gusz,
m. ,
das gieszen, das gegossene, behälter, aus dem oder in den man gieszt. verbalabstractum (
masculiner i-
stamm)
zu gieszen.
gemeinwestgerm. wort: ahd. guz,
mhd. guz,
mnd. göte,
mnl. ghöte,
ags. gyte,
mengl. blod-gyte.
im neund. ist vereinzelt vermischung mit mnd. gote, gate =
altniederdt. gota
canalis, hd. gosse eingetreten, so in teilen des Rheinlandes (
rhein. wb. 2, 1309)
und in Schleswig-Holstein (
wo auch hd. gusz
eingedrungen ist Mensing 2, 458
f.);
im gröszten teil des nd. sprachgebietes sind aber göt(e) '
gusz'
und gote '
gosse'
geschieden, vgl. rhein. wb. 2, 1506
mit 1309, Woeste 87
mit 83, Holthausen
ma. v. Soest § 66
mit 63, Doornkaat-Koolman 1, 668,
brem. wb. 1, 502, Richey 72, Dähnert 140
mit 144.
im übrigen siehe auch gosse.
in obd. dial. herrscht fast einheitlich die masc. form gusz,
jedoch können auch hier gelegentlich formvermischungen mit dem obd. güsse
f. (
s. d.)
infolge gleichen pl. eintreten; als gosz
erscheint gusz
im fränkischen: träum. mönch 5098
Böhmer; Elsen v. Holczhusen inventar (1410),
hs. Frankf. archiv; Harsdörffer
trichter 2, 144.
zur nasalierung in günsze
Straszburg. chron. 1019 (1349)
vgl. Weinhold alem. gr. § 201;
mhd. gutz
Karlm. 469, 21;
nhd. gutz
Fischer schw. wb. 3, 973; Staub-Tobler 2, 582
beruht auf anlehnung an ahd. gutzen '
libare, profundere'
ahd. gl. 2, 648, 3,
mhd. gützen '
vergieszen' (
dazu das f. gütze '
gusz, strom' Johann v. Würzburg
Wh. v. Österr. 19040),
schweiz. gutzen
überflieszen Staub-Tobler 2, 582. —
der plural ist im ahd. zufällig nur als guzza (
ahd. gl. 2, 513, 61)
belegt, vgl. Braune ahd. gr.3 § 216
anm. 3;
im mhd. ist nur der plural güzze
bezeugt; bei Luther
erscheint einmal ein zweifelhaftes gosse (
pl.)
bibel 1, 134
W., vgl. sp. 1213.
bedeutung und gebrauch. gusz
begegnet in der bedeutung des nomen actionis =
gieszen (I)
und der des nomen acti =
das gegossene (II).
die anwendung von gusz
auf ort oder behälter des gieszens erscheint erst in frnhd. zeit (
vgl. III). II. gusz
als nomen actionis bezeichnet das gieszen, sich ergieszen von flüssigkeiten, umfaszt also den transitiven, intransitiven und reflexiven gebrauch des verbums gieszen. I@AA.
das ausgieszen, sich ergieszen von flüssigkeiten im allgemeinen sinne. I@A@11) gusz
als vorgang des gieszens. I@A@1@aa)
das einmalige ausgieszen aus einem gefäsz: noch dô der stolze Iwân sînen guz niht wolde lân uf der âventiure stein Wolfram v. Eschenbach
Parz. 583, 30; dasz also ein kleyd von 70 gulden in einem gusz (
indem ein gefäsz aus dem fenster geleert wird) gantz vertilgt und verderbt wird Guarinonius
grewel (1610) 508; so gehstu morgens hin, tuhst dreymal einen gusz vom Tyber auff das haupt, entsündigest den flusz der hingelegten nacht Rachel
sat. ged. 55
ndr.; seht, er läuft zum ufer nieder: wahrlich! ist schon an dem flusse, und mit blitzesschnelle wieder ist er hier mit raschem gusse Göthe 1, 216
W.; es ist die gründlichkeit der Danaiden, die auch immer hofften, der nächste gusz würde nun der rechte und letzte sein Tieck
schr. (1828) 4, 52; ... doch unerwartet plätscherte nieder ein gusz aus überströmendem eimer J. H. Voss
s. ged. 2, 142; so floss ein glas eiskaltes wasser über meine erhitzte brust; ich schrie, ein zweiter gusz folgte A. v. Arnim 2, 332; kein gusz der schale soll, noch in die gruft geleiten ihn der klage heller ton, die freunde folgen seiner leiche nicht
F. L. Stolberg
sieben gegen Theben 15, 120;
bildlich: du bist der brinnden minne fluz, der minnde giuzet manigen guz und süezen duz in brinndiu minndiu herzen
angeblich von Gottfried 2, 33
v. d. Hagen; der mai hat da sinen guz in manig rosen gegossen Joh. v. Würzburg 6796
Regel. I@A@1@bb)
vom heftigen hervorquillen des blutes: der lewe uf drîen füezen spranc: ime schilde beleip der vierde fuoz. mit bluote gaber solhen guoz daz Gâwân mohte vaste stên Wolfram v. Eschenbach
Parz. 572, 2; und heten ouch darumb erliten vil manigen bluotes guz Ottokar
österr. reimchron. 40779; endlich so kriegt er hervor auch die füsze, ob es gleich kostet gar blutige güsze
Reinicke fuchs (1650) 73; in schwarzen güssen strömend hin sein blut Grillparzer 2, 224
S.; im bilde: brechet auf ihr wunden! flieszet, flieszet! in schwarzen güssen stürzet hervor ihr bäche des blutes Schiller 14, 110
G. ebenso von tränen: do si hat abgeweschen in alles hor und eschen mit haisser trehen güsse
sœlden hort 8007
Adrian; auffs new die zähr verschwendet, mit noch so starckem gusz Spee
trutznacht. (1649) 69; mit vieler bewegung hörten die bischöfe solches an, und unter einem gusz von thränen antworteten sie: des herrn wille geschehe! J. A. Chr. v. Einem
Mosheims kirchengesch. 3 (1771), 19; wie tropfen blutes, roth vom fackelschein, rann ihrer thränen wilde sturzfluth nieder. heisz, gusz auf gusz!
