Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gruonen swV.
1.1 ‘grün werden, sich begrünen’ , bes. im Frühling ‘das erste junge Grün bekommen, sich mit pflanzlichem Grün bedecken’
1.2 ‘treiben, sprießen, ausschlagen’
1.3 ‘wachsen, gedeihen’
1.4 Part.Präs., subst. ‘das Grün, Gewächs’
1.5 Zustand des Grünseins, Grünbleibens
1.5.1 ‘grün sein’
1.5.2 ‘grün, frisch bleiben’ , im Ggs. zu dorren
2 übertr.
2.1 ‘wachsen, gedeihen’
2.2 ‘frisch, lebendig bleiben’
2.3 ‘frisch, lebendig werden; sich erneuern’
1 bezogen auf Vegetation 1.1 ‘grün werden, sich begrünen’, bes. im Frühling ‘das erste junge Grün bekommen, sich mit pflanzlichem Grün bedecken’ in dem aberellen / sô die bluomen springen, / sô loubent die linden / und gruonent die buochen MF:Veld 14:1,4; nu kumt uns diu zît, der kleinen vogellîne sanc. / ez grüenet wol diu linde breit MF:Eist 3:1,2; BdN 312,5; PrStPaul 16,24; walt und ouwe gruonent beide: / meie, dû bist fröiden rîch SM:Tr 4: 2,3; Walth 42,22. – [Gott] hiz di erde grunen / mit wunneclichen blumen VMos 5,15; PrMill 528; bî dem Rîne gruonent werde [Inseln] und ouwen SM:Go 1: 1,10; HvHürnh 37,6; ez gruonet wol diu heide Neidh SL11:1,1; KvWPart 3759. – unpers.: der sumer ane ginc, / und iz begunde grûnen, / und di edelen blûmen / [...] begunden ûf gân SAlex 5249; fröit iuch gegen des meien zît, / wan ez gruonet in dem walde SM:KvL 10: 1,3 1.2 ‘treiben, sprießen, ausschlagen’ die scephte begunden gruonen, / louben unde bluogien Kchr 15001; [solcher Art] was daz paradise [...], daz nie dehein holz so dvrre wart noch so vul, mohtez darin gebotin werdin [wenn es dort in Gebrauch kommt] , ez grvoneti, ez lovbeti PrWack 4,28; [die Gerte Aarons] begunde in drîn tagen zu gruonen und ze louben PrStPaul 44,15; drú holcz [...] begunden / gruͦnen und gabent este, / stark, schoͤne und veste WernhMl 3027; [die Ameisen] peizent daz korn enzwai [...], daz ez icht anderwaid keimel und grüen BdN 302,7; Freid 38,2; Tr 18081; SM:St 13: 1,1 1.3 ‘wachsen, gedeihen’ in démo gárten áller sláhto krût grûonent Will 67,4; jârlang gruonet loup über egge [überall] / vil schône ze walde SM: Go 2a: 3,1; wand im der bernden boume zwî / gruonet nâch gewinne KvWLd 7,42; so was die erde entaht [entblößt von Leichen] / vnd grunte als e, / vz der burc biz an den se Herb 8127; Frl 7:9,17. – bildl.: in rechter senftmutikeit, / da ist genade an tugenden breit / und grunet wol der edele stam [Leben(sweise)] Pass III 402,51 1.4 Part.Präs., subst. ‘das Grün, Gewächs’ nu was der hagil alse groz / das er holz, korn unde gras / und swas da gruͦnendis was, / zersluͦg, virdarpte und zerbrah RvEWchr 10275 1.5 Zustand des Grünseins, Grünbleibens 1.5.1 ‘grün sein’ din lof der is eweclih, / gelich dem brunnen, der iemer fluzet, / gelich deme krude, daz iemer gruonet MarldA 325; das lant in gruͤner varwe lit / gruͦnende alse der gruͤne chle RvEWchr 1444; was gruenet das erstirbet das merer taile [im Winter] HvHürnh 40,4 1.5.2 ‘grün, frisch bleiben’, im Ggs. zu dorren: der [Ulmbaum] hât die art, [...] daz er gar gern grüenet, wan ist daz er dürr worden ist BdN 353,27; sô grüenet ez [der Mauerpfeffer] durch daz jâr nâhent, iedoch ân aller erd hilf und ân wazzers hilf, und wenn ez dorret an ainer seiten, sô wirt ez wider grüen an der andern seiten ebd. 412,7 2 übertr. 2.1 ‘wachsen, gedeihen’ wan in einem einigen vünkelîne des engels grüenet, loubet und liuhtet allez, daz in der werlt ist Eckh 2:240,4; Parad 16,36; daz vierde zeichen ist, daz allez, daz verdorret was von sünden und von gebrechen, daz wirt viuhte und grüenende und wahsende von der gnâde Eckh 4:228,53 u.ö.; Eckh (J) 54,27; Tauler 98,10. 160,10; hêr Anger, bitet daz mir swære büeze / ein wîp nâch der mîn herze stê: / [...] wirdet mir von ir ein lieplîch grüeze, / sô gruont mîn herze als iuwer klê KLD:KvH 2:3,7; daz ez [mein Herz] mir grüenet zaller zît / recht als ein gras SM:Tu 6: 4,7; WhvÖst 9148; swer hiure schallet und ist hin ze jâre bœse als ê, / des lop gruonet unde valwet sô der klê Walth 35,14; Seneca sprichet daz der git / gruͤnet, wahset alle zit SHort 4854; sô der zorn an ir [Liebe] zegât, / zehant engruonet si niht Tr 13067 2.2 ‘frisch, lebendig bleiben’ dines mageduomes bluome [Jungfräulichkeit] grunet ie nog, / du [...] bis muoder ie dog MarldA 60; ei wiͤ gruͤnt din gruͤne gras, / dat al zit gruͤne in dir was! MarlbRh 6,7; süeziu künigîn, / diu zunge diu gruone iemer, / daz herze ersterbe niemer, / diu wîsheit diu müeze iemer leben Tr 7793 2.3 ‘frisch, lebendig werden; sich erneuern’ an deme ahtodin tage des ewigin libis rvowet vnde grvnet beidiv sele vnde lib PrWack 4,11; der cristenheit / zu den guten so gemischet / daz her sie gruenet und vrischet / mit sines heren geistes towe / glich der grunekeit HeslApk 21516. 8218. – refl.: gîtekeit diu grüenet sich / an allen liuten stæteklîch Boner 89,51; swa din gruͤne [bezogen auf vreude ] ist worden val, / die sol sich wider gruͤnen Rennew 27091; so stritet aller meist / mit dem libe hie der geist / daz [dieser Kampf] sich hie stete gruonet / vnd niemer wirt versunet / wan mit dez todis swert / dez doch luzil liute gert Martina 271,81
MWB 2 963,46; Bearbeiterin: Herbers