krips,
m. ein niedriges volkswort, aber merkwürdig. 11)
es geht, nur mit kleinen abweichungen, wol durch ganz Deutschland, aber fast durchaus als verlorenes wort, ohne anhalt. 1@aa)
md. z. b. in meiner heimat einen beim krips
oder kripse nehmen, kriegen,
festnehmen, z. b. bei einer verhaftung, oder um einen zu strafen; z. b. der hanswurst im puppenspiel vom Faust: ohne viel zu spindisieren kriegt er mich beim krips (
var. kragen) und führt mich ins dorf zum schulz (
als dieb).
weim. jahrb. 5, 270. 269.
man kennt und braucht es aber nur eben in dieser verbindung, und was dieser krips
eigentlich ist, weisz ich nicht anzugeben, weder der kragen noch der hals heiszt jemals krips.
ebenso in Thüringen, auch in Schlesien; von da gibt Weinh. 48
a einen beim krips nehmen
zwar mit der bed. kehle, hals, aber gewiss nur für diese wendung, wie niederschles. beim kripsche.
Ebenso im westen, westerw. krieg ihn am krips Schmidt 90 (
er kennt es auch als pfälz., und nrh. aus Jülich und Berg),
in Coblenz krich en beim krips Wegeler 28,
von beiden als hals verstanden. in Luxemburg 'beim kribs hoilen (
hohlen),
beim fittige nehmen', Gangler 256, kribs
ist sonst dort krebs, der einklang ist zufällig. 1@bb)
ebenso nd., z. b. ditmars. bi'n krips krigen
beim kragen nehmen (
aber der kragen heiszt nicht krips): mit eenmal hett de Kunrad em bi'n krips un smitt em æwern disch weg ünn'r de bank. Groth
Quickb. (1853) 93.
ostfries. bi de kripps kriegen,
scherzhaft, beim kragen Stürenburg 124
a,
bei Frommann 4, 128
ostfries. bi d' krips,
wie bi d' wikkel, bi d' krâg krîgn,
fassen und prügeln. aus der Altmark bei Danneil 117
b ên bîn kripps krîgn,
wie bîn wickl, bîn kraogn,
hinauswerfen. götting. bei Schambach 68
b bîn gripse krîgen, hem (
haben). 1@cc)
nicht anders oberd.: schweiz. chribs
m., ohne pl., '
eig. die luftröhre, insbesondere der luftröhrenknopf, doch fast nur in der sprechart: söll-di bim chribs neh (
nehmen)?' Tobler 119
b,
das '
fast'
darf man anzweifeln. bregenzerw. beim krips nehmen, '
durch worte oder thätlich unerwartet grob anfallen', da bin ich beim krips genommen worden,
habe der gewalt unterliegen müssen (Felder).
schwäb.: still, horchet, jetzt nimmt er ihn am krips! Auerbach
neues leben 1862 1, 143 (1852 1, 237 grips).
elsäss. kryps (
das y
steht sonst für î),
kragen Arnold
pfingstm. 194; die were ne-n-am kryps ains rummer schüttle un imm de bukkel satt un waidli durchkapitle. 120.
ebenso im bair. gebiete: tirol. einen beim krips nehmen,
beim hals, arm u. s. w. packen. Schöpf 346;
s. 214
aber gibt er ein fem., einen bei der grips (
kehle) nehmen.
letzteres nach Schmeller 2, 117,
der dass. aus Baiern gibt. das fem. auch in Iglau in Mähren, bei de' gripps de'wischn Fromm. 5, 464,
vgl. das mrh. fem. unter 2,
a, α. 22)
doch fehlt es ihm nicht durchaus an anhalt. 2@aa)
so im westlichen mitteldeutsch. 2@a@aα)
da fällt es zusammen mit einem worte für kehlkopf, kehlknopf: »grips, griebs, gröbs,
minder gut kr-,
m., zuweilen f., 1.
