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schamper

mnd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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12 in 7 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schamper

Bd. 14, Sp. 2120
schamper , in vollerer form schampar, adj. unanständig, zuchtlos, unzüchtig, wol eher auf mhd. schandebære, schantbære (Lexer mhd. handwb. 2, 656) als auf ein mhd. schamebære zurückzuführen: mimologus, mimographus, der schampar vers macht; mimi, schandbar vers. Alberus; darum recht in unserm tütschen heissen sie schamper, schantber, als gebaren schandsemliche wort. Keisersberg narrensch. 143a. im älteren nhd. wird es als selbständige bildung empfunden und hat sich in den mundarten erhalten. auf nld. und nd. gebiete begegnet ein schamper, dessen bedeutung auf eine ganz andere bildung weist: schamper, contumeliosus, petulans, procax, scurrilis; schampen, schimpen, perstringere, convitiari, insultare, irridere; schamperheyd, contumelia, procacitas, probrum, atrox iniuria, insultatio; schamp contumelia, propudium, convitium, ignominia. das adj. schamper ist hiernach eine ableitung von schamp (hd. schampf [] Lexer mhd. handwb. 2, 654), der ein hd. schampfer entspricht: ob etwas schampffers geredt würde, dagegen sol sie also geberden, das mann merck, wie sie daran gar keyn gefallens hab. E. Alberus ehbüchlin G 2a. neunld. schamper bedeutet spitz, bissig, schamperheid anmaszung, schärfe. mnd. schamper entspricht in der bedeutung dem nld.: de Oldenborgers weren schamper up Siweken gele hair, seggende: waer blyft nu Siweke mit syn gele hair. quelle bei Schiller-Lübben 4, 44b; dieses schamper hat sich mundartlich erhalten: schamper, scharf, von scharfem, abstoszendem wesen. Woeste 224b, in der Eifler mundart im sinne von übermäszig. Frommanns zeitschr. 6, 18. das hochd. schamper zeigt zum theil völlige übereinstimmung des sinnes mit diesem nd. nld. schamper, die sich aus der herkunft von schantbære erklärt, ohne dasz man eine beeinflussung durch das nd. anzunehmen braucht. so bietet Maaler 346d schampar, gefilzt, veterator, callidus; ein schampere zung, schmähig, übelredend, lingua procax; hierzu vergl. aus einem hochd. wb. des 15. jh. schampperen, exprobrare Dief. 219a; schendung, schamperung, schentlich furhebung vel vorwerffung, schmacheit, contumelia 148a; schamperer mit worten der die lüt schendt, contumeliosus ebenda. hier zeigt sich, dasz schamper als besonderes wort empfunden wurde und zu ableitungen veranlassung gab: der in den kirchen thut ungampper, und vor jungkfrauen redt geschamper. quelle bei Schmeller 2, 418 (vgl. Euling priameln 12, 6). beczompert, stuprata Dief. 558b; Schamperjon als eigenname (Germania 5, 327): Unflot und Schamperyon dann syngt. Brant narrensch. 72, 55. auf hochd. beeinflussung weist die erweiterung der bedeutung des nd. nld. schamper: schamperlick, lubrice: et petulanter .. contumeliose; schampigh, lubricus et contumeliosus Kilian. es ist natürlich, dasz schamper, schampar zu scham in beziehung gesetzt wurde und in die bedeutung von schambar übertritt; so erscheint schamper geradezu im sinne von schamhaft: zuom IX. wann ein wolf in ein gruob felt und sicht dasz er gfangen ist, so ist er schamper, dasz er niemand schediget, wan schon ein schaf bi im leg. Schade sat. u. pasqu. 3, 12, 8. 11) auf personen oder persönlich gedachtes bezogen: schamper, opicus, scurrilis Dasypodius; schampar, uppig, unreinen oder wüster worten, petulans; schampare huorenwirtin oder kupplerin, lena callida Maaler 346d; Ovidius der schamper lerer. Keisersberg narrensch. 131a; den schamparen ratzen den kindern diser welt. schiff d. pen. 113a; aber die welt ist jetzund so schamper, ehe man auszgibt ein schilling um ein buch, man verzehrt lieber drei schilling in dem weinhausz. Basler plenar (1514) 228; das man nicht darff so schampar und unvernünfftig sein. Luther 5, 270a; sy (die liebe) blait sich nit, ist nit unzüchtig noch schamper. 1 Cor. 13, 5 (Züricher bibel 1530); sind vast schamper alefenzig wölf. Schade sat. u. pasqu. 3, 24, 21; da sitzet ein schamper baur. Wickram rollwagenb. 22 Kurz; wann ain frölich vasnacht und schimpfig leut und schamper pfeifer und glimpfig preut .. die dink fügen alle wol zu sammen. fastnachtsp. 708, 11; welch hatt vil ander mann versuocht, die würt so schamper und verruocht, das sie keyn scham noch ere me acht. Brant narrensch. 33, 50; ein otter ist das thier genandt, ein schampar boszhafft listig thier. H. Sachs (1578) 4, 2, 112a. gemildert in der bedeutung zu 'lustig, zu schelmereien geneigt': ich hab eines guten gesellen kuntschafft gehabt, der was ein baurszman, aber ein schamperer, schertziger und kurtzweiliger mann. Wickram rollwagenb. 171 Kurz. 22) auf unpersönliches bezogen: in eelichem stat sol man nichts unrechts vor kinden thun, nicht schampers reden vor inen. Keisersberg brösaml. 15a; sunder gar mit schamperen unzüchtigen worten ihn umtrieben. Bocaccio (1535) 21. 57b; schampare wort, narren thäding, unnütz geschwetz, faul zotten, schantlosz bossen seind das benedicite und gratias. S. Franck laster der trunkenh. c 4b; der unverschampten und schamparen reden und geberden. Zimm. chr.2 3, 459, 42; wer mit schamparn worten, liedlin, historien, bilden, die böse lust reizt oder zeigt. Luther 1, 322a; ob sie gleich .. mit unhübschen worten und schamparn geberden sich erzeigten. 5, 378a; braucht auch nicht schampar, unzüchtige .. wort. 8, 33b; (die töchter) trätend hereyn mit aufgerecktem hals und mit falscher [] schamperen gesicht. Züricher bibel (1530) 322a; mit schamparn unfletigen worten. Mathesius Sarepta 108a; wenn man etwan schampere und schandtliche wort geredt. Wickram rollw. zum gütigen leser; sie (die Arsace) hatte jhn mit geylen, unbeweglichen, schamparen augen angesehen. buch d. liebe 210c; die schamparen, groben und schandtlichen wort. Thurneisser nothgedr. ausschreiben (1584) 1, 5; Plinius schreibt, dasz der same .. die geilheit und schampare träume vertreibe. Tabernaemontanus kräuterb. (1664) 808 C; wüst, schamper wort, anreytzung gytt und stört gar offt die guoten syt. Brant narrensch. 72 überschr.; und welcher hat ein schamper maul. Alberus fabeln 44a; redtst schamper wort von hurerey, als ob kein gott im himmel sey. 44b; so solt du sunder acht darauff han, das nicht schampars vor jm werd grett. Wickram irr reit. bilger 47b. 33) schamper im sinne von gut, trefflich auf dinge bezogen: schamper halstuch, messer, pferd u. s. w. Schmidt 175. Kehrein 339. Pfister 244; vielleicht ist Kehreins hinweis auf hebräisches רתׂ berechtigt, so dasz es ein jüdisch-deutsches wort wäre.
6416 Zeichen · 132 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schamperAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    schamper , Adj. nhd. höhnisch, verspottend, unverschämt, frech, beleidigend Hw.: s. schamper (2) E.: Herkunft ungeklärt?…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    schamper

