gemerke,
gemerk,
n. coll. subst. zu marke, mark
und subst. verb. zu merken,
welche beide sich nicht trennen lassen, so weit die bedeutungen zum theil aus einander liegen. 11)
zu marke, mark
als grenzzeichen, grenze, ahd. gimerchi
confinium, fines Graff 2, 849,
alts. gimerki
nach altnl. gemerki
termini Heyne
kl. altnd. denkm. 143
a,
mhd. gemerke.
auch gemärke
geschrieben (
s. a),
nebenformen s. u. e. 1@aa)
auch im 16.
jahrh. noch von den grenzsteinen oder zeichen als ganzes, ahd. mhd. nicht bezeugt, und musz doch die älteste bed. sein: achte ich, wir können besser bei unsern guten Deutschen bleiben, weil es uns zumal nicht von nöten, das wir das wörtlein mark aus der griechischen sprach herholen, sondern das deutsche, davon es deriviret worden, noch teglich im brauch haben, wenn wir sagen, das man gemerke an die grenzen gesetzt, denn dannenher eigentlich ein mark gesagt wird. Albinus
meisznische chron. (1580) 214; weisen, dasz ein gnädiger herr von Sassenheim das recht habe .. den weidgang und viehtrieb mit rinderen und schafen ... zu treiben, so weit sich Sassemer ban in den
gemärken ausweiset.
Luxemb. weisth. 648,
an den grenzsteinen erkannt wird. ebenso mark,
gemark (
s. e): it. ein stuck oben an dem breiden veld ... das hat sein mark umb und umb mit steinen, it. ein stuck uf der steinreuszin, hat sein gemark umb und umb.
weisth. 5, 683. 1@bb)
dann die grenze oder grenzen selbst (grenze
ist ein slav. fremdwort): nu kêren datz Gemünde wider .. ze tal an die Smidâ (
flusz), diu sol daʒ gemerke (
des landes) sî
n. Helbl. 4, 219; wie sie (
die stadt) an den grentzen und gemerken des heiligen reichs gelegen.
kais. privileg für Lübeck vom j. 1473,
s. Haltaus 638. 1@cc)
das grenzland, diesseit oder jenseit der grenze, oder beides zugleich (
s. '
confinium'
vorhin),
das letztere z. b.: ich hân iuwern bruodernoffenlîche widerseit. si bringent vil der vîndeûf daʒ gemerke breit. wir vehten nâch dem rehte,daʒ sol uns got beschern: mit drîʒic tûsent heldenwil man uns daʒ gemerke wern (
vertheidigen).
Berl. heldenb. 3, 119,
das erste gemerke
das grenzgebiet als kampffeld (
deutlich an breit),
das zweite die grenze und das dadurch geschützte land. das ungerisch gemerk,
Ungarn als grenzland u. ä.: (Carolus) schicket seinen sun Pipinum in das ungerisch gemerk, dasz er das land bezwung. Meisterlin
Augsb. chron. 60, 11; it. ir sollent erfaren .. waʒ straszen gein Lamparten gent und wie si sint und die gemerke.
Frankf. reichsc. 1, 577,
weisung könig Ruprechts an seine gesandten zum behuf des Römerzugs; man versicht sich, unser herre der konig (
Sigmund) werde von hinnen (
von Ulm) die Donauwe in faren uf das gemerke gein Beheim. 332.
mhd. bei Jeroschin pôlensch gemerke 132
b, daʒ rînisch gemerc 174
d u. ä. 1@dd)
auch gebiet, bezirk überhaupt, doch gern mit besonderm bezug auf die grenze: it. ist geschriben (
von könig Ruprecht) herzog Bernhard und herzog Heinrich von Brunschwig ... dasz ir einer ... wolle mim herrn zu dinst kommen (
zum Römerzug) ... so wolle in min herre uf hundert mit gleven (
lanzen) iij
m. guldin zu solde geben, und sal der sold angeen, so sie fur Erfurt kommen oder daby in dem gemerke.
Frankf. reichsc. 1, 91; bisz dahin (
bei Neuburg) ist die zugehöre gen Nürenberg beschriben, darnach bisz auf Augspurger gemerk, das vor zeiten auf Werd und an den Albuch geraicht hat. Meisterlin
Augsb. chron. 50, 17.
auch für gerichts- und pfarrbezirk: dasz ein iegelich ordelich gerichte sinen kreis und gemerke habe und eins in das ander nit richten sol. Haltaus 638; das ein ieder an seiner pfarr rifier und gemerk bengig, keiner dem andern in sein pfarr griff. S.
