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gämlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gämlich

Bd. 4, Sp. 1209
gämlich, gemlich, lustig, wunderlich u. a., mhd. gemelîch, in mundarten noch heute. 11) ergötzlich, lustig, spaszig, 1@aa) diesz ist die mhd. herschende bed., in verschiedenster abstufung, auch z. b. von höfischer heiterkeit (Er. 7035, Nib. 1612, 3), von sinnlichem liebesscherze (Konr. troj. kr. 15803. 16005), von geschenken womit man einem 'eine freude macht' (Helmbr. 1052). diese urspr. bed. wird aber gegen die nhd. zeit hin seltener: es saszen in allen wirthshäusern so viele 'gämliche leut und genspeiner'. Gemeiner Regensb. chr. 3, 386, vom j. 1464 (Schm. 2, 46); under den schwarz affen, die gaben den leuten gar gämelich vorspil. himml. braut Augsb. 1477 (Birlinger Augsb. wb. 179a). 1@bb) bei Maaler 155b vielmehr gämmelich, muotwillig, als ein jungs pferd, lascivus (zu dem subst. gammel), jetzt gammlig fröhlich, ausgelassen Stalder 1, 419; auch in einem mrh. voc. von 1440 gammelich ludibundus Dief. 338b, im voc. von 1482 gemmelicher jocosus. bei Birl. a. a. o. noch niederschwäb. gämelich von mutigen rossen, gämmelig ausgelassen Schmid 218, wo auch gämmel m. gleich gammel übermut. Stielers gämelich lascivus instar equi aut vituli 619 mag nur aus Henisch 1332 sein, der gämmelich aus Maaler entnahm. bei Denzler 2, 121a gämelig ferox, schweiz., gesteigertes lascivus, vielleicht mit beimischung von irritabilis unter 2, d, β. 1@cc) auch nd. im 15. jh. jocosus gemelik, schimlik (schimplîk) Dief. n. gl. 221a, vergl. gemmelig läppisch, kindisch Brem. wb. 2, 498 (dazu aber gemmeln läppisch schwätzen, gemmelije dergleichen geschwätz); auch nrh. gemelick, lechlick (lächerlich) Teuth. 103a, ghemelick jocosus, solaciosus (kurzweilig), ridiculosus, recreativus 58a, nl. ghemelick, gemmelick, lascivus instar equi Kil. (nur nach dem hd. bei Maaler?); dann altengl. gameliche jocose, gameli, s. Stratm. 231, Hall. 391a. 22) später erscheint der begriff ausgeartet oder weitergebildet, nach sehr verschiedenen seiten hin. 2@aa) spöttisch, spott treibend, mit wort oder that (vergl.spotes gamen heil. Elis. 3331): des abents under dem nachtessen, da was der wirt noch gemlich mit den kauflüten über dem wolf. Eulensp. hist. 78 s. 115 Lapp., er neckt und höhnt sie wegen eines abenteuers mit einem wolfe, vorher s. 114 da was er ganz spöttisch uf sie. auch von thätlichen späszen: elend und fast krank ward Ulenspiegel ... das (für des) was der apoteker ouch etwas geil und gemlich und gab Ulenspiegeln ein scharf purgatz. hist. 90 s. 131, geil bezeichnet die schadenfreude (diesz stabreimende geil und gemelich auch Altswert 24, 29). so ist schimpf, ursprünglich nur scherz, bis zur 'beschimpfung' gekommen, und scherz und das so junge spasz gehn schon denselben weg. 2@bb) von sinnlichem liebestreiben, z. b. eine sinnliche frau, die sich gegen einen angriff nur scheinbar wehrt: auf mein grellen red ich das, das nie kain man so gemlich was. fastn. sp., nachl. 328, was denn zwischen tadel und anerkennung schwankt. von einem prediger, der auch ein entblöszt gekleidetes weib vor sich hat, heiszt es: secht da hept sich denn ain kib (s. keib) under siner kutten wit gar ein gemelichen strit. teufels netz 5247; s. schon mhd. unter 1, a, gemellîche fem. von liebesschäkerei Neidh. 48, 33, in chonelîcher gamene spilen gen. 48, 12 D., wie gemelîchen, 'scherzen', übles weib 147 ff., MS. 2, 61b, und die ähnliche entwickelung von geil, lat. lascivus. 