Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
nenden
Drittel des 9. Jh.s, mfrk.); 2,146,58 (2. Drittel
des 9. Jh.s), in MF, bei O, in Nps, Npw und
WH: ‚sich wenden (an), sich erkühnen, sich ge-
gen jmdn. erheben, vermessen sein; audēre, in-
niti, insurgere, praesumere, temptare‘ <〈Var.: 3.
sg.prät. nandta>〉. Auf der Grundlage der bei
O bezeugten 3.sg.prät. ginand wurde biswei-
len ein st.v. III angesetzt (vgl. z. B. Seebold,
ChWdW9 624). Doch handelt es sich bei ginand
um eine Reimform zu fánd (als korrekte Form
für ein sw.v. I wäre *ginanta zu erwarten).
Auch in Gl. 2,710,21 (10./11. Jh., mfrk.) beleg-
tes (3.pl.prät.) genandun (zur Wiedergabe von
lat. adorti 3.pl.perf.ind.dep.) spricht für den
Ansatz eines sw.v. I, da der Wz.vokalismus
kaum mit dem Ablaut der st.v. III vereinbar ist
(zu erwarten wäre *ginundun); vgl. F. Heider-
manns, Sprachw 40 (2015), 162 f.