F. Freilihrath
ges. dichtungen 5, 28.
vom schweisz, selten: unter einem gusz von angstschweiss platzte er heraus Alexis
ruhe (1852) 1, 343. I@A@1@cc)
von objecten, auf die sich die vorstellung des sich ergieszens übertragen läszt: das ganze (
geröll-)feld in bewegung, hinabfliessend nach seinem nahen steilrande, über welchen es in prasselndem gusse seinen überschusz entleert H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 70; lasz mich wägen all mein gold, deines haares schwere güsse Keller 10, 87.
vor allem neben weniger concreten und abstracten begriffen: (
da) ging der zweite, übervoll geschöpfte eimer, die sonne, in die höhe, und die güsse des lichtes flatterten immer breiter Jean Paul 3, 105
H.; nieder schwang er das schwert, da stürmten güsse von flammen, zischend, wie feuerregen herab, auf die fürstin der städte Fr. v. Sonnenberg
Donatoa 1, 90; wie? lauschte sie der goldnen saiten gusz? Fr. Kind
ged. 1, 277. wie halbverwischter farben gusz verrinnts um dich ... A. v. Droste-Hülshoff 1, 168
Schücking. von plötzlicher begeisterung, empfindung, dichterischer oder gedanklicher eingabe: wo endlich Klopstock im gusse seiner empfindung und im fluge der phantasie gedanken einwebt Herder 5, 361
S.; es kocht zu laut in meiner brust, und alles kann ich nicht mit einzeitigem gusz auf das papier schütten Chamisso (1864) 5, 180; und das ganze weniger aus dem einen groszen gusse der begeisterung Kerner
briefw. 1, 96; könnt ich in einem glühenden gusz die qualen meiner seele strömen lassen Lingg (1847) 2, 51; das bild ist ein moment, ein gusz des gedankens Göthe 48, 158
W. mhd. in umschreibenden (
blümelnden)
genitiven: nun merkend wie der süsze Jhesus von ymmerwerender minne gusz sich geben wolt durch uns in not und och in den vil grimmen tod Konrad v. Helmsdorf
spiegel 1129; las flissen schir zw mir der gnadin güsse H. Folz
meisterl. 82, 20
Mayer; I@A@22) gusz
in der bedeutung regengusz, starker regenfall, in dieser anwendung seit dem 13.
jh. belegt. zunächst noch durch ein beigefügtes regen
oder wasser
in seiner engeren bedeutung bestimmt: do zergie des wazzers fluz. von dem tage nie wazzers guz uf das ertriche kam Rudolf v. Ems
weltchron. 34338; es waz in der naht ein gus wassers komen, und waren die beche gross H. Seuse
deutsche schr. 71
Bihlmeyer; na dem schonen weder kompt des regens gos
träum. mönch 5098
Mejboom; eyn frow, die hell, das erterich das schluckt all wassers güsz jn sich S. Brant
narrenschiff 63
Zarncke. alleinstehend: und wart ie grôzer sîn vrâz, als daz mer von vluzzen, von regene und von guzzen Albrecht v. Halberstadt xx, 216; er sprach und der geist des hagels stuond und sein unten (
var. güszs) sein erhaben
erste dtsche bibel 7, 405 (
dixit et stetit spiritus procellae et exalti sunt fluctus ejus); und er satzt iren hagel in das wetter, und sein untten die schwigent (
var. gssz)
ebda 406 (
siluerunt fluctus ejus); ein glaubig hertz ist wie ein hauss uff einen felsen gebawen, dem weder güss, schlägregen, noch sturmwind schaden mögen Eberlin v. Günzburg 2, 165
ndr.; gehet man doch einem regen nicht gerne entgegen, ich geschweige einem platzregen oder solchem gusse J. Prätorius
glückstopf (1669) 21; ach, welch gewitter dräut mit diesen strengen güssen A. Gryphius
ged. 391
lit. ver.; früh ein gusz, hernach regnicht Prätorius
zodiacus merc. 29; dergleichen werder (
kleine inselchen) entstehen ... auch im sommer, da jähe güsse und wolckenbrüche ... grosze teiche unversehens ausreiszen G. H. Zincke
allg. oecon. lex. (1744) 3185; wie viel nebel seynd im mertz, so viel güsse sind im jahr ohn allen schertz (
bauernwetterregel) v. Hohberg
georg. cur. 3, 1, 95
b; bis des gewitters strenger gusz, wie sie einmal vergnügt spazierten und unbehutsam fern sie unvermittelt überfiel gegangen, Brockes
jahreszeiten (1745) 239; wir duldeten viel auf dem langen wege, watend jetzt durch wilde ströme, jetzt in ungewittern von güssen überströmt Herder 18, 233
S.; vor einigen tagen war auch hier ein gewitter und starker gusz Göthe III 4, 279
W.; möge das drohende wetter, so sagte Hermann, nicht etwa schlossen uns bringen und heftigen gusz Göthe 50, 252
W.; in Kirchenlamitz trieb uns ein gusz ins wirtshaus, wo wir das fluchen fortsetzten Jean Paul 3, 212
Hempel; zu Ziltz hat uns ein sehr starker gusz überfallen J. v. Eichendorff 11, 2
Kosch-Sauer; und in wenigen minuten stand ... alles in wasser, so heftig war der guss und sturm Ritter
erdk. 10, 127; gell stürzt, vom gusz geschwollen, der quell vom felsenkamm, G. Kinkel
