Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ingesigel stN.
2 Gerät zum Formen des Siegelabdrucks, Hohlform ‘Siegelstempel, Petschaft; Siegelring’
3 in unterschiedlichen übertr. Bed.
3.1 ‘Abdruck, Zeichen, Mal, Spur’
3.2 ‘Beglaubigungsmittel, Garantie, Sicherheit’
3.3 ‘Vorbild, Muster’
3.4 ‘Verschluss, Versiegelung’
4 ‘versiegelter Behälter’ (?) (oder zu 1 ‘Siegel’ ? (aus Silber))
1 ‘Siegelabdruck; angehängtes Siegel’ swaz er [Alexander] brieve sande / gen Asîâ in den gewalt, / dar an wolde der degen balt / daz ingesigel von Persîâ [was er erobert hat] / senden, gein Eurôpâ / sîn [ererbtes] erbinsigel RvEAlex 18413; Wig 9617; der valsche torechte gief [Dummkopf] / sloz an den leidigen brief / sin ingesigele MarLegPass 23,127. – übertr.: du [Maria] bist ein warez ingesigel, / darin nach menschlicher art / diu gotheit gedrücket wart / und an sich nam ir zeichen KvWGS 490. – ‘Metallsiegel, Bulle’ daruß nam sie einen brieff mit eim ingesiegel das guldin was Lanc 491,29 2 Gerät zum Formen des Siegelabdrucks, Hohlform ‘Siegelstempel, Petschaft; Siegelring’ drücket man ein ingesigel an ein grüene wahs oder an ein rôt oder in ein tuoch, daz ist alles ein bilde Eckh 2:136,3. 3:46,5; alsam daz wahs [Akk.] ein ingesigel [Nom.] / formieret nâch dem bilde sîn, / swenn ez gedrücket wirt dar în KvWTroj 6386; zû hant nam er von Nieflant / daz ingesigel [Siegelring] zû sîner hant. / daz hatte meister Anne / [...] / mêr dan drî jâr getragen LivlChr 4400. 4384. 9771; Hester 638; lunulæ: insigile, ingisigile sunt in modum lunæ factæ SummHeinr 2:36,111. 1:331,231. – heimelich ~ ‘Sekretsiegel, Rücksiegel’ dez gebe wir disen brief zu urkunde versigelt mit unsem heymelichen insigele, wenne wir daz groze insigel verlorn haben MGHConst 5:316b,16 (a. 1316); der kunic sin vingerlin do nam, / dar umme was mit buchstaben / sin heimelich ingesigel irgraben Hester 616. – die selbe kamere [ matrix, Gebärmutter] hat inner halb siben jngesigele. die sint ergraben alse ein múnzisen nach des menschen bilde Lucid 62,4. – übertr.: sins bildes ingesigel / got druckt in einen kloß. / sus menschen art sich zunte Mügeln 345,3 3 in unterschiedlichen übertr. Bed. 3.1 ‘Abdruck, Zeichen, Mal, Spur’ der sorgen wârez ingesigel / was im gedrücket in den muot KvWPart 1308; diu minne ir ingesigel streich / der klâren under ougen ebd. 17384; er pegraiff ainen türrigel, / da mit slug er ingesigel / auff den ungeerten man HvNstAp 19479; dâ irme wangen wart der slac, / daz mâl sie hâte immer mê, / man sachz an irme wangen stê / als eins ingesigels druc EbvErf 3719 3.2 ‘Beglaubigungsmittel, Garantie, Sicherheit’ ab er das centrum roubet nu in zornes flut, / so ist gesatzt in wandelunge gotes mut, / in bruch sin wort; das ist ein fremdes hören. / was hilfet dann sin ingesigel, / das er uß sines herzen milde †riffte / und goß es in der meide tigel, / bi dem er himel, mer und erde stifte? Mügeln 32,7; die ere ist des glückes erz, / der selikeit das hochste ingesigel ebd. 55,12; wan dú helige diemuͤtige gehorsami ist aller tugenden ein ingesigel Mechth 6: 19,14; Frl 2:17,12 3.3 ‘Vorbild, Muster’ do shuͦf er [Gott] in deme himele / nah sineme ingesigele / einen engel der hiz Lucifer / den zehenten chôr [Engelschor] den hete er VMos 4,14; barmunge ist alsô gehiurt [ehrenhaft geworden] , / daz si dir got hât ze ingesigel gestempfet [als Muster vorgegeben] Boppe 1:17,10 3.4 ‘Verschluss, Versiegelung’ in das grab man in [Jesus] do leit, / dar uf ainen stain, gross und breit. / da wart vil ingesigel an / durch grosse sicherhait getan, / umb das dar nieman kæme / und in von dannan næme WernhMl 11643 4 ‘versiegelter Behälter’ (?) (oder zu 1 ‘Siegel’ ? (aus Silber)): zwei ingesegele silberin / da was der brief gemachet in, / uf daz er lange werte also Vät 38871
MWB 2 1892,49; Bearbeiterin: Baumgarte