Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
RÛWEN stv.
1. trans. in betrübniss versetzen, schmerzen, bekümmern, dauern, verdriessen, leid sein, reuen. nhd. hat sich die bedeutung verengt, indem sie nur noch den schmerz über selbstverschuldetes ausdrückt, mhd. ist von dieser beschränkung noch keine spur, so oft auch jene engere übersetzung erlaubt sein mag. das subject ist meist sächlich, doch auch persönlich, das object stets persönlich; zuweilen wird das wort scheinbar impersonell gebraucht, aber nur scheinbar, ein sicheres beispiel findet sich nicht. vgl. Gr. 4,233. vil harte riuwet eʒ mich (das was ich gesündigt habe) Exod. Diemer 149, 4. dô ruwen (oder rûwen?) in sîne sunti vil harte spec. eccl. 48. dô rou in sîn unreht das. 119. mich muoʒ immer riuwen disiu hovevart Nib. Z. 68,22. daʒ ich ie wart geborn, daʒ muoʒ mich immer riuwen das. 129,73. sô mac mich balde riuwen, daʒ ich ie wart geborn das. 354,62. mich enriuwet niht sô sêre, sô frou Kriemhilt mîn wîp das. 150,54. die werlt mac wol riuwen der schœnen Helchen tôt das. 183,32. daʒ hât mich sît gerouwen das. 135,61. mich riuwet iuwer êre und diz ritterlîche wîp Iw. 226. iuwer kumber muoʒ mich iemer mêre riuwen das. 295. dô begunde si (acc.) sêre riuwen daʒ si das. 82. daʒ gewern rou sî dâ ze stat das. 113. sine rou dehein daʒ guot, daʒ si an in het geleit das. 142. ich hân missetân: zwâre daʒ riuwet mich das. 294. Reinmâr, du riuwes mich michels harter danne ich dich Walth. 83,1. mich riuwet dîn wol redender munt das. 83,9. got lôn dir, daʒ dich dô sô rou mîn friunt, der mir zer tjost lac tôt Parz. 252,18. gote und gotinne, iuwer kraft ich immer minne. geêrt sî des plânêten schîn, darinne diu reise mîn nâch âventiure wart getân gein dir, vorhtlîch süeʒer mau; daʒ mich von dîner hant gerou Parz. 748,23, was mir durch schuld deiner hand schmerz bereitete. daʒ gerou si mit schame sidr W. Wh. 321,12. si rou ir niftel tôt Wigal. 10458. sîn lîp mich iemer riuwet das. 5258. eʒ müeste dich iemer riuwen, slüege mich dîn hant Alph. 134,2. als im sîn schulde wart erkant. si rou in alsô sêre Barl. 328,29. in rou sîn sünde, dô genas er wider in die menneschheit das. 60,24. nâch der vil süeʒen lêre rouw in sîn sünde sêre das. 343,24. daʒ eʒ got immer riuwe, daʒ ich an dise reise ie kwam Trist. 11704. daʒ eʒ got iemer riuwe, daʒ wir ie wurden geborn das. 14404. ein scheiden von dir riuwet mich, macht mir schmerz, MS. 1,91. a. daʒ wil mich niht riuwen, daʒ ich diente ir ie das. 2,190. a. unde rou in, daʒ er ungeloubic gewesen was myst. 154,28. er wolte lebende kumen hin. er reuwet mich, geht mir nahe, eʒ mocht nicht sîn Ludw. kreuzf. 4415. dô rou in harte sêre, swaʒ er daran besîten trat Pass. K. 205,15. ich kæm in pîn, eʒ würd iuch selber riuwen Hätzl. 1,27,78. (geschrieben rawen: bawen, wohl aus rûwen, bûwen). daʒ ist ain lauff, der im erfrewet sein muot und muoʒ sein trawrn varn lân und rewnt in weder lewt noch guot Suchenw. 38,119. — später tritt die bedeutung poenitere schon als herrschend hervor. wer hüt nicht gschickt zu rüwen ist, der findt morn mê das im gebrist narrensch. 31,29. vgl. poenitere rüwen gl. Mone 4,233,1. — mitteldeutsch steht auch der dativ statt des acc. du muost mir iemer riuwen, ouch ne wil ich dich niemer verklagen Lambr. Alexander M2 3799. unde lâʒet iu riuwen Darium mit triuwen das. im leseb. 263, 15. —
2. reflex. sich betrüben, mit genetiv (nur schwach? vgl. ich geriuwe nr. 3). diu zuht ist blint, diu sich ir selber riuwet Frl. 269,19.