kieseling,
kiesling,
m. kiesel, eine weiterbildung von diesem, die früher häufiger ist als kiesel
selbst, auch Luthern
geläufig (
selbst in der bibel),
und doch jetzt in die mundarten zurückgedrängt (
dem md. ist sie fremd).
ahd. chisilinc
calculus, silex Graff 4, 501,
mhd. kiselinc
wb. 1, 821
b,
Engelh. 239;
auch mnd. nrh. keselink Dief. 148
b. 533
c,
geschichtsqu. von Münster 2, 57 (
vgl. 3,
b),
nl. keselinge Binnaert.
es ist eine verkleinernde bildung des selbst schon verkleinerten kisel
mittelst -inc, '
ein vom groszen kiesel herrührendes stück' (
gramm. 3, 682. 379);
möglich freilich wäre auch eine patronym. ableitung von kis
selbst mittelst -linc,
gleichsam sohn des kieses. 11)
kieselstein; in den vocc. d. 15. 16.
jh. silex kiseling (kisseling)
und kisling (
auch kuszling,
d. i. küsling) Dief. 533
c,
und beide formen gelten länger neben einander: und nament cleine kieselinge (
zum werfen).
Dioclet. 2579; eebrechen wigt man als gering als ob man schnellt ein kiseling. Brant
narr. 33, 2; mit fünf kiszlingen überwand er (
David) Goliam. Keisersberg
irrig schaf 12
a; ich hab dir geben ein angesicht und ein hirn, herter den ein kiszling ist.
emeis 34
b; dieser (
Prometheus) ist auch der erst, der das feür aus dem kiszling schluog. S. Frank
chron. 15
b,
feuerstein, vgl. u. kies 3,
a; von kiszlingen brennt man kalk. Sebiz 34.
bei Luther: es lassen sich freilich Christus wort nicht viel keltern noch pressen, es sind kiselinge, ja eitel felsen. Luther 3, 381; solche leut nicht wie die kiesling auf der straszen zu finden sind.
br. 4, 348; das gestolen brot schmeckt jederman wol, aber hernach wird im der mund vol kiseling werden.
spr. Sal. 20, 17;
es scheint einst auch in md. sprache heimisch gewesen, auch die von Leyser
herausg. md., wahrscheinlich meiszn. predigten des 14.
jh. haben kieseling 78, 25. 27.
Seit dem 17.
jh. wird es selten: die bach, die harte klopft, die voller kieszling steckt. Schönborn
bei Gryphius 2, 502; so höret man das wasser über die kiszlinge rauschen. Breitinger
forts. der crit. dichtkunst 25. Rädlein, Frisch
führen es noch an. es ist noch bair., schwäb., auch nd. einzeln, kîsling
bei Aschersleben (
s. 3,
b),
und als name Kiesling
u. ä. Voss
nahm es wieder auf in spielkiesling
Aristoph. 3, 76. 22)
besonders anzuführen wert a)
als groszer feldstein: es hätte den kiesling keiner mit beiden händen gehoben. Bodmers
Homer 1, 196,
vgl. den Münchener kisselstein Schm. 2, 336 (340
pfund schwer). b)
blasenstein nach '
contundus, lapis in vesica, keselink' (
nd.) Dief. 148
b. 33)
nebenformen. 3@aa) kislig: mit fünf kiszligen überwand er Goliam. Keisersb.
irrig schaf (
ausg. in 4°) D 8
b; kiszlichstein,
silex. Golius (Dief. 533
c).
das ist wie messig
für messing,
auch pfennig, könig
sind so entstanden. 3@bb)
merkwürdig ist nd. keserlink
hor. belg. 7, 28
b, Dief. 533
c, Chytraeus 41, Lüntzel
stiftsf. 131,
noch jetzt gött. kîserling, kêserling,
kieselstein, feldstein Schamb. 100
b,
am Harz kesserling,
bremisch keiserlink.
daher findet man in norddeutschem hochdeutsch auch kieserling,
der name Kiesling
heiszt dort Keiserling.
ist das blosz entstellung? oder spricht es für eine alte [] nebenform kiser
gleich kisel,
wie fesser
gleich fessel, kesser
gleich kessel?
auch das folgende kann dafür sprechen. 3@cc)
nordd. auch kieserlein,
wie kieselein: wie die krae, da sie ein krug fand, der so tief war, dasz sie vom grund das wasser nicht erlangen kund, so viel der kleinen kieserlein zuführet in den krug hinein, bisz das wasser fein aufwarts gieng. Rollenhagen
froschm. Tt 1
a (6
a, 3, 1, 15).
möglich wäre dafür doch auch eine umdeutung von kiserling,
denn umgekehrt findet sich so für fingerlin
ring auch fingerling Dief. 36
b.