ged. (1868) 2, 81; ... aber schon bewegt sich das letzte fuder auf dem feldweg rasch ins dorf, und wenn unter donner und blitz der gusz beginnt, ist es auf der tenne des stadels geborgen
M. Meyr
erz. aus dem Ries (1868) 3, 140; der himmel hatte sich drohend umdüstert, und schon bei Goričani überraschte uns ein kurzer, kräftiger gusz Hassert
reise durch Montenegro (1893) 185; die schwarzen wolken am himmel platzten und sandten einen gusz nieder
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 99.
von einzelnen heftigen regenschauern: der regen fing erst gegen abend an, etwas nachzulassen; doch kamen von zeit zu zeit noch einige güsse I. G. Forster
sämtl. schr. (1843) 2, 44; als ich bei Seefeld hinaufgekommen, gingen die güsse nicht mit ... Görres
ges. br. (1858) 3, 526; und nach fünf minuten hörte es wieder auf (
zu regnen), allein da neue güsse drohten, und doch die gänge nasz waren, so zog ich mich klüglich nach hause zurück Varnhagen v. Ense
tagebücher 3, 384; der regen liess gegen abend allmälig nach und hörte mit einem letzten tüchtigen gusse ganz auf W. Raabe
schüdderump (1870) 1, 235; verkroch ich mich, besserung des wetters abwartend. der ärgste gusz ging denn auch bald vorüber Herm. v. Barth
nördl. kalkalpen 216. I@A@33)
als starker trunk, hinuntergieszen einer flüssigkeit, vielleicht schon ahd. guzza '
haustus' (
largos lacus accipit haustus)
ahd. gl. 2, 513, 61: dô huob er ûf unde tranc einen trunc, der grôze güzze truoc
weinschwelg 185
E. Schröder; inn allen gliedern kalte flüsz, herkummen durch die grossen güsz ubriger füll, die mich ernert, der ich mit arbeyt nye verzert H. Sachs 3, 489
lit. ver.; wie Venus schwächt der glider kraft, gleiches auch Bachi weingab schaft, hindert den tritt und schwächt die füs und geben güsz auch wider flüsz Fischart
w. 3, 23
H.; die ihn (
den tabak) bald nach den mittagsessen brauchen, verderben den magen und durch zugesetzte starcke güsse die gantze substantz menschlicher constitution
med. maulaffe (1719) 91; und leert sie aus auf einen gusz Ch. Fr. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 4, 398; du stärckest mich und machst gesund durch deiner güsse hitzigs kühlen (
vom wein)
F. v. Hagedorn
vers. einiger ged. 34
ndr.; sprichwörtlich: durch das freszen und sauffen, wirt die natur verderbt, ein bösz vorzeitiges alter, blöden dollen kopf, ... wie man spricht, lasz die güsz, so lassen dich die flüsz S. Franck
trunkenheit (1531) c 1
b; darub ginner artzet zuo dem follen sprach, liessestu die güss, so liessent dich die flüss Th. Murner
bei U. v. Hutten
op. 5, 468
Böcking; güsz machen flüsz
gulosi morbosi Aler
dict. (1727) 1, 995
b; güsse machen flüsse Staub-Tobler 2, 472;
mit neuer sinngebung: grosse güsse bringen flüsse (
von den folgen grosser ereignisse) Wander 2, 173;
anders: der gusz geht nach dem flusz (
das geld flieszt immer dem reichen zu, frz. l'eau va toujours à la rivière)
ebda. I@A@44)
besondere bedeutungsschattierungen gewinnt gusz
bei fliessendem wasser, sich ergieszenden wassermassen, wobei auch die vorstellung einer horizontalen strömung möglich ist. I@A@4@aa)
der ursprünglichen bedeutung noch nahestehend von plötzlich vordringendem, abstürzendem wasser: der prünnen quäll und wassers flüss sah ich aus velsen manche güss J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 156; die Maasz ... stürzt sich endlich ... mit einem gewaltigen gusz in das grosze meer Uffenbach
geogr. tabeln (1612) 232; ein regenstrom aus felsenrissen, er kommt mit donners ungestüm, bergtrümmer folgen seinen güssen Schiller 11, 15
G.; auch geradezu als sturzbach, gieszbach (
vgl.guszbach,
sp. 1220): dann wann es regendt, so pringen es (
edles gestein von den bergen) die güsz herab Schiltberger
reiseb. 59
lit. ver.; also geschiht oft under den wazzern, diu vest gründ habent, und sô ir gründ erhebt werdent, so vleuzt das wazzer auz. da von koment dike grôz güzz auz den pergen, ân regenwazzer und auch ân snêwazzer Konr. v. Megenberg
buch der natur 113;
oder als '
wasserfall, stromschnelle': hirnacher geriehte er unter ein klein klippigt eiländlein, da zween güsse oder wasserfälle von einem hohen steinfelsen mit einem erschröcklichen geräusch in die see hinabschossen
M. Krämer
leben u. tapffere thaten (1681) 566; gleichförmig wie der gusz von katarakten roll hin, o lied! der sänger ist zu schwach zu widerstehen deinen riesentacten J. Mosen (1863) 2, 239. I@A@4@bb)
von den anschwellenden und überflutenden gewässern, neben das üblichere güsse '
überschwemmung' (
s. d.)
