lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

krips

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
6
Verweise raus
14

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krips m.

Bd. 11, Sp. 2328
krips, m. ein niedriges volkswort, aber merkwürdig. 11) es geht, nur mit kleinen abweichungen, wol durch ganz Deutschland, aber fast durchaus als verlorenes wort, ohne anhalt. 1@aa) md. z. b. in meiner heimat einen beim krips oder kripse nehmen, kriegen, festnehmen, z. b. bei einer verhaftung, oder um einen zu strafen; z. b. der hanswurst im puppenspiel vom Faust: ohne viel zu spindisieren kriegt er mich beim krips (var. kragen) und führt mich ins dorf zum schulz (als dieb). weim. jahrb. 5, 270. 269. man kennt und braucht es aber nur eben in dieser verbindung, und was dieser krips eigentlich ist, weisz ich nicht anzugeben, weder der kragen noch der hals heiszt jemals krips. ebenso in Thüringen, auch in Schlesien; von da gibt Weinh. 48a einen beim krips nehmen zwar mit der bed. kehle, hals, aber gewiss nur für diese wendung, wie niederschles. beim kripsche. Ebenso im westen, westerw. krieg ihn am krips Schmidt 90 (er kennt es auch als pfälz., und nrh. aus Jülich und Berg), in Coblenz krich en beim krips Wegeler 28, von beiden als hals verstanden. in Luxemburg 'beim kribs hoilen (hohlen), beim fittige nehmen', Gangler 256, kribs ist sonst dort krebs, der einklang ist zufällig. 1@bb) ebenso nd., z. b. ditmars. bi'n krips krigen beim kragen nehmen (aber der kragen heiszt nicht krips): mit eenmal hett de Kunrad em bi'n krips un smitt em æwern disch weg ünn'r de bank. Groth Quickb. (1853) 93. ostfries. bi de kripps kriegen, scherzhaft, beim kragen Stürenburg 124a, bei Frommann 4, 128 ostfries. bi d' krips, wie bi d' wikkel, bi d' krâg krîgn, fassen und prügeln. aus der Altmark bei Danneil 117b ên bîn kripps krîgn, wie bîn wickl, bîn kraogn, hinauswerfen. götting. bei Schambach 68b bîn gripse krîgen, hem (haben). 1@cc) nicht anders oberd.: schweiz. chribs m., ohne pl., 'eig. die luftröhre, insbesondere der luftröhrenknopf, doch fast nur in der sprechart: söll-di bim chribs neh (nehmen)?' Tobler 119b, das 'fast' darf man anzweifeln. bregenzerw. beim krips nehmen, 'durch worte oder thätlich unerwartet grob anfallen', da bin ich beim krips genommen worden, habe der gewalt unterliegen müssen (Felder). schwäb.: still, horchet, jetzt nimmt er ihn am krips! Auerbach neues leben 1862 1, 143 (1852 1, 237 grips). elsäss. kryps (das y steht sonst für î), kragen Arnold pfingstm. 194; die were ne-n-am kryps ains rummer schüttle un imm de bukkel satt un waidli durchkapitle. 120. ebenso im bair. gebiete: tirol. einen beim krips nehmen, beim hals, arm u. s. w. packen. Schöpf 346; s. 214 aber gibt er ein fem., einen bei der grips (kehle) nehmen. letzteres nach Schmeller 2, 117, der dass. aus Baiern gibt. das fem. auch in Iglau in Mähren, bei de' gripps de'wischn Fromm. 5, 464, vgl. das mrh. fem. unter 2, a, α. 22) doch fehlt es ihm nicht durchaus an anhalt. 2@aa) so im westlichen mitteldeutsch. 2@a@aα) da fällt es zusammen mit einem worte für kehlkopf, kehlknopf: »grips, griebs, gröbs, minder gut kr-, m., zuweilen f., 1. kerngehäuse des kernobstes, 2. kehlkopf: einen am grips nehmen« [auch 3. alles zurückgebliebene geringe vom obst, und 4. soviel als knippes, s. 3, b] Kehrein Nassau 1, 174; dazu s. 175 grotze, krotze m. als gleich grips in allen seinen bedeutungen. aus der Wetterau gibt mir Weigand am gribs oder greabs (griebs) oder grotze kreie (kriegen), ausdrücklich vom kehlknopf verstanden. aus Kurhessen bei Vilmar 226 kribbes, auch griwwes und grewes gesprochen, kerngehäuse und kehlkopf (beides auch krotzen 229). 2@a@bβ) für kernhaus ergeben die bis jetzt ältesten zeugnisse, aus dem 15. jh., grubsz und grobisz pulpa, arulla (Weigand 1, 457, Dief. 472b. 52c, nov. gl. 309a), in mhd. zeit vermutlich grübeʒ und gröbeʒ (vgl. grobicz n. gl. 36b), woraus sich die nhd. grübs und gröbs begreifen, mit der nhd. herabdrückung der umlaute grîbs und grêbs; auch das hess. griwwes wie das mrh. grips begreifen sich daraus, sie haben die kürze bewahrt. übrigens ist schon im 15. jh. auch gribesz und gribsz bezeugt, gerade mrh. (Dief. 472b), nrh. grybsze (ebend.), worin doch echtes i enthalten sein könnte, zumal in anbetracht von grabisz Dief. 52c. da nun im md. gr- und kr- jetzt zusammenfallen, steht der form nach jener einheit unter α nichts im wege; der übergang von kernhaus zum kehlknopfknorpel des mannes aber erklärt sich unter Adamsapfel 1, 176, wo auch Adamskröbs. 