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kragstein

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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10 in 10 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kragstein m.

Bd. 11, Sp. 1963
kragstein, m. stein der aus der mauer hervorragt, hauptsächlich als träger eines balkens u. ä.; auch von eisenstangen gleicher bestimmung ( Adelung). ein aus der baukunst geretteter ausdruck (vgl. keineisen a. e., käpfer). es gibt aber mancherlei formen. 11) kragstein ist bezeugt seit dem 15. jh. (aber sicher weit älter). 1@aa) zeugnisse: kragstein od. kapfer, proceres. voc. th. 1482 r 2b. q 1a; de onyche dubitatur, an inter gemmas censeri debeat, dann er ist so grosz, dasz man trinkgeschir darausz macht, gibt auch gut kragstein (pl.). Alberus dict. Mm 4a, wol unsern consolen gleich, um bilder zu tragen; sie (die tafel) ruhte auf dem kragstein einer nische. Göthe 24, 98; die schnauze einer renne (dachrinne, sächs. form) für einen kragstein .. genommen. Lessing 10, 235, bildlich, eine nebensache für eine hauptsache, einen zierrat für ein notwendiges stück. Folg. kragestein scheint nur dem verse zu gefallen zerdehnt, als wäre kragstein eine süddeutsche kürzung: nur éine regel lehrt, bei wolgestallten säulen am capital und sims den zierrath wol vertheilen, giebt schnecken, kragestein und blättern maasz und zahl. J. E. Schlegel 4, 109. 1@bb) verkleinert: jetzt steht sie (die büste) kleinlich auf einem kragsteinchen unharmonisch mit dem ganzen. Göthe 27, 62; unsere (an goth. kirchen) kauzenden, auf kragsteinlein über einander geschichteten heiligen. 27, 137. 1@cc) der ursprung wird bei kragen, mhd. krage, d. i. urspr. hals, zu suchen sein. das ende des balkens, den ein kragstein trägt, heiszt sein kopf, balkenkopf, der über seinen träger hervortritt; da ruht denn ganz natürlich der 'kopf' auf dem 'halse', und auch eine kehle ist oft dabei und zwischen kopf und kehle ein kinn (3, b), kurz die vermenschlichung der todten masse war ernstlich durchgeführt in der vorstellung der vorfahren, und sie trugen diese vorstellung auch völlig auf das holz und den stein über, indem sie die balkenköpfe gern zu wirklichen köpfen und gesichtern ausarbeiteten. also kragstein der stein, der den hals des balkenkopfes abgibt. es gab auch kragholz (s. d.). auch hals selbst war ähnlich gebraucht. 22) dazu aber mehrfache nebenformen. 2@aa) thüring. im 14. jh. krainstein, im Eisenach. rechtsb. 3, 6, wo vom bau einer zwei nachbarn gemeinschaftlichen brandmauer die rede ist: iczlicher mag krainsteine înmûren (so tief) daʒ (er?) sîn trême ûfgehaldin mag (seine balken sicher aufzulegen im stande ist). und der die mûren lêt machin (wenn der andere sich am bau nicht betheiligt), der bedarf jeme (dem nachbar) sîn krainstein nicht legin. legit her (der nachbar) si selbir nicht, sô sal her sîn gebûwede dâ ûf holz vâhen und in kein mûren legen (musz er auf kragsteine in die wand zu mauern überhaupt verzichten und holzstützen dafür nehmen). Ortloff rechtsqu. 1, 705, vergl. die entsprechende stelle unter d. die form ist nach md. art verkürzt aus kragenstein (wie wain aus wagen u. a.), von den casus obliqui gebildet. 2@bb) kraugstein gibt Alberus dict. Ll 3b. Mm 4a neben kragstein. das ruht auf einer aussprache krauge für krage, die z. b. elsässisch, oberrh. ist und war (s. u.kragen sp. 1960) und sich gewiss auch nach dem Mittelrhein erstreckte, wie sie im 14. jahrh. in Würzburg galt (nach der hs. des Herbort, s. Frommann daselbst s. 224) und noch im Siegerlande (Schütz 1, 12), also nördlich und südlich von Alberus heimat. 2@cc) krakstein Frisch 1, 542a, krackstein erisma, anco Kirsch, Steinbach, M. Kramer ist nur aussprache von kragstein, indem krag- nach der alten auslautregel behandelt ist, die media zur tenuis zu machen (z. b. tâk tag). Ebenso krachstein Schottel 1350. 1370, Stieler 1693, Aler 1220a, nach der nd., doch auch md. auslautregel (z. b. md. tâch, nd. dach tag). Nach jenem auch böhm. krakštajn, poln. kroksztyn. dagegenn. kragsteen, schwed. kragsten, gleichfalls entlehnt. 2@dd) aber auch ganz anders kropstein, ostmd. im 15. oder schon 14. jh., im rechtsb. nach distinctionen II, 2, 2: unde or iczlich (jeder der beiden nachbarn) mag kropsteine înlegen (in die gemeinschaftliche brandmauer), dô he sîne trême ûf gevâhen unde gelegen magk. der die mûre fûrt (aufführt), der bedarf jeme sîne kropsteine nicht legen. Ortloff 1, 108, in einer andern hs. (das. s. 415) kropsteine oder hacken, d. i. wol hâken. doch auch das fügt sich der obigen auslegung von kragstein, nach krop md. für kropf als hals; die einkehlung des kragsteins hat meist zugleich eine ausladung, die einem kropfe zu vergleichen war, und kropf gilt noch ähnlich in der baukunst. 2@ee) dunkel ist mir alem. krapfstein Dasyp. 146c, Junius nom. 157b, Maaler, auch kurz krapf: μυών, torus, krapf, krapfstein. Frischlin nomencl. cap. 147 (1594 s. 335). auch md. crapstein bei Ortloff 1, 415. ist es nur umdeutung von kropfstein, nach oberd. krapfe haken (vgl. hâken unter d)? kraffstein im diction. quadril. Prag 1700 3, 101a ist entstellung von diesem oder vom folgenden. 2@ff) kraftstein Schottel 455b. 485b, Adelung, und schon in der Erfurter hs. der dist. bei Ortloff 1, 415, ist eine umdeutung nach kraft, als tragkraft oder als träger selbst gedacht (vgl kraft I, 2, b). kommt doch mhd. kraft schlechtweg als träger, halter vor, von einer säule, die allein ein baufälliges haus hält: diu was gar des hûses kraft. Eracl. 2065. 2@gg) endlich rein misverständlich ganz umgebildet tragstein, in neuerer zeit. aber die schon alten umdeutungen kraftstein, krapfstein zeigen, wie früh die urspr. bedeutung sich verdunkelte, d. h. wie alt das wort schon im 15. jh. sein muszte. 33) dazu dann neugebildet auskragen, ausgekragt, auch abgekragt, in form eines kragsteins gebildet u. ä.
5688 Zeichen · 142 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    kragsteinstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    krag-stein stm. aus der mauer hervorragender stein als träger eines balkens u. dgl. kragstein, proceres Voc. 1482. lapid…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kragstein

