Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
glat
1.1 allg. ‘blank, spiegelnd’
1.2 spez. auf Haut (auch Lippen) bezogen
2 haptischer Eindruck einer Oberfläche ohne Rauigkeiten und Unebenheiten
2.1 allg.
2.1.1 ‘ebenmäßig, poliert’
2.1.2 ‘rutschig, glitschig’
2.2 bezogen auf Haut ohne Falten, Haare o.ä. ‘rein, faltenlos’
3 übertr.
1 optische Wirkung der Oberflächenbeschaffenheit ‘glänzend’ 1.1 allg. ‘blank, spiegelnd’ diu stæte sol ze rehte / ingrüene sîn reht alse gras, / glat unde lûter alse glas Tr 16976. 16714; gezieret was diu selbe stat. / sô lûterbære und alsô glat / was ir gazzen esterich, / daz man ersach dar inne sich KvWTroj 17408. 7320 1.2 spez. auf Haut (auch Lippen) bezogen: ein bruder [...] brachte im [dem hl. Bernhard] olei vor andern tranc, / [...] / ez were im bliben unkunt, / wand daz die andern sinen munt / sahen also rechte glat Pass III 401,73. – in Verbindung mit wîʒ: schone hende, finger lanc, / glander negel, slecht hut glat, / rein wiz als ein liligen blat Herb 2497; dô wart er bî den stunden / vil schiere dâ gebunden / mit starken riemen ûf daz rat. / sîn reiner lîp wîz unde glat / genzlichen wart enblecket / und alsô blôz gestrecket KvWPant 1604. – auch zu 2: glat als ein altez helfenbein / und wîzer denne ein krîdenmel / was ir daz neckel unde ir kel KvWTroj 19988 2 haptischer Eindruck einer Oberfläche ohne Rauigkeiten und Unebenheiten 2.1 allg. 2.1.1 ‘ebenmäßig, poliert’ sîn vil ûz erwelter schilt / geworht ûz helfenbeine was, [...] der slange mohte nie / mit allen sînen kreften / die clâwen dâ geheften / ûf dem vil herten beine. / ez was glat unde reine KvWTroj 9874; wilt aber dû gemainleich weizzen, welher frawen milch pezzer sei, sô nim ain glas oder ain glate tafeln von holz und lâ des gespüns tropfen dar auf BdN 25,14; aber do ein glat tenne ist, do endarf man nút denne das man mit einem vederwúsche hie úber var Tauler 145,12; so was die brucke [über den Höllenfluss] sere smal / und gab von ir wol snellen val / ieglichem, der dar uf trat. / abheldec unde glat / was si zu beiden siten Pass III 239,34. – in Verbindung mit hæle (vgl. auch 1.1): vnd was von der güsse erfleut / der berch, daz er so glat was / als ein vil wol hælez glas / vnd scharf sam ein scharsach Krone 6794; soͤlher helm [...] was mit kunsten vesten / uz ainem stain gedrat [...] kain wafen in verkretzet, / so hæl ist er und so glat WhvÖst 13867; dez edeln schildez [allegorisch für das Gesicht der Geliebten] glantzes vel / und ist dar zu so rechte hel, / daz ez kund werden niht gleter Minneb 2423; BdN 321,15. – übertr.: wan wær der mag sleht und glat, sô slüff daz ezzen ê der zeit ze tal und belib ungekocht BdN 32,12 2.1.2 ‘rutschig, glitschig’ wenn diu slang daz tier siht slâfen mit offem mund auf dem gestat pei dem selben wazzer, daz dâ haizt cocodrillus [...] sô welzt si sich in ainem glaten laim, daz si dester paz durch des selben tiers maul geslupfen müg BdN 273,6. – in Verbindung mit îs/ îsic: ein wek an glatem eise, / dar an man leiht vellet Krone 1740; ir berc was îsec unde glat, / man mochte dar an nicht bestên / noch ûf daz wal zû in gên: / ez wart versûchet wol genûc LivlChr 11056; sine bleter [...] waren gleter / vor yse dann ein spiegel glas Minneb 4302. – die ellenden gotes knehte / hant vil kvmbers hie erlitten / [...] / mengen glaten winter mit froste Martina 253,33 2.2 bezogen auf Haut ohne Falten, Haare o.ä. ‘rein, faltenlos’ wart sîn runzelehtez vel / gestrecket unde schône glat KvWTroj 10793; weich unde glat was ir daz vel / an vleische und an gebeine ebd. 19998. – ‘kahlköpfig, eine Glatze habend’ ist er kayl und ane har, / man sprichet, er sii ein glazzer [La. glatter, glazzet; MinneR 52 K : glaczachter ] schalk MinneR 52 65 3 übertr.: ez was ein unsenfter tac. / dâ wart niht vil geklaffet, / ez wart allez mit slegen geschaffet / und mit kurzen [La. glatten ] worten StrDan 5529. – subst.: der tiefel und dú wip / mit dem gemachen, bliden lip: / die múesigen, die glatten / beginnen tuͦt er watten / mit haimlichem getúsche / in daz muͦr der unkúsche SHort 4795
MWB 2 819,52; Bearbeiter: Helmich