kürbisz,
m. cucurbita, aus dem lat. worte früh übernommen, mit wegwerfung des redupl. cu-
wie in rhein. kummer
gurke für kukúmer (
s. d. 3),
lat. cúcumer,
und wie in franz. gourde,
woneben älteres gougourde.
über urverwandtes s. Pictet
orig. 1, 310. 11)
Die formen. 1@aa)
ahd. churpiʒ, churbiʒ,
also schon mit umsatz des lat. fem. ins masc., den die endung herbeigezogen haben musz (
vgl. gramm. 2, 220),
pl. churpiʒa
cucumeres Graff 4, 487.
daneben aber wildiu curbiʒ
colocintida, fem. (
gr. 2, 220)
wie im 15.
jh. die kurbʒ Megenberg 542
Pf. und noch bei Adelung
auch die kürbse,
pl. kürbsen (
vgl. d, δ),
bei Aler 1258
a kürbis
als m. und f. wechselnd, wie bei Schönsleder h 5
c kürbs.
Aber auch n. ahd. churbiʒ
pl., cucumeres, curbiʒ
cucurbitae gl. Jun. 186,
wie mhd. daʒ kürbiʒ Megenb. 313, 21, daʒ kürwiʒ 393, 13
var. Auch ags. als m. cyrfet Ettm. 385, Wright
vocc. 31
b,
colochintida wylde cyrfet 30
a (
eigenthümlich anklingend, wie umgedeutet hwerhwette
cucumer 30
b. 67
a, herhwette Dief.
nov. gl. 122
b);
engl. vielmehr gourd,
das frz. gourde. 1@bb)
auf nd. boden, wo man das -t
auch erwarten sollte, erscheint es selten: mnd. 13.
jahrh. curvete
cucurbita Diut. 2, 210
a,
vielleicht noch als fem. (
alts. kurfita?).
sehr merkwürdig aber nrh. 15.
jh. de gekyrfte
in der Cölner bibel 4 Mos. 11, 5 (K. Schiller
zum mekl. kräuterb. 1, 24
a),
vulg. cucumeres;
das ist wie noch das volle cucurbita,
nur nach deutschen tongesetzen behandelt. Sonst zeigen die nd. formen -s,
wie aus dem hd. entlehnt: carves
colocynthis Dief. 133
b, korves, korvese
cucumer 161
b, cOervese
cucurbita Mones
anz. 4, 243;
jetzt kürwes Schambach 117
a, körbs Dähn. 247
a, K. Schiller
a. a. o., wie schon bei Chytr.
Hamb. 1594
c. 112 korbs.
Stark verändert nl. kauwoerde
f., bei Kil. kauwoorde, kouworde
cucurbita, mit umgesprungnem r
und erweichtem v
und t;
jener umsprung auch hd. in kabirzgart
cucumerarius (
kürbiszgarten) Dief.
nov. gl. 122
b,
vgl. nd. carves
vorhin. 1@cc)
der auslaut aber auch gesteigert, md. und nd.: korwicze
m. 14.
jh., im 15.
jh. korbiz, kurbiz Dief. 161
b, 'kurbicz
vel kürbicz' 133
b,
aus haupts. rhein. vocab., wie schon um 1100
mrh. kurviz
Germ. 9, 23 (
vgl. buliz
pilz das.);
in Diefenbachs
wb. v. 1470,
ostmd., kürbicz
cucumis, cucurbita sp. 85, wiltkorbicz
colloquicida 71,
wie noch jetzt sächs. in bauernmunde körwitz (kerwitz),
selbst körwîz.
Selbst nd. kürbitz Frisch 1, 559
b,
genauer körwitz Dähnert 247
a (
daher ehstn. körwits, kärwits),
wie entlehnt schwed. kurbits
neben kurbis.
auch älter nl. nach Weiland korvits.
eigen nd. corvelze Dief.
n. gl. 122
b.
