grabstatt,
f. ,
neben jüngerem, aber weit gebräuchlicherem grabstätte (
s. d.), grabstelle (
s. d.).
zur formgeschichte des grundworts und seinem verhältnis zu stätte
vgl. s. v. statt I 2—4,
teil 10, 2, 1,
sp. 953
ff. in älterer schreibung stehen grabstat, -stadt (Bütner
epitome hist. [1596] 303
b), -stad (Kuhlmann
geschichtherold [1673] 46)
neben heute allein gültigem grabstatt.
für den pl. ist, wie beim simplex statt,
starke flexion anzusetzen, doch ist sie im 17.
u. 18.
jh. von dem älteren starken pl. des wortes grabstätte
nicht zu trennen. doppeldeutige nachweise dieser art s. unter grabstätte (
z. b. 2 e).
als grabesstatt
gelegentlich im vers (
s. u.).
als greberstatt
vereinzelt (
s. u. 1)
und wohl an die bedeutung 1
gebunden. ahd. singuläres grabastat (
s. u. 1),
mnd. grafstede Lasch-Borchling 1, 2, 147; graffstedde (16.
jh.) Bauer-Collitz
Waldeck 146 (
beide nachweise hierher und nicht zu grabstätte,
vgl. auch s. v. statt I 2 b; 5
a. a. o.). grabstatt,
neben seinem konkurrenzwort grabstätte
im 16.
jh. völlig, im 17.
jh. noch nahezu gleichberechtigt (
lexikalisch aber über Henisch
und Hulsius
hinaus anscheinend nicht mehr verbucht),
tritt später hinter grabstätte
ganz zurück, vermag sich aber, zumal in poetisch gehobener sprache, bis in die gegenwart zu behaupten. 11)
der für eine bestattung vorgesehene platz, wie grabstätte 1 a.
hierher wohl der einzige ahd. beleg, der freilich in seiner abweichung von der lat. vorlage nicht ganz eindeutig zu interpretieren ist: (
sie) couftun fon then accar leimuurhten in grabasteti elilentero (
in sepulturam peregrinorum)
Tatian 193, 5 (gabasteti
hier wahrscheinlich acc. pl., kaum dat. sg., was den sinn nicht treffen würde; aber auch schwerlich acc. sg., da steti
im nom. u. acc. sg. nur unsicher bezeugt ist, s. Schatz ahd. gr. 216); Abraham, Isack vnnd Jacob seind vff jrem aygen acker in ainem höl begrabenn worden, also für vnd für yetlicher, wo er wolt, on weyhung der grabstat Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 18
ndr.; dasz sie (
die frauen) seine (
Heinrich Frauenlobs) leiche bisz an seine grabstatt getragen Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 1, 330; 's gibt eine sage, dasz, wenn plötzlich matt unheimlich schaudern einen übergleite, dasz dann ob seiner künft'gen grabesstatt der todesengel schreite A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 211; und hab ich auf der insel eine grabstatt gesucht für mein dirndl Rosegger
laszt uns von liebe reden (1909) 259. 22)
die stätte eines grabes, wie grabstätte 1 b: wir werden von ihm (
dem bildnis eines verstorbenen) nicht verlangen, dasz es die eigentliche grabstätte bezeichne (
auf seinem grab angebracht wird) Göthe I 20, 206
W.; und ist deine grabstatt nach hundert jahren vergessen, redet nicht der acker jahraus, jahrein: mich hat arbeit so fruchtbar und schön gemacht, bauernarbeit? Leppa
herzenssachen (1923) 20. 33)
in gehobener sprache anstelle des einfachen grab,
vgl.grabstätte 2 c: und deine grabstat müsse durchaus geheiligt seyn (
schluszzeilen eines trauergedichtes auf einen verstorbenen verwandten) Simon Dach 759
lit. ver.; vgl. 335; und sollt ich auch mit halb erstorbnen kräften, drey worte nur an deine grabstat heften
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 263.
so auch für ein grabmonument, wie grabstätte 2 b: sehet diesen, der für sich eine grabstatt aufgeführet, welche keinem tempel wich; diesen, welchem man zuvor pyramiden bauen müssen
anmuth. gelehrsamk. (1751) 7, 639
Gottsched. 44)
nur lexikalisch '
gräberfeld, friedhof',
wie grabstätte 3:
sepulcretum ein gottsacker, kirchhof, gräberstat Calepinus
undec. ling. (1598) 1331
a; grabstatt
grabacker, kirchhoff, coemiterium, dormitorium, locus sepulturae Henisch (1616) 1722;
vgl. noch Hulsius-Ravellus
t.-franz.-ital. (1616) 144
a.
hierher möglicherweise noch der in seiner zuordnung nicht eindeutige Luther
-beleg unter grabstätte 3.