tretend und von ihm nicht immer zu unterscheiden: groz guzz
diluvium Dieffenbach-Wülcker 625: (
der grosztürke Moratbey) soll, ward gesagt, haben gehabt allein dreyhundert tausent reysiger, das Ungerland zu uerderben, das auch an zweyfel geschehen wer, wo nit ein groszen gusz und überflusz des wassers aus gottes ordnung yn hett verhindert und abgefodert Seb. Franck
chron. u. beschr. d. Turckey (1530) a 4
b; thet der ueberschwall, gusz und auslauff der Tiber ein mercklichen schaden S. Franck
germ. chron. (1534) 191; und es erschynen die gösse des meeris (
effusiones maris)
2. Sam. 22, 16 (
var. zu wassergösse); (
der Rhein) hat mit der weil auch mit sein güssen der stat ain gut stück hingerissen Fischart
glückhaft schiff 17
ndr.; gleich als ein schneller wasserflusz, der sich ausbreyt mit starckem gusz Joh. Spreng
Ilias (1610) 53
a; ... und werden wir der weiszheit vergessen, (
so leben wir) wie das rohr im wasser und sein kein augenblick sicher, wo ein gusz komme und uns hinführe Paracelsus
op. (1616) 2, 616
Huser; 'raumet auf, 's kommt ein gusz',
ruft eine geisterstimme vor jeder Kocherüberschwemmung Fischer
schwäb. 3, 937. I@A@4@cc)
in dichterischer sprache von der strömung des wasserlaufs: so rausche, so laufe mit stärkerem gusz weil mein zehren dich vermehret (
vom flusse) Harsdörffer
frauenzimmergesprächspiele 4, 128; der bachvermehrte flusz kan seinen lauf nicht zwingen, er eilt mit schnellem gusz Harsdörffer
trichter (1647) 1, 83; wo der gelbe Pregelflusz durch Pontenens braune matten ziehet seinen leisen gusz K. Stieler
geh. Venus 32
ndr. I@A@4@dd)
als flusz, wasserlauf, bach: da kam ein sölch ungewitter, fiel ein söllichs nasz wetter an, das die päch und güsz überal anliefen Aventin
bayr. chron. 2, 293
L.; sie liebeten diese angenehme waldungen, ... das gerausche dieser güsse und flüsse Schupp
schr. (1663) 848; seuffzet mit, ihr stillen flüsse, bejammert eures königs fall! weinet doch, gesambte güsse, weinet doch, ihr quellen, überall! D. Frommer
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 4, 196
a. I@BB. gusz
als arbeitsvorgang bei den gewerken. I@B@11)
in der eigentlichen bedeutung '
gieszen von metallen'. I@B@1@aa)
der gesammte arbeitsprocesz von der entnahme des flüssigen metalls aus den schmelzöfen an bis zum einbringen in die form v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 502;
schon ahd. guz '
fususio' (
l. [
opere]
fusorio)
ahd. gl. 1, 324, 47: es leit vil am guss ob ein glock darauss wert oder ein büchs Joh. Nas
das antipap. eins und hundert (1567) 5, 29; item, so die stück zu dünn, krum, und ungleich bort, zu kalt gegossen, daz die temperatur des metall sich miteinander nicht wol resoluiren unnd vereynigten, daz sie im gusz schifferig, oder innwendig verborgne klüfften ... gewunnen haben L. Fronsperger
kriegsbuch 2 (1573) z 1
b; nim ... bley ..., das zerlasz in einem tigel ... des bleis nim 8 oder 10 pfund auff ein gusz zumal, lasz es ... schmeltzen Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 205; und gleich dieser stund nach dem gusz (
des metalls) so schlags dünn Paracelsus
op. 2, 555
Huser; derhalben das pley darein gossen (
in die höhlung der zange), fleuszt herab durch die löcher in die hole theil, und werden also mit einem gusz zwey pleykügelin Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 195; in besorgung, sie (
die weibsperson) möchte ihre menses haben, welches (
wie mancher gieszer fest glaubt) zu gäntzlicher verderbung seines gusses ursache geben würde J. G. Schmidt
rockenphilosphia (1706) 2, 420; geschieht dieses (
das kugelgieszen), wann der mond im schützen läufft, und drey schützentage nacheinander stehen, auch insonderheit dies martis eintrifft, so soll man sehen, dasz der gusz in hora martis geschehn, so wird man seine vergnügungen haben v. Fleming
vollk. teutscher soldat (1726) 363
a; der maler ahmet sie (
