gegenbild,
n. bild im verhältnis zu einem andern bilde, und zwar in verschiednem verhältnis; seit dem 16.
jh., ob von Luther
gebildet? nl. tegenbeeld. 11)
im verhältnis zu einem vorbilde oder urbilde, dem es entspricht oder entsprechen soll, antitypus: darumb ist Adam ein bilde Christi ... doch
so, das dis bilde gar vil besser und ander ding, ja eben das widerspiel ausrichte des, das sein gegenbilde Adam gethan hat. Luther 6, 231
a,
das erste bilde
nach Röm. 5, 14: wie Adam, welcher ist ein bilde des der zukünftig war (
τύπος τοῦ μέλλοντος),
d. h. der zeit nach wie Christi vorbild, dann aber dem wesen nach sein gegenbild, abbild,
und Christus das urbild. so für entsprechendes abbild: den helden sing, der lange
die welt berg auf berg ab durchzog, das gegenbild von einer schönen zu finden, die aus dem reich der ideen herab gestiegen war, sein junges herz zu entzünden. Wieland 4, 3 (
Amadis 1, 1); schmeckt ganz gott Hymens süszigkeit .. und gebt uns an verträglichkeit und innerer zufriedenheit das gegenbild von Fulmers ehestande. Gotter 1, 82 (
s. die anm.); auch die gesichter meiner zuhörer erheiterten sich sogleich (
beim vorlesen des landpr. v. Wak. in Sesenheim) .. hatten sie zu Raymond und Melusine komische gegenbilder gefunden, so erblickten sie hier sich selbst in einem spiegel, der keineswegs verhäszlichte. Göthe 26, 26.
im auge: diesen (
primären oder ursprünglichen) kann man die secundären bilder entgegensetzen, als abgeleitete bilder, die, wenn der gegenstand weggenommen ist, im auge zurückbleiben, jene schein- und gegenbilder. 52, 102 (
farbenl. § 221).
im leben als gegenbild zum urbild in uns: jenes gemeinsame bedürfnis, zu allem, was die natur in sie gelegt hat, auch in der äuszeren welt die antwortenden gegenbilder zu suchen und dadurch das innere völlig zum ganzen und gewissen zu steigern. 37, 18 (
Winkelmann).
so philosophisch: eine vorstellung, deren gegenbild auszer der seele gar nicht angetroffen werden kann. Kant 2, 686; allen begriffen, die in seinem ich liegen, soll im nicht-ich ein ausdruck, ein gegenbild gegeben werden. Fichte
best. d. gel. 29; an der kraft, deren gegenbild die natur ist.
thats. d. bew. 177,
vgl. so gegenschein 2.
also bild
und gegenbild,
wie griechisch τύπος und ἀντίτυπος (
ἀντίτυπον),
dem es wol nachgebildet ist (
s. unter 2),
mittelst des gegen
welches ein vergleichen oder entsprechen ausdrückt, s. sp. 2217. 22)
aber auch mit hervorhebung des unterschiedes zwischen vorbild und nachbild, selbst eines gegensatzes, wozu sich gegen
gleichfalls darbot. so wol schon bei Luther
im folgenden: denn Christus ist nicht eingegangen in das heilige so mit henden gemacht ist, welchs ist ein gegenbilde der rechtschaffenen, sondern in den himel selbs.
Hebr. 9, 24,
εἰς χειροποίητα ἅγια,
ἀντίτυπα τῶν ἀληθινῶν,
vergl. v. 23 furbilder (
ὑποδείγματα).
von verschiedenem gegensatze, wobei auch der gedanke an ein vorbild ganz zurücktreten oder verschwinden kann: freilich, ein seltsamer contrast! die vernunft und die narrheit, zwei allerliebste gegenbilder! Weisze
lustsp. 2, 314 (
projektenmacher 5, 1); seine frugalität erstreckte sich so weit, dasz er, ganz das gegenbild seiner wolgenährten kollegen, so dürrleibig war wie eine heuschrecke. Musäus
strauszfedern 1, 2; und so ward sie (
die sprache bei Gottsched) wässericht und .. das gegenbild der alten deutschen kernsprache. Herder I, 375; sie (
Lavaters Schweizerlieder) sind nachahmungen, aber auch beinahe gegenbilder von den tugenden des Tyrtäus Gleim. II, 187; Philipp der zweite war in allem, was menschlich ist, das gegenbild seines vaters. Schiller VII, 56; die schöne seele (
Liane) errieth selten etwas ... eine schöne seele ausgenommen, so leicht ihr ebenbild, so schwer ihr gegenbild. J. Paul
Tit. 2, 166.
ähnlich, obschon nicht bloszer gegensatz: er hatte ehedem den plan zu einer societät der wissenschaften entwerfen helfen, welche speculativische wahrheiten gemeinnütziger und dem bürgerlichen leben ersprieszlicher machen sollte. auf einmal fiel ihm das gegenbild einer gesellschaft bei, welche sich von der praxis des bürgerlichen lebens zur speculation erhöbe. Lessing 10, 306.
zugleich wieder mit voller sinnlicher geltung von bild
und gegen: trifft es zusammen und wir sitzen gegeneinander, ich auf den rechten ellbogen, sie auf den linken gestützt und die köpfe nach verschiedenen seiten in die hand gelegt, so musz das ein paar artige gegenbilder geben. Göthe 17, 64 (
wahlv. 1, 5),
sich entsprechend und doch entgegengesetzt. vergl. gegenstück. 33)
auch mit mehr räumlicher auffassung des gegen,
z. b.: zwei ungeheure löwen .. vor dem thore des arsenals .. herrliche gegenbilder. Göthe 27, 137; ich weisz dasz beide seiten sich einander erklären, wie bei den münzen bild und gegenbild. Herder II, 261,
avers und revers, vgl. gegenseite 1.