spornen,
verb. mit dem sporn antreiben; mit sporen versehen. 11)
die beziehung des verbums zu dem instrument des sporns gehört nicht der frühzeit unserer sprache an, denn das ahd. sporôn
calcitrare mit widarsporôn
recalcitrare Graff 6, 357,
stellt sich nicht zu sporo
calcar, sondern zu spor
vestigium, und gehört mit ahd. spornan, spurnan,
alts. ags. spurnan,
altnord. sporna
zu dem unter spor
sp. 2674
f. aufgezeigten wortkreise. erst im mhd. erscheint das wort in der technischen bedeutung von heute und in der form sporen, sporn: daʒ ors, dâ er ûffe saʒ, daʒ sporte er zu den sîten. Herbort
liet von Troye 5723;
welche form durch jahrhunderte die gewöhnliche bleibt, bis ins 18.
jahrh. èrscheint, und noch von Adelung
als dem gemeinen leben angehörig bezeichnet wird: sporen, sporen gäben,
citare, adhibere calcaria, admovere calcar, concitare equum calcaribus. Maaler 381
c; sporen,
calcaribus concitare. Schottel 1419; ich sporte es (
das pferd), das michs daurte.
Simpl. 1, 293
Kurz; jugendliche einbildungskraft, von leidenschaften gesport.
leiden der jungen Wertherinn (1775)
s. 18;
weitere belege in folgendem verstreut. auch umgelautetes spören
findet sich: ach was lassen sich die leut mit des gemeinen pöfels geschrey spören und in die sprünge bringen. Mathesius
hist. von Jesu Chr. 1, 85
a.
beide formen aber weichen den im 17.
jahrh. gewöhnlich werdenden, an die mittlerweile aufgekommene substantivform sporn
angelehnten spornen: spornen, gespornet,
propr. calcaria induere, armare se calcaribus, anspornen,
concitare calcaribus et metaphor. irritare, excitare, urgere, compellere. Stieler 2095; ich sporne,
calcar addo. Steinbach 2, 635;
eine form, die Campe
im gegensatz zu Adelung
allein aufführt. 22)
die bedeutung ist den sporn anwenden, mit dem acc. des thieres, bei dem es geschieht: auf Aristotelem staig ain frovwe als uf ain rosse, und tet den zömen, ryten und sporen.
N. von Wyle 32, 7; bösz buoben die pferid fast sporotend.
deutsche volksbücher von Bachmann und Singer 93, 21; Balaam der sporet den esel und wolt in füren zuo dem weg. Keisersberg
sünden des munds 17
a; ein rosz sporen, das es bluot,
cruentare equum ferrata calce. Maaler 381
c; ein yder sport sein pferd.
Aimon V 3; der künig sporet sein pferd und rennet eins rennens bisz das er sach ein rauch auff dem meer.
Pontus K 1
a; (
ich) hatte ein rosz schon müde gespornt. Lessing 1, 92; ich werde ... nie in einer abendsonne die türme von Tarent wieder glänzen sehen, und mein pferd schärfer spornen! Leisewitz
Julius von Tarent 4, 1; rosse blutig zu spornen. Rückert 11, 237; bis der grosze Arminius .. durch die legionen und den urwald sein weiszes rosz spornte. Raabe
chron. der sperlingsgasse (1894) 168;
in erweiterter fügung: ich leitete und schlug, und spornte den maulesel glücklich hinüber (
über den strom). Seume
spaziergang 2, 44. 33)
auch ohne object: die jungen leute spornten und gebrauchten ihre peitschen. W. Hauff 10, 198
Hempel; zeige dich als kecken tummler! sporne! peitsche! vorwärts! weiter! Lenau
gedichte 357;
in der bedeutung spornend reiten: Titinius ist von reitern ganz umringt, sie jagen auf ihn zu, doch spornt er weiter.