Frank chron. 274
b. 1@ee)
dazu nebenformen, einmal ein fem. gemarke (
s. d.)
und ein n. ahd. gimarch (
wie marc
n.)
confinium Schm. 2, 614. 613,
das noch in dem nhd. gemark
unter a vorliegen kann, dann aber in vollster ausprägung ahd. ein f. gimarchida
und ein n. gimarchidi Graff 2, 849,
die noch mhd. erscheinen (
mnd. merkede
wb. 3, 75
b): der
gemerkede ind gemeinde vurg.
weisth. 2, 761,
rhein. vom j. 1369,
auch noch ohne umlaut in den gemarcden, in der gemarcden ind in der gemeinde 759. 760;
als n. und in der endung vergröbert baierisches
gemercht, pl. die gemerkt Lexer 1, 845; in allen unsern landen, gebieten und gemerkten.
deutsche reichstagsacten 1, 197.
auch mit angleichung des -kt
rheinisch 14.
jahrh. die gemartte
weisth. 2, 777.
s. auch u. 2,
b, gemirk
u. 2,
d. 22)
merkzeichen, kennzeichen, merkmal u. ä., einstmals in sehr manigfaltiger verwendung, und so, dasz es zugleich in ein subst. verb. zu merken
übertritt. auch nd. gemerke
nota Dief. 383
a,
nl. ghemerck,
nota, notatio, argumentum, conjectura, vestigium Kilian. 2@aa)
im eigentlichen sinne z. b. zeichen an einem kornhaufen, zum messen: tessera, gemerk eins kornhaufen,
quibus frumentorum numerus designatur Brack
voc. Lpz. 1491 Eiij
a, Dief. 581
a.
zeichen in einem gefäsz, zum sicheren messen oder zum eichen der gefäsze: man schüttet getrayd in einen hölzernen zuber, merkt in selbem mit einem messer, wie weit das eingeschüttete trayd gehet ... schüttet alsdann so viel wasser in dasselbe geschirr, bisz es an das gemerk reiche, wohin das getrayd im geschirr gangen ist
u. s. w. Hohberg 2, 30
b; alle müller sollen einen malzkasten mit sonderlichen gemerken, wieviel von 6, 3, 2 und 1 scheffel gersten es malz sein soll, haben.
reuszische tranksteuerordn. 1657 iv.
bergm. gemerk,
signum mensurae in fodinis Frisch 1, 659
b, gemerke schlagen,
signare, wann der markscheider seine zeichen bei dem messen macht und der geschworne seine zeichen auch dazu setzt. das., s. Veith 229.
das musz die erste bed. sein, obschon so spät bezeugt. 2@bb)
auch gemerke
als zeichen auf schild und helm u. ä. wird alt sein, obwol spät bezeugt: gemerk im schild.
Harnisch 25; die schiltzeichen oder waffengemerk (so man wapen nennet). Fischart
vorbericht von ursprung der emblematen, kloster 10, 942, ehr- und wehrgemerk 943,
vergl. s. 944
von den schiltmalen und helmkämmen der Griechen bei Homer als gemärken; zwar wust' er am gemerk' und zeichen für gewisz, das es ein groszer held und rittersmann sein müsz'. Werder
Ariost XXIII, 72, 3; theils (
manche) setzen ihrem helm Dianen-hörner auf, und was dergleichen mehr der unbedächtlich hauf für ungereimts gemärk aus fürwitz ihm erwählet. Rompler 151.
auch in fahnen: ein ieder wagen (
im kriegsdienst) het ein eisnein venlein, an dem was ein zeichen gemacht,
es ist nachher gemerk
genannt Nürnb. chron. 2, 258, 33,
mit var. gemerkt; gleichwol kondt er nicht die zeichen oder
gemerkt der fänlein erkennen.
Amadis 6, 515,
also die nebenform u. 1,
e auch hier, vergl. ahd. kimarchida
conditio Graff 2, 849,
doch noch in ganz anderem sinne (
s. u. 5). 2@cc)
ähnlich als städtische marke auf kaufmannsgütern in verpackung: item was hier (
in Leipzig) gepackt ist, das sal man mit einem sunderlichen gemerke zeichen (
zeichnen).