kerngehäuse des kernobstes, 2.
kehlkopf: einen am grips nehmen« [
auch 3.
alles zurückgebliebene geringe vom obst, und 4.
soviel als knippes,
s. 3,
b] Kehrein
Nassau 1, 174;
dazu s. 175 grotze, krotze
m. als gleich grips
in allen seinen bedeutungen. aus der Wetterau gibt mir Weigand am gribs
oder greabs (griebs)
oder grotze kreie (kriegen),
ausdrücklich vom kehlknopf verstanden. aus Kurhessen bei Vilmar 226 kribbes,
auch griwwes
und grewes
gesprochen, kerngehäuse und kehlkopf (
beides auch krotzen 229). 2@a@bβ)
für kernhaus ergeben die bis jetzt ältesten zeugnisse, aus dem 15.
jh., grubsz
und grobisz
pulpa, arulla (Weigand 1, 457, Dief. 472
b. 52
c,
nov. gl. 309
a),
in mhd. zeit vermutlich grübeʒ
und gröbeʒ (
vgl. grobicz
n. gl. 36
b),
woraus sich die nhd. grübs
und gröbs
begreifen, mit der nhd. herabdrückung der umlaute grîbs
und grêbs;
auch das hess. griwwes
wie das mrh. grips
begreifen sich daraus, sie haben die kürze bewahrt. übrigens ist schon im 15.
jh. auch gribesz
und gribsz
bezeugt, gerade mrh. (Dief. 472
b),
nrh. grybsze (
ebend.),
worin doch echtes i
enthalten sein könnte, zumal in anbetracht von grabisz Dief. 52
c.
da nun im md. gr-
und kr-
jetzt zusammenfallen, steht der form nach jener einheit unter α nichts im wege; der übergang von kernhaus zum kehlknopfknorpel des mannes aber erklärt sich unter Adamsapfel 1, 176,
wo auch Adamskröbs. 2@a@gγ)
aber diese einheit könnte doch nur fürs westliche mitteldeutsch gelten, schon für das östliche nicht mehr. denn wie Weinhold 48
a bemerklich macht, dasz die schles. mundart das krips
in unserer redensart und griebs, griebsch
kernhaus, kehlkopf genau scheidet, ebenso die Leipziger mundart krips
und krêbs.
für das nd. und oberd. krips
aber geht jener westmd. anhalt ganz verloren, weil das kernhaus dort ganz andere namen hat (
vergl.kernhaus 4. 5).
bliebe nur übrig eine ausstrahlende allgemeine verbreitung unsrer redensart von jenem engeren bereich aus anzunehmen; da ist doch wahrscheinlicher, dasz in letzterem unser krips
das andere wort zu bequemer anlehnung vorfand. 2@bb)
weiter greifend ist ein anderer anhalt. 2@b@aα)
im Elsasz stellt sich kryps (1,
c)
in der form zu krypse
entwenden, stehlen Arnold
pfingstm. 194: er het us dere-n entebruet e jungs antveejele (
antvöglein, entchen) gekrypst.
pfingstm. 110.
und das geht weithin so: kurhess. gripsen, kripsen, kripschen
stehlen, von kleinigkeiten, halb schimpfend halb scherzhaft, s. Vilmar 138,
ebenso thür., sächs.; ferner bair., tirol. gripsen Schm. 2, 116, Schöpf 214,
schweiz. gripsen '
lange finger machen' Stalder 1, 482,
mrh. grippschen Kehrein 174,
nd. bei Schamb. 68
b gripsen.
dazu mit ablaut tirol. grapsen
stehlen Schöpf 214,
mährisch grapslen Fromm. 5, 460. 2@b@bβ)
aber stehlen ist nur éine anwendung der eigentlichen bed.: rasch und geschickt ergreifen, an sich raffen u. ä.; so gibt Scherz 214 kripsen
rapere aus Straszburg, ebenso gilt das schweiz. gripsen,
nd. gripsen
bei Schamb.