2@cc) närrisch, verrückt, ausgegangen von den spaszmachern (von kunst ein gemelichære wb. 1, 461a) und in den begriff narr umgeschlagen (man brauchte wirkliche thoren als spaszmacher): gemlich, maniacus, mirabilis. voc. inc. teut. h 8a; gemlich sein oder werden, manisare. das.; bei Dief. 346c wird maniacus in vielen vocc. (auch mrh., nrh.) erklärt mit gemelich, gemlich, gemmelich, deutlicher mit gemmelich dore, auch nd. ghemelic, ghemmelic und jemelich man (hor. belg. 7, 28a), manisare mit ghemelic zin, oberd. gemleich maniacus n. gl. 245b. 2@dd) daher wunderlich, wunderbar, 'närrisch' im schwächeren sinne (auch spaszhaft, lustig, neuerdings heiter haben diese bed. gewonnen). 2@d@aα) ältere belege, vgl. 'mirabilis' im voc. inc. teut. vorhin: gemmelicher, wunderlicher, mirabilis. voc. 1482 l 4a; ich sag dir ander mære, du starker ris gemeliche. heldenb. 210, 7 Keller, antwort Wolfdietrichs auf eine unsinnige drohung des riesen; dâ sach der helt von sinnen ein wunder gemelich. 357, 37; daʒ ist ein gemellîcheʒ ding (var. jæmerlîcheʒ), sprach der ritter vreissan, daʒ min ein gbûr sus spotten kan. Boner. 62, 48, von einem bauer der gegen ihn als kemphe auftritt; ich hör euch pitten gämlich sach, das pringt mir groszen ungemach. fastn. sp. 406, 4, so weist eine jungfrau einen ritter ab der sie um minnelust bittet; es stet gar gemlich in der welt. 754, 10; da war aber ein unredlich münch .. mit gemlichen mancherlei geberden uf dem predigstul. Eschenloer 2, 58 (Weinh. schles. wb. 25b). auch gleich schlimm, bös, bei Schm.2 1, 910 aus einem voc. venez.-todesco von 1464 ein gemlich man, das weter ist gar gemlich (stranio), eig. sonderbar. bei Melissus ps. S 4a ist von gämlichem schmärze die rede. 2@d@bβ) auch nd. gemelick mirabilis Dief. 362c, wunderlik, gemelik n. gl. 254a, und nrh. im Teuth. 103a gemelick, wonderlick, noetlick, verworren, mirus, mirabilis, pertinax, intricativus, imbractativus, prodigiosus, monstruosus, admirabilis, tediosus, provocativus, implicativus, perplexus etc., also auch von menschen und mancherlei äuszerungen der wunderlichkeit; ebenso mnl. een ghemelic man Oudem. 2, 481, bei Kil. ghemelick, gemmelick morosus, fastidiosus, irritabilis, difficilis, jetzt gemelijk mürrisch, eigensinnig. 2@d@gγ) in dieser bed. auch hd. im voc. 1482: gemelich, desidue (träg, unlustig), morose, und gemmelicher, faulicher .. morosus l iiija (vgl. f am ende), und noch im osten erhalten: ihr wüst wul, alde leute seen wünderlich unde gämlich. Gryphius verl. gesp. 14 (57, 5 Palm), wie noch schlesisch, besonders verdriesztich Weinh. 25b, in Posen Bernd 70, oberlaus. mismutig, unbehaglich Anton 1, 11: ich könte wohl so ein ältlich mensch oder gar eine wittfrau nehmen, aber wenn zwei gähmliche leute zusammen kommen, so essen sie gar zähe brod mit einander (erschweren sich das leben). Chr. Weise liebesall. 102. 2@ee) merkwürdig aber in Schlesien unbehaglich, unwol Weinh. 25b (wie laus. unter d, γ), mir ist gar gämlich Frisch 1, 326a aus einer schles. quelle; ostfries. gamelig, gammelig, gammel, elend, unbehaglich von nüchternheit u. ä. Stürenb. 65b (auch 'angegriffen, venere fatigatus' 346a). in Posen mit einer beschränkenden andern wendung des begriffs von einem widerlichen geschmack im munde, mir ist so gämlich danach, das schmeckt so gämlich Bernd 70, im bewuszten anschlusz an eine noch andere angabe des Brem. wb. 2, 478: gammlig, was anfängt zu schimmeln und daher einen übeln geschmack erhält, an das gleichbed. nd. gälmerig, subst. galm (sp. 1199 unten) erinnernd. Das 'unwol' kann aus der bed. wunderlich, närrisch entstanden sein, mir ist so närrisch (närsch) heiszt es von einem übelbefinden das man nicht näher bezeichnen kann. aber das gammlig schimmelig werdend ist daraus nicht zu begreifen (vgl.gammelmatt am ende). 