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Mensūr

mhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
12 in 12 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Mensūr

Bd. 13, Sp. 618
Mensūr (lat., »Maß«), in der Musik 1) das Verhältnis der Weite einer Orgelpfeife zu ihrer Länge, wobei man eine weite (z. B. Hohlflöte), mittlere (Prinzipal-) und enge (Gamben-) M. unterscheidet Die M. differiert etwa zwischen 1: 10 und 1: 24. Weite M. gibt einen weichen, enge einen scharfen, streichenden Ton. Überhaupt heißen M. bei Musikinstrumenten allerlei Maßverhältnisse, z. B. bei Flöten die Vestimmung der Stellen für die Tonlöcher, bei Saiteninstrumenten die Länge der Saiten etc. – 2) Ein heute veralteter, aber historisch sehr wichtiger Begriff, die Bestimmung der verschiedenen Geltung der Notenwerte je nach den Taktvorzeichen in der sogen. Mensuralmusik (s. d.). Man unterschied die dreiteilige oder vollkommene M. (mensura perfecta, im Hinblick auf die göttliche Trinität) von der zweiteiligen oder unvollkommenen (mensura imperfecta). Bei perfekter M. galt eine Note drei der nächst kleinern Wertgattung, bei imperfekter nur zwei. Die dreiteilige Geltung der Brevis wurde durch einen Kreis ◯, die zweiteilige durch einen Halbkreis (angedeutet, welch letzterer sich noch bis heute als Zeichen des 4/4-Taktes erhalten hat. Die dreiteilige Geltung der Semibrevis bestimmt ein Punkt im Kreis oder Halbkreis. Auch wurde die verschiedene Farbe der Note (Color) zur Andeutung imperfekter M. angewandt (rote, später weiße statt der schwarzen, zuletzt geschwärzte Noten statt der hohlen). In der Technik ist M. ein zylinder- oder krugförmiges Glasgefäß, an der Außenseite mit einer Einteilungsskala nach Kubikzentimetern, für Wasser und gleich schwere Flüssigkeiten auch für das Gewicht in Grammen bei 15°. In der Fechtkunst ist M. der Fechterabstand zwischen den Gegnern. Bei fester M. darf der Standpunkt nicht verlassen werden (Schlägermensur), bei freier M. ist Vor- und Zurückgehen gestattet (Säbel und Degen). In der Studentensprache bedeutet M. den vereinbarten Zweikampf entweder infolge einer gestellten persönlichen Forderung (»Kontrahage«), oder die Ausfechtung einer Bestimmungsmensur (s. d.), zu der die Mitglieder aller Verbindungen mit unbedingter Satisfaktion verpflichtet sind. Die heutige Studentenmensur, in erster Linie eine Kraft- und Mutprobe, ist von einem eigentlichen Duell wohl zu unterscheiden. Die gewöhnliche Forderung und die »Bestimmung« lautet auf 15 Minuten Fechtzeit; ist in dieser Zeit keine »Abfuhr«, d. h. eine Verletzung, vorgekommen, die den einen Fechter (Paukanten) kampfunfähig macht, so ist die M. »ex«. Bei Kontrahage bis zur »Abfuhr« wird die Fechtzeit auf 30 Minuten ausgedehnt. Bei