Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
GESTRICHEN
I. transitiv.
A. ohne adverbialpräpos.
1. bewege streichend. die palmen er in ûf die ougen strêch, daʒ blinden in zuhant geswêch Mar. himmelf. 1394. — besonders um scharf zu machen oder zu prüfen. strîchet scharsach unde schær Helbl. 3, 78. ein harte guot wetzestein, dâ begunde er daʒ meʒʒer ane strîchen a. Heinr. 1219. swer nu des lachen strîchet an der triuwen stein der vindet kunterfeit Walth. 29,7. s. stein. — reflexiv. daʒ er ze deheinen stunden den boumen mohte entwîchen: er muoste sich dran strîchen Er. 5584.
2. lege streichend zurecht, in ordnung, glätte, putze. dâ streich manc ritter wol sîn hâr Parz. 776,6. begunde strîche sîn hâr sûberlîche Albr. 6,57. — er streich eʒ (das ross) schône Mel. 4385. vgl. narrensch. 100 u. anm. — ein mûʒersprinzel, daʒ sich nâch eim regen hât gestrichen Hadam. s. 175. — er strîchet sîniu kleider dar daʒ ein vedere niht an im belîbet Nith. H. s. 216. ermel gestrichen mit der sîden ane genât Herb. 619. — si begunden ir lîp zieren vaʒʒen unt zimieren strîchen mit gewande Eracl. 1707. gên den unkunden strichen si ir lîp, des ie site hêten wætlîchiu wîp Nib. 383,1. schône gestrichen (geputzt) er gie, daʒ ich im minne trûge Albr. 32,172. Brangæne schône unde wol gestrichen Trist. 10365. 17542. wol gestrichen und gekleit mit der aller besten wât das. 10756. ir sult iuch ze vröuden strîchen Nith. 19,3. 9,2. 25, 4. si strîch sich ûf die man frauenb. 629,28.
3. lege streichend an. scharlachens hosen rôt man streich an in Parz. 168,5. zwô hosen gestrichen an sîniu bein Ernst 2635.
4. die segele strîchen einziehen. er hieʒ die segele strîchen unde lie sich in ein habe Albr. 16,220.
5. trage streichend auf, bes. von flüssigkeiten, salben und farben. ir nemet des lambes bluot, ir strîchet eʒ iewederhalp der ture unde obene an daʒ uberture Exod. D. 152,32. vgl. Diemer 41,6. dô gewunnen wir des vogels bluot unt strichens (genit. part. strichenʒ G.) an die wunden Parz. 482,21. öl und krisemen streich er dar Barl. 172,22. er streich der minne salben dar Mel. 677. wan dâ er die nôt lite dâ hieʒ si die salben strîchen an Iw. 131 132. leseb. 273,11. si streich sô tiure varwe dar Walth. 53,26. gestrichen varwe ûfeʒ vel ist selten worden lobes hel Parz. 551,27. ein wîp diu an sich reiner tugende varwe strîchet MS. 2,245. b. des haben die mêler einen vlîʒ, daʒ sie swarz unde wîʒ durch underscheiden strîchen vaterunser 1165. — bildl. der strîche wîplich güete dar MS. 2,252. a. alsô nim ich hie und dort ûʒ den künsten mîne wort — daʒ ich durch ein ander strîch Teichn. 143.
6. schaffe streichend weg. dô streich im diu süeʒe magt aben ougen bluot unde sweiʒ Parz. 692,16. swaʒ er sweiʒes ûf dem orse vant, den kund er drabe wol strîchen W. Wh. 59,15. dô streich er von dem munde 'ʒ pluot und kuste sînes herzen trût Parz. 270, 6. si twuogn und strichen schiere von im sîn amesiere das. 167,5. er selbe von den ôren daʒ geboume hine streich Albr. 24,6. du muost mit dînem hâre strîchen stoup von schâmel und von benken Gudr. 1019,4. — was ich ir hauff, das streicht si mir (wie das getreide mit dem streichholz) Hätzl. 1,98,5.
7. berühre streichend, streichelnd. mit der hant sie in streich Albr. 27,47. 22,29.
8. bes. vom spielen der streichinstrumente. dâ was werder knappen vil wol gelêrt ûf seitspil. irnkeines kunst was doch sô ganz, sine müesten strîchen alten tanz Parz. 639,10. sehs tûsent spilman die hôrte man dâ strîchen Dan. vgl. Bartsch Karl s. XXXII. s. unten ûf strîchen.