2@a@gγ) aber diese einheit könnte doch nur fürs westliche mitteldeutsch gelten, schon für das östliche nicht mehr. denn wie Weinhold 48a bemerklich macht, dasz die schles. mundart das krips in unserer redensart und griebs, griebsch kernhaus, kehlkopf genau scheidet, ebenso die Leipziger mundart krips und krêbs. für das nd. und oberd. krips aber geht jener westmd. anhalt ganz verloren, weil das kernhaus dort ganz andere namen hat (vergl.kernhaus 4. 5). bliebe nur übrig eine ausstrahlende allgemeine verbreitung unsrer redensart von jenem engeren bereich aus anzunehmen; da ist doch wahrscheinlicher, dasz in letzterem unser krips das andere wort zu bequemer anlehnung vorfand. 2@bb) weiter greifend ist ein anderer anhalt. 2@b@aα) im Elsasz stellt sich kryps (1, c) in der form zu krypse entwenden, stehlen Arnold pfingstm. 194: er het us dere-n entebruet e jungs antveejele (antvöglein, entchen) gekrypst. pfingstm. 110. und das geht weithin so: kurhess. gripsen, kripsen, kripschen stehlen, von kleinigkeiten, halb schimpfend halb scherzhaft, s. Vilmar 138, ebenso thür., sächs.; ferner bair., tirol. gripsen Schm. 2, 116, Schöpf 214, schweiz. gripsen 'lange finger machen' Stalder 1, 482, mrh. grippschen Kehrein 174, nd. bei Schamb. 68b gripsen. dazu mit ablaut tirol. grapsen stehlen Schöpf 214, mährisch grapslen Fromm. 5, 460. 2@b@bβ) aber stehlen ist nur éine anwendung der eigentlichen bed.: rasch und geschickt ergreifen, an sich raffen u. ä.; so gibt Scherz 214 kripsen rapere aus Straszburg, ebenso gilt das schweiz. gripsen, nd. gripsen bei Schamb. rasch und unvermerkt nach etwas greifen, im brem. wb. 2, 536 gripsgrapsen neben grapsen, während Dähnert nur grappsen, Danneil nur grappschen geben (vgl.krapschen); es herscht ablautung in dem stamme, s. krippen 4, c und ergrappen, ergruppen dort, zeugnis genug dasz darin eine alte bildung vorliegt. erscheint es doch schon ahd. vermutlich in chripsen diripere bei Notker (Graff 4, 598), das nach obigem nicht für chripfen verschrieben sein wird, es mag chripisôn dahinter liegen, der stamm hat mit grîfen zunächst nichts zu thun, nur entfernter. 2@b@gγ) zu krips nun stimmt diesz alles darin, dasz auch hier das p sowol hd. wie nd. erscheint, dasz auch hier anlautend kr- und gr- wechseln (beides wie bei krippen 4 gleichfalls), und wenn gegenwärtig nicht überall krips und kripsen, grips und gripsen zusammengehn, so kann das noch vor drei vier hundert jahren anders gewesen sein, es fehlt ja an alten zeugnissen. auch dem sinne fügt sich kripsen wol: der krips wäre eig. 'das wobei man einen faszt' wie Schambach sein nd. grips in der that erklärt, hals oder kragen oder ärmel oder was sonst. endlich stimmen auch in der färbung der bed. beide worte: krips hat gleich kripsen einen scherzhaften klang, wie ihn Vilmar u. α vom letztern angibt; selten wird einer im bittern ernste beim kripse genommen, wer die wendung braucht, scherzt damit meistens zugleich über den gegner oder den dieb, dasz er sich übertölpeln liesz, oder ähnlich, es ist damit wie mit einen beim schopfe, beim flittig, beim wickel kriegen (s. unter 1, b. a zuletzt). 33) übrigens gilt krips hie und da doch auch auszer jener wendung, aber in abweichender bedeutung. 3@aa) schweiz. chribs m. ist auch ein böses weib (das 'gleichsam seinen mann beim chribs nehmen möchte'!) Tobler 119b. das wiederholt sich nl. in kribbe f. een boos wijf Halma 346a, wertvoll für das nahe verhältnis des schweiz. oberrh. zu dem nl. (vgl. Zachers zeitschr. 1, 444 ff.). dazu nl. kribbig zänkisch, schon bei Kil., mrh. krippig (sp. 2170 mitte), s. unter kribbisch, auch frz. grippe unter krippen 5 a. e. 3@bb) das mrh. wort (s. 2, a) heiszt auch knirps, deutlich im anschlusz an krips kernhaus, denn knirps selbst (3) ist eben auch das kernhaus; vgl. henneb. kleiner gröbs von kindern Reinwald 1, 54. aber auch aus Schlesien gibt Weinh. 48a krips kleiner kerl, während das kernhaus dort griebs heiszt (s. 2, a, γ), und selbst schwed. dial. kripp m. kleines kind Rietz 355b möchte verwandt sein. Schmidt westerw. id. 93 braucht ein adj. krippicht für knirpsicht, klein gewachsen; wenn das nicht eig. krüppicht ist (Schmidt selbst hat s. 92 kruppicht so), zeigt es den stamm ohne das -s, das in ähnlichen wörtern gerade rheinisch so oft erscheint (s.knospe 4, c). vgl. auch knips 4 gleich knirps, und krüps knirps, krops gleich kropf Mones anz. 8, 496 (auch kropf ist knirps). 3@cc) wieder anders nd. kripps, gripps verstand, fassungskraft Danneil 70a, zu kripsen, gripsen greifen u. 2, b, β. vgl. gribs.
8970 Zeichen · 210 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kripsm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    krips , m. ein niedriges volkswort, aber merkwürdig. 1 1) es geht, nur mit kleinen abweichungen, wol durch ganz Deutschl…