jeder M. sind den Fechtern Pausen gestattet, die aber eine gewisse Dauer je nach dem »Paukkomment« nicht überschreiten dürfen. Lebensgefährliche Verletzungen sind durch den »Paukwichs« so gut wie ausgeschlossen, der Hals, Arm, Achselhöhle, Augen und Unterkörper deckt, dem feindlichen Schläger also nur Kopf und Gesicht frei läßt. Auf der Mehrzahl der Hochschulen ist der Korbschläger Kommentwaffe, auf einigen der Glockenschläger. Auf Korb wird gefochten in Aschaffenburg, Basel, Bern, Bonn, Brünn, Dorpat, Erlangen, Freiburg, Gießen, Göttingen, Graz, Hannover, Heidelberg, Innsbruck, Jena, Karlsruhe, Kiel, Leoben, Marburg, München, Münster, Prag, Riga, Rostock, St. Petersburg, Straßburg, Tübingen, Wien, Würzburg, Zürich; auf Glocke in Berlin, Breslau, Dresden, Freiberg, Greifswald, Halle, Königsberg, Leipzig, Tharandt. Die Auslage, die in vergangenen Jahrzehnten sehr verschieden war, ist jetzt überall die gleiche, ja selbst der Anhieb (Hochquart) ist bei S. C. (Verband der Korps) und L. C. (Verband der Landsmannschaften) vorgeschrieben. Der »Unparteiische« entscheidet in allen strittigen Fällen, überwacht den Hergang der M. und verkündet zum Schluß das Resultat. Die »Sekundanten« stehen zur Linken ihrer Paukanten mit gesenktem »Sekundierprügel«, um nötigenfalls sofort »einspringen« zu können, während die »Testanten« die Arme der Fechter in den Pausen stützen. Der »Paukdoktor« sorgt für ärztliche Behandlung der »Schmisse«. Studentenmensuren unterscheiden sich von dem gewöhnlichen Zweikampf (s. d.) dadurch, daß sie 1) meist Bestimmungsmensuren (s. d.) sind, also nicht auf einer Herausforderung beruhen; 2) daß sie meist mit Schlägern, also nicht mit tödlichen Waffen, ausgefochten werden. Das deutsche Reichsgericht und die ihm folgende Rechtsprechung der untern Gerichte wendet aber ständig auch gegen Mensuren die auf den Zweikampf gesetzten Strafen an, trotz der zahlreichen Gegnerschaft aus den Reihen der Strafrechtspraktiker und -Theoretiker. Vgl. »Offizieller Paukkomment für die deutschen Universitäten« (Leipz. 1890); Schmied und Kufahl, Fechtbüchlein (das. 1894); Berger, Das sogen. amerikanische Duell und die Schlägermensur (das. 1892); Kufahl u. Schmied-Kowarzik, Duellbuch (das. 1896); Blüthgen, Die studentischen Schlägermensuren in zivil- und strafrechtlicher Beleuchtung (Berl. 1905).
4873 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    mensûrstf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    mensûr stf. mensura, mass. desselben tags gît man ie dem man einn wek und ein mensaur piers (cuneus et mensura cerevisie…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    mensûrf.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    +* mensûr , f. , Versmaß (Lauremberg 62 und 64).