die natürlichen dinge) durch pinsel und farben nach; der bildschnitzer durch holz und stein oder auch durch den gusz in gyps und allerhand metallen Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 98; ingleichen bedienen sich auch die meister im gusz — fabri aerarii — der steine aus diesen brüchen zu formen beim gusz in erz Rode
Vitruvius' baukunst (1796) 1, 84; weil die nachricht von dem vollendeten gusse (
zweier bronzereliefs) länger, als zu vermuthen war, auszen bliebe Göthe IV 29, 291
W.; laszts mit aschensalz durchdringen, das befördert schnell den gusz Schiller 11, 306
G.; allein die ungeheuren kosten und schwierigkeiten, die mit dem gusz verbunden waren, machten, dasz man nach vielen vergeblichen versuchen endlich mittel fand, die grössten spiegel zu blasen
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 1, 211; da wären die bürger der stadt herbeigelaufen und hätten ihm (
dem künstler) ihre silbernen löffel gebracht, um den gusz zu vollenden H. Heine
werke 3, 145
E.; als aber der meister nicht kam und der gesell selbst gern eine probe thun wollte, so fuhr er mit dem gusz fort und verfertigte ... eine glocke Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 98;
auf die metallegierung und damit auf die qualität gehend: er hat die glocken läuten hören, wo sie hängen, wie sie hängen, aus welchem gusz sie sind, darüber findet man bei ihm keine auskunft Gutzkow
ges. werke (1872) 9, 310. I@B@1@bb) gusz
in der bedeutung gieszen zwecks scheidung der metalle, mitunter in der formelhaften wendung gusz und flusz; gusz und flusz
eine scheidungsart des goldes und silbers, wenn diese metalle unter sich oder mit anderen metallen vermischt sind. man bedient sich hierbey nebst dem feuer verschiedenen mineralien, als schwefel, zugesetztes fluszpulver u. dgl. Jacobsson
technol. wb. 2, 176: sind die silber güldig, müssen sie noch ein mal durchs aqua fort, oder durch den gusz geschieden werden J. Mathesius
Sarepta (1571) 65
b; das ander buch beschreibt, ... silber und golt im starcken wasser und im grusz zu scheiden L. Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 41
b; quinta essentia ... reinigt das silber und goldt in seim guss und last ... kein unflat in jhm Paracelsus
op. 1, 827
Huser; scheidung durch gusz und flusz Muspratt 3, 1814. I@B@1@cc)
der arbeitsvorgang des metallgieszens übertragen auf das entstehen literarischer oder künstlerischer werke: solches corpus juris habe er zu mehrerer deutlichkeit angefangen in einen neuen gusz zu bringen Liscow
sat. u. ernsth. schr. (1739) 780; nach meiner überzeugung hat das ganze sehr an klarheit gewonnen und verhältnismässig nur wenig von dem glanze des ersten gusses verloren
aus Schleiermachers leben 2, 66; das werk des meisters ..., das im grossen gusse hervorgeht B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 138; sie begreifen nicht, welche arbeit ich habe, um ... durch einen besonnenen guss ein harmonisches ganze hervorzubringen H. Heine 6, 4
E.; aber diese überarbeitungen in längeren zwischenräumen haben dem drama auch das schöne ebenmasz genommen, welches bei gleichzeitigem gusz aller theile möglich ist G. Freytag 14, 166.
die nachstehenden verwendungen in qualitativem sinne stehen unter dem einflusz der festen verbindung aus einem gusse sein;
sie gehen auf die geschlossene composition: kein blick, kein ohr, kein herz ward von dem ganzen verwendet, und es fing schon an, gediegen und zu einem gusse zu werden (
aus der beschreibung einer chorprobe) Heinse 5, 15
Schüddekopf; was diese an geschlossenheit, an gleichem guss, an gehaltenem ton vor jenen voraus hat, das überbieten jene an weitem interesse und an groszartiger wirkung (
Karlssage und Nibelungen) Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung 1, 238; manche, die ich neuerdings gesprochen, halten den Jenatsch für ihr meisterwerck und dem gusze nach mögen sie recht haben L. v. François
an C. F. Meyer briefw. 18.