Leipz. urk. 1, 314,
rathsordnung von 1464,
d. h. dasz es als in Leipzig verpackt auch auswärts sich ausweisen konnte. es wird des raths gemerk
sein, das z. b. in der weinordnung von 1536
erscheint, in des weinkiesers eid: und welchen wein ich rechtschaffen befunden, (
will ich) an den selben des raths gemerk, so darzu gemacht, drucken.
Leipz. stadtordn. 1544 J iij
b,
zugleich als stempel. leute im dienste der stadt trugen der stadt gemerke
an der kleidung: dy der staid gemerke dragen an eren cleidern, deme wil der rat sinen schaden an deme hus (
das bei einer feuersbrunst niederzubrechen ist) wedder leggen (wider legen,
ersetzen).
Erfurter feuerordn. aus dem 14.
jahrh., berichte der deutschen ges. zu Leipzig 1838
s. 15; das dy stad ouch habe virzig junge starke man (
als helfer in feuersnot) .. unde haben under sich einen obirsten hobetman .. und tragen der stad gemerke an eren furharnasche. 16.
am vieh als zeichen des besitzers: dem viehe ein gemerk machen,
pecori signum imprimere Stieler 1270,
vergl.brandgemerk
stigma das. 2@dd)
ähnlich weiter gemerk
als handzeichen unter einem briefe, statt siegels, z. b. ein brief mit politischem inhalt an den Frankfurter rath von seinem abgesandten in Nürnberg im j. 1438
ist unterzeichnet: gegeben under myn (
für mym)
gemirk, wan ich myn ingesigel nit by mir han.
Frankf. reichsc. 1, 450,
ein zeichen wie es z. b. auch die steinmetzen führten, die kaufleute noch auf ihren waarenballen, den sog. hausmarken ähnlich, als vertreter des urhebers dem mitgegeben, was von ihnen ausgieng; s. auch das gemerk
der berggeschwornen u. a zuletzt, es hat zugleich etwas geheimes (
s. e).
übrigens ist auch das siegel selbst mit seinem zeichen ein gemerke,
daher: vorsigelt mit eime sulchen gemerke .. Lexer
nachtr. 192. 2@ee)
besonders auch zeichen mit besonderer, auch versteckter oder geheimer bedeutung, sundere zeichen und gemerk,
secretae notae Maaler 167
d. 2@e@aα)
charakter, gemerke, malzeichen. Dief. 99
b (16.
jh.),
nota, gemerk, gemirke (
auch merk),
nd. gemerke 383
a (15.
jahrh.); darnach unterscheiden und zeichnen sie dieselbigen propfreiser mit etlichen zeichen oder gemerken.
Micylls Tacitus 440
b.
so musz es schon mhd. im folg. gemeint sein: die sûʒikeit, die der heilige geist in uns wirkit, die kunne wir nicht betrachten noch bedenken (
zum gegenstand des denkens machen), wan si inmac in bilden noch in formen noch in gemerken nicht begriffen (
umfaszt) werden.
myst. 1, 126,
doch ins innere versetzt, denn bilde
und formen
sind ideen, begriffe innerer anschauung. auch das wort selbst ist ein gemerk
seinem begrifflichen inhalt gegenüber: das wort, welches nur wie ein äuszerliche losung, zeichen und gemerk sei. Luther
tischr. 1, 28.
vielleicht auch von gesangnoten: gemerk oder gesanknot,
nota. voc. th. 1482 lij
b,
obwol sich das oder
auch blosz auf nota beziehen kann. 2@e@bβ) gemerke,
merkzeichen die man unter die marksteine legt Frisch 1, 659
b, gemerk oder geheimnis der schieder beim marksteinsetzen. Schm. 2, 619
aus würzb. verordnungen. 2@e@gγ)
als merkzeichen nur für die eingeweihten: seulen so an der straszen in scheidwegen stehen, da wil ich schreiben Pythicus .. darzu zu welcher statt und volk ich zogen, das soltu dergleichen auch thun und schreiben Pythia, das sol unser gemerk sein.
buch d. liebe 199
b; es haben aber gemelte lantzknecht (
auf der gart, d. h. dienstlos) ein gemerk, wo sie ire herbergen nachts haben, da malen sie an die stubentüre burgundische crütz mit östen (
ästen). Wickram
rollw. 64, 8,
als merkzeichen für die genossen. 2@e@dδ)
die emblemata, die im 16. 17.
