Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SCHRÔTE
I. haue, schneide. ahd. scrôtu (lat. demo, eripio, tondeo) Graff 6,578. mnd. schrôden, schrâden Karlm. 371,45. vgl. 331,53. schrâten Herb. 12694. prät. schrôte nicht hinlänglich beglaubigt; vgl. Alph. 241,1. 378,3. abschrette Renner 19401 ist wohl aus abe schriet entstellt.
1. ohne adverbialpräpos.
a. unz er den boum met alle schriet und zur erde valde Albr. 20,96. den wîn er begunde her, beide stoc unde ber schriet er unze an den grunt das. 19,203. schrôt vil ebenc disen bloch Pass. 48,93. vgl. kindh. Jes. 97,55. einen stein sie schrîten (zum begräbnisse) Erlös. 4948. daʒ slegetor sneit sô sêre daʒ eʒ niht enmeit eʒn schriete îsen unde bein Iw. 49. daʒ slegetor schriet die sporn dan das. 50. daʒ houbet si im abe sneit, sînen lîp sie schrieten zerschnitten Albr. 16,509. — mit präpos. mit der axt schrôden und nit mit der sagen Gr. w. 3,403. die riben er dô beide schiet, beide er si von dem rucke schriet Trist. 2906. als der ein aphel schrôte von ein ander begunde Albr. 10,313.
b. haue mit dem schwerte, besonders im kampfe. si gîngen sô schrâten daʒ in die fînde wichen vor Herb. 12694. Persêus gie umbe schrôten Albr. 13,139. — daʒ er die keten schriet enzwei krone 163. a. der keiser den heiden schriet mit slegen Pass. K. 281,26. manger den si ze tôde schrieten troj. s. 204. b. ich wil noch tûsent houbet von starken liden schrôten das. s. 252. a. — kopf und helmes nasebant schriet er enzwei dem künege das. s. 311. Achille wolt er hân daʒ bein geschrôten und geswungen hin das. s. 224. d. dô die kristen den heiden die schilte begunden schrôten Karl 5325 B. er schrît im einen vinger ûʒ der hant Jerosch. 134. c. — dâ wurden tiefe wunden gehouwen und geschrôten troj. s. 217. b. vgl. 41. d. 223. c. 255. c.
c. scheere das haar. der vürste sîn hâr vil hôhe vürder schriet Barl. 18,33.
d. schneide einen stoff zu kleidern. sarcire voc. vrat. kein snîder lebt sô rehte stolz, der sîne kunst bewære, gebristet im der schære, dâ mit er schrôte ein edel tuoch troj. s. 1. d. dô hieʒ er Flôren sâ zehant einen blŷât rôten dô ze kleidern schrôten Flore 5488 S. — im wortspiel mit der unter b. angesetzten bedeutung: Reinfrit der sneit dâ manegen niwen snit in der heiden gewande. swem Hillunc und Vastmâr des tages begunden schrôten, der muose ouch zuo den tôten Karl 5941. — bildlich: daʒ si mir sîn guot ze mînem muote nien schriet zuschnitt, zutheilte Walth. 43,7. Cristus bî sich schriet nahm an sich, auf sich aller hande marterât Pass. K. 46,84. sîn wîse herze drunder schriet mischte ein sô vil mit rechter lêre das. 429,2. daʒ sich aber drunder schriet ein drilch versûchunge das. 79,80.
2. mit adverbialpräp. ir schœnen zöpfe si abe schriet Wigal. 9992. si schrieten abe dâ mangen spân troj. s. 212. c. vgl. 201. d. diu houbet er in abe schriet Engelh. 6288. der sîn lebens zît ab schrœtet Ls. 3,296. der lerne liegen und einen (einem?) abschrôten ihn verkleinern, ihm die ehre abschneiden, ribaldîe Renner 2065. in Gr. d. wb. 1,110 wird unrichtig abschrôten als part. prät. mit ribaldîe verbunden und durch abgeriebene, feine betrügerei erklärt. — den reichen schrôtet auf hauet auf die tor, wir wellen mit in eʒʒen Suchenw. 37,47.
II. stemme. die sich gegen sînem willen schrieten sträubten Pass. K. 174,81. alsus sich gotes gloube schriet drang wol vesteclich in dise diet das. 549,43. — in besonderer anwendung von dem auf- und abladen schwerer lasten, namentlich weinfässer. die wînschrôdêre solen nemen vier phenninge von eime fûdere ûf zu schrôdine und drî phenninge nider zu schrôdine Höfer s. 47. 48. dat si vueren sollen 4 âme wîns in eime vasse, ind dat sullent die hoiflûd schrâden ind laden Gr. w. 2,646. vgl. Oberl. 1441. Frisch 2,229. b.