jedoch spielt auch die vorstellung mit hinein, dasz die art des gusses von der art der metallegierung abhängig ist, wie in den nachfolgenden belegen: das fleisch ist hart, die sehnen sind stramm, wie eisen von bestem gusse H. Heine
werke 2, 117
Elster; junker waren sie alle drei gewiss; ... sie waren von anderm guss als die bürgerherren unten Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 202. I@B@22) gusz
in präpositionalen fügungen. I@B@2@aa)
am entwickeltsten ist aus einem gusse; in allgemeiner übertragung auf beliebige dinge: 'aus einem gusse sein
in einem zuge gearbeitet, aus der metallgieszerei: die meisten metallguszarbeiten wurden früher in einzelnen teilen gegossen und diese dann zusammengeschweiszt, wobei oft nähte sichtbar bleiben. im gegensatz dazu lobt die redensart ein werk, das keine nähte erkennen läszt, einen vollkommen einheitlichen eindruck macht' Borchardt-Wustmann
sprichtwörtl. redensarten (1925) 168;
gern in anwendung auf künstlerische, besonders literarische werke: es (
ein von Palladio erbautes kloster) steht wie aus einem gusz Göthe 3, 110
W.; da entsinne ich mich, dasz ihre kleider nicht so aus einem gusse sind als diejenigen, die sie ihren freunden bereitet IV 22, 47
W.; alles strebt er ... freundlich zu verbinden, so dass das ganze wie aus einem guss ist
Athenäum 1, 127; wo dann das ganze wie aus einem gusse ist, da fühlt der gleichartige sinn den lebendigen hauch und sein begeisterndes wehen
Athenäum 2, 36 (
über die philosophie v. Fr. Schlegel); schöner, was so aus einem gusse kömmt, als woran täglich geflickt wird J. v. Müller
sämtl. werke (1810) 6, 432; in den ... gedichten ... ist die empfindung aus einem gusse Bettine
briefw. m. e. kinde 1, 63; dadurch nimmt diese schrift unwiderstehlich für sich ein, dasz sie so ganz aus einem gusz ist Görres
briefe 2, 20; hier eine treffliche, fest ineinander gefügte fabel aus einem gusz in gehaltener gleicher darstellung J. Grimm
kl. schr. 5, 266; Wilhelm Meister ist kein werk aus einem gusse D.
F. Strauss
schr. 6, 210; seien sie fleissig, ... damit der zweite und der dritte band wie aus einem gusse erscheinen Holtei
erz. schr. 22, 8; qualitativ einfach ist das recht, wenn es wie aus einem gusse ist R. v. Jhering
geist d. röm. rechts 2, 2, 345; bei ihnen war die betrachtung der gegebenen welt, in die sie sich gesetzt sahen, und der gegensatz, in den sie sich selbst zu ihr setzten, immer aus einem ganzen gusse Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung 5, 147; und alles (
auf dem bilde) ist aus einem gusse und in einem zarten schmelze, dass keine harte, keine leere stelle sich aufzeigt A. Stifter 14, 226; wie aus einem gusz aufgeführt (
von einem gebäude) J.
V. v. Scheffel
ges. w. (1907) 3, 230; trotzdem bleibt der Samson ein wunderschönes gedicht, ein werk aus einem gusse Treitschke
hist. u. pol. aufs. 1, 54; das werk, wie es im wesentlichen vollendet war, ... konnte hiernach kein kunstwerk aus einem gusz sein K. Justi
Winckelmann 2, 2, 20. I@B@2@bb) aus einem gusz
erweitert durch andere subst.: so musste freilich heer- und wehrordnung durch ganz Deutschland ... bei dem stehenden heere bei der landwehr und dem landsturm ganz aus einem guss und schluss sein E.
M. Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen 3, 223; sie erschienen ihnen damals durchaus wie ein volk aus einem guss und stamm
ebda 4, 85;
von geistigen, namentlich künstlerischen gebilden: eine geistige schöpfung ist es (
Mozarts Don Juan), das einzelne wie das ganze aus einem geiste und gusz und von dem hauche eines lebens durchdrungen Göthe
gespräche 8, 98
Biedermann; sie (
die deutsche sprache) ist ein werk aus einem gusz und flusz Fr. L. Jahn
werke 2, 11; ... das ganze zuletzt weder aus einem stück und gusz erscheint, noch ...