jahrh. beliebt und sehr entwickelt waren, nennt Fischart gemärk
klost. 10, 944, kunstgemärk 945,
sinnbilder mit versen voll geheimer andeutung. 2@e@eε)
auch ein chronostichon, ein vers, in dessen buchstaben man eine zahl zu verstecken liebte, wird so genannt: ein gemerk der zal.
städtechron. 15, 20,
es folgt ein lat. vers, in dem die jahrzahl 1513
versteckt ist. 2@ff)
merkzeichen, merkmal, kennzeichen überhaupt. 2@f@aα)
z. b. ein gemerk
für die schiffer, den rechten curs zu zeigen: die beiden zeichen auch (
war er) bereits vorbeigezogen, die von dem Hercule weit in das heer hinein, den schiffern zum gemerk', erhoben worden sein. Werder
Ariost VI, 17, 8.
ähnlich geistig, vorbild und ziel für bestrebungen: Justinianus selbs, so dich der ganzen wält zum ewigen gemärk und beispiehl vorgeställt .. Rompler 152. 2@f@bβ)
ähnlich gemerk
als signal, im kriegsleben: nachtszeiten werden in mastkörben durch liechter, latern und dergleichen gemerk und erkündigung geben. Fronsp.
kriegsb. 1, 164
a.
auch mit dem horn gegeben: gaben ihren gesellen mit einem horn das gemerk. Stettler
Schweizerchron. 1, 33. 2@f@gγ)
die platte als gemerk
der cleriker: so wird die platt gewisz nicht mehr sein der geistlichkeit gmerk und ehr. Fischart
bienenk. 155
b;
ähnlich und doch ganz anders von einer glatze: Samson schlief bei Delila und verschlief sein haar und stärke: solcher schlaf bringt auch noch heute solche beut und solch gemerke. Logau 3, 4, 52. 2@f@dδ)
merkmal überhaupt, auch unsinnlich: wir urtailn und ercleren, das du .. in kain ansenhen (
ansehen, schein), verdacht oder gemerk des irrglaubens ketzery verfallen syest. Reuchlin
verst. 8
a; die zeichen und gemerke der accidentien oder zufällen der wunden. Würtz
wundarzn. 14,
symptome; ein ieder mensch hat ein gewisses gemerk an der stirn,
frons index animi (
physiognomisch). Stieler 1270; das erste schreien hält man vor ein zeichen des lebens, und der letzte starke seufzer ist ein gemerk des todes. Scriver
Gotth. 991; nicht das geringeste gemerke eines verstendigen und gelehrten menschen ist es, recht und wol schreiben. Gueintz
deutsche rechtschreibung ij
b; des adels hoffarb und gemärk ist weisheit und beherztes leben. Rompler 85; dasz der sinn es redlich meine, haben wir nur ein gemerke, wann nicht worte bleiben worte, sondern worte werden werke. Logau 3, 1, 39.
es hiesz sein gemerk haben an, nemen aus
oder von
etwas: und het (
beim pferdekauf) am ziehen sein gemerk, ob das ross lang leben würd. und was sein gemerk also ..
Eulensp. hist. 65; ein gemerk woran haben,
cognoscere ex signis quibusdam Stieler 1270; sy (
die Druiden) wyszagtend künftige ding und namend ir gemerk aus den loszungen, vogelgesang und abnemmungen der menschen und thier. Stumpf
Schweizerchron. 1, 103
a; ein gemerk nemmen,
augurari conjectura, conjectare Maaler 167
c,
z. b. ein gemerk ab den vöglen nemmen
u. s. w., auspicari das. es geht zugleich in 3,
b über. 2@f@eε)
beim jäger spur des wildes, bes. blutspur des angeschossenen wildes: der hirsch schweiszt oder gibt ferten oder gemerk. Meurer 86
b; die sauen schweiszen, faschen, geben gemerke. Heppe
leith. 112.
bei der fuszspur: dem hirsch (
im unterschied von der hirschkuh) gehet mitten durch den fusz ... ein klein fädemlein .. aus dem fädemlein (
geht) ein gemerk einer erbesz grosz.
weidwerk 1, 36
b (
s. u. burze). 2@f@zζ)
im 17.
jh. vom grammatischen artikel: die articuli oder gemerke.
