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gründlichkeit

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gründlichkeit f.

Bd. 9, Sp. 860
gründlichkeit, f. , seit dem anfang des 18. jhs. im schwang; als vereinzelte gelegenheitsbildung in der deutschen mystik zu gründlich A 2: di gruntlicheit des mugenliches geistes chomet und runt ze den orn der man bei Jostes meister Eckhart u. s. jünger 17; in der hauptsache von gr. B gebildet, daneben auch gr. C. 11) entsprechend gründlich B 1 u. 2 (vgl. sp. 845 ff.) in seinen verschiedenen verwendungsweisen, die 'eigenschaft eindringend, tiefgründig, bis ins letzte gehend, sorgfältig zu sein oder zu handeln' vgl.gr. profondità della dottrina, penetrazzione d'ingegno Jagemann dtsch.-ital. (1799) 2, 550; daher öfter tiefe gr. u. ä. verbindungen: ... tiefer gründlichkeit gab frohe laune das geleit J. G. Jacobi s. w. 5, 80; diese allzutiefe gr. Fouqué reiseerinn. 2, 193; eine angenehme oberfläche, aber keine tiefe und gr. Cramer nord. aufseher 1, 40; er (kann) vor lauter gr. auch nicht einmal an die oberfläche der dinge gelangen Tieck schr. 4, 52. 1@aa) auf die handelnde person oder das wirkende organ bezogen (vgl. gründlich B 4 u. 5) als charakterliche eigenschaft: das der mensch zur scharfsinnigkeit, fertigkeit im schlüssen und gr. ... verbunden ist Chr. Wolf v. d. menschen thun (1720) 199; so arm ist disz ihr volck an gründlichkeit und wissen J. Chr. Günther ged. (1735) 383; mein mann ... findet mehr tugend, gelehrsamkeit, gr. und billigkeit gegen die Deutschen bey ihm (Voltaire) als er gedacht hat Gottschedin br. 2, 89; gr., scharfsinn ... bezeichnen den charakter des menschen, in sofern er denkt Sulzer theorie d. schön. künste 4, 414; es ist eine sehr gemeine anmerkung, dasz selten wiz und gr. beysammen stehen Lichtenberg nachlasz 7; sie hätten mir so viel ruhe und gr. gar nicht zugetraut A. W. Schlegel s. w. 9, 37; gelehrsamkeit und weltklugheit, gr. und gefällige äuszerungen, alles findet sich beisammen Göthe 41, 1, 75 W.; die wohlgerathenen proben von der stärke ihres geistes und der gr. ihres verstandes Rabener s. w. 1, 182; fleisz, einsicht, gr. sind seines geistes gaben A. G. Kästner verm. schr. 2, 273; gr. gilt nicht selten mit negativer bewerthung im sinne 'pedanterie, schwerfälligkeit': jene bleierne gr. gelehrter antiquare Herder 23, 55 S.; eure (der männer) gr. ist beleidigend Fontane ges. w. I 1, 55. 1@bb) in mannigfacher weise (vgl. gründlich B 2) von der art des handelns: (er) untersucht mit einer ziemlich philosophischen gr., was man unter einer zeitung verstehe Lessing 7, 16 L.-M.; zu Leipzig, wo gelehrsamkeit und gr. im studiren ton war Göthe 46, 89 W.; eine gewisse gr. in der behandlung der einzelnen thatsachen (erheischt) nicht unbedingt farbenlosigkeit in der darstellung A. v. Humbold kosmos 1, ix; inwiefern die aufstellung allgemeiner ansichten mit der gr. der forschung ... vereinbar ist Ranke s. w. 25, xi; zeugnisse ... von der gr. ihrer methode Justi Winckelmann 1, 235; alle theile des systems mit der vollständigkeit, gr. und ausführlichkeit durchzuarbeiten Schopenhauer 1, 21 Gr.; auf die bitte meines vaters, der für alles, was er mich unternehmen sah, eine gewisse gr. forderte Storm w. 4, 37; alles hängt von der gr. unserer schritte ab Meisl theatr. quodlibet 4, 134; farbloser, fast wie gr. E, präpositional mit gr.: Napoleons marschälle hatten die ausplünderung mit solcher gr. besorgt Treitschke dtsche gesch. 1, 293; in der eigentlichen opposition ... hatten die stürme der revolution mit erschreckender gr. aufgeräumt Mommsen m. gesch. 3, 15; es (ist) unserer kraft nicht gegeben ..., auf einmal das ganze mit gr. zu erfassen Ritter erdkde 2, 173. 1@cc) gr. als qualität des bereiches oder productes einer entsprechenden thätigkeit (vgl. gründlich B 3): gründlich sind alle wissenschaften, insofern gr. ('exactheit') mit der einschränkung des menschlichen geistes bestehen kann Gerstenberg recensionen 151 lit.-dkm.; das buch ist nur für leute, die strenge gr. suchen Lichtenberg aphorismen 5, 101 lit.-dkm.; er ist nicht obenhin in allem unterwiesen, was zu der gründlichkeit der wissenschaft gehört J. Chr. Günther ged. 515; als ob die gr. der wissenschaften ... von einer menge unerfahrener leute abhinge Scheibe crit. musicus (1745) vorw.; doch was vielleicht an licht und gründlichkeit der lehre fehlt, ersetzt des lehrers feuer Wieland s. w. (1796) 6, 25; (er) schätzte die genauigkeit und gr. der deutschen untersuchungen Seume spaziergang 2, 356; die gr. der abhandlungen Gottsched neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 3, 253; die ausnehmende gr. seiner gedanken Zimmermann v. d. nationalstolze 93; seine kirchenstücke haben viel gr. Schubart ästh. der tonkunst 201. 1@dd) mit dem ausgehenden 18. jh. bildet sich, da gr. als nationaleigenschaft der Deutschen gilt, das schlagwort deutsche gr.; vgl. wir fangen an in Deutschland auf den vorzug der gr. ... stolz zu werden Göthe 38, 357 W.; die alte richtung des deutschen sinnes nach gr. des denkens und forschens H. v. Kleist 4, 179 Schmidt; wie oft schon der verfasser deutsche gr. mit französischer schönheit ... zu vereinigen gewuszt hat allg. dtsche bibl., anh. 13-24, 1282; die ... deutsche gr. mit welschem gesange treflich zu verbinden wuszten Schubart leben u. gesinn. 1, 55; mit deutscher gr. zeigt er (der Brocken) uns ... die vielen hundert städte Heine w. 3, 54 E.; um die so viel gepriesene deutsche gr. ist es oft ein wunderliches ding E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 447; wo die deutsche gr. mit schwerfälliger arbeit immer das ziel verfehlte Thibaut nothwendigkeit eines allg. bürgerl. rechts 415. 22) weniger häufig als ableitung von gr. C 2; so namentlich im 18. und frühen 19. jh., später veraltend; 'das gegründet sein, begründet sein', dann auch 'berechtigung, triftigkeit'; im bilde: die gr. ihrer motive giebt ihr eine stütze, die nichts wankend machen kan Ramler einl. in d. schön. wissensch. 3, 16; ... jemehr empfand die brust an ihrer (der lehren Leibnitzens) gründlichkeit und überzeugung lust Gottsched ged. (1751) 1, 451; euer urteil von dem, worüber das ohr entscheidet, hat für mich eine ganz besondere gr. Klopstock grammat. gespr. (1794) 30; diese letztere anmerkung (scheint) am wenigsten gr. zu haben Bodmer v. d. wunderbaren (1740) vorr. 5; die ... angeführte stelle (kann) die gr. der critick ... genugsam erweisen Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 312; ich sah seine äuszerung für übertrieben an und muszte mich ... nur allzusehr von ihrer gr. überzeugen Kerner bilderbuch 271; es läszt sich demnach über die gr. oder grundlosigkeit unsers wissens vor der untersuchung vorher nichts sagen Fichte s. w. 1, 44; die gr. der meinigen (theorie) kann ich ihnen durch sehr neue, unleugbare exempel erweisen Ayrenhoff w. 5, 254; diejenigen gründe einer ganzen zunft ..., durch welche dieselbe die gr. ihres verfahrens darzuthun gesucht haben Winckelmann s. w. 1, 103; etwas anders (vgl. gründlich C 5) im gegensatz zum schein: dasz ich da, wo gr. fehlt, oft mit dem schein ... mich begnüge Meiszner Alcibiades (1781) 3, 313; dieses hat denn desto mehr schein für sich, je mehr ansehen der gr. und wahrheit es hat Adelung magazin 2, 2, 96; mit gr. im sinne 'mit guter begründung': so bald mit gr. gezeigt wird, dasz Cramer nord. aufseher 1, 69; wird man mit gr. darlegen können, inwiefern wir des gedachten freyen raumes noch bedürfen? Göthe IV 26, 330 W.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gründlichkeit