Shakespeare Jul. Cäsar 5, 3. 44)
häufig in übertragener bedeutung nach sporn 4,
c und 6: da wil der alte Adam murren und sich nicht spornen lassen. Luther 23, 691, 24
Weim. ausg.; auch als anspornen (
theil 1, 467): du spornst ihn an, da er sich selbst fleiszig erzeigt,
sponte currenti calcaria addis. Steinbach 2, 635; dürftigkeit spornt zu fleisz und arbeit
an. J. Grimm
kl. schriften 1, 5;
doch überwiegt in neuerer gewählter sprache hier einfaches spornen: die ruhmbegierde ... spornte mich zu mehr als gewöhnlichen anstrengungen. Wieland 3, 464 (
Agath. 16, 3); das bedürfnis drängte, der ehrgeiz spornte. Seume
mein leben 25; religion, wissenschaften, künste, alle moralische und physische kräfte muszte der mensch miszbrauchen können, um den rechten gebrauch davon erkennen zu lernen, um dazu gespornt zu werden. Klinger 11, 210; der denkende
theil dieses empirischen plebs sieht in dem seiltänzer einen beweis, was ein mensch, gespornt durch den abscheu vor harter arbeit, aus seinem körper zu machen vermag. 214; archivarius des königs! Carlos, das spornt mich alles; ich wäre nichts, wenn ich bliebe, was ich bin! Göthe 10, 52 (
Clavigo 1); Lotte lächelte mich an, da sie die bewegung sah, mit der ich redete, und eine thräne in Friederikens auge spornte mich fortzufahren. 16, 47; alle diese vorstellungen drängten sich lebhaft hintereinander vor meiner seele, schärften und spornten meinen schmerz. 24, 338; sie müssen bösartig auf die welt gekommen sein, weil dasjenige, was jeden andern zu groszen thaten spornt, ihnen nur niederträchtigkeiten abgewinnen kann. Schiller 3, 563; er (
der erste mensch) sah die natur selbst säen und begieszen, sein nachahmungstrieb erwachte, und bald spornte ihn die noth, der natur seinen arm zu leyhen, und ihrer freiwilligen ergiebigkeit durch kunst nachzuhelfen. 9, 132; o werde doch — möchte man wünschen, wenn wünschen spornte — die neue zeit, die jugend der verhältnisse mit feuer von fürsten und schriftstellern gebraucht, um die ächten Deutschen und das abgestumpfte Europa verklärt wieder zu gebären! J. Paul
friedenpredigt s. 47; es ist eben der starke Hamlet, der den schwachen durch verächtliche behandlung zum starksein spornen will. Ludwig 5, 369; klimm ich zu der tugend tempel matt den steilen pfad hinauf o! so sporn' ich meinen lauf ... durch die hoffnung jener schönen über mir erhabnen scenen. Ramler 2, 160; ihm nach, dem liebling des Mäcenen! ihm nach, sein name sporne dich! Lessing 1, 98; das spornt anstatt zu halten. Lessing 2, 293 (
Nathan 3, 10); sprachs, und spornte noch mehr die längst fortstrebende Pallas. Bürger 213
a (
Ilias 4, 73); erst hält mich scheu vor eurer hoheit ab, zu spornen statt zu zügeln meine rede.
Shakespeare Richard II. 1, 1; verwünschte gier, die uns nach fremdem spornt, indesz schmachvoll das heimische verdirbt! Uhland
ged. 187;
auch in ausgeführtem lebendigen bilde: die einbildung spornet die triebe; wie rosse reiszen sie aus, die zwang und zügel verachten, und ziehn ihn (
den menschen) mit sich zum abgrund. E. von Kleist 1, 181 (
frühling 408). 55) spornen
auch mit sporen bekleiden, versehen: spornen,
ocreas calcaribus munire. Frisch 2, 305
b; den fusz spornen, sich spornen. Campe;
besonders in dem particip gespornt,
älter gesport,
vgl. theil 4
1, 4159; ungespornet,
calcaribus carens. Stieler 2095;
gern in den allitterierenden verbindungen gestiefelt und gespornt, gespornt und gestiefelt: mein herr, was pedewt an dem ort, das ir seit gstiffelt und gesport und gar geruest auf ein herfart? H. Sachs
fastn. sp. 5, 124, 3; wie mein mann ... gestiefelt und gespornt in mein kabinet gekommen sei. Möser
patr. phant. 3, 6; da stand ich gestiefelt und gespornt, funkelnagelneu vom scheitel bis an die sohlen.
a. mann im Tockenb. 90; gestiefelt und gespornt und den alten mantel um die schulter geschlagen. Keller 7, 227; in wenigen augenblicken werde ich ... als courier von Straszburg ankommen, gespornt und gestiefelt, triefend von schweisz. Schiller 14, 138 (
neffe als onkel 1, 4).
von thieren, nach sporn 7,
i: gespornter hahn, gespornte lerche. 66) spornen,
in mundarten der Schweiz mit den füszen schlagen, strampeln; in Basel spore
von kleinen kindern im bett, sich unruhig geberden. Seiler 275
a;
im Aargau spore,
mit den füszen strampeln, eine spore,
mit den füszen gegen einen strampeln, 's bet ferspore,
durch strampeln das bett in unordnung bringen. Hunziker 247. 77)
eigenthümliche anwendung des verbums in bezug auf die beweglichen krallen der katzenthiere: weswegen die klauen der katze, des löwen so gebaut sind, dasz sie spohren, das ist, sich zurücklegen können. Kant 6, 50.