Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
MÆRE adj.
I. praedicatives mære. als solches wird es nicht selten — auch wohl unflectiert — dem subst. nachgesetzt. kroten vile mære Exod. fundgr. 2,100 hochberühmte kröten. um dieses beiwort zu verstehen, muss man mit dem vf. des buches vertraut sein. er liebt es, mitunter die erzählung durch ein spässchen zu würzen; nirgends aber verweilt er so lange als bei dieser froschplage. die frösche, die er in seiner bibel fand, genügten ihm nicht; er machte kröten daraus, und so beschreibt er dann in mehr als 10 zeilen, was dieses krötenheer nicht hatte. s. 101. z. 5 heissen die kröten helde, und so nennt er sie schon im voraus, mit dem stehenden beiworte der helde, kroten mære. diu mære vrowe Dido En. 2000. diu burc mære En. 3. c. Rôme diu mære Greg. 3615. der degen mære Iw. 282. ir helde mære Nib. 375,2. die helde mære das. 652,2. var., Wigal. 9428. nu lône dir got, Irinc, vil mære helt guot Nib. 1992,1. Etzel, der künec mære, der berühmte, kl. 153. dich, mærer helt guot lieber guter mann, kl. 449. ob er den helden mære möhte widerrîten Bit. 5826. zwêne mære weit und breit bekannte karge wehselære Iw. 263. zwô gespilen mære die einander herzlich lieb waren, MS. 1,195. a., womit zu vgl. MS. 2,109, b. und Nith. 54,3. zwô gespil ir mære begunden sagen (Wackernagel wessobr. s. 56.) trût gespile mære traute, liebe, MS. 1,195. a. zage mære allbekannte memme, Nib. 2080,1. —
II. attributives mære.
1. ohne beigesetzten dat. d. pers.
a. lebende wesen. starc unde mære allbekannt wart sît der küene man Nib. 21,5. mære ist swer MS. 1,153. a. s. unmære.
b. dinge. scaz den mârin den kostbaren, Gen. fundgr. 2. 51,16. swie hôch sî sîn gewalt und wîten mære weit und breit bekannt, MS. 2,232. a. drîzec oder mêre sluoc mir dîn ellen mære kl. 904. swie wîten mære wære sîn grôziu manheit Wigal. 6382. des wart der schade mære Bit. 9206. dô wart daʒ schiere mære, daʒ daʒ her entrunnen wære En. 8,6.
2. mit dativ d. pers. got wart nie niht sô liep, sô mære als im ist demuotekheit Gfr. l. 3,11. ein breckelîn so schön daʒ si nie dehein gesach daʒ ir z'ihte mære wider daʒ selbe wære Wigal. 2216. als in beiden wære der lîp ze nihte mære Lanz. 2562. hie müget ir wol merken, wie mere unserm herren ist, daʒ Leys. pred. 67,1. — mir ist als mære daʒ si gewâfent sint als ob sie blôʒe stüenden das eine ist mir so lieb wie das andere, mir ist es einerlei, Nib. 423,5 in C. — das zweite glied der vergleichung wird ebenso wie bei der ähnlichen redensart 'mir ist als wæge' oft verschwiegen. vgl. anm. zu Herb. 2103. daʒ was ime alsô mære (als ob si offen wære) Iw. 1709. swer giht, die guot den gernden geben, die möhtenʒ alse mære dem tievel stôʒen in den munt, der lüget MS. 2,210. b. mir ist alsô mære daʒ ich mêre stille dage Nith. 2,2. mir wêre alsô mêre daʒ ich Narcissus wêre Herb. 11209. dem sîn lîp ware mare sein leben lieb wäre, Genesis fundgr. 2,37,34. noch in der strassburger mundart Scherz 1029. daʒ lieʒ ich wîte mære komen MS. 1,179. a. (wenn nicht etwa des st. daʒ zu lesen ist). sô du dîn almuosen geben wilt, daʒ enmache niht mære den liuten Leys. pred. 69,22. — ein adverb, das mâre heissen müsste, weiss ich nicht zu belegen, wenn nicht die folgende stelle es enthält: so gab er im mit dem swerte einen slach der was mâre grôʒ Diemer 226,16.