glosen,
glösen,
vb. ,
glimmen, glänzen. mit an. glys '
was glänzt und schimmert, glanz, putz, staat',
norw. glossa '
klar werden', glysja
dass., schwed. dial. glossa '
glänzen, glimmen'
zu einer wurzelform *glus,
die auch durch ir. gluss '
licht, helligkeit' (<
*ghlusto-)
bezeugt wird. im gramm. wechsel mit glosen
steht obd. gloren
im steir. (
neben gluren) '
stier dreinschauen' Unger-Khull 296
b;
schweiz. gloren (
neben glaren) '
glänzen, schimmern' Stalder 1, 450; gloräugli '
kleine, blinzelnde, helle, verliebte augen' Staub-Tobler 1, 136 (
neben glar-, glarraug);
hess. glorren '
starr blicken' Vilmar 130;
vgl. bair. die glorren,
subst. plur. für '
augen' (
neben glurren) Schmeller-Fr. 1, 976.
germ. *glus
ist s-
erweiterung der basis ghlēu-
zur grundwurzel ghel-,
s. Persson
beitr. z. idg. wortforschung 795; Walde-P. 1, 627; Torp 166.
auch nd. gloren, glören '
glimmen' Richey 76; Mensing 2, 398;
ostfries. gloren Doornkaat-Koolman 1, 642
a sowie nl. gloren '
schimmern, leuchten'
könnte dazu gehören, könnte aber auch altes ō
enthalten und gleich neuisl. glōra '
glänzen, schimmern',
norw. glôra '
glänzen, stieren'
mit glaren (
s. d.), glas
ablauten (
erweiterung *ghlēs-,
*ghlōs-,
*ghləs-
der wurzel ghel-). —
vgl. weiter glauren, gluren.
schon im 13.
jh. in den bedeutungen 1 '
glimmen, glühen'
und 2 '
leuchten, glänzen'
vielfach bezeugt, wobei die priorität der bedeutung 1
in dem meist durch einen vergleich an 1
anschlieszenden gebrauch 2
sichtbar wird (
s. u. 2).
seit dem spätmhd. zieht sich das wort aus dem literarischen gebrauch fast ganz zurück, um erst im 19.
jh., meist bei obd. schriftstellern und wohl auf dialektischer grundlage, wieder sprachläufig zu werden. mundartlich ist glosen,
auch in sonderbedeutungen (
s. u. 4),
weit verbreitet, sporadisch bezeugt im schweizerischen (
neben gloren),
nd. glösen (
neben gloren, glören);
kärnt. glousen Lexer 116; glousn Schacherl
Böhmerwald 17; glusen Christa
Trier. 99
b.
gelegentlich begegnet glossen Schoch
studentenleben (1657) f 5
a; Aler
dict. (1727) 1, 958
a. 11) '
ohne flamme brennen, glimmen, unter der asche glühen': daz viuwer uz den helmen bran rehte alsam ein glosendiu gluot
Dietrichs flucht 8871
Martin; dô glostich (
in der hölle) als daz eisen, so man da von siht reisen in der esse daz sinder
sanct Servatius 3509
Wilhelm; wie wirds euch ankommen, im feuer walzen und sieden wie die arbes im topf und glosen wie die stein im ziegelofen Abr. a
s. Clara
reimb dich (1691) 137; auf glosenden kohlenmeilern Rosegger
wildlinge (1906) 401; meine eingeweide kamen mir vor wie ein brennender schwamm, brennend mit still fortglimmendem feuer; ... je mehr er einschluckte, desto dicker schwoll er auf und gloste stetig weiter Ric. Huch
triumphgasse (1908) 203; im ofen sieht man noch das winterfeuer halb erlöschend glimmen und glosen Schönherr
erde (1909) 93; der zunder glost Loritza
id. Viennense 52
a.
im nd. bes. '
blaken, schwelen': do hadde de broder tho grotem ungelücke van dem dacht laten glösen ein stücke Joh. Lauremberg
scherzged. 22
ndr.; dat licht glöset noch Dähnert
pommersche mundart 154
b; de piep glöst Mensing
schlesw.-holst. 2, 397.
im schweizer. dagegen glosa '
vom feuer sprühen, d. h. kleine glühende kohlen mit heftigkeit um sich her verbreiten' Tobler
Appenzell 226; Stalder 1, 456.
bildlich von der versteckten glut der leidenschaft, des starken gefühls: da si da prinnent und glosent in der götleichen minne (14.
jh.)
cgm. bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 977; fangt das feir eins ohnbeschreiblichen hasses an zu glosen (1703)
bei Schöpf-Hofer
tirol. 196; is die frau von Stolzenthaler gar a ehmalige flamme vom herrn feldwebel und bei all zwei scheint mir, gloosts noch a bissel Anzengruber
ges. w. (1890) 10, 57. 22) '
glühend leuchten, glänzen.'
mhd. von gold und edelsteinen sehr geläufig: des tages glost er (
der karfunkelstein) als ein glas Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 26
Pf.; meist in formelhaftem vergleich an 1
angeschlossen: des (
eines edelsteins) varwe als ein zander (
glühende kohle) gleste der dâ glosende lît in fiure
jüng. Titurel 410;
Mai und Beaflor 41
u. ö.; er hatte so einen schönen senckel in der krause, und wahre so ein schöner zahnstocher dran, er glosse doch fluchs wie lauter gold Schoch
studentenleben (1657) f 5
a; einen herrgott am weg ..., den hat er vergoldet, dasz er heute noch davon glost Watzlik
d. alp (1923) 156.
anders: drum thet ich mich des morgens rüsten gar frü vor tag, als die sunn här glöst von orient, die sternen fest sich neigten gegen occident (
anfang d. 16. jhs.)
welsch gattung 411
Waga; als wie die rothe rosen auf alabastern tisch im weiszen köcher glosen, so war sie gantz gefärbt W. H. v. Hohberg
d. habspurg. Ottobert (1664) Q q 6
b; das spanlicht glost rot auf den goldenen, schwarzen und braunen köpfen E. v. Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria (1906) 2, 185.
oft von den augen: mir scheint, du trinkst, das leid ich nicht! ... dein auge glost, die nase glüht Nestroy
ges. w. (1890) 5, 292; zwei wie kohlen glosende augen Watzlik
d. pfarrer v. Dornloh (1930) 179;
vgl. Schranka
Wiener dial.-lex. 60;
von der glühenden farbe erhitzter gesichter: wei en glost! '
rot ist vor hitze im gesicht'
rhein. wb. 2, 1277; Mareta
österr. wb. 23. 33)
vereinzelt als '
lugen, spähen'
bei Musäus,
der auch glostern
und glosten
in dieser bedeutung braucht: bald nachher ... errichtete ich dort jene schilfhütte, daraus im verborgenen zu bestimmter zeit nach den badegästen zu glosen
volksmärch. d. Dtsch. (1782) 3, 155.