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glockenspeise

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glockenspeise f.

Bd. 8, Sp. 180
glockenspeise, glockspeise, f., seit dem mhd. als glock(en)spise, mnd. als klock(en)spise in lebendiger verwendung; vereinzelt findet sich daz glockspeiz (15. jh.) in Bayerns ma. 2, 397 Brenner-Hartm.; zum zweiten bestandteil der zusammensetzung vgl. im übrigen speise 5 a, teil 10, 1, 2099; synonyma s. unter glocke comp.-typ. E 2. 1) zum stofflichen: glockenspeisz ... ist auch ein mixtur von zin und von kupffer Mathesius Sarepta (1571) 71b; wer danne froeer danne der tiuvel, swenne er zin und kupfer zuo einander bringet? daz ist guot glockenspise, daz klinget nach allem sinem wille Berthold v. Regensburg pred. 1, 76, 10 Pf.; da ongefehr zu einem centner kupfer ein viertel centner zinn genommen wird, entstehet daraus ein metall, so man glockenspeise nennet allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 157a; glockenspeise legierung von 80 th. kupfer mit 20 zinn Karmarsch-Heeren 4, 97; der name gilt von der flüssigen wie von der festen legierung: wie er sie (d. h. der teufel die armen seelen) voll hülziner glogkenspis güszt und sie denn erst mit fürinen belzen erschüszt N. Manuel 125 Bächtold; so ist es gleich als der ein wasser in ein glockenspeise güsse Paracelsus op. (1616) 2, 91 H.; dasz die zähe glockenspeise fliesze nach der rechten weise Schiller 11, 306 G.; vester danne stahel oder glockspise Berth. von Regensburg pred. 1, 417, 19 Pf.; der klang der legierung wird hervorgehoben: daz ist guote glockespise, daz klinget wol ebda 1, 225, 13; der stein klingelt schon reht sam diu glockspeis Konr. v. Megenberg nat. 440, 31 Pf.; die schlecht verkündigung (simplex praedicatio) des worts gottes ist klingent als ein glogkspeis d. puch der himl. offenb. der heil. Birgitte (1509) 129. es wird als metall oder erz schlechthin aufgeführt: vier trätlein ... von vier metallen oder ärtz, gold, silber, glockenspeysz und eysen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 32b; was das haupt von gold, die brust und die arm von silber, der bauch und die hüffe von glockenspisz, die füesz von eisen d. seelen wurtzgarten (1515) c 2b; es ist zwar, laut göttlicher schrifft, der mann das haupt desz weibs, aber leyder gar offt nicht von gold, sondern von glockenspeisz Abr. a s. Clara Judas 2 (1689) 450. seit dem 19. jh. tritt glockenspeise als allgemeine bezeichnung für die metallegierung zurück. und wird meist durch bronze ersetzt; dadurch wird glockenspeise gewöhnlich wieder auf seinen ursprünglichen wortsinn eingeschränkt: glockenspeise, eine mischung aus zinn und kupfer, woraus glocken ... gegossen werden Voigt hwb. f. d. geschäftsführung 1, 346. 2) verwendung findet die glockenspeise auszer zu glocken für die herstellung von geschützen u. a.: glockspeisz aber, darausz man büchsen und mörser geuszt Mathesius Sarepta (1571) 71b; stücke aus kupfer, glockenspeisz oder mössing und zinn Joh. F. Stahl gewehrger. jäger (1762) 63; auch von geschützkugeln, s. Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) x 4b; von münzen: die gewaltigen musz man mit klarem silber bezalen, sie aber müntzen und geben ausz glockenspeise und unwerth gelt theatr. diabolorum (1569) 396b; auch wurde eine grosze menge dicker sous ... aus glockenspeise gemünzt Fr. Chr. Laukhard leben und schicksale 4, 266; von gebrauchsgegenständen: hacken von glockenspeisz gegossen Fischart Garg. 174 ndr.; von gegossenem ertz oder glockenspeiz (müssen gemacht werden) molpfannen Kirchhof militaris disciplina (1602) 25; zwei becken vom feinsten bronce oder glockenspeise, die taktmäszig aneinander geschlagen werden Schubart ästhetik d. tonkunst 331; von bildsäulen u. ä.: grosz bildtseulen von glockenspeis H. Sachs werke 8, 411 Keller; die sunnenseül, Colossum genant, von glockspeisz gemacht Seb. Franck chronica, zeytbuch (1531) 285b. 3) glockenspeise bezeichnet im 16. jh. abschätzig eine ratsversammlung, ausgehend von der vorstellung, die der redensart eine glocke gieszen zugrunde liegt (s.glocke C 8): auff den morgen früe samlet sich die glockenspeise, und die groszen und heiligen halten ein concilium Mathesius fastenpredigten (1570) 51a; da samlet sich die glockenspeise, hohenpriester und phariseer ebda 191b; wie mir selbs mit warheyt für gott zu reden, etliche schrifften von inen zugestelt, samlet sich immer fein heimlich zusammen allerley glockenspeyse ders. ausgew. w. 3, 267 Lösche; darnach führen sie ihn zu Caipha ..., dahin sich die glockenspeise, die schrifftgelerten und geistlichen väter versamlet hatten Joh. Gigas postilla (1595) 3, 44a. allgemeiner nur eine versammlung meint die redensart: samle dich glockspeise, der teuffel wil ein morsel giesen Luther sprichwörtersamml. 136 Thiele; sammel dich, glockenspeisz, nisz und leysz Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 5, 53a; sich do! samle dich, glockenspeisz! ... dort kummens miteinander schon, die wir erst wolt suochen gohn Wickram 6, 311 Bolte. 4) glockenspeise bezeichnet im bergbau ein besonderes natürliches erz: aes natura cum plumbo candido mistum natürliche glockenspeisz Praschius orig. lat. ling. (1686) 28; glockspeise, so in gengen bricht und offt silber helt oder die ausz den ertzen gemacht wird, so auff spatgengen brechen, ist auch coblicht und heiszgretig ebda 110b; glockenspeise ist eine kobelt- und heiszgrätige bergarth Herttwig neues u. vollk. bergbuch (1734) 186a; auf ältere verwendung in diesem sinne weist glockenspeisig, s. hinter glockenspeisen, adj.
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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glockenspeise

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Glockenspeise , plur. inus. 1) Diejenige Mischung von einem Theile Zinn und acht bis vier Theilen Kupfer, woraus die…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glockenspeise

    Goethe-Wörterbuch

    Glockenspeise zum Glockenguß verwendete (zinnhaltige) Metallmischung, metaphor von der Aufführung des Epimenides .. Verg…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glockenspeise

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Glockenspeise , s. Bronze , S. 454, und Glocken.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glockenspeise

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Ableitung von glockenspeise

glockenspeisen + -e

glockenspeise leitet sich vom Lemma glockenspeisen ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von glockenspeise 2 Komponenten

glocken+speise

glockenspeise setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „glockenspeise". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/glockenspeise/dwb?formid=G19902
MLA
Cotta, Marcel. „glockenspeise". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/glockenspeise/dwb?formid=G19902. Abgerufen 20. May 2026.
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Cotta, Marcel. „glockenspeise". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/glockenspeise/dwb?formid=G19902.
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