gleichständig,
adj. ,
im 16.
jh. auch gleichstendigú
ein wort des 16.
und 17.
jh., nur in einer besonderen bedeutung (
s. u. 5)
auch noch in jüngerer zeit. 11) '
parallel, in gleichem abstand bzw. gleicher richtung verlaufend',
als frühest belegbare deutsche bezeichnung für parallel, im älternhd. neben ebenfern, gleichweit, gleichweitig, gleichweitstehend, gleichlaufend, gleichläufig (
s. überall dort und zs. f. mathem. u. physik, suppl. bd. 44, 324): acht gleichständige linien P. Apianus
instrumentbuch (1533) G 3;
vgl.E 2; das ist, das H K der linie D E gleichständig und parallel bleibe Dan. Mögling
mechan. kunstkammer (1629) 65; zu einem gemeinen horizont ... oder einer solchen lini, so dem horizont gleichständig ist Er. Francisci
d. eröffn. lusthaus (1676) 65; sobald sie aber zu demjenigen parallelismo horizontis (zu solcher gleichständigen tieffe) gelangt, dasz das wasser beginnte herab zu lauffen Valvasor
d. ehre d. herzogth. Crain (1689) 1, 648. 22) '
übereinstimmend, gleichlautend': ains sondern briefs, den er uns hierumb zugestellt, am dato disem briefe gleichstendig (1539)
bei Fischer
schwäb. 3, 689; der titul auszen auf desz briefes obschrifft und der anfangstitul musz gleichständig seyn Harsdörffer
d. teutsche secretar. (1656) 1, A a 3
b.
zur bezeichnung des gleichstands von rechnung und gegenrechnung, s. gleich II B 2 b: den begerten gegenzeddel (
gegenrechnung) oder einsatz bei zu legen; da dann dieselben ... gleichstendig gefunden werden (1578)
in: dtsch. rechtswb. 4, 935; daneben ... die gegenzetl fürgezaigt und gleichstendig gefunden wurde (16.
jh.)
ebenda. 33)
nur gelegentlich in der eigentlichen bezeichnung gleichen standortes, gleicher räumlicher anordnung: die gleichschlieszenden reimzeile in unterschiedlichen reimgebänden gleichständig gesetzet Harsdörffer
poet. trichter 1 (1650) 40; der ostindische wollenbaum ... strecket seine äste zwerch aus in gleichständiger ordnung Happel
relationes curiosae (1685) 2, 22
a. 44)
über diese speziellen bedeutungen hinaus bei bestimmten schriftstellern des 17.
jh. in allgemeinerem gebrauch beliebt, an stelle des einfachen gleich.
so wie gleich I A '
gleichartig': also musz mein augapfel das bild dessen, was ich sehen soll, gleichständig gestalten Harsdörffer
geschichtspiegel (1654) 202; der lehrbegierige verstand hat zweyerley mittel sich zu vergnügen I. in erkenntnisz der sachen selbsten II. durch gegenhaltung gleichständiger sachen
derselbe, ars apophthegmatica (1655) 1, 28.
oft ist dabei der gesichtspunkt des gleichartigen mit der zu gleich I D
gehörenden vorstellung '
entsprechend, gemäsz'
bzw. der unter gleich VI E 4
begegnenden bedeutung '
passend'
verknüpft, etwa im sinne von '
entsprechend'
oder '
angemessen': die ehre sol ein zeugnis der tugend seyn und bestehet in den gebehrden, wie das lob in reden oder denselben gleichständigen schriften Butschky
hd. kanzelley (1659) 50; wie die tugend eine innerliche schönheit des gemüttes, also ist die euserliche schönheit eine gleichständige tugend des leibes
ders., Pathmos (1677) 303; gott im gebet, den menschen im gespräch, beederseits aber mit wercken angenem seyn, ist nicht vnmüglich, sondern wol- und gleichständig Harsdörffer
frauenzimmer-gesprächsp. (1641) 1, N 3
b (
s. wohlständig c); dasz der inhalt mit gleichständiger redarte auszubilden
ders., poet. trichter 3 (1653) 16;
vgl. 30 (
dazu 24: dasz das geistliche mit geistlichen, das gemeine mit gemeinen worten ... sol ausgeredet werden).
mehr zu gleich I B '
gleichrangig, gleichwertig': desselben hochschätzbahre beschenkung und würklige höfligkeit weis ich mit gleichständigen dankworten, noch weniger aber mit gleichgiltiger dienstleistung, keines weges zu erwidern Butschky
hd. kanzelley (1659) 163,
vgl. dazu gleichgültig A 1, gleichwichtig 3, gleichwürdig 3; das irrige geplauder der Griechen, die da alles und jedes ihnen allein, als den uhranfängern zuschreiben ... da doch ... alles bey ihnen neu, ja als ob es gestern oder heute entstanden sey, in gegenbetracht des alterthums der Hebreer: dem denn das celtische in vielen gleichständig ist Schottel
haubtspr. (1663) 37.
seltener wie gleich III '
identisch': deswegen lieben wir auch, was schön ist, nicht nur der natürlichen neigung, sondern dem verstande nach, welcher schön und gut für gleichständig schätzet Butschky
rosenthal (1679) 213. 55) '
dem gleichen gesellschaftlichen stande angehörig': ihr ... habt gott, und diesen gleichständigen herren (paribus) die sache untergeben, welche alle ingesamt euch für schuldig erklärt Er. Francisci
traursaal (1669) 2, 457.
noch im späten 18.
jh., s. auch gleichständigkeit 5: so beschränkt mein ganzes bemühen sich dahin zu sorgen, dasz freier der niedern classe auf sie aufmerksam werden ... meine tochter weisz, dasz ich schlechterdings keine ausstattung geben kann und dasz also kein gleichständiger und viel weniger noch ein reicher, oder gar ein vornehmer kommen ... kann J. Tim. Hermes
f. eltern u. ehelustige (1789) 3, 230.