glockenspeise,
glockspeise,
f.,
seit dem mhd. als glock(en)spise,
mnd. als klock(en)spise
in lebendiger verwendung; vereinzelt findet sich daz glockspeiz (15.
jh.)
in Bayerns ma. 2, 397
Brenner-Hartm.; zum zweiten bestandteil der zusammensetzung vgl. im übrigen speise 5
a, teil 10, 1, 2099;
synonyma s. unter glocke comp.-typ. E 2. 1)
zum stofflichen: glockenspeisz ... ist auch ein mixtur von zin und von kupffer Mathesius
Sarepta (1571) 71
b; wer danne froeer danne der tiuvel, swenne er zin und kupfer zuo einander bringet? daz ist guot glockenspise, daz klinget nach allem sinem wille Berthold v. Regensburg
pred. 1, 76, 10
Pf.; da ongefehr zu einem centner kupfer ein viertel centner zinn genommen wird, entstehet daraus ein metall, so man glockenspeise nennet
allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 157
a; glockenspeise
legierung von 80
th. kupfer mit 20
zinn Karmarsch-Heeren 4, 97;
der name gilt von der flüssigen wie von der festen legierung: wie er sie (
d. h. der teufel die armen seelen) voll hülziner glogkenspis güszt und sie denn erst mit fürinen belzen erschüszt
N. Manuel 125
Bächtold; so ist es gleich als der ein wasser in ein glockenspeise güsse Paracelsus
op. (1616) 2, 91
H.; dasz die zähe glockenspeise fliesze nach der rechten weise Schiller 11, 306
G.; vester danne stahel oder glockspise Berth. von Regensburg
pred. 1, 417, 19
Pf.; der klang der legierung wird hervorgehoben: daz ist guote glockespise, daz klinget wol
ebda 1, 225, 13; der stein klingelt schon reht sam diu glockspeis Konr. v. Megenberg
nat. 440, 31
Pf.; die schlecht verkündigung (
simplex praedicatio) des worts gottes ist klingent als ein glogkspeis
d. puch der himl. offenb. der heil. Birgitte (1509) 129.
es wird als metall oder erz schlechthin aufgeführt: vier trätlein ... von vier metallen oder ärtz, gold, silber, glockenspeysz und eysen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 32
b; was das haupt von gold, die brust und die arm von silber, der bauch und die hüffe von glockenspisz, die füesz von eisen
d. seelen wurtzgarten (1515) c 2
b; es ist zwar, laut göttlicher schrifft, der mann das haupt desz weibs, aber leyder gar offt nicht von gold, sondern von glockenspeisz Abr. a
s. Clara
Judas 2 (1689) 450.
seit dem 19.
jh. tritt glockenspeise
als allgemeine bezeichnung für die metallegierung zurück. und wird meist durch bronze
ersetzt; dadurch wird glockenspeise
gewöhnlich wieder auf seinen ursprünglichen wortsinn eingeschränkt: glockenspeise, eine mischung aus zinn und kupfer, woraus glocken ... gegossen werden Voigt
hwb. f. d. geschäftsführung 1, 346. 2)
verwendung findet die glockenspeise
auszer zu glocken
für die herstellung von geschützen u. a.: glockspeisz aber, darausz man büchsen und mörser geuszt Mathesius
Sarepta (1571) 71
b; stücke aus kupfer, glockenspeisz oder mössing und zinn Joh.
F. Stahl
gewehrger. jäger (1762) 63;
auch von geschützkugeln, s. Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) x 4
b;
von münzen: die gewaltigen musz man mit klarem silber bezalen, sie aber müntzen und geben ausz glockenspeise und unwerth gelt
theatr. diabolorum (1569) 396
b; auch wurde eine grosze menge dicker sous ... aus glockenspeise gemünzt Fr. Chr. Laukhard
leben und schicksale 4, 266;
von gebrauchsgegenständen: hacken von glockenspeisz gegossen Fischart
Garg. 174
ndr.; von gegossenem ertz oder glockenspeiz (
müssen gemacht werden) molpfannen Kirchhof
militaris disciplina (1602) 25; zwei becken vom feinsten bronce oder glockenspeise, die taktmäszig aneinander geschlagen werden Schubart
ästhetik d. tonkunst 331;
von bildsäulen u. ä.: grosz bildtseulen von glockenspeis H. Sachs
werke 8, 411
Keller; die sunnenseül, Colossum genant, von glockspeisz gemacht Seb. Franck
chronica, zeytbuch (1531) 285
b. 3) glockenspeise
bezeichnet im 16.
jh. abschätzig eine ratsversammlung, ausgehend von der vorstellung, die der redensart eine
glocke gieszen
zugrunde liegt (
s.glocke C 8): auff den morgen früe samlet sich die glockenspeise, und die groszen und heiligen halten ein concilium Mathesius
fastenpredigten (1570) 51
a; da samlet sich die glockenspeise, hohenpriester und phariseer
ebda 191
b; wie mir selbs mit warheyt für gott zu reden, etliche schrifften von inen zugestelt, samlet sich immer fein heimlich zusammen allerley glockenspeyse
ders. ausgew. w. 3, 267
Lösche; darnach führen sie ihn zu Caipha ..., dahin sich die glockenspeise, die schrifftgelerten und geistlichen väter versamlet hatten Joh. Gigas
postilla (1595) 3, 44
a.
allgemeiner nur eine versammlung meint die redensart: samle dich glockspeise, der teuffel wil ein morsel giesen Luther
sprichwörtersamml. 136
Thiele; sammel dich, glockenspeisz, nisz und leysz Joh. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 5, 53
a; sich do! samle dich, glockenspeisz! ... dort kummens miteinander schon, die wir erst wolt suochen gohn Wickram 6, 311
Bolte. 4) glockenspeise
bezeichnet im bergbau ein besonderes natürliches erz: aes natura cum plumbo candido mistum natürliche glockenspeisz Praschius
orig. lat. ling. (1686) 28; glockspeise, so in gengen bricht und offt silber helt oder die ausz den ertzen gemacht wird, so auff spatgengen brechen, ist auch coblicht und heiszgretig
ebda 110
b; glockenspeise ist eine kobelt- und heiszgrätige bergarth Herttwig
neues u. vollk. bergbuch (1734) 186
a;
auf ältere verwendung in diesem sinne weist glockenspeisig,
s. hinter glockenspeisen,
adj. —