9. gebe streiche, haue, daʒ her si dicke streich daʒ ir rucke blûtete myst. 240,30. einen mit gerten strîchen Erlös. 4289. 4679. ob er daʒ kind streich mit eime rîs umb sîn unberihte wîs Teichn. 107. vgl. Suchenw. 8,221. her streich im eine smitze md. ged. 29,999.
10. diu gebot an sölhem topelspil kund er wol strîchen (steigern?) unde legen W. Wh. 427,26. die stelle ist dunkel; vgl. gebot und F. Bech in Pf. Germ. 7,433.
B. mit adverbialpräpos.
1. abe. daʒ kraut ist haiʒ und trucken und entlœst und klainet grôʒ materi und streicht ab alsô vast, daʒ eʒ wildeʒ flaisch abnegt Megb. 399,28. 415,7. dô mir der angeborne nebel geistlich wart ab gestrichen Frl. FL. 20,24. einem êre unde guot abe strîchen nehmen, rauben Pass. K. 43,63. 625,49. daʒ er sînem næhsten sîn êre ab strîchet mit liegende Griesh. pred. 1,51. — quicunque digitos sibi subtrahere vel de cruce deponere (bei der ablegung des eides) praesumserit, quod vulgariter abstreichen dicitur, quinque libras pro emenda solvat Brünn. str. s. 213.
2. an. seht wie diu frowe sich strîchet an sich putzt frauend. 603,15. kleit an strîchen anlegen, anziehen Nith. 50,1. 52,3. Rab. 9. a. sol der hantschuoch werden von den vrouwen an gestrichen krone 286. a. zwô scharlaches hosen streich er an mit grôʒem flîʒe an diu bein Wigal. 4088. kecsilber gaffer weiʒmel mit altem smerwe streich sie an Helbl. 1, 1148. wolde im des oleies heilikeit an strîchen Pass. K. 95,19. vgl. Zürich. jahrb. 52,21. diu salbe wart im an gestrichen troj. s. 244. a. swelch vrowe di (varwe) an strîchet, diust gar wol getân frauend. 564,16. sus wart diu lûter gotheit nâch dir geverwet, vrouwe guot. du striche ir an vleisch unde bluot g. sm. 786.
3. în. sô machet im diu swester ein muoselîn unde strîchet im eht în Bert. 433,33. 38.
4. ûf. dô geʒʒen wart, man hieʒ vidlær ûf strîchen Lohengr. 81. H. Trist. 622. vgl. Wackernagel lit. 103,21. strîchet ûf einen rehten hovetanz, die rehten hovestrîche Nith. H. s. 227.
5. ûʒ. dar nâch er begunde den tûvel ouch ûʒ strîchen malen Marleg. 16,19. zwei präwlen ûʒ gestrichen vein Hätzl. 1, 28,73.
II. intransitiv. streiche, ziehe, bewege mich rasch. als hilfswort tritt sein und haben hinzu; Gr. 4, 164.
1. das subject ist ein lebendes wesen. die boten strichen sêre Nib. 1229,5 L. sie strichen swaʒ sie kunden die tage zuo der naht Gudr. 1656,1. er hâte, hete gestrichen sêre, vaste krone 215. b. H. Trist. 1161. — ir sult sie der sunnen haʒ heiʒen strîchen Bert. 6,26.
b. mit präpos. ist gestrichen in diz lant Parz. 67,24. er quam gestrichen in ein habe Albr. 33,528. strîchet rehte in gotes haʒ H. zeitschr. 8,291. vur ir vûʒen entweich daʒ mer dô sie dar uber streich das. 33,74. daʒ ich underʒ here strîche En. 181,40. dô ich für den Rôhas durch âventiure gestrichen was Parz. 496,16. sie strîchen vor sich vorwärts und îlen Leys. pred. 136, 26. strîchen gegen einem Pass. K. 66, 15. gegen Samelande Jerosch. 127. b. mit einem MS. 1,85. b. nâch einem Genes. D. 75,17. büchl. 2,47. Gudr. 702,4. zu sîme dorfe Leys. pred. 73,7. die vische sint lîhte ûʒ dem bache gestrichen ûf die sæte Ls. 3, 219. hieʒest in ûʒ dînem hûse strîchen Bert. 468,30. du heiʒ von disen rîchen dise menige strichen Exod. D. 149,13. durch daʒ hieʒ in strîche sîn vater von dem rîche verbannte ihn Albr. 24,234. wære ich niht gereite von in gestrichen unde komen troj. s. 111. c. balde von mir strîch! Bon. 55,24.
