gewundet,
gewund, gewundt, gewunt,
participiales adjectiv zu wunden, gewunden (
s. o.),
mit dem sich verstärkte formen zum alten adjectiv (
s.wunt Graff 1, 897;
vgl. haubiþ wundan brahtedun Ulfilas
Marc. 12, 4;
vgl. ungiwunter Graff
a. a. o.)
kreuzen. 11)
anhaltspunkte für die abgrenzung geben 1@aa)
zu gunsten des particips, dem im mhd. wb. 3, 824
a und bei Lexer 3, 987
die belege alle eingeordnet sind, 1@a@aα)
die vollen flexionsformen in mehreren älteren zeugnissen: mit thiu ward filu hartoselb ther widarwerto giwuntot joh firdamnotrumo in ewinigan not! Otfrid 5, 2, 16;
ebenso (
in gleicher zusammenstellung mit einem zweiten part. prät.) 11, 25;
dazu vgl.: doh siu mit arbeitim sii gawuntôt,
injuriis lacessita Monseer fragmente 30, 6
Hench; dazu vgl. sautiatur giwuntot
Freisinger glossen 9.
jahrh. s. Steinmeyer-Sievers 2, 170 (
zu Gregors cura past. 3, 15); daʒ herz' unt sêl gewundet wirt so tougen.
minnes. v. d. Hagen 3, 436
b; dar umb sicht man oft, daʒ ein mensch sein gedaechtnüss verleust, wenne eʒ sêr gewunt wirt hinden in daʒ haupt, oder daʒ eʒ sein beschaidenhait verleust, wenne eʒ gewundet wirt oder hart geslagen vorn an daʒ haupt Konrad v. Megenberg
buch d. natur 5, 9. 1@a@bβ)
in ermangelung flexivischer anhaltspunkte sind einige andere, namentlich syntaktische zu beachten. 1@a@b@11))
so die verbindung mit bestimmungen, die dem verbum zukommen, vgl. aus dem älteren niederdeutschen: de mit der suke is ghewunt
meister Stephan's
schachbuch 4006;
vgl. auch: worde dot ghewunt 5186. 1@a@b@22))
hierher gehört auch die zusammenstellung mit sicheren participien: ungemach ist dirre vrowen geschen, daʒ ir man verhowen ist unde gewunt unde gewatschart ist; Ermisch
Freiberger stadtrecht 30, 4
s. 191; ouch klagint sie, daʒ irre fruonde knechte ... gewuont und geslagin wurden in dem rechten friden, do man den dag leistede zu sente Victore
klagschrift der alten geschlechter (1332)
zu Mainz s. dtsch. städtechroniken 17, 359.
besonders bemerkenswerth ist das folgende, wo an stelle des zweiten particips nachher das entsprechende adjectiv (
ohne präfix)
gesetzt wird, während gewundt
in anlehnung an ein drittes particip bleibt: wo imandes getott, gewundt ader sust daruf (
auf der landstrasze) fallen ader ... ligen bleben, so megen die von Erfurdt dieselben toten, gewundt ader sust an den strassen gefunden ufheben, begraben und die gewundte zum artzte bringen
rote buch v. Weimar (
v. 1483) 133
Frank. 1@a@gγ)
der gegensatz der schreibung: gewundt
gegen gewunt
kann schon nach dem obigen nicht ohne weiteres zur abgrenzung von particip und adjectiv herangezogen werden, zumal nicht für mittelhochdeutsche belege, bei denen einerseits der gegensatz voller und zusammengezogener formen stark von metrischen und rhythmischen verhältnissen bedingt ist (
vgl. auch: unverwundet stân
Nibel. 1977, 1; unverwundet hâr
pass. 261, 65),
während andererseits die zusammengezogenen formen durchweg den dental vereinfacht zeigen, vgl. gewunt
Lamprechts Alexander 4757
u. a. do was her Herman der Rode de gewont was zo dem dode. Gotfr. Hagen
Kölner reimchron. s. dtsch. städtechron. 12, 51;
die gleiche form auch Alsfelder pass. 5854;
dagegen gewunt
Theophilus s. 32
Petsch; desgl. s. 67.
die prosa der übergangszeit begnügt sich nur noch selten mit dem einfachen dental, vgl. gewunt Schiltperger 8;
Bremers sprachbuch 23, 7
und auffallend im Ulmer Decameron, das neben auslautenden zeugnissen (der ander schwerlich gewunt doch bei leben beleibe 111
Keller; gewunt 112)
auch im inlaut die tenuis zeigt: dem gewunten, des gewunten 112.