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Mênsūr

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Mênsūr , plur. die -en, ein aus dem Latein. Mensura, das Maß, entlehntes, aber nur in einigen Fällen übliches Wort. …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Mensur

    Goethe-Wörterbuch

    Mensur iSv Zeitmaß, Takt Schloßbau..alles nach der neuen etwas eiligern M. einzuleiten B14,131,2 Schiller 13.7.99 mensur…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Mensur

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Mensur (vom lat. mensura , Maß), in der Musik einmal soviel als Zeitmaß, Takt, Tempo, daher der Ausdruck M. almusik etc.…

  6. Sprichwörter
    Mensur

    Wander (Sprichwörter)

    Mensur Er hat noch nicht auf der Mensur gestanden. Hat sich noch nicht geschlagen.

  7. Spezial
    Mensur

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Men|sur f. (-,-en) ‹mus› mosöra (-res) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit mensur

27 Bildungen · 26 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von mensur 2 Komponenten

men+sur

mensur setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

mensur‑ als Erstglied (26 von 26)

mensurabilis

LmL

mensurabilis -e 1. ‚mensurierbar‘, in Zeiteinheiten aufteilbar 2. die Mensurierung betreffend — 1. ‘mensurable’, divisible into temporal uni…

mensurabiliter

LmL

mensurabiliter 1. mensuriert, in Zeiteinheiten abgemessen 2. die Mensurierung betreffend — 1. in a measured manner 2. with respect to mensur…

mensura imperfecta

LmL

mensura imperfecta ‚vollkommene‘ (dreiteilige) Mensur - ‚unvollkommene‘ (zweiteilige) Mensur — ‘perfect’ (three-fold) mensuration‚ or mensur…

mensura indiscreta

LmL

mensura indiscreta Bezeichnung für einen Rhythmus aus unterschiedlichen Notenwerten bzw. aus gleichlangen Notenwerten — term that designates…

mensural

LDWB1

mens·ural

mensural [men·su·rāl] adj. (-ai, -a) mensural ◆ notaziun mensurala ‹mus› Mensuralnotation f.

mensuralis

LmL

mensur·alis

mensuralis -e 1. mensuriert, in Zeiteinheiten abgemessen 2. die Mensuralmusik betreffend — 1. mensured, measured (by temporal units) 2. with…

mensuraliter

LmL

mensural·iter

mensuraliter mensuriert, in Zeiteinheiten abgemessen — in a measured manner [s.XIV] LmL Ps. - Theodon. append. 1 p. 51: cum musica mensurata…

Mensurālmusik

Meyers

mensural·musik

Mensurālmusik ( Musica mensurabilis ), eigentlich jede mit bestimmten Zeichen für die Dauer der Töne ausgezeichnete Musik, im besondern die …

mensura longa

LmL

mensura longa ‚kurze (reguläre) Dauer‘ (einer Brevis) - ‚lange (verdoppelte) Dauer‘ (einer Brevis) — ‘short (regular) duration’ (of a breve)…

mensura mediata

LmL

mensura mediata Bezeichnung für das mensurale Verhältnis unmittelbar benachbarter Mensurebenen bzw. nicht unmittelbar benachbarter Mensurebe…

mensurate

LmL

mensur·ate

mensurate ‚mensuriert‘, zeitlich gemessen — in a measured manner [opp.: immensurate] [s.XIV] LmL March. luc. 1, 15, 4: Musica mensurata est …

mensuratim

LmL

mensuratim mensuriert, in Zeiteinheiten abgemessen — in a measured manner [s.XV] LmL Anon. Tegerns. I p. 104: regula: Secunda nota et omnis …

mensuratio

LmL

mensuratio -onis f. Zeitmaß, Tempo — temporal measure, tempo [s.XIV] LmL Iac. Leod. spec. 7, 17, 1: notandum est duplicem vel triplicem esse…

mensurativus

LmL

mensurativus v. LmL musica positiva - musica mensurativa

mensuratrix

LmL

mensuratrix -icis f. ‚die Messerin‘ (Personifizierung der Mensuralmusik) — ‘the keeper of measurements’ (personification of mensural music) …

mensuriert

LDWB2

men|su|riert adj. ‹mus› mensuré (-rá,-rada) . ▬ ‹mus› mensuriert e Musikinstrumente stromënc mensurá m.pl.

Mênsuriren

Adelung

mensur·iren

Mênsuriren , verb. reg. act. welches von dem vorigen Worte gebildet, und gleichfalls nur in einigen Fällen üblich ist. Bey den Orgelbauern w…

mensurista

LmL

mensurista -ae f. ‚Mensurist‘ (Bezeichnung für einen Komponisten mehrstimmiger Mensuralmusik) — term that designates a composer of polyphoni…

Mensurnale

DRW

mensur·n·ale

Mensurnale, n. zu mlat. mensurnalis wie Monatfest welck lant ... wy belasten mit sulken mensurnale ende memori ons ... vaders 1429 Mieris IV…

Ableitungen von mensur (1 von 1)

mensuré

LDWB1

mensuré [men·su·rẹ́] adj. (-rá, -rada) ‹mus› mensuriert ◆ stromënc mensurá ‹mus› mensurierte Musikinstrumente.