c. mit localadverbien und adverbialpräpos. hieʒ si enwec strîchen Iw. 18. was besît gestrichin Jerosch. 134. b. verre strîchen Parz. 506,36. 767,23. Walth. 35,6. fürder das. 70,21. troj. s. 167. b. dar Parz. 376,27. Barl. 225,8. dan Parz. 799,14. danne Genes. D. 25,3. von dannen Pass. K. 151,74. erne wolte dan alein gestrichen sîn dâ hin krone 41. a. 71. b. der valke al mite streich Parz. 282,12. nâch strîchen Iw. 178. 163. Parz. 59,21. einem Albr. 1, 949. 17,18. Jerosch. 177. d. ich hân dir vil gestrichen nâch Barl. 42, 21. vgl. Pass. K. 323,2. er streich im alleʒ hin nâch Diemer 26,9. streich ûf an sînen pfat, gegen der wilde Trist. 17493. 2559. die boten für strichen eilten voraus mit den mæren Nib. 1653, 1. wider strîchen Genes. D. 63,26. Parz. 652,29. Lanz. 2862. troj. s. 125. a. 166. c. hin widere kchron. D. 211,11. zû strîchen Herb. 4583. quâmin menlichin dem lande zû gestrichin Jerosch. 113. b.
d. mit räumlichem accusativ. strîchent iuwer strâʒe von mînes vater ougen troj. s. 168. a. er hieʒ in strîchen sînen wec Er. 5487. sînen wec er vür sich streich krone 171. b. er streich hin wec unde pfat, walt unde berge das. 213. a. mit baren füeʒen ungeschuoch streich er walt unde bruoch Gregor. 2596. niht wan durch des grâles kraft streich er waʒʒer unde lant Parz. 479,23. — mit accus. des masses. dô was si manic mîle gestrichen und geriuschet troj. s. 69. c. ich hæte maneg mîle des tages dar gestrichen Parz. 491,25.
2. das subject ist ein ding. dâ irsach er in der vrist ein schif strîchin her abe Jerosch. 128. a. hie mite strichen die kiele hin Trist. 11649. in streich diu liebe, ir erbepfluoc, niewan an iegelîchem trite unt ze iegelîchen stunden mite das. 16846. der schuʒ im dô misseriet, wand er im enebene streich und gehafte in einer eich Albr. 19, 299. dô sach ich ein waʒʒer gegen mir her strîchen das. 14,47. swaʒ ûf mich nu strîchet ûwerre valschen wort wint, der kraft ist kranc Pass. K. 177, 58. — der tag der tuot her streichen Hätzl. 1,17,69. 14,5. ir prîs kan sô hôhe strîchen MS. 1,84. a. — ein eich, der hœhe ûf in die lüfte streich H. zeitschr. 7,380.
3. strîchen lâʒen.
a. lâ, sprach si, lâ strîchen beeile dich! ich wil der marter vrô sîn Pass. K. 329,26.
b. si lieʒ strîchen einen pflûc dâ durch zu urkunde, daʒ nieman vurbaʒ vunde, waʒ dâ gewesen wêre Pass. K. 275,92. lât von ûch strîchen allen vorchtlîchen sin das. 48,74. si lieʒen dar strîchen mit verhancten zoumen diu marc Lanz. 4468. diu ros si nâmen mit den sporn und lieʒen zsamne strîchen Er. 9083. zesamne lieʒens strîchen (sc. diu ros) das. 766. dâ mite lieʒens strîchen dar ûf die dickesten schar Lanz. 3285. lieʒ dar strîchen Karl 5490. dô lieʒen si dar gâhen und dar nâher strîchen troj. s. 189. a. si lieʒen ritterlîchen gein ein ander strîchen leseb. 646,1. vgl. ich lâʒe bd. 1,948. b die ellipse wird kaum gefühlt, wie folgende stelle zeigt: von Munsalvæsche wâren sie, beidiu ors, diu alsus hie lieʒen nâher strîchen ûfen poinder hurteclîchen Parz. 679,25. nu loset wie diu nahtegal dar nâher strîchen lât ihren gesang erschallen lässt Nith. 23,2.