rasch und unvermerkt nach etwas greifen, im brem. wb. 2, 536 gripsgrapsen
neben grapsen,
während Dähnert
nur grappsen, Danneil
nur grappschen
geben (
vgl.krapschen);
es herscht ablautung in dem stamme, s. krippen 4,
c und ergrappen, ergruppen
dort, zeugnis genug dasz darin eine alte bildung vorliegt. erscheint es doch schon ahd. vermutlich in chripsen
diripere bei Notker (Graff 4, 598),
das nach obigem nicht für chripfen
verschrieben sein wird, es mag chripisôn
dahinter liegen, der stamm hat mit grîfen
zunächst nichts zu thun, nur entfernter. 2@b@gγ)
zu krips
nun stimmt diesz alles darin, dasz auch hier das p
sowol hd. wie nd. erscheint, dasz auch hier anlautend kr-
und gr-
wechseln (
beides wie bei krippen 4
gleichfalls),
und wenn gegenwärtig nicht überall krips
und kripsen, grips
und gripsen
zusammengehn, so kann das noch vor drei vier hundert jahren anders gewesen sein, es fehlt ja an alten zeugnissen. auch dem sinne fügt sich kripsen
wol: der krips
wäre eig. '
das wobei man einen faszt'
wie Schambach
sein nd. grips
in der that erklärt, hals oder kragen oder ärmel oder was sonst. endlich stimmen auch in der färbung der bed. beide worte: krips
hat gleich kripsen
einen scherzhaften klang, wie ihn Vilmar
u. α vom letztern angibt; selten wird einer im bittern ernste beim kripse genommen,
wer die wendung braucht, scherzt damit meistens zugleich über den gegner oder den dieb, dasz er sich übertölpeln liesz, oder ähnlich, es ist damit wie mit einen beim schopfe, beim flittig, beim wickel kriegen (
s. unter 1,
b. a zuletzt). 33)
übrigens gilt krips
hie und da doch auch auszer jener wendung, aber in abweichender bedeutung. 3@aa)
schweiz. chribs
m. ist auch ein böses weib (
das '
gleichsam seinen mann beim chribs
nehmen möchte'!) Tobler 119
b.
das wiederholt sich nl. in kribbe
f. een boos wijf Halma 346
a,
wertvoll für das nahe verhältnis des schweiz. oberrh. zu dem nl. (
vgl. Zachers
zeitschr. 1, 444
ff.).
dazu nl. kribbig
zänkisch, schon bei Kil.,
mrh. krippig (
sp. 2170
mitte),
s. unter kribbisch,
auch frz. grippe
unter krippen 5
a. e. 3@bb)
das mrh. wort (
s. 2,
a)
heiszt auch knirps, deutlich im anschlusz an krips
kernhaus, denn knirps
selbst (3)
ist eben auch das kernhaus; vgl. henneb. kleiner gröbs
von kindern Reinwald 1, 54.
aber auch aus Schlesien gibt Weinh. 48
a krips
kleiner kerl, während das kernhaus dort griebs
heiszt (
s. 2,
a, γ),
und selbst schwed. dial. kripp
m. kleines kind Rietz 355
b möchte verwandt sein. Schmidt
westerw. id. 93
braucht ein adj. krippicht
für knirpsicht, klein gewachsen; wenn das nicht eig. krüppicht
ist (Schmidt
selbst hat s. 92 kruppicht
so),
zeigt es den stamm ohne das -s,
das in ähnlichen wörtern gerade rheinisch so oft erscheint (
s.knospe 4,
c).
vgl. auch knips 4
gleich knirps, und krüps
knirps, krops
gleich kropf Mones
anz. 8, 496 (
auch kropf
ist knirps). 3@cc)
wieder anders nd. kripps, gripps
verstand, fassungskraft Danneil 70
a,
zu kripsen, gripsen
greifen u. 2,
b, β.
vgl. gribs.