richtsteig lehnrechts 10, § 10; so bidde eme sin vorsprake orloves ... unde dat he mote nedder knien unde ok enes stevelers, unde dat he mote uplecgen (
die hand auf die reliquien) unde sweren vort. 12, § 4. 33)
in der ältern sprache besonders im sinne von stäbelherr, -meister,
s. das.: stäbler (wurden genant die jenige, so mit stangen auf dem platz des turniers seyn, und einen jeglichen beschützen und befriedigen müssen, wann man bisweilen rosz und mann geworfen, der sich nicht geben wollen, dasz der sich nicht ertödte, sondern mit dem sattel auf die schranken gesetzet worden). Schottel 339
b. Scherz-Oberlin 1549,
vgl. auch Frisch 2, 314
a;
hastiludiis sive torneamentis inserviens. Stieler 2110; Eggers 1, 1107
hat in dem von Schottel
bestimmten sinne grieswärtel,
huissier de gravier, certaminis equestris arbiter, und erklärt stäbler
für die diener derselben. s. ferner Schm. 2, 717
und Unger-Khull 567
a. 44)
bezeichnung eines hofamtes: stäbler,
chi porta il scetro ducale, maiordomo. Hulsius (1618) 237
a;
in den belegen ist die specielle function nicht zu erkennen: bey unsz heist die charge, so der Campen hatt, stäbler; der Bettendorf war es ahn unszerm hoff allezeit. Elisabeth Charlotte 3, 11 (17.
märz 1707). — nach diesem kamen die partisanen, schatzmeister, stäbler, pfenningmeister, schaffner, schösser, rentmeister, einnemmer, burgvögt, hauszhälter, küchenschreiber,
etc. Philander 1, 305; ich bin, sprach derselbe weiters, Alexander Magnus, ein sohn des Jupiters, ein herr und könig aller welt,
etc. hätte als ein ehrsuchender ruhmredender vielleicht noch eine unzähliche zahl seiner titul her erzählet, wann nicht ein stäbler jhm in die rede gefallen, und gesagt, ad rem! 541. 55) stabler,
pl. handwerks-meister der handwerke, die von alters her bestättigung auch stab und heyligen empfangen haben, (das ist, dasz sie dörfen eide staben, und andere einen eid auf die heyligen und heyligthume thun lassen, die man ihnen aus dem gerichte
dazu gab) sollen solche bestättigung, auch stab und heyligen von unsern amtleuten in unserm hof ferner empfahen. Frisch 2, 313
c f. Adelung.
vgl. stab II, 8,
i (
zu ende). 66)
als geistliches amt; officium quoddam, quo inserviebatur canonicis alicujus ecclesiae. Scherz - Oberlin 1548: dasz die staebler der kirchen und pfaffheit gesind und diener.
s. ebenda 1548
f.; '
catalogus officiorum eccles. cathedr. Argent. dum indicat collationes canonici habentis officium cellerarii. diss lyhet ein keller, die zwen stebler genannt koch, die zwen stebler genant buttel; den stebler genant zapffner, das
stebler ambacht genant kuiffer.' 1562
f.; wir Gosso Schilt
d. dechan u. das capitel gemeinlich der stifte zu S. Thoman zu Str. (
Straszburg) tunt kunt ... das wir bedaht u. angesehen hant solich getruwe geneme dienst, die uns u. unser stifte von vesten Rud. Lentzelin zu Str. beschehen sint .., darumb hant wir einhelleclichen von unser u. unser stifte wegen ... dems. Rud. geluhen u. gesetzt das stebeler ambaht, das Joh. Satterer von Constentze vor moles von uns u. unsse stifte gehebt hat. 1563 (
urk. v. 1423).
auch latinisiert stabelarius, stebelarius (
im wechsel mit bacularius).
Du Cange 7, 567
b. (
pedell?:) darumb sol man in zuo Parysz zuo einem stebler machen. do macht in Hugo zuo einem baculario (
baccalaureus? s. Du Cange 2, 515
b). Brant 2, 168
b. —
bair. stäbler,
der bei prozessionen den stab vorträgt. Schm. 2, 717.
steir. '
spottname für die anhänger einer wiedertäufersekte im 16.
jahrh.' Unger-Khull 567
b. 77)
als stabträger ist wol auch die rotwelsche bezeichnung der bettler zu verstehen, vgl. stab II, 5,
f, α,
obwol hier fast ausschlieszlich abweichende formen begegnen, die theilweise auf latinisierung oder volksetymologischer anlehnung zu beruhen scheinen: von
stabülern. das ander capitel ist vonn stabülern, das sind betler die alle land usz strychen von eim heiligen zu dem andern ... und hond den wetterhan und den wintfang vol zeichen hangen von allen heiligen. ... die selben stabüler lond nümmer mer von dem betlen, und ire kinder von iugent uff bisz in das alter.
liber vagatorum (1510)
bei Kluge
rotwelsch 1, 38;
im vocab. 193: stabüler brodsamler,
s. 55 (
s. auch Weim. jahrb. 4,
s. 79. 101),
in der nd. ausg. von 1510: van stabuleren.
s. 60; die zunfft desz rabenfutters librum vagatorum, ... darinnen aller farb beschudlerum hoch benamset sind, als breger,
stabuler, die jr krenerin und gatzen in alchen, han den wetterhan und gevetzten windfang voll doull. Fischart
groszm. 50,
s. kloster 8, 583
und Kluge 1, 112; s[t]abuler brotsamler. Agyrtas
Witzenbürg. gesch. 3, 37; also der alt stabuler gund mustern auff anderhalbe stund in seinem mantel, hemb und rock. H. Sachs 17, 338, 33
Götze (
überschr.: der bettler schlug seinen mantel),
s. auch Horn
soldatenspr. 27;
erweitert: das ander capitel sagt von
stabuliern. ein unbiblisch gschlecht sind stabulern. sie strichen alle land uszgern von einem helgen zuo dem andern. Gengenbach 347
Gödeke (
bettlerord. c. 2).
weitere formen mit umlaut in der mittelsilbe: jeder
stabyl ein hOernlütten hatt. S. Brant
narrensch. 63, 41 ('
von bettleren'); eylff geschlecht die neert der hAeller: pfaffen, buolerin, cumasierer thuot als vom hAeller zeren; klentner, birckschlag unnd
stab ewler muosz als der hAeller neeren. Jörg Graff
lied vom häller 3,
s. Eggers
mag. 8, 95.
Weim. jahrb. 4, 424. Böhme
altd. liederb. s. 603. Kluge
rotwelsch 1, 84,
vgl. dazu: stabll krüppel. —