Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gelimpfen
2 ‘etw. (bei jmdm. [Dat.]) angemessen finden, gutheißen; (jmdm.) etw. nachsehen, gestatten’
2.1 mit Akk.d.S.
2.2 mit Gen.d.S.
3 ‘jmdn./etw. mutwillig, achtlos behandeln, verspotten’
4 refl., ‘sich freundlich zeigen, sich angenehm machen’
1 ‘angemessen sein’ (vgl. ahd. gilimphan stV., AWB 5,1000ff.): swelch kint schimpht, der schimphe alsô / daz man dervon nien werde unvrô. / bœs ernst kumt von bœsem schimphe: / man sol schimphen daz ez glimphe WälGa 662. – subst., ‘Angemessenheit, angemessenes Verhalten’ si sol sprechen, lachen unde schimphen, / alsô daz si sich tiure mit gelimphen RvZw 44,8 der kunic den ernst scheiden / begunde mit schimphen; / des kund im mit gelimphen / der burcgrâf antwurten wol [eine passende Antwort geben] Ottok 13312; WhvÖst 14512 2 ‘etw. (bei jmdm. [Dat.]) angemessen finden, gutheißen; (jmdm.) etw. nachsehen, gestatten’ 2.1 mit Akk.d.S.: wan [...] si [ untrúwe ] so manig unselig man / geraten und gelimpfin kan, / davon si leidir tegelich / meret unde breitet sih RvEWchr 27640; die mirren und den wirouch / begonde er [Gott] für daz dimphen / der [als Brandopfer dargebrachten] kelber sit gelimphen KvWGS 1406; getriuwer sun Achille, / kein übel dû gelimpfe! / unhovelicher schimpfe / niht lache, noch ensmiere! KvWTroj 15015. 33882. – sin swester och, Marie, / dú wolt im stete gelimphen / sin ritterliches schimphen SHort 6297; doch wizzest, daz min [des Evangelisten Johannes] heilickeit / gein im [Johannes dem Täufer] ist niht gebere. / davon so hast du mangen tak / unrehten krieg gehalten, / dez ich dir niht gelimpfen mak, / du solt sin niht me walten! HeinzelJoh 35,3; StRZürich(B) 61,35; MinneR439 562. – mit daʒ-Satz: dar umbe soltû mir vergeben / daz ich dir niht gelimpfe nû [...], daz dû / vor gotes ougen schuldic stâst KvWSilv 2471; Hätzl 1:23,13. – mit zusätzlicher Präp.-Gruppe: diz begundens ir gelimpfen [zum Guten auszulegen] / ze tugenden und ze höfscheit Tr 15616; subst.: mac ieman widerbringen / ein brechen rehter stæte? [...] / mac ieman kein gelimpfen dar zuo vinden? Hadam 523,5 2.2 mit Gen.d.S.: die dir dines unzúchtigen schimpfes under dine oͮgen [d.h. in deiner Anwesenheit] gelimpfen, die geben dir dar nach in irer bescheidenheit ungelimpf und getruwen dir dest minder Seuse 485,10 3 ‘jmdn./etw. mutwillig, achtlos behandeln, verspotten’ swer der kindre got glymphet / odir en me beschymphet, / verterbet sal der werden Daniel 1607; mit Ersparung des Obj.: darzû [Hostienschändung] sî sprâchin glimpfinde / unde hônlîch schimpfinde NvJer 23550. – subst.: gebunden sie en [Christus] vurten / zu Annam unde rurten / en schentlich mit gelimpfen Daniel 4201 4 refl., ‘sich freundlich zeigen, sich angenehm machen’ ez stôzent künige lant an dich, / die habent sich gen dir gesterket. / hâstû die lêre mîn gemerket, / enprîs dich in (daz ist mîn rât), / daz si sich müezen gelimphen / als ein wolf, der vor dem löwen stât KgTirol 35,6; nu wizzet, daz er [Fahrender] den nuz harte erarnet. / dâ von er sich den liuten muoz gelimpfen Litschauer 1:4,9
MWB 2 350,63; Bearbeiter: Bohnert