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Kragstein , des -es, plur. die -e, in der Baukunst, ein vor andern hervor ragender Stein in einer Mauer, besonders s…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kragstein

    Goethe-Wörterbuch

    Kragstein aus der Mauer, Wand vorspringender, als Träger eines Balkens dienender Stein Sie [ die steinerne Tafel ] ruhte…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kragstein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Kragstein , s. Console .

  5. modern
    Dialekt
    Kragstein

    Schweizerisches Idiotikon

    Kragstein Band 11, Spalte 839 Kragstein 11,839

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kragstein

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Zerlegung von kragstein 2 Komponenten

krag+stein

kragstein setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kragstein‑ als Erstglied (2 von 2)

Kragsteinchen

GWB

kragstein·chen

Kragsteinchen Dimin zu Kragstein mit abschätzigem Akzent die lebensgroße Büste des Marchese Maffei [ im Theater zu Verona ] .. um sich gegen…

Kragsteinlein

GWB

kragstein·lein

Kragsteinlein Dimin zu Kragstein einmal abschätzig akzentuiert steht in dieser Sammlung [ im Palazzo Farsetti von Venedig ] ein Stück des Ge…

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Cotta, M. (2026). „kragstein". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kragstein/dwb?formid=K12002
MLA
Cotta, Marcel. „kragstein". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kragstein/dwb?formid=K12002. Abgerufen 11. May 2026.
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Cotta, Marcel. „kragstein". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kragstein/dwb?formid=K12002.
BibTeX
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