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grölen

mnd. bis spez. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grölen vb.

Bd. 9, Sp. 428
grölen, vb. 11) form und ursprung. die herleitung des erst im 18. jh. häufiger belegten wortes ist schwierig; es scheinen form- u. bedeutungskreuzungen stattgefunden zu haben. bei dem Hessen Hartm. Braun mehrfach als reimformel: die münche und nonnen in ihren clostern .. auff gut baalitisch gröllen und bröllen conciones de tempore (1619) decas 1, 100; mit grüllen und brüllen 5, 161; und wie unsinnige leut geruffen, gegrült und geprült dies cinerum (1608) 14; das scheint auf groll, grull als ausgangspunkt zu führen; deutlichen zusammenhang mit dieser sippe hat steir. grölen, gröllen brüllen, grunzen, heulen, rülpsen (vgl.grölwerk, gröllwerk gebrülle, geplärre, gegrunze) Unger-Khull 308b, alem. grȫlen mit gesteigerter oder verstellter stimme rufen, schreien Staub-Tobler 2, 730, das sich an obd. grellen (s. d. 2) wie grollen (s. d. 3) anlehnt und seinen stammvocal (der in grölzen [s. d.] wiederkehrt) vielleicht lautmalenden tendenzen verdankt. aber das hauptgeltungsgebiet von grölen ist das nd., dem grellen als 'schreien' fremd ist und grollen nur als 'murren' geeignet zu haben scheint; damit paszt die gewöhnliche bedeutung von grölen 'lärmen, misztönig schreien, singen' schlecht zusammen; sie scheint das vb. vielmehr neben nd. grālen zu rücken, auf das auch die im nd. weitverbreiteten formen mit ä hinweisen: gräelen grölen Berghaus 1, 607a (grafsch. Mark); grælen misztönend schreien Woeste 84a; grælen lärmen, schreien Bauer-Collitz 41a; grälen unschön singen Mi 28; anderseits weist thür. grele mürrisch thun Hertel 110 auf bedeutungszusammenhang mit grollen irasci; die länge ist schon fürs 15. jh. zu erweisen: de mosten dar mydde grolen (: molen 'mühlen') städtechron. 16, 164 (Braunschweig), (und anscheinend mit derselben bedeutung 'lärmen' auch: wold me myt ome nicht gralen [: halen 'holen'] ebd. 103;) doch find man etlich, die da groln (: befohln) und bleiben stracks bei ihrem schwelgen A. Pape Jonas rhythmicus (1605) l 8a; im schles. thür. obersächs. mit entrundung und überdies theilweise mit k-anlaut: grēlen Weinhold schles. 30a; grelen v. Klein 1, 161 (Duderstadt); Kleemann nordthür. 7c; jrēlen Jecht Mansfeld. 44b; Liesenberg 147; krölen, grelen Albrecht Leipz. 126a; kreelen C. F. Bahrdt pastor Rindvigius 1, 107; nun, jungens, krehlt noch eins O. Ludwig 2, 509; auch im esthnischen deutsch krölen juchzen, grell aufschreien K. Sallmann neue beiträge 47. 22) verbreitung und bedeutung. das vb. ist, in der bedeutung schwankend, auf nd. boden allgemein bekannt, auch in weiten md. gebieten, im schles., thür.-obersächs., hess., nach Albrecht Leipz. 126a auch im fränk.; in obd. maa. selten (s. o. 1) und nicht als alt zu erweisen. das derbe volkswort wird erst von Campe, Heinsius der aufnahme gewürdigt und breitet sich erst im 19. jh. literarisch aus, um schlieszlich auch bei süddeutschen autoren zu erscheinen, vielleicht mehr infolge literarischer übertragung als aus der mundart heraus. gewöhnlichste bedeutung 'brüllen, laut und misztönig schreien': andere grölen ausz lesterlichem halse daher, Bibel, Bubel, Babel G. Rost heldenb. v. rosengarten (1623) 18b; bin doch kurjos zu wissen, was da so gröhlet (von lautem declamieren) Müller v. Itzehoe Siegfr. v. Lindenberg 1, 87; (die) Berliner freien, die einmal beim saufgelage ein kräftiges pereat gott! gröhlten Treitschke 5, 372; das ist unser liebes volk von Paris, hören sie nur, wie sie gröhlen Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 164; zwei rüpel .. drückten sich gröhlend umher G. Keller 8, 182; mit anderer färbung: der glückselig gröhlende hahn Sohnrey im grünen klee 6; componiert: wo ist .. die zweileibigte Hekate, seine tochter? grölte ihn Skübala an J. F. Schink theater zu Abdera 1, 271; so zumeist auch in den maa.: gröhlen lärmen, laut sein Richey hamburg. 