sottern,
verb. ,
mundartlich, besonders bair.-österr., in verschiedenen bedeutungen; vgl. suttern. 11)
iterativ-deminutivbildung zu sieden.
die bedeutung ist verschieden nuanciert, bald mehr in deminutivem sinne, langsam kochen, bald mehr vereinzelnd und iterativisch, im kochen aufwallen. in der litteratur nur bei Keisersberg
belegt, vgl. Scherz-Oberlin 1524. Schmidt
hist. wb. der els. mundart 330
b: diser haf stuond bey dem feüwer unnd sottret von vile des krauts.
schiff der pen. 43
a; do muossz
das krut sottren und gesottret werden bey dem schwebel und feüer.
post. 3, 41
b.
so noch in oberd. mundarten: in Basel sottere, sötterle, söderle, '
in gut gedecktem kochgeschirr schwach kochen'. Seiler 269
b; sütterle,
langsam kochen. 286
b;
tirol. sottern
langsam sieden. Schöpf 680,
suttern im kochen wallen. 731,
ebenso kärnt. Lexer 246,
und am Untermain. Schm. 2, 340. 22)
daher übertragen für schimpfen, '
vor unmuth und zorn zwischen den zähnen murmeln und brummen, wie ein kessel im sode'. Spreng
bei Seiler 286
b, '
mit schlecht verbissenem unwillen reden, brummen, keifen' (
Oberpfalz und Franken). Schm. 2, 340: wann man sie (
die weiber) aber heiszt, das dem mann oder häuszlichem nutz zu ehr ... dienet, und wehret das jhnen ubel anstehet, da sehen sie, es solt ein milch darvon ersauren, sottern, krummen, wettern, dondern ... und fahet zu zancken und greinen
an. Egenolff
sprichw. 281
a bezw. Franck
sprichw. 2, 204
a. 33)
weitere übertragung: 'suttern
oder sottern
bedeutet sieden, wallen und überflieszen, so auch das brausen und gurgeln der mineralwässer',
dazu sutterlaskrug,
sauerwasserkrug. Sartorius 122.
weiter ab liegt suttern
für sickern in verschiedenen oberd. und mitteld. mundarten, so kärntn. (durchsuttern,
in kleinen tropfen niederfallen). Lexer 246;
tirol. und schwäb. '
aus einem enghalsigen gefäsze langsam und mit einem gewissen geräusch ausflieszen'. Schm. 2, 340. Schöpf 731;
hess. sickern, besonders von unsauberer flüssigkeit, die wunde suttert
u. a., dazu sutter,
m., besonders vom ablauf des tabaks. Vilmar 408.
vgl. auch westerw. und kärnt. söttern, von kindern, '
mit den übrig gebliebenen speisen, wenn man satt ist, schweinisch umgehen, z. e. in denselben wühlen, brühe aus dem munde hinein laufen lassen .'. Schmidt 219. Kehrein 1, 379 (
auch suttern). Lexer 235 (
unreinlich essen). 44) sottern,
tardare, morari, zaudern. Scherz - Oberlin 1524: bald ist angenehm, aber keine hand die trucket und sottert,
bis dat qui cito dat, nil dat, qui munera tardat. quelle bei Frisch 2, 288
c; doch dasz es bald geschehe, was man geben wil. langsame handt, so da trucket und sottert, hat man für unwillig. Egenolff
sprichw. 232
b,
s. auch Franck
sprichw. (1541) 2, 174
a; sottern, langsam thun oder gehen.
vocab. v. 1663
bei Schöpf 680;
so noch in Tirol, s. ebenda. Frommann 3, 332, soədern Hintner 203. —
diese gebrauchsweise hängt mit den vorigen etymologisch nicht zusammen (
beziehung zu zaudern?
vgl. das.). 55)
nl. sottern,
infatuare, vgl. sott. Dief.-Wülcker 856.