Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gegenwurf stM.
2 ‘Gedanke’
3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’
4 ‘Antwort’
5 ‘Gewährung’
6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen)
1 ‘Objekt, Gegenstand’ nu ist got alleine der eiginliche widerworf der minne, alse di varwe ist der geginworf des augin Parad 133,1; Vorsmak P 442; der engel [...] schouwet sunder underlâz, und sîn gegenwurf ist ein vernünftic wesen [Gott] Eckh 3:336,7; di geginworf der fornuft ist wesin, und daz allir erste daz wir bekennen an eime iclichin dinge, daz ist wesin Parad 90,16; dar vmbe enphintnissi [Erfahrung] ist ein gegenwu̍rtigv̍ beruͤrde vnd bekennen des gegenwu̍rfes einer ieklicher kraft der sel RvBib 144,9; ez ist zesagen, daz der gegenwurf des glouben ist dü gotlichen ding, die da ungesihtig sint ThvASu 58,2; daz guot ist [...] übermitz sich selber [durch sich selbst] gegenwurf dez willen unde der begirde ebd. 272,6. – ‘Ziel’ waz ist eins reht gelassen menschen gegenwurf in allen dingen? daz ist ein entsinken im selb, und mit ime entsinkend im ellú ding Seuse 168,21 2 ‘Gedanke’ er wart gefraget, was sin gegenwurf weri, so er mess sang und er vor der stillen messe die prefation an huͦb: sursum corda! Seuse 27,18; und dis waz sin gegenwurf in den worten sursum corda ebd. 29,5 3 ‘Entgegengesetztes, Hindernis’ die minne tuͦt versincken in den geminneten. hie inne ist ein gegenwurf, daz ist die súnde; danne sint ander gegenwúrf, das sint grosse und swere bekorunge in vil sweren wisen Tauler 410,11; denne hat die minne einen andern gegenwurf ebd. 410,22 4 ‘Antwort’ dez ward im ein soͤlicher gegenwurf von got, dar an er enkeinen zwivel wolte han, daz er soͤlte der behaltnen eine wesen und von got niemer gescheiden hier umbe Seuse 81,1 5 ‘Gewährung’ der vorder gnadenricher lust verlekert [lässt verlangen] eins unweslichen menschen geist, daz er daz alle zit gern heti, und als im der gegenwurf froͤd birt, also birt im der underzuk ungeordnet trurikeit Seuse 174,26 6 ‘Subjekt’ (Träger von Seinsweisen): so ist die sele nach der wesunge der erste gegenwurf [ subiectum ] der erbesünden ThvASu 188,3. 188,6. 186,30 (statt der in dem Text gewöhnlichen Übersetzung von subiectum durch underwurf)
MWB 2 251,5; Bearbeiter: Tao