Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Hasenscharte
Hasenscharte
Hase m. wildlebendes, langohriges Nagetier. Ahd. (8. Jh.), asächs. haso, mhd. hase, has, mnd. mnl. hāse, nl. haas (germ. *hasan-), mit grammatischem Wechsel aengl. hara, engl. hare, anord. heri, schwed. hare (germ. *hazan-) hat neben sich die Adjektivbildungen ahd. hasan ‘glänzend, poliert’, eigentlich ‘grau’ (11. Jh.), mhd. heswe ‘bleich, matt’, aengl. hasu ‘graubraun’, anord. hǫss ‘grau’. Verwandt sind aind. śaśáḥ ‘Hase’, lat. cānus ‘grau, aschgrau, grauweiß’, kymr. ceinach, apreuß. sasins ‘Hase’ sowie wohl auch aslaw. sosnь, russ. sosná (сосна) ‘Kiefer, Föhre’, so daß sich als Ausgangsform die (häufig mit einem n-Suffix verbundene) Wurzel ie. *k̑as- ‘grau’ ergibt. Hase, eigentlich ‘der Graue’, ist ein Deckname, da man das Tier wegen seines angeblich dämonischen Wesens ungern beim wahren Namen nennt; vgl. ähnlich gebildetes lit. (älter) širvis ‘Hase’ zu šir̃vas ‘(blau)grau, schimmelig’, poln. (älter) szarak ‘Hase’ zu szary ‘grau’ sowie 1Bär (s. d.). Eine der vermeintlichen Eigenschaften des Hasen ist seine Furchtsamkeit, die in Personenbezeichnungen zum Ausdruck kommt wie Hasenfuß ‘übertrieben ängstlicher Mensch, Feigling’, früher auch ‘närrischer Mensch’, mhd. hasenvuoʒ, Hasenherz (Anfang 16. Jh.), Angsthase (um 1500). – Hasenpanier n., heute nur noch in der festen, von Luther verbreiteten Verbindung das Hasenpanier ergreifen ‘die Flucht ergreifen, ausreißen’, nach dem weißen Stummelschwanz des Hasen, der beim Fliehen wie ein Panier (s. Banner) in die Höhe steht; vgl. auch frühnhd. das Hasenpanier aufstecken (16. Jh.), aufwerfen (17. Jh.). Hasenscharte f. ‘angeborene Spaltbildung der Oberlippe beim Menschen’, mhd. hasinscharte, aengl. hærsceard.