F. Schleiermacher
sämtl. werke (1834) 1, 5, 168; es (
das klavierstück) ist so klar und schön, so aus einem gusz und flusz, in der verbindung mit dem orchester so eigenartig und wirkungsvoll, wie es dem kunstjünger selten, und nur dem meister in guter stunde gelingt R. Schumann
briefe 2, 50. I@B@2@cc)
fügungen mit in, auf, von
usw. zur bezeichnung der einmaligen oder der nicht unterbrochenen handlung: gleich wie ich aber, was ich will, gern aus allen kräften will, so liess ich alles liegen und stehen, um nur in einem guss dieses werk darzustellen Gleim
briefwechsel 2, 585
Korte; nun ging alles in einem guss fort Caroline 2, 170
Waitz; so dasz nun die freie schönheit ganz ungehindert wie in einem gusze hervorgegangen zu sein scheint Hegel
werke 10, 2, 246; ich erwarte nie, dasz irgend etwas groszes, das nur durch vereinigte kräfte und hartnäckigen fleisz einer groszen anzahl der geschicktesten und besten männer eines volkes zustande kommen kann, sich so auf einen gusz, wie man eine metallene bildsäule gieszt, machen lasse K. Fr. Cramer
Neseggab (1791) 3, 21; er hat sich bemüht, alles wie von einem einzigen gusse zu machen Winckelmann
sämtl. werke 1, 152. IIII. gusz
als nomen acti bedeutet das ausgegossene, besonders fachsprachlich. II@11)
allgemein als ausgegossene flüssigkeit, sich mit den belegen unter I 1
noch nahe berührend: disen seleclichen guz (
von himmelstau) den heilsamen uzfluz
leben d. hl. Elisabeth 10339; worauf der frevelnde junge bösewicht, weil er einen ziemlichen gusz (
aus dem nachtscherben) bekommen, ... mit fluchen, hageln und donnern davon geloffen Erasmus Francisci
höll. Proteus (1695) 1017; diese seeangst, kalte güsse und saltzige trüncke wolten sich mit der zuvor auf dem königlichen schiff empfangenen freude und gesundheiten in uns und unserem magen nicht vertragen Adam Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 133; die holzstösse ... löschten vor drüber hingeströmten güssen aus flusz und bach und trinkhorn Fouqué
altsächs. bildersaal (1818) 2, 202; gusz
das ausgegossene wasser, womit ein verstorbener abgewaschen wird Alemannia 15, 75; über einen gusz gehen
bedeutet böses ebda. II@22)
im brauwesen: '
die zu einem gebräude bestimmter grösze, zu einem bestimmten schutt nach der brauordnung gehörige, aufzugieszende menge wassers' Weber
term.-ökon. lex. u. id. (1829) 211;
anders: gusz
im brauen ein gewisses maasz weitzen oder gerste zu einem brau Frisch 384: so sollen sie sich dohin vorgleichen, dasz der schutt und gusz deromaszen angestellt, dasz ein jeder von dem losz nach ein doppel und einfaches bier ... verhoffentlich brawen könne
stadtrecht von Eisenach 102; daraus kan gesehen werden, dasz über vermögen des getreides der gusz nicht einzurichten, sondern alles in richtiger masz zu halten sei, damit ein gutes bier daraus erfolgen kan
schles. wirtschaftsbuch (1712) 635.
in der weinkelterei der ausgusz, ausflieszende strahl als menge, s. Fischer
schwäb. 3, 973; Staub-Tobler 2, 582: und sol in den vorlas under dem wingarten geben; wär aber, daz von dem vorlasse nit als vil werden möchte, so sulen sie herabe volgen under die kälterrun und suln da den ersten gusz nemen, bis sie geweret werdent (1343)
württemberg. geschichtsqu. 4, 382; wievil weins ir von dem gusz nemen, daz ir denselben wein in den weisen wein schüten Fischer
schwäb. 2, 974. II@33)
in der hauswirtschaft: '
bei backwerken flüssig aufgegoszner oder aufgestrichner und dann hartgebackner zucker mit einweisz' Sanders
wb. 1, 642
b; einen gusz von zucker,
etc. auf pasteten
crostata di zucchero Jagemann
dtschitalien. wb. (1799) 2, 552,
vgl. Fischer
schwäb. 3, 937: gusz zu einem groszen kuchen von frischen zwetschen. ein kleiner suppenteller dicke saure sahne, ..., 2 eszlöffel zucker, 1 teelöffel zimt Henr. Davidis
kochbuch (1920) 245; man kann dem gusz (
zuckergusz) oder etwas von demselben, auf folgende weise eine färbung geben 246;
übertragen: der atem der kälte legte sich über den wald in zuckrigem gusz C. Viebig
schlaf. heer (1904) 1, 134. II@44)
vom gegossenen unschlitt, schmalz: auch sollen si (
die fleischhacker) geben inszlet vierding oder mer, was ainer zu bezallen hat; und ob ainer ainen groszen gusz inszlet het, das sol er zustechen und davon ainem geben was er zu bezallen hat, ob des an in begert wirdt
österr. weist. 9, 722.
