ganster ,
funke, ein altes wort, noch landsch. 11)
gegenwärtig im bair. gebiete, tirol. ganstern
pl. feuerfunken Scnöpf 174 (
auch glanster
f. 192),
in Kärnten gânster
m., gânsterle
n., mit gânstern
funken sprühen, einen feuerbrand schwingen u. ä., s. Lexer 107. 22)
in älterer zeit 2@aa)
mhd. ganster, gänster,
pl. ganstern, genstern (
wb. 1, 462
a, Lexer 1, 735),
und zwar da auch in md. sprache, sowol in der östlichen hälfte (Leyser
pred. 77, 6)
wie in der westlichen z. b. bei Herbort 8759
u. a.: daʒ blôʒe ganster des geistes daʒ ist daʒ mens (
lat.). Eckhart 670, 38,
vgl.an dem obersten gensterlîn, dâ man gotlich lieht enphâhet 79, 6 (
wie der funke der sêle 480, 24);
also auch ganster
n. Auch mnl. ghenster, ghinster
f. Oudemans 2, 511. 685,
noch bei Kil. ghenster, gheynster
scintilla, und noch im 17.
jh. dazu gensteren
funkeln, genstrich
funkelnd Oudem. 2, 512,
während es bei uns längst vergessen war. 2@bb)
als die volle urspr. form aber erscheint 2@b@aα)
ahd. ganeistra
scintilla (
neben scintilla falewisca)
gl. blas. 91
b, Schm. 2, 50,
mit nebenform ganastra Hattemer 1, 11
b, gânistra Graff 4, 297;
das â
im letztern wird tonzeichen sein, und auf gánistra, gánastra
führt das mhd. ganster, gänster,
in der mitte liegt gaenester
wb. 1, 462
a (
das ae
meint wie häufig nichts als ă
in der umlautsform, die durch daneben gesetztes e
angedeutet ist, wie in u
i,
gleich ü.) 2@b@bβ)
daneben aber musz auch ganéistra
gesprochen worden sein, das zeigt mhd. genéister (
pl.)
Lanz. 2593
mit var. geneistern (
also stark und schwach, wie klafter)
und ganeister,
s. auch Germ. 3, 442
und 420, 5 (
md.)
; auch im 16.
jh. noch in einem bair. voc. v. 1530 ganayster Schm.
2 1, 916, ganaister Dief. 518
c aus Pinicianus
Augsb. 1520,
nl. geneister 228
a aus Calepinus,
hd. im 15.
jh. endlich auch gneister Dief.
n. gl. 330
b.
nach genáster
bei Altswert 156, 12
wol auch schon ahd. ganástra.
merkwürdig genug tirol. auch jetzt noch ganástern
funkeln neben ganstern (
s. d.). 2@b@gγ)
aber die älteste betonung und aussprache wird gán-èistra
gewesen sein, die sich nachher im rascheren sprechen theils zu gáneistra, gánistra, gánastra,
theils zu ganéistra
erleichterte. das ist wie öfter in zusammensetzungen, z. b. in den ahd. formen der elster, ágalàstra, ágalstrà
und agálstra,
vermutlich auch ágàlstra,
die sich unter galster
elster sp. 1204
ergaben. 2@cc)
doch auch stärker abweichend 2@c@aα)
einmal im auslaute gánehèista Graff 4, 297,
im 15.
jh. gánhèist
favilla Dief.
n. gl. 169
a, ganeist
scintilla Dief. 518
c,
mhd. ganeiste, geneiste, gneiste (
auch ganaist
f.),
s. wb. 1, 462
a,
die letztere wieder nach einer zweiten betonung ahd. ganéista,
während gánest Lexer 1, 735
auf eine dritte gáneistà
oder gáneist
zurückweist. noch im 16. 17.
jh. geneist Dief. 518
c,
demin. geneistlin
scintilla Dasyp. 217
c, gneistlin Schönsleder X 4
a. 2@c@bβ)
besonders aber im anlaute, mit wiederholung des n,
für die ich keinen anlasz sehe: ahd. gnanisto
igniculus, mhd. gnanaist Mones
anz. 7, 601, gnaneist, genaneist
wb. 1, 462
a, 32. 18. 2@c@gγ)
endlich mit glan-
für gnan-,
um das doppelte n
zu erleichtern, im 15.
jh. glanester, glenester
scintilla 15.
jh. Schm. 2, 94,
noch kärnt. glânster
m. funke. (
auch glân) Fromm. 2, 346,
cimbr. glanster
f. Schm. 125
a,
und auch statt mhd. gneister, gneiste
schweiz. gleisten
m. funke. Stalder 1, 453,
schon spät mhd. geleister Lexer 1, 735;
noch cimbr. glastera
f. Schm. 125
a,
in Luserna glâster, glanster
f. Zing. 32
a.
das wort war eben längst in die irre geraten und suchte nach neuer festigung, anlehnung. 33)
die entstehung ist doch an gán-èistra
noch zu erkennen, in dessen doppeltem tone die zusammensetzung sichtbar ist. 3@aa) gan
f. ist funke, mhd. und noch bair. (
sp. 1215),
woran schon Graff
dachte, in eistra
steckt mhd. eiten
brennen, ahd. eitan (
s. III, 391),
wie Wackernagel
sah, mit der bildung -stra,
eig. -stara,
fem. nebenform zu dem m. und n. -star (
s. kleister, galster),
ohne das s
und gleichfalls f. in klafter, halfter (
ahd. halftara),
diesz aber mit nebenform halster
f. (IV
2, 226),
die ahd. als halfstara, halfstra
vorauszusetzen ist, wenn sie nicht auf haltan
halten zurückgeht, mit ausfall des -t
wie in -eistra
von eitan.
Die ganstern
waren also urspr. funken zum anzünden geeignet oder bestimmt oder erzeugt, wie etwa die funken beim feuerschlagen mit dem feuerstein. 3@bb)
die mhd. formen ganeiste,
zumal ganeist
f. können nicht kürzungen sein, sondern zeigen eine verwandte, aber selbständige bildung mit gleicher bedeutung. so steht neben goth. hulistr
n. decke ahd. mhd. hulst
f., neben hulfter
auch hulft
f., holfte
köcher (Lexer 1, 1382, Dief. 151
c),
neben nrh. gelâfter
f. klafter, lachter (V, 904)
mnl. ghelachte, ghelacht Oudemans 2, 439,
alles werkzeuge, zum hüllen, bewahren, umspannen. 3@cc)
lehrreich endlich ist ganheist, ganheista (2,
c, α), ganheister Dief.
n. gl. 330
b (15.
jh.)
: wer so schrieb, fühlte die zusammensetzung noch, sprach aber statt des spiritus lenis vor dem ei
einen asper, der wol deutlicher trennte, also statt gán-'èister gánhèister.
es ist wie ahd. gán-hèrbo
statt gán-'èrbo (
s. unter ganerbe 1),
vgl. auch ganzen
a. e.