rapuse,
rappuse,
f. plünderung, beute u. ähnl. 11)
die angegebene bedeutung dieses im 15.
jahrh. noch unbelegten, im 16.
aber recht häufig erscheinenden wortes wird gesichert durch die bibelübersetzung Luthers,
wo es theils προνομή der septuaginta, direptio der vulgata, theils (
Hes. 23, 46)
ταραχή und tumultus übersetzt (
vgl. unten 2,
a).
die textesstellen lehren, dasz wir ein wort des krieger- und feldzuglebens vor uns haben, welches in gewissen formelhaften wendungen in die sprache des gemeinen lebens jener zeit gekommen war und welches Luther als allgemein bekannten treffenden ausdruck für den von ihm zu verdeutschenden kriegerischen vorgang brauchte. entstehung des wortes aber dürfen wir uns auf niederdeutschem und niederländischem boden denken, es lehnt an nd. rapen
und rapsen
raffen an, und ist groteske umbildung des nd. fem. rapse, rappse
das zugreifen, der raub (
brem. wb. 3, 434)
durch eine romanisch klingende endung und mit romanischer betonung (rapúse).
ein landsknechtsausdruck demnach, welcher wie manche andere (
vgl.lärm,
meit,
meuterei, meutmacher)
in die bürgerlichen kreise drang und zuerst dort gebraucht wurde, wenn man derb sprach oder im reden sich gehen liesz; damit wird auch zusammenhängen, dasz die wörterbücher des 16.
jahrh. ihn vornehm übersehen, obwol man seine herkunft ziemlich bald vergessen zu haben scheint und er nun auch in edlere rede dringt. an eine herleitung von rapuse
aus dem böhmischen ausdruck für kerbholz (
vergl. rabisch sp. 12),
wie man gewollt hat, ist nicht zu denken; die form wie der begriff und die verwendung des wortes verbieten das gleichmäszig. 22) rapuse
erscheint in gewissen formeln. 2@aa) in die rapuse geben,
zur plünderung oder beute geben, preisgeben, wie das leben und eigenthum der bewohner einer erstürmten stadt: ich wil aber zuvor ewer gut und schetze in die rappuse geben, das jr nichts dafur kriegen solt.
Jer. 15, 13 (
εἰς προνομήν δώσω septuag., in direptionem dabo vulg.); ich wil deine höhen, beide auf bergen und feldern, sampt deiner habe und allen deinen schetzen, in die rappuse geben. 17, 3; füre einen groszen haufen uber sie her auf und gib sie in die rappuse und raub.
Hes. 23, 46 (
καὶ δὸς ἐν αὐταῖς ταραχὴν καὶ διαρπαγήν septuag., et trade eas in tumultum et rapinam vulg.);
später auch in anderer bedeutung: etwas in die rappuse geben, ist soviel, als etwas vor verlohren achten, zum besten geben; item, geld auswerfen, dasz es die leute rappen, oder aufraffen mögen, dergleichen bei kaiserlichen und königlichen crönungen zu geschehen pfleget. Nehring
hist.-pol. lex. 984;
und in freier verwendung: als wenn er noch so viel goldklumpen in die rappuse giebt. Chr. Weise
kleine leute 299; nun meinetwegen mag ein jedweder sein leder in die rappuse geben.
markgraf v. Ancre 49; daneben gibts diese zeit der zerstreuung so viel, das ich alle woche 3 tage wenigstens in die rappusen geben musz. Wieland
in Mercks briefs. 1, 197; es sind viel tausend dar die ihrem käiser hold, die willigst in gefahr sich wagen für sein heil, die ihr verpflichtet leben vor sein gekröntes haupt in die rappuse geben. A. Gryphius (1698) 1, 52; der unbelohnte dienst, das sorgenvolle leben, das ihr (
krieger) müszt tag für tag in die rappuse geben. 1, 7; es weisz der grosze gott, wie sehr mein geist betrübet, dasz Mariamnens witz in die rappuse giebet den tugendvollen ruhm. Hallmann
Mariamne 76. 2@bb) in die rapuse werfen,
hinwerfen, wegwerfen: er (
gott) gehet mit seinen gütern umb als der da gelt in die rappus wirft. Luther 4, 185
b; solt ein mensch gleuben, das gott künne stedte ausstrewen wie körner, ja königreiche in die rappuse werfen, so wir nicht gleuben künnen, das er uns einen tag mit eim stück brots den bauch neren wolle oder künne. 243
b; denn es ist doch ein lose, ungewisse, vergengliche wahr, die gott in die rapuse hinwirft. 6, 341
b; wenn ich an e. a. stat were, so wolte ich ein par c. (
hundert) floren oder zwei unter sie in die rapuse werfen. 506
a; gott wirft weltliche tugent in die rappusz, wie brot und wein, und gibt sie oft reichlicher den gottlosen.
tischr. 35
b; denn gelt und gut ist doch gottes geringste gab, die er in die rapus wirft, und böse buben und was grosz und stark ist, erhaschen gemeinlich am meisten und lesen die nuss auf. Mathes.
Sar. 35
b; wie die kinder etwas erhaschen, wenn man nuss und birn in die rappus wirft. 179
a; warf er (
ein gast) die nusz in die rappausz: da war jr (
der affen) tanz und spielen ausz. sie theten nach den nussen laufen, gunden sich schlagen und zu raufen. B. Waldis
Esop 2, 22, 27;
obersächs. in die rabûsche werfen,
geld, obst u. s. w. auswerfen, damit ein haufen kinder sich um das erraffen balge. Albrecht 189
a;
in der Wetterau etwas in die rappsch werfen,
unter mehrere personen (
kinder),
die es dann erhaschen, unterrheinisch in die rappus werfen. Kehrein 322. 323. 2@cc) in die rapuse kommen, gehen: ist derhalben dennoch hie aufzusehen, das solcher leidige stiftgüter nicht in die rappuse komen, und ein jglicher zu sich reisze, was er erhasscht. Luther 2, 259
b; ubel gewonnen, schendlich verzert, weret es (
das gut) bis der fuchs stirbt und gilt der balg und kompt in die rapuse. Mathes.
Sar. 24
b; da (
im 30
jähr. kriege) ist Teutschland von fremden und einheimischen völkern, wie mit einer wasserfluth überschwemmet worden, und nicht weniger unsere sprache, als unser gut in die rappuse gangen. Leibniz 1, 458
Guhrauer; mundartlich geblieben, niederd. he lett dat in de rabbuse gân,
er macht es mit den sachen so, dasz ein jeder zugreifen kann, wer nur will. Dähnert 370
b;
norddüring. in de rappûsen gî,
verloren gehen. Kleemann 17
b;
obersächs. in die rabûsche gehen,
verloren gehen. Albrecht 189
a. 33) rapuse
später für allerhand sachen, krimskrams: so wie ich das saubere figürchen sahe, fiel mir gleich ein es dir zu schicken, da du eine menge solcher sachen hast, bei denen sichs besser als in der rappuse ausnehmen müszte. Zelter
an Göthe 3, 123. 44) rapuse,
ein kartenspiel, das mit einer anzahl durcheinander geworfener karten gespielt wird. bei Göthe
in der verkleinerungsform rapuschchen: dinstag schleicht dann auch herbei, doch er bringt zu stiller sühne ein rapuschchen frank und frei. 1, 166. 55)
eigenthümlich ist das norddüringische bî der rappûsen krî,
fest am halse fassen. Kleemann 17
b;
es ist wie beim kripse kriegen
th. 5, 2328,
und hier wie dort steht die vorstellung des raffens oder dessen wobei man rafft im hintergrunde.