erzschrein der fruchtbr. ges. 290,
d. h. der artikel als kennzeichen des geschlechtes behandelt. 2@gg)
bemerkenswert auch von punkten und linien als vorgemerkten zeichen: aber teil ich die aufrecht lini .. mit dreien punkten in vier gleiche felder .. dann zeuch ich die gestaltlinien (
contouren) des fuosz in dise gemerk. A. Dürer
von menschlicher proportion E 4
a; und wo die krumme (
linien) die schlemen (
schrägen) durchschneiden, aus denselben punkten zeuch ich kurze linien zu einem gemerk. E 3
b. 2@hh)
daher vielleicht ein klein gemerk, gemerkchen,
wenigkeit, kleinigkeit: die mondenfinsternis macht sonst der erde schatten, auch wenn die dunkelheit gleich nur ein klein gemerk. Wiedeman
aug. 72; es ist um ein klein gemerkchen dünner, gröszer, länger
u. ä., exiguo momento subtilior etc. Weber 340
b.
noch jetzt landsch. ein merkchen,
eine wenigkeit, die eben noch zu merken ist (
s. u.merk n.). 2@ii)
eigenthümlich aber auch menda gemerke Dief. 355
c,
merda gemerch 357
b,
menda, i. e. macula in libris non emendata, gemerk Dief.
wb. v. 1470
sp. 180,
also ein klecks; vielleicht eig. ein schreiberwitz, der klecks als merkzeichen, nota behandelt nach der bed. u. e. 33)
als subst. verb. zu merken
von geistiger thätigkeit. 3@aa) gemerke
beim zielen, es steht zugleich auf der schwelle zwischen dieser und der vorigen bed., da ja das zielen nach einem äuszeren gemerke,
zielpunkt geschieht (gemerk,
ziel Henisch 1487): dô wart ein rîchiu just getân .. nû trâfen si vil rehte beide nâch ir gemerke.
Erec 6916,
gerade wie sie gezielt hatten mit den speeren; ein brûdir daʒ gemerke nam zû im mit eime pfîle und schôʒ in
u. s. w. Jeroschin 5154,
vergl. 11846,
wo daʒ gemerke
an der armbrust das sog. korn oder absehen sein könnte. ein schlechter schütz entschuldigt sich: dem stäckt das zil nit glich (
passend) als ee und kan syn gmerk nit haben me. Brant
narr. 75, 25.
bei der fechtübung: het sein gemerk auf die vier blösze, schwäche und sterke
u. s. w. Garg. 188
b (
Sch. 348),
was zugleich ins folg. übergreift. 3@bb)
diesz übertragen auf geistiges scharfes aufachten, ins auge fassen, in acht nehmen u. dergl. (
vgl.aufmerken, aufmerksam),
beobachtung, wahrnehmung u. ä.: ô sûʒir got, nim in gemerc, waʒ er .. hât getân (
groszes) .. und breng in ûf der wunnen berc. Jeroschin 25122;
nhd. sein
oder ein gemerk haben,
auch gemerk geben auf
etwas: dem (
pfaffen) manglet gar nichts, dann das er nit wissen kund, wann es sambstag oder suntag was, dann er sich gar nichts auf den kalender verstuonde, iedoch hat er ein sunder gemerk auf die tag. Wickram
rollw. 83, 24; es sol auch ein jeder (
kriegsknecht) .. schuldig sein, wann man zu dem evangelio umbschlegt oder blosen würdt (
zum feldgottesdienst auffordert mit trommel oder horn), dasselbig fleiszig anzuhören und gemerk darauf zu geben. Fronsp.
kriegsb. 3, 18
a; sie gab in dieser red' auf der Marfison stärke, auf ihre tapferkeit und schönheit ein gemärke. Werder
Ariost XXIX, 80.
auch ein gemerke nemen,
erkennen (
vgl. sein gemerk nemen
unter 2,
f, δ): als aus deiner sinnen stärke Jupiter nam ein gemerke, dasz du durch so kühnes streiten würdest bis zu himmel schreiten
u. s. w. Logau 1, 1, 15.
auch bloszes gemerk
für beobachtung, wahrnehmung (
vergl.bemerken): nach meinem gemärk hat jedes ab dem andern ein solch gefallen, wie zwei liebhabende menschen pflegen.