2@ff) eigen im adv. auch gleich allmälich: gämleich, sensim, lente, gemach. voc. bei Scherz 468; leyse oder gemelich, lente. voc. 1482 s 7b; sensim, paulatim, gemlich, hubschlich Melber x 7a, unter paulatim r 4a aber gemechlich, gemecherlich, in einer andern ausg. gemelich sensim Dief. 527a, aber auch gemechlich das.; dagegen merkwürdig für maniacus (s. 2, c) neben gemelich auch gemechlich Dief. 346c, für mania gemechlichheit das. und nov. gl. 245b. beide verflieszen im 14. 15. jh. in der schrift in gemelich, d. i. gemêlich oder gémelich; aber gemlich allmälich kann nach vorigem doch nicht blosz verlesen, es könnte aus dem mhd. höfischen gemelîch (s. 1, a, besonders Erec 7035) geworden sein, wie ähnlich sittlich zu der bed. allmälich kam (sensim, sittlich, gemächlich Dasyp. 222a, gradatim sitlichen Dief. 268a), vgl. auch gemütlich gleich heiter, behaglich und langsam. oder auch aus der bed. mürrisch, unlustig (d, γ): gemmelicher, faulicher, langksamlicher, perlongus, morosus, successivus, lentus, gradatus. voc. 1482 l 4a, oder aus beiden. 33) herkunft, nebenformen. 3@aa) die mhd. form war völliger gemellîch, angeglichen aus gemenlîch, ahd. gamanlîh ridiculum Graff 4, 207 (vgl. noch mhd. gamenlîch unter d), adj. zu mhd. gamen m. n. f., lust, spiel, scherz, ahd. alts. gaman, ags. gamen, gomen n. (gamenlîce jocose), altfries. game, gome f., altn. gaman n., also ein altgerm. wort (verwandt vermutlich mit gampen, s. d. 3, c); noch engl. game, norw. gaman und gama, schwed. gamman, n. gammen, auch neufries. ein rest in gammen als ausruf Epkema 161 (Richthofen 772b). dagegen hd. (nd.) über das 14. jahrh. hinaus verschwindend; die letzte form, in der es bestanden hat, zeigt gam (acc.), scherz Jeroschin 7922, aus gamn geworden, wie schon im 12. jh. z. b. chom für chomen venire Rol. 298, 29. 304, 20 u. ö. 3@bb) doch heute noch mundartlich gammel m. (s. d.) und gämel, schon mhd. einzeln gamel neben gamen, vermutlich mit bequemerem -l für -n nach -m (s. z. b. kümmel aus cuminum, vgl. schon ahd. himil neben goth. himins himmel), wie auch ags. einzeln gomel für gomen (Grein 1, 366); so auch mhd. gamelen für gamenen (s.gämeln), 15. jh. gamelstat amphitheatrum Dief. n. gl. 22a für gamenstat. zu diesem gamel kann denn gemellîch, gämlich ebensogut gehören. aber das adj. musz auch rückwirkung auf das subst. geübt haben nach dem umlaut in gämel, gämeln neben gameln. von der weiteren verwandtschaft s. gampen. 3@cc) eigen ist Stielers gämel (s. d.) als adj. gleich gämlich, das begreiflich wäre als nd., wie mnd. kostel gleich köstlich (s. d. I, e), s. auch md. kitzel gleich kitzelich 5, 874; so ostfries. gammel neben gammelig unter 2, e. das bair. gamelhait spasz Schm.2 1, 911 verbürgt kein adj. gamel (s. z. b. knechtheit). 3@dd) zur form ist noch zu bemerken, dasz der umlaut ausblieb, wie in ahd. gamanlîh, mhd. gamenlîch lieders. 1, 231 (alem.), so noch im 15. jh. in einem alem. (bair.?) voc. gamleich maniacus, gamleichkait mania Dief. nov. gl. 245b, auch mrh. gammelich, s. 1, b, gamlich Gudr. 354, 4 in der hs. Das nhd. schicksal der kurzen stammsilbe war wie oft ein doppeltes, verlängerung theils durch verdoppelung des cons. in gammelich, gammel, gemmelich (2, c), theils durch verlängerung des vocals, die denn auch schriftlich ausgedrückt auftritt in gähmlich (2, d, γ).
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gämlichadj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ Х Gämlich , adj . u. adv . unbehaglich, mit Ekel verbunden. Stieler. Es ist mir so gämlich , ich empfinde eine Unbehag…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gaemlich

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gaemlich

gam + -lich

gaemlich leitet sich vom Lemma gam ab mit Suffix -lich, mit Umlaut-Wechsel.

gaemlich‑ als Erstglied (1 von 1)

gämlichkeit

DWB

gaemlich·keit

gämlichkeit , f. subst. zum vor.: die bürger und alle die das sahen, die lachten der gemligkeit. Eulensp. hist. 70 