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Gründlichkeit , plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie aus ihren ersten Gründen hergeleitet wird. Die Gründ…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gründlichkeit

    Goethe-Wörterbuch

    Gründlichkeit ebenfalls kaum belegt vor 1800 1 zu gründlich 1; auch iSv Tiefe, Lebenswahrheit, Plastizität künstlerische…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gründlichkeit

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gründlichkeit heißt diejenige Behandlungsweise eines Gegenstandes (Themas), bei der alle Gedanken folgerichtig voneinand…

  4. modern
    Dialekt
    Gründlichkeit

    Rheinisches Wb.

    Gründ-lichkeit f.: nach dem Nhd.

  5. Spezial
    Gründlichkeit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gründ|lich|keit f. (-) 1 (Genauigkeit) prezijiun f. 2 (Gewissenhaftigkeit) coscienziosité f. , scrupolosité f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gruendlichkeit

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Ableitung von gruendlichkeit 2 Analysen

gruendlich + -keit

gruendlichkeit leitet sich vom Lemma gruendlich ab mit Suffix -keit.

Alternativen: grund+-lich+-keit

Ableitungen von gruendlichkeit (1 von 1)

ungründlichkeit

DWB

ungründlichkeit , f. , mangel an gründlichkeit u. ihr gth. wie ungründlich 2 c: dasz man keine hoffnung haben kann, dieselben ( gespenster )…

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Cotta, M. (2026). „gruendlichkeit". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gruendlichkeit/dwb?formid=G31158
MLA
Cotta, Marcel. „gruendlichkeit". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gruendlichkeit/dwb?formid=G31158. Abgerufen 19. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gruendlichkeit". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gruendlichkeit/dwb?formid=G31158.
BibTeX
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