Amadis 6, 453.
schon mhd., in philosophischem gebrauch, z. b. geistlîch gemerke
myst. 1, 219, 33, sinnelîch gemerke Eckhart 481, 3,
innere wahrnehmung, denkende beobachtung u. ä. (
vergl. Kramm bei Zacher 15, 22), daʒ gemerke gotes (
obj.) 530, 21,
es ist
etwas in unserem gemerke 241, 24,
im bewusztsein als gegenstand denkender anschauung, vgl. vorhin in gemerc nemen. 3@cc)
daher geradezu für verstand, von menschen und thieren: auch der poet Ovidius das zeugnis ihnen (
den gänsen) geben musz, dasz ir gemerk viel schärfer sei, dann keines hundes.
ganskönig G 3
a; und haben das gehör so rein und das gemerk so eigentlich (
genau), dasz sie auch leicht verstehn, wann sich ein unstät wetter will erheben. G 4
b; andrer leute mängel richten ... taugt mit nichten ... andrer mann hat auch ein haupt, sein gehirn und sein gemerke. wie wann ihm auch deine werke (
thaten) durch zu suchen wär erlaubt? Logau 3, 210 (
s. 627
Eitner). 3@dd)
auch vom gedächtnis (
wie merken), er hat ein schwach gemerk, ein scharfes gemerk Stieler 1270, ein schlechtes, ein gutes gemerk haben Adelung, '
doch nur im gemeinen leben'
; es ist z. b. noch bair., e guets gmirk haben Schm. 2, 619,
der es auch aus älterem bairisch belegt. auch folgendes ältere nrh. gemirk
musz wol gedächtnis sein, festhalten im geiste: wat doich (
taugt) gelove sonder werk, verstentenisse sonder gemirk
u. s. w. Haupt 15, 372.
auch in anderm sinne, bei Fischart ehrengemerk,
ehrengedächtnis Garg. 267
b (
Sch. 506), ehrgemerk
flöhh. 3103 (
Kurz 2, 83), ewiges gemerk,
memoria immortalis Stieler. 3@ee)
auch schriftliche bemerkungen fürs gedächtnis gemacht: Columbus hatte aus eines alten seefahrers gemerk und carten (
entnommen) ..
zeitvertreiber 1668
s. 45,
wie man sich etwas zum gemerk
aufschrieb: zum gemerk habe ich mir aufgeschrieben .. Schweinichen 2, 194. 44) »
bei den meistersängern zu Nürnberg ist es ein mit vorhängen verhängtes pult, an welchem die merker
oder vorsteher der zunft sitzen« Adelung;
ebenso anderwärts, z. b. in Straszburg, wo sich die zunft bis 1781
erhielt, »
ihre übungen bestanden im improvisiren und absingen von gedichten, welche sodann von alten mitgliedern, die herren im gemerk
genannt, beurtheilt wurden« Arnold
pfingstmontag 170,
s. auch s. 171,
wie sich die richter ins gemerk setzen.
nach folgendem auch auszerhalb der zunft gebraucht: nachdeme er den andern lateinischen poeten, wie von allen des gemerks verordneten richtern erkennet worden, obgelegen. Spangenberg
aller weish. lustg. 644.
es gab übrigens auch schriftliche gemerke, Wagenseil
führt in seinem buch von den meistersingern s. 520
unter seinen quellen mit an: tabulatur und gemerk der teutschen meistergesänge,
d. i. warhaftige und gründliche erklärung aller artikel, was in denen meistergesängen für sträflich oder unsträflich sol gehalten werden,
also was sonst die merker,
die im gemerke
saszen, merkend prüften, rügten, hier in schrift verfaszt als gemerk. 55)
hervorgehoben sei noch ein mhd. ein gemerke swern,
das noch eine ganz andere bedeutung ausweist; kaiser und fürsten treffen, ehe sie das land verlassen, gewisse verfügungen für die wolfahrt des landes, das lantvolk gemeine,
d. h. alle betheiligten im lande, leisten einen eid darauf: daʒ lantvolk des gemeine swuor ein gemerke, die herren lobtenʒ: dâ mit vuor heim ie der man.
Lohengrin 7281.
es musz wol derselbe begriff sein, der ahd. vorliegt in kimarchida (
zur form s. unter 2,
b),
conditio, dispensatio, markôn, gimarkôn
constituere, definire, deliberare u. ä. Graff 2, 489
fg., also vereinbarung, festsetzung u. ähnl., ein begriff der auch von der verständigung über streitige gränzen ausgegangen sein kann.