Sonst erscheint der gewöhnliche auslaut auch verbreitert in kurbisch Dief. 161
a,
rheinisch, wie nrh. im Teuth. 56
b: wilt corbeschen of (
oder) vleschen,
sicisagria, corbeschensait of vleschensait of die vrucht dairvan,
cucumer, vgl. u. 2,
a. 1@dd)
aber zum hd. zurückzukommen, 1@d@aα)
mhd. im endungsvocal (
und im umlaut)
schwankend, theils kürbeʒ (
s. e),
wie im mhd. wb., theils kürbiʒ
wie bei Lexer
angesetzt ist: churbeʒ
cucurbita sumerl. 40, 44
neben churbiʒrebe
tanaceta und churbiʒcherne
cucumer, sodasz die zusammens. den vocal besser auf seiner höhe erhielt; kürbiʒ
m. Megenberg 313, 8. 393, 8
ff. (
hier wechselnd mit kürwiʒ
und kürbʒ).
das -biʒ
trug gewiss noch einen ton, wie es ja im vocal selbst gesteigert erscheint in nhd. körwîz
u. c, vgl. mrh. curveiʒ
cucurbita Nyerup symb. 330. 1@d@bβ)
nhd. hat in kürbisz
die volle und geschichtlich beste gestalt sich glücklich behauptet; das i
schon oder noch im 15.
jh., zugleich fürs mhd. zeugend: kurbis
voc. inc. t. o 1
b, kurbisz
voc. 1482 r 8
b (u
kann ü
meinen);
im 16.
jh.: kürbisz
voc. Augsb. 1521 Dief. 161
a (
auch kirbisz
das., 15.
jh.), kürbis Dasyp. 370
b; gott .. aber verschafft einen kürbis, der wuchs über Jona. Luther
Jon. 4, 6,
vergl. schr. 3, 220
a,
wo auch kürbis.
im 18.
jh. z. b. kürbis Frisch, kürbisz (
oder kürbs) Adelung. 1@d@gγ)
der pl., ahd. churpiʒa,
mhd. kurbeʒe
cucurbite sum. 55, 72,
mrh. um 1100 curbeʒe
cucumeres Nyerup 348,
ist nhd. gleichfalls bewahrt oder wiederhergestellt, kürbisse Adelung: dort auf den hügel .. wo die kürbise stehn. S. Geszner (1770) 2, 115. 117; und schlendern elend durch die welt, wie kürbisse von buben zu menschenköpfen ausgehölt, die schädel leere stuben. Schiller
anthol. 119 (
kastr. u. männer).
die endung war aber lange verloren (
doch vgl. das n. unter a): ort da kürbisz gezogen werden,
cucurbitarium. Dasyp. 370
b (
im sg. kürbis); die kürbis oder erdöpfel leszt man den winter durch in den stuben empor stehen. Colerus
hausb. (1640) 140; lange weiszknorrige kürbis Frisch 1, 559
a.
s. auch bei Luther
u. ε,
und kürbs
pl. unter 2,
b. 1@d@dδ)
oberd. auch schwache form, vielleicht nur im fem. (
vgl. u. a): ein ort, da kürpsen gezogen werden. Dasyp. 45
d (kürpsenform
das.),
mit sg. kürps,
beide ohne geschlechtsangabe wie beim folg.; auch bei Maaler 255
c zwar kürbs,
aber gleich darauf kürbsen so an bögen .. wachst oder auf einer lauben,
cameraria cucurbita, wie in seiner vorlage, Frisius 178
a (384
b),
also selbst als nom. sg., wie in folg.: ob er wol het ein kiselstein können werden? oder ein kürbsen? und so er dan ein kürbsen were worden .. Fischart
bien. 1588 251
b (pompoen of cawoerde Marnix 246
b); hundskürbsen
brionia Dief. 81
c aus Rösslin
kräuterb.; allerlei kürbsen. Schnurr (1664) 285. 1@d@eε)
md. auch mit ö, o: wir gedenken der fische .. der körbis. Luther
4 Mos. 11, 5 (
neben kürbis
u. β); wilde korbis. 2
kön. 4, 39
var.; cucumerarius einer der korwes bauwet,
neben cucumer ein kurwes.
voc. opt. Lpz. 1501 H ij
a.
vgl. korbiz
u. ä. unter c, wie nd. mit o, ö
u. b. 1@ee)
neben kürbisz
aber auch kürbs, 1@e@aα)
noch bei Adelung
mit pl. kürbse (
nicht etwa als niedrig),
wie bei Rädlein, Ludwig
u. a., während Steinbach, Stieler
u. a. nur kürbs
geben; z. b.: als du einsmahls .. dem .. Silen einen dicken kürbs auf den rücken warfst. Fr. Müller 1, 174;
im plur.: dem, der seiner freiheit beraubt ist .. sind die besten melonen nur kürbse.
Gressets Papperle (
übers. v. J.