81; grȫlen misztönig schreien Schambach 69a und sonst. gern in dem besondern sinn eines brüllenden, ungeschlachten singens: an diesem tage zogen die studenten ... durch alle straszen und grölten burschenlieder Laukhard leben u. schicks. 2, 111; unter diesem zarten, sinnigen liede, dessen jodler die bursche begeistert unisono gröhlten Anzengruber 1, 124; in den meisten kirchen wird mehr geschrien und gegrölt als gesungen Allmers marschenb. 143; auch das kennen die maa.: grēlen widerlich singen Weinhold schles. 30a; jrölen schlecht singen Trachsel berlin. 26; vgl. Frischbier 1, 254; Stürenburg 76a; Doornkaat-Koolman 1, 693; in der marsch auch 'leise etwas singen' Schütze holst. 2, 72 (vgl.grollen 3 Henisch); hei groelt sik so wat voer im sinne von quinquelieren beleg ohne ortsangabe; 'brüllend weinen, heulen': obgleich Pittalacus unter den schlägen so entsetzlich grölte und bölkte Reiske Demosthenes und Äschines 1, 440; grölen brüllen, laut weinen K. Bruns volkswörter d. prov. Sachsen 26b; vgl. auch Trachsel, Frischbier a. a. o.; auch von brüllendem lachen: dasz er .. nun in ein prustelndes, gröhlendes lachen ausbrach Anzengruber 1, 3; der oberst liesz sich erzählen und gröhlte vor lachen Rosegger I 2, 224; 'übermäszig lachen' Stürenburg 76a; in Hessen 'laut u. derb sprechen, schimpfen' Vilmar 138 (auch subst. grōl, m., lärm, streit Pfister 1. ergänzungsh. zu Vilmar 15); grȫl'n 'drückt das anhaltende schreien der frösche aus' Danneil 70a; im selben sinne nordfries. graalen, grölen Stürenburg a. a. o. dazu gröler, m., 'einer der .. laut und widerlich schreiet' Campe; grölerei, f., scheltend für gesang Brendicke 130b; grölhans, m., schreihals C. Schumann Lübeck 70; gröltrine, f., scheltend von schreienden sängerinnen: bevor sie den geschmackvollen sänger .. zur ruhe verweisen, müssen sie jedenfalls allen den gröhl-trinen den mund verschlieszen A. Senfft v. Pilsach an R. Franz, briefw. 200; grölig, adj.: wer einen harten kopf will erweichen, der musz gröhligte worte gebrauchen Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 45; bei einem groszen bauern .., der sehr dumm, gröhlig und schläffrig war Frenssen Jörn Uhl (1902) 198; dasz die hausgenossen seine gröhligen ausrufe verstehen konnten 346.
6105 Zeichen · 127 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    grȫlenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    grȫlen , swv. , lärmen, schreien.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grölenv., intrs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Х Grölen , v. intrs . N. D. laut und unangenehm schreien, lärmen. Eine grölende Stimme. Das Grölen .

  3. modern
    Dialekt
    grœlen

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    grœlen schreien, Lärm machen: Hördst du uns don nich juchen, grählen? (1740) Kohf. Hg. 26, 2; grälen Mantz. Ruh. 7, 36; …

  4. Spezial
    grölen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    grö|len vb.intr. scraié (-ia), berié (-iëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit groelen

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Zerlegung von groelen 2 Komponenten

gro+elen

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