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    schamper , in vollerer form schampar, adj. unanständig, zuchtlos, unzüchtig, wol eher auf mhd. schandebære, schantbære (…

  3. modern
    Dialekt
    †schamper

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    PfWB † schamper Adj. schandbar. ʿScurrilitas leichtfertige vnnd schampere schimpffwort, narrentäding’ Gol. 498. ‘die wür…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schamper

20 Bildungen · 14 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von schamper

schamp + -er

schamper leitet sich vom Lemma schamp ab mit Suffix -er.

Zerlegung von schamper 2 Komponenten

scham+per

schamper setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schamper‑ als Erstglied (14 von 14)

schampēren

WWB

schamp·eren

schampēren V. 1.1. (etwas) verschandeln ( Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid Alt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@Plettenber…

schampēresk

WWB

schamper·esk

schampēresk Adj. 1. neidisch (Frbg.) ( Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid Alt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@Kierspe Ki ).…

Schamperli

Idiotikon

Schamperli Band 8, Spalte 782 Schamperli 8,782

schamperlich

DWB

schamp·erlich

schamperlich , adj. , s. das vorhergehende wort: iegliche wil ze fordrost stan, es sig ze kilchen oder zuo strasz, in irem schamberlichem ha…

schamperlied

DWB

schamper·lied

schamperlied , n. zuchtloses lied, wie man sie besonders zum tanz zu singen pflegte, früh als zusammengesetztes wort aufgeführt: sölichen ge…

schamperlīk

KöblerMnd

schamperlīk , Adv. nhd. höhnisch, verspottend, frech E.: s. schamper (1), līk (3) L.: Lü 319a (schamperlik)

schampernolleken

KöblerMnd

schampernolleken , N. nhd. Spottlied Hw.: s. schanfērnolleken E.: s. schamper (1), schanfērnolleken L.: MndHwb 3, 45 (schampernolleken)

Schamperribben

MeckWB

schamper·ribben

Wossidia Schamperribben Pl. f. gestutzte Rippen im Rindfleisch: 'laniones vendunt partem carnis bubali sub nomine Schamperibben ' Mantz. Ruh…

Schamperstē²n

WWB

schamp·ersten

Schamper-stē²n m. Prellstein, Eckstein zu beiden Seiten der→ WWB Niᵉden-düᵉre ( Kr. Büren Bür Ei).

Schampertē

Idiotikon

Schampertē Band 12, Spalte 28 Schampertē 12,28

schampertēkenen

KöblerMnd

schampertēkenen , sw. V. nhd. beleidigend benennen, verspotten ÜG.: lat. (signum contumeliae?) I.: Lüt. lat. (signum contumelia) E.: s. scha…

schamper als Zweitglied (4 von 4)

geschamper

DWB

gescham·per

geschamper , wie das einfache schamper, schambar ( s. d. ), scham erweckend, unzüchtig: der in den kirchen thut ungamper ( ungefüg ) und vor…

ungeschamper

DWB

ung·e·schamper

ungeschamper , adj. , gth. v. geschamper ( th. 4, 1, 2, 3834. vgl. DWB schamper th. 8, 2120 ff., unschambar Schmeller 3, 417 , schambar th. …

Ableitungen von schamper (2 von 2)

geschamper

DWB

geschamper , wie das einfache schamper, schambar ( s. d. ), scham erweckend, unzüchtig: der in den kirchen thut ungamper ( ungefüg ) und vor…

unschamper

WWB

un-schamper Adj. (von Personen) widerlich ( Kr. Olpe Olp Rh).