dazu die deminitivform: das güszlein schmalz
stöckchen schmalzes, wie es durch ausgieszen der zerlassenen butter in gewisse geschirre entsteht Schmeller 1, 950;
vielleicht hierhin: ithem 3 gulden 4 hllr vür einen gosz onslechtes der weig lviii ℔ und vür xxvi ℔ rohes ungesmelzten unslechtes
Elsen v. Holczhusen inventar (
Frankf. archiv 1410,
hs. mitget.);
doch vgl. goss Fischer
schwäb. 3, 754. II@55)
als das gegossene metall oder der gegossene gegenstand, bei bildwerken der abgusz: und behielte ihme ... das schloss Croman, voll gefüllter mit bahrem gelt, getraidt, grosse güss goldt undt silber mit ainem costlichen credentz clainodien
N. Hermann
Rosenburgsche chronik 196; die neuwen güsz aber sein schöner und stärcker J. Th. de Bry
archelei (1614) 2; doch zeiget der gusz (
der figur) eine schönheit, der sich ein meister nicht schämen darf Gottsched
anm. gelehrsamkeit (1751) 6, 284; denn es ist schwer, einen neuen gusz an den bruch eines alten stückes von erzt zu verbinden J. J. Winckelmann
von den herkulan. entd. (1762) 26; wenn er geräth, werde ich mich sehr freuen, noch mehr aber wenn ich dir einige güsse in bronze liefern kann Göthe
br. 6, 388; gute güsse der antiken Göthe 4, 3, 67
W.; wer würde hier (
in arie 19
des Figaro) an ein einschiebsel denken? oder nur ein ähnliches verfahren erkennen, wie das des ciseleurs, der die mängel des gusses mit geschickter hand überarbeitet? O. Jahn
Mozart (1856) 3, 449; weisses roheisen ist ... zu feinen güssen wenig geeignet Karmarsch-Heeren 2, 772; es erfolgen sehr dichte und blasenfreie güsse (
mit platin) Muspratt 7, 298; al frauen un ale gösz krit mer iweral umsos Müller
rhein. wb. 2, 1506;
fachsprachlich hat gusz
specielle bedeutungen erhalten: gusz
als hals der kugelform: wenn man vom maas der kugelform redet, so musz man den hals oder gusz nicht darzu rechnen J.
F. Stahl
gewehrgerechte jäger (1762) 151 (
vgl.guszhals,
sp. 1219);
in Schwaben bezeichnet man mit gusz
auch den gusseisernen teil des modernen pfluges Fischer
schwäb. 6, 2082. IIIIII. gusz =
behälter, aus dem oder in den etwas gegossen wird. III@11)
behälter aus dem etwas gegossen wird, nicht literarisch belegt: gusz
waschgefäsz, aus dem man durch eine röhre beym waschen der hände das wasser in ein darunter stehendes kupfernes becken laufen läszt Stalder 1, 502; güt
gefäsz zum gieszen Krüger
plattd. sprache, bes. in Emden 55; gusz
von töpfen mit einem ausgusz (
rohmguss) Mensing 2, 511;
auch der ausgusz selbst: göt
ausfluszrohr einer pumpe, gieszkanne usw. ebda 2, 458; de gût an de têpot Doornkaat-Koolman 1, 70;
als masz einer flüssigkeit: gütt 1
masz, kännchen Woeste 88; gosz
gieszkanne als masz: duh noch e gosz wasser druff Reuting
wb. d. Höchster ma. 19;
in speciellem gebrauch bedeutet gusz
auch die guszform: derhalben alsbald das ertz geflossen ist, disz geuszt er (
der probierer) in ein eisernen gusz, der grosz oder klein pflegt zu seyn Ph. Bech
Agricolas bergwerkbuch (1621) 204; wenn ... das gold in den gusz des künstlers ... käme, würde das vollkommenste gemächte daraus D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 134; wenn alles ist wie in den tagen des glückes, blank, wie aus dem gusse des goldschmiedes kommend A. Stifter 1, 217. III@22)
als gosse, rinnstein, ausgusz in der küche, vgl. gusz ein ort, wo man das unreine wasser durch- und weggiesset, fusorium culinae Frisch 1 (1741) 384
c: mir ist verfroren heut der gusz, denselbn man widr öffnen musz, dasz das wasser kan dadurch rausz J. Ayrer 2400
lit. ver.; darnach laufft dasselbe wasser durch heimliche güsse wieder weg und führt aller unflat mit Erasmus Franisci
lust. schaubühne (1697) 3, 1018;
heute noch in obd. mundarten, s. gusz
gosse, rinne Sartorius
ma. d. st. Würzburg 53 (
beleg von 1700); Fischer
schwäb. 3, 937; mit dir tut man im himmel den gusz pflästeren (
wo der regen herauskommt) Fischer
schwäb. 6, 2082.
in Schwaben bezeichnet man mit gusz
auch den penis. in der seemannssprache bedeutet gusz '
auf den schiffen beym wallfischfang eine rinne von brettern, darinnen man den speck des wallfisches vom obern schiff hinein in die lücke streicht, dasz er durch die mammierung in den unteren raum falle' (
canalis in quo dejicitur lardum belaenae in inferiora navis loca) Frisch 1 (1741) 384
c;
vgl. Jacobsson
techn. wb. 2, 176; Kluge
seemannssprache 339. IVIV.
sonderbedeutungen. IV@aa) gusz
als krankheit, podagra, vielleicht durch die sprichtwörtlichen redensarten sp. 1212
bedingt? so sind die weibszpersonen mehrern theils schwach und sonderlich von flüssen und güsen geplagt T. Knobloch
kurtzer bericht v. d. podagra (1606) 29; oder wie sie zu reden pflegen, die güsse bekommen
ebda 44. IV@bb)
in der soldatensprache ist gusz
ein spottname für den train, nur in Sachsen gebräuchlich, vgl. Müller-Fraureuth 1, 452; Horn
soldatensprache 32. VV.
zusammensetzungen mit gusz
kommen fast nur mit substantiven vor, vereinzelt schon im ahd., s. u. guszfasz, gusopfer,
das 19.
jh. bringt eine fülle von neuen bildungen, vor allem in der sprache der technik: