Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
liutsælic Adj.
2 vom Charakter und Verhalten, auch ‘anmutig’
3 vom äußeren Erscheinungsbild, auch ‘schön, hübsch, lieblich’ (nicht immer deutlich von 2 zu trennen)
1 allg.: dit ist ein minneclîch dinc, daz got sîne irwelten mit alsô lûtsêliger ordenunge der vollekumenheit brengit zu sîme glîchnisse HvFritzlHl 184,16; swaz sô sie ze ahten hete, / mit süezen siten sie daz tete, / daz im diu senfte genende / gap ein liutsælic ende, / allen liuten gar gezæme UvEtzWh 4646; fúr Wigoleis, Tristanden / in megten, witwen handen / den usser welten dinen / ez [das vorliegende Werk] tuͦ lutzellig schinen! SHort 4410; o du lútseliger anblik aller heiligen Seuse 216,24 u. ö.; Martina 26,52. – der selbe kriec [der Streit über die Rangfolge der Tugenden] ist ein nützer kriec und ein guoter kriec und ein liutsæliger kriec PrBerth 1:537,19. 1:538,22 2 vom Charakter und Verhalten, auch ‘anmutig’ er was ein glanzer jungelinc / und ein sô gar liutsælic knabe / daz ich von im gelesen habe / er trüege lûterbæren schîn KvWPant 123; er het ze ritterschefte / beidiu sinne unde krefte / und liutsæligen gelimph Ottok 16501. 75361; och trúw ich daz man vinde / vil hoher edeln kinde / bi torehter geselleschaft, / die doch sint wunder tugenthaft, / lutzelig, zúhtig, raine, / behúet vor allem maine SHort 4973. 10407; KvWSchwanr 1249; KvWTroj 833. 13814; KvWAlex 92. – swer gerne liutsælich sî, der neme daz zesewe ouge des gîres unde trage ez in der tenken hant oder bindez ume den tenken arm; swâ dû für herren gêst, die sint dir holt Barth 155,30 3 vom äußeren Erscheinungsbild, auch ‘schön, hübsch, lieblich’ (nicht immer deutlich von 2 zu trennen): diu edel magt was garwe / an lîbe, an antlüt, an varwe / schoene unde minneclîch / und aller hübscheite rîch. / liutsaeliger antlüt nie wart / gesehen noch sô rehte zart WvRh 1405; da kom der frowen eman / schön und lütsellig / und an allen wandel melig [ohne Zeichen eines Makels] , / hübsch und wolgestalt. / er waz uff drisig jar alt ArmKonr (DVN) l,377; kurz und leutsælig füez bedäutent ainen unkäuschen menschen und einen frœleichen BdN 48,27; Seuse 304,29 u. ö.; Tr 11088; KvWTroj 1225; Eckh 4:238,20; KvWEngelh 254
MWB 3,3 1227,32; Bearbeiter: Luxner