soviel,
adj. adv. ,
zusammenrückung aus so viel,
auch getrennt geschrieben, ohne unterschied. vgl. so und viel. so vil
belegt Weigand 2, 743
aus Alberus
dict. (1540) Aa 1
a.
wirkliche verschmelzung zur worteinheit liegt deutlich vor, wenn der accent auf den ersten theil rückt, wie in oberdeutschen mundarten, womit dann zugleich verkürzung des zweiten gliedes und zuweilen umlaut des ersten verbunden ist: schweiz. söfel,
tantum. Schmidts
idiot. Bernense bei Frommann 4, 15
a; dasz es öppe nit sövli darauf ankomme, wie man lebe, sondern ob man das gfell habe oder nit. Gotthelf
schuldenbauer 65.
österr., besonders tirol. sovil, sovəl, sofəl, sofl. Schm. 1, 837, sofl, séfl 2, 205, sôvl Frommann 5, 339. 11)
mit demonstrativem so. 1@aa)
in gewöhnlichem gebrauche, vgl. so II, A, 1,
c, sp. 1344;
absolut: soviel ist gewisz: nur das übergewicht eines solchen charakters bey einem volk kann eine staatsverwandlung nach moralischen principien unschädlich machen. Schiller 10, 281;
pluralisch (
tot): wir wollen sie mit listen dempffen, das jr nicht so viel werden.
2 Mose 1, 10; was ist das unter so viele?
Joh. 6, 9.
in adjectivischem gebrauche: gedencke herr an die schmache deiner knechte ... von so vielen völckern allen.
ps. 89, 5; denn jr schmücken muste so viel zeit haben.
Esther 2, 12.
mit abhängigem genitiv: und der könig macht, das des silbers zu Jerusalem so viel war, wie die steine.
1 kön. 10, 26; doch glaubt' ich nicht, nach soviel übernommener gefahr und mühe euren argwohn zu verdienen. Schiller 13, 454 (
Turandot 4, 8);
einem relativischen als viel
entsprechend: ey, ist dis nicht ein feiner kornboden oder kornkasten, das alle morgen die lufft und wolcken so viel brots oder manna gibt, als viel wir essen können? Luther 16, 296, 19
Weim. ausg.; mache dir so viel brot draus, so viel tage du auff deiner seiten ligest.
Hesek. 4, 9.
gewöhnlich nur mit als
oder wie
fortgesetzt: nim zu dir specerey, balsam, ... eins so viel als des andern.
2 Mose 30, 34; volck, so viel wie sand am rand des meers.
1 Sam. 13, 5.
oder die bestimmung wird durch einen folgesatz gegeben: und ich hette ... wol so viel macht, das ich euch künd ubels thun.
1 Mose 31, 29.
durch einen zahlbegriff als masz bestimmt: nim zu dir ... die edlesten myrrhen, funffhundert (sekel) und cynnamet die helfft so viel.
2 Mose 30, 23; der herr dein gott thu zu disem volck, wie es jtzt ist, noch hundert mal so viel.
2 Sam. 24, 3; und der herr gab Hiob zwifeltig so viel als er gehabt hatte.
Hiob 42, 10. 1@bb)
ungewöhnlich als acc. der bestimmung (
für davon,
also eigentlich von soviel): soviel bin ich überzeugt, dasz es jedem denkenden menschen freude machen wird sich mit diesen anfängen bekannt zu machen. Göthe 58, 281. 1@cc) nicht soviel,
nicht gerade viel, nicht besonders viel, vgl. so II, A, 2,
sp. 1356: jener (
der tragische dichter) darf einen schwung nehmen, wozu soviel eben nicht gehöret. Schiller 10, 461. (
so sehr gewöhnlich.) 1@dd)
eine ungenannte oder unbekannte zahl vertretend (
vgl.so II, A, 3,
d, sp. 1358;
für das gewöhnliche so und soviel,
sp. 1349): als einem könige eine wichtige sache betroffen, dessen auszgang ungewisse war, that er derwegen ein gelübde, wenn die sache nach seinem willen und vorsatz würde auszschlagen, wolte er so viel geld an die geistlichen verehren. Olearius
rosenth. 41
a (2, 30). 1@ee) soviel
als maszangabe vor einem comparativ: du hast deiner grewel so viel mehr uber sie gethan, das du deine schwester gleich frum gemacht hast gegen alle deine grewel.
Hesek. 16, 51; und das so viel mehr, so viel jr sehet, das sich der tag nahet.
Ebr. 10, 25 (
auch um so viel mehr;
jetzt gewöhnlich nur um so mehr, als).
sehr gewöhnlich ist im 16.
jahrh. die später aufgegebene verbindung so viel desto,
auch um so viel desto
vor einem comparativ (
wofür jetzt um so,
vgl.so II, A, 1,
c, sp. 1344,
oder desto
allein): da auch das gleissen und der schein so viel dester schedlicher ist, wie viel gröszer er scheinet.
s. Luther 5, 142,
anm. Weim. ausg. (Roths
übers. v. Luther
oper. in psalm.; im text: ubi et species tanto nocentior est, quo speciosior ... est); damit jrer key mat. viktorien sovil desto mher befurdert, und das reich deutscher nation sovil desto eher und mit wenigern uncosten und blutvergissen wider befridet mochte werden.
staatspap. Karls V. s. 427 (
vom j. 1550); (
damit) jn derselben hochnotwendigen obliegenden sachen ... umb sovil desto ferderlicher und statlicher moge verholfen werden. 433; in hoffnung durch derselben mittel ir furnemen umb sovil desto leichtlicher zu erhalten. 468; da kam Belial, ... ward derhalben so viel desto ubermütiger. Ayrer
hist. proc. (1600) 338 (1, 13). 1@ff)
in den heutigen österr., besonders tirol. mundarten wird soviel (
gewöhnlich in gekürzter form sofəl, sofl,
s. oben)
für einfaches gradangebendes so
vor adjectiven gebraucht: sofl gued, schlecht;
auch blosz steigernd: sovil gern, schœn, guet,
sehr gern u. s. w., sovil ə~ schoi~s mensch,
ein sehr schönes mädchen, s. so a. a. o. und Schm. 1, 837. 2, 205. Frommann 5, 339. 1@gg)
eine eigenthümlich bair. bedeutungsentwicklung ist so vil seyn, dasz,
im stande sein: bist net so vil?
vermagst du es nicht? er (
d. reconvalescent) ist wider so vil, dasz er ausgehen kann. Schm. 1, 837. 22)
mit relativem so, soviel,
quantum, quot, s. so II, C, 1,
b, δ,
αα zu ende, sp. 1372. 2@aa)
in adjectivischem gebrauche: so viel tage du darauff (
auf d. linken seite) ligest, so lange soltu auch jre missethat tragen.
Hesek. 4, 4; so viel stern' am himmel stehen.
volksl. substantivisch: eine last, so viel zwey meuler tragen.
2 kön. 5, 17.
mit abhängigem genitiv: und seien frölich die insulen, so viel jr ist.
ps. 97, 1; soviel der mai auch blümlein beut. Hoffmann v. Fallersleben
s. Böhme
volksthüml. lieder nr. 190. 2@bb)
zugleich ein demonstratives so viel
in sich enthaltend (
vgl. 1,
a): fülle den mennern ihre secke mit speise, so viel sie füren mü
gen. 1 Mos. 44, 1; hilffe deinem nehesten aus, so viel du kanst.
Syr. 29, 27; alle dinge im himmel und auf erden haben keinen werth, keine schäzung, als soviel meine vernunft ihnen zugesteht. Schiller 4, 36. 2@cc)
vor einem comparativ (
vgl. 1,
e): so viel der himel höher ist denn die erde, so sind auch meine wege höher denn ewr wege.
Jes. 55, 9; (
er ist) so viel besser worden denn die engel, so gar viel einen höhern namen er fur jnen ererbet hat.
Ebr. 1, 4. 2@dd)
dann auch adverbial, in conjunctionale function übergehend (
wie soweit, sofern, insofern): erforschent die schrifften so vil ir wenen in denselben das ewig leben zuo haben. Reuchlin
augensp. 7
a (
als genaue übers. von: ἐρευνᾶτε τὰς γραφὰς,
ὅτι ὑμεῖς δοκεῖτε ἐν αὐταῖς ζωὴν αἰώνιον ἔχειν.
Joh. 5, 39).