N. Götz) 49; warum trägt kürbse der eichbaum nicht? Rückert
ged. (1837) 3, 192. 1@e@bβ)
und so sehr weit rückwärts: wie ein ziemlicher kürbs. Schuppius 98; kurbs Schottel 1352.
im 16.
jh. kürbs Maaler (
selbst kürbszle),
der aussprache entsprechender kürps Dasypodius,
s. u. d, δ,
im 15.
jahrh. cürbs, kyrpsz, kirbs
u. a. Dief. 161
a. 133
b, kürpsz
n. gl. 122
b, kurbs 101
b, Wack.
voc. opt. 51
a,
ja schon mhd. kürbʒ
u. d, α,
selbst auf der scheide des mhd. und ahd. hundeskürbʒ
brionia Haupt 9, 397, kürbʒ 396,
und auch schon mit s wildekürbs
coloquintida 395. 1@e@gγ)
auch die zwischenform zwischen beiden erscheint während der ganzen zeit. wie schon im 12.
jh. oder früher im pl. churbeʒa, churbeʒe Graff 4, 487,
mhd. kurbeʒe (
s. d, γ),
sg. curbeʒ
sum. 61, 41,
so im 15.
jahrh. einzeln kirbes, korbesz
u. ä. Dief. 161
b. 133
b,
nrh. koirbesz 161
b,
im 16.
jh. kurwes, korwes
md. (
s. d, ε),
und landsch. noch jetzt, wie tirol. kirbes Schöpf 317;
vgl. mnd. korves,
nnd. kürwes
unter b. 22)
Bedeutung und gebrauch. 2@aa)
der kürbisz
schlechthin ist cucurbita pepo L., die einzelne frucht wie die ganze pflanze, auch pfebenkürbisz, türkenkopf
u. a., doch selbst schon mit vielen unterarten wie sie die cultur entwickelt hat, s. Nemnich 2, 1311
ff. und schon bei Frisch birnkürbis, apfelkürbis, drischelkürbis, rosenkürbis
u. a. daneben bes. wasserkürbisz,
wassermelone, melonenkürbisz, flaschenkürbisz
oder keulenkürbisz, langer kürbisz,
auch kurz flasche (
s. u. 3),
weil man sie zu flaschen aushöhlt, wie man auch den gemeinen kürbisz ausgehöhlt zu gefäszen braucht (Nemn. 2, 1308).
vgl. kürbiszflasche. 2@bb)
mit dem häufigen älteren cucumer u. 1
werden oft melonen gemeint sein, s. unter kukumer 2;
dasz man aber auch die ohnehin verwandten gurken wirklich mit kürbs
bezeichnete, zeigt folg.: cucumer .. die langen gurken oder kürbs, dessen frucht lang, dünne und gekrummet wie eine schlange. Henisch 625.
ebenso heiszt der wilde kürbisz
auch bittergurke, purgiergurke (
s. koloquinte und unter 1),
der eselskürbis
auch eselsgurke Frisch 1, 559
a. 2@cc)
in der blumensprache: zwibel weinen, kürbs onnütz hoffnung.
Garg. 124
a (
Sch. 224),
weil er mehr verspricht als sein inneres hält. kürbisz
in vergleich mit hohlköpfen s. z. b. Schiller
u. 1,
d, γ,
auch kürbiszkopf;
daher hohlkürbisz,
ausgehöhlter k. als laterne gebraucht: hohlkürbisse, in welche ein groszgeist seine denkkraft und alleinvernunft als kerze hineinsetzt. Jahn
merke zum d. volksthum 110.
tirol. kirbes
dummkopf Schöpf 317.
auch vom ganzen menschen, wie dummkopf
eben auch: wer glaubst du denn zu sein, dasz du mich schelten willst, du kürbisz? Göthe 10, 224; das ist doch zum fuszausreiszen, einen solchen kürbisz von einem weib erhalten zu müssen. Zingerle
hausmärchen aus Südd. 186.
dasz der vergleich auch im alterthum galt, zeigt z. b. Senecas ἀποκολοκύνθωσις. 33)
erwähnenswert sind neugeschaffene heimische namen: erdapfel Dief.
n. gl. 122
b,
s. z. b. Colerus
u. 1,
d, γ, apfel
der auf der erde wächst; flesche,
s. 1,
c a. e., wie nl. vlesche
cucumer Dief.
a. a. o.,
nd. flasche, flaschappel Richey 59,
bei Ludwig 1090 flasche
gleich flaschenkürbisz,
vom aushöhlen, s. 2,
a (
daher auch dänisch gräskar,
aus kar,
gefäsz und '
gras',
kraut);
nd. auch törkappel Danneil 225
b,
Türkenapfel, vergl. türkenkopf
u. 2,
a.