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schliffel

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schliffel m.

Bd. 15, Sp. 810
schlüffel, schliffel, m. ungebildeter, roher oder auch ein träger, nachlässiger mensch; in letzterer bedeutung verzeichnet es Frisius (1556), s. Weigand4 2, 596; schliffel, homo nauci, dormitator, murcidus homo. voc. von 1618 bei Schm. 2, 511. die mildere bedeutung ist als die ursprünglichere anzusehen und wird mundartlich zum theil bewahrt: nach Schm. 2, 511 ein ausdruck etwa wie loser, verschmitzter schlingel, vgl. Schöpf 622. Hintner 220. schärfer: ein junger mensch, der sich auf unerlaubten wegen umhertreibt Schm. a. a. o.; schliffel, grober, ungehobelter mensch, auch für schurke Lexer 220; schliffel, nichtswürdiger mensch, oft aber nur ein loser vogel, verschmitzter bube Höfer 3, 96; schliff'l, grober mensch Castelli 244, vgl. auch Klein prov.-wb. 2, 121. Hügel 139a; schliffel, ungesittete, müsziggängerische mannsperson Schmid 467; schliffel, grober, ungeschliffener, plumper mensch Schmidt 190. Göpfert mundart des sächs. Erzgeb. 35. Sartorius 109. Frommanns zeitschr. 6, 96 (Nürnberg); schlüffel in gleichem sinne Bernd 265 (vgl. 416); schliffel, ein vulgares schimpfwort, 'so man von einem müsziggänger braucht, welcher umherschleicht, im winter auf dem eisz herum laufft, ungeschliffen und grob bleibt' Frisch 2, 199b. den nd. gebieten ist das wort fremd. die vermutung Weigands a. a. o., dasz schlüffel zusammenhänge mit dem alem. schlufe, schluffe, träger, nachlässiger mensch und schluffen, schläfrig, nachlässig sich bewegen, benehmen (s. weiteres unter schluf 5), ist sehr wahrscheinlich. Franck (s. unten) bezeugt die umlautlose form schluffel. die form schliffel beruht nicht blosz auf mundartlicher aussprache, sondern man verbindet das wort mit schleifen (einen schleifen, ihn zurecht formen, s. schleifen A, 2, c sp. 595) und denkt sich schliffel als einen, der des schleifens bedarf; schliffel, plumper, grober mensch, welcher erst noch geschliffen werden musz Campe, vgl. Höfer 3, 96. anders in folgender stelle, wo schliffel in der bedeutung 'geriebener mensch' mit schleifen verbunden ist: so einem geschliffenen schliffel von religion zu sagen, dazu braucht es wirklich schon einen groszen muth. Gotthelf Uli d. pächter cap. 16. Stieler 1853 schreibt schlöffel (vgl. nld. slof neben nd. sluf oben unter sluf 5); schlüfel: du schlüfel, du schlengel, du bernhäuter. franz. Simpl. 1, 68; schlieffel: allen den schlieffeln bey zeytn gsagt. Schwabe tintenf. 102; o es irtz regements-schlieffel. 100. aa) in der älteren sprache, besonders bei H. Sachs, der das wort viel gebraucht, erscheint es weniger in der jetzt gewöhnlichen bedeutung eines groben, plumpen menschen, als in der eines trägen müsziggängers, nichtsthuers, herumtreibers, steht also auch dem sinne nach dem schweiz. schlufe noch näher; es wird daher besonders gern auf fremdes volk, landstreicher, bettler, arbeitsscheue, träge angewendet und vielfach mit faul verbunden: der faul schlüffel, lecker und pub das ein bain in die höch auffhub und zaigt jn dort ein ödes hausz. H. Sachs 1 (1558), 493b; (der junge herr zum knechte:) du fauler schlüffel geh herausz. (der knecht:) sag junckherlein wie heist du mich? (der herr:) ein faulen esel heisz ich dich. 2 (1591), 1, 1c; den studenten nennt sie (die welt) ein schlüffel. 4 (1578), 3, 57d; auffruorer und vil fauler schlüffel (bringt die armut hervor). fastn. sp. 1, 28, 221 neudruck; zu morgens geht er wie ein toll schaf oder schleffet auff mittag hinein. wolstu auch ein solcher schlüffel sein. 79, 326; (der bettelmönch spricht:) die pewrin sint mit worten res, haisen mich ainen fawlen schlüeffel, ein stüelpen esl und groben püeffel. 2, 5, 155; und wil auch nimmermer vergessen, solch losz landtfarer nit herbergen, mein ding basz beschlieszen und verbergen, solch loszer schlüffel müszig stehn. 152, 349; (zum fahrenden schüler:) du fauler störtzer und du schlüffel. 3, 127, 104; geh nab, du schlüffel, int werckstadt! die glock schon zwey geschlagen hat. 14, 267, 1 Keller-Götze; wenn ein so starcker betteln will, so gibt man jm gewisz nicht vil, man heist yn ein schliffl und streiner. Ayrer 2420, 6 Keller; (zu landsknechten:) jr faulen schlüffl und galgenrabn. 2949, 30; (Salomon) weist den faulen schliffel hin, zun amsen das er lern von jhn. Eyring 1 (1601), 103; solt man iedem leihen nach seinem begeren, man fund manchen schlüffel, vordert mer dann drei gewunnen mit spilen, brassen und anderm. H. Sachs dial. 48, 30; den mengen, landstreichern, schluffeln oder terminierern. Franck weltb. (1542) 36b; ich sey ein fauler schlüffel und störtzer, ich solte arbeiten. Laz. de Tormes 67; welche zum öftern ihr leib und leben dergleichen landschlifflen und quacksalbern und markschreiern anvertrauen. Abr. a S. Clara närr. (1713) 12, vgl. Schm. 2, 511 und schlüffeln. bb) an anderen stellen tritt diese bedeutung nicht so deutlich hervor. schlüffel nimmt den allgemeineren sinn eines bloszen schimpfwortes an oder geht zu der bedeutung eines groben, ungehobelten, rohen menschen über, in der wir es gebrauchen: du undanckbarer grober püffel, du unverstandner filtz und schlüffel. H. Sachs 2 (1570), 2, 37c; und wilst doch kauffen disen schlüffel, ein ungehobelten groben püffel. 5 (1579), 244c; (zum ehemann:) du unendtlicher schalck und schlüffel. fastn. sp. 1, 128, 128 neudruck; hies mich ain unferstanden pueffel und ainen unferschempten schlüeffel. 7, 61, 70; gieb mir was ich haben wil, du schlüffel, du püffel. Chr. Reuter lustsp. 64 neudruck; der schliffel isch au noch e spieler. pfingstm. 94; (in einer reihe von schimpfwörtern) schöne arszbollen, schliffel. Garg. 197b; alsz vielmehr meine gspan die gottlosn schlüffel schuld dran seyn. Schwabe tintenf. B 5a; aber seht doch die schliffel von hofleuten. Tieck 10, 35; ungewöhnlich im sinne von schlingel, leichtsinniger mensch (vgl. oben zu anfang): der ernstschwere, bedachtsame buchbinder ärgerte sich nämlich das ganze kirchenjahr über niemand so sehr, als über seinen schliffel, wie er sich ausdrückte, über seinen luftigen sohn, der die besten bücher besser las, als band, der sie schief und schmal beschnitt. J. Paul Siebenk. 3, 67. cc) zu schliefen in beziehung gesetzt und in eigenthümlicher anwendung: die das liecht fliehen, kriechen zun winckelen, die nent man winckel prediger, schlüffel, die in schlüpfflöchern verborgen stecken. Franck sprichw. 2, 101a. dd) nach Nemnich bezeichnet man mit schlüffel grosze gartenmäuse; vgl. Frommanns zeitschr. 4, 183, zu schliefen, kriechen, schlüpfen.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    SchliffelDer

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    † Х Der Schliffel , — s, Mz . gl. in Baiern, ein plumper, grober Mensch, welcher erst noch geschliffen werden muß; nach …

  2. modern
    Dialekt
    Schliffel

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Schliffel Band 9, Spalte 184 Schliffel 9,184

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Cotta, M. (2026). „schliffel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schliffel/dwb?formid=S12383
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Cotta, Marcel. „schliffel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schliffel/dwb?formid=S12383. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „schliffel". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schliffel/dwb?formid=S12383.
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