hierfür tritt in der Frankfurter ausgabe von 1580
die doppelschreibung dt
ein, die in Ruprecht v. Freysings
rechtsbuch (gewundtz viech)
zuerst beobachtet wird und in der späteren prosa (
Fierrabras, Liviusübers., bei Braunschweig
u. a.)
durchaus überwiegt: der gewundt patron 1, 89
a; mit dem gewundten
ebenda. aber auch die volle flexion der participalform tritt an die stelle: der ander schwerlich gewundet doch bei leben blieb 1, 89
a; also bald desz gewundeten freund dasz vernommen 89
b.
denselben wechsel zwischen einfachem dental (
aber in der media),
doppelschreibung und voller flexionsform vgl. auch in: lieff der Westendorffer, ain kauffmann Jergen von Argen an und schluog in wund. also wist Jerg von Argen auff und zuckt und verwundt den Westendorffer in sein glingen arm ... er starb am 10 tag ... und e der Westendorffer starb, erfuor sich ain rat, dasz er Jergen von Argen angelauffen het und in gewundt het Cl. Sender
s. dtsch. städtechron. 23, 110 (
bei Walther: schlug in wundt ... wundet den kaufman ... het in gewundet).
die doppelschreibung dringt nun auch da vor, wo die mittel- und niederdeutsche färbung des stammvocals (
vgl. oben zu Hagen
u. Alsfelder pass.)
beibehalten ist. gegen: dat einer haue den andern dotlichen gewont
Werler urkunde von 1482
bei Seibertz urk. b. v. Westphalen 3, 164.
vgl.: ghewondt, ghewondhet,
vulneratus, saucius, sauciatus Kilian 147
a. 1@bb)
für das adjectiv wund
mit verstärkendem präfix lieszen sich ältere belege anführen, bei deren einem das versmaasz eher die volle form des particips begünstigt hätte. vgl.: di dâ gewunt wâren di fuorten si heim in ire lant. Lamprecht
Alexander 4757
Kinzel. gegen: gewunden unde sêren.
Pilatus vorr.; vil gewunder (
verwundeter) vielen besit, Antiochus behielt do sit die stete gemuret darus.
buch der Maccabäer 1375
Helm. 22)
aus dem gegensatz von prädicat und attribut lassen sich schlüsse in dieser richtung kaum ziehen. 2@aa)
die prädicative verbindung mit verbis gehört mehr der älteren schicht an: arcz wildu erzneien die wunten dem der gewunt ist (
a chosta che ferido)
Bremers sprachbuch 23, 7; da was ich hart gewunt, wann ich het drei wunden, das sie sich besorgten, ich würd sterben Hans Schiltperger 8
Langmantel; und hanget jemmerlichen dort an eim crucz als ein diepp. o we herczeliebes kint! sein hercze ist em zu tode gewont.
Alsfelder passionsspiel 5854
Grein; vgl. auch G. Hagen, Lamprecht. 2@bb)
länger hält sich gewundt
gegen verwundet. 2@b@aα)
in attributiven verbindungen: so sol einer sein gewundtzs viech behalten unntz es gesundt wird Ruprechts v. Freysing
stadtbuch (
cap. 141) 163
Meurer; fürwar wer der gewunt patron nit mit seinem grossen piten gewesen
Ulmer Decameron 112
Keller. 2@b@bβ)
vor allem aber in substantivierter form; vgl. oben z. Pilatus, zum buch der Maccab.; vgl. ob aber dir zuokumpt ein gewundter Braunschweig
chirurgia 35
a : die gewundten
Livius 14
a (1562); mit dem gewunten ab dem schiffe in ein herber ginge
Ulmer Decameron 112
Keller; desz gewundeten (
Frankf. 1580) 1, 89
b; dar zuo blieben die gewundten all zuo Mantribel, bisz sie gesundt wurden
Fierrabras (1533) H 1
b; so waren die andern das mehrer theil so hart verwundt ... da das Tarquinius ersahe, nam er den selben tag auch nit weitters gegen inen für ... die gewundten ... versehen und die todten ... vergraben würden
Livius deutsch (
Straszburg 1862) 14
a.
dasz diese gebrauchsform an sich noch nicht für das adjectiv gegen das particip spricht, zeigt auch: dat men de krancken, de unghesunden, de ghewundeden unde de lamen dar in brengen sal J. Veghe
Jostes 211, 12.