  2. modern
    Dialekt
    Krips

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Krips vgl. Grips Seite 280.

Verweisungsnetz

20 Knoten, 15 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 2 Kompositum 15 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krips

7 Bildungen · 7 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

krips‑ als Erstglied (7 von 7)

kripschen

LothWB

krips·chen

kripschen [kripšən Fi. ] tr. v. naschen, heimlich wegnehmen. — hess. 223 krapschen. s. a. gripsen.

kripschen II

RhWB

kripschen II -ī-, –īəpš- Gummb-Bellingr ; -īəps- Schleid-Urft schw.: kreischen, von schlecht geschmierten Rädern, Türen, Pumpen udgl. — Abl.…

kripseln

RhWB

krips·eln

kripseln -ī- Gummb schw.: kritzeln, unleserlich schreiben; wat hät dat Kengd do wiər gekripselt, dat kann jo gener leəsen. — Abl.: die Krips…

kripsen I

RhWB

kripsen I = raffen, stehlen s. bei grippen;

kripsen II

RhWB

kripsen II -īə- = kreischen s. kripschen II.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „krips". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/krips/dwb?formid=K14412
MLA
Cotta, Marcel. „krips". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/krips/dwb?formid=K14412. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „krips". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/krips/dwb?formid=K14412.
BibTeX
@misc{lautwandel_krips_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„krips"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/krips/dwb?formid=K14412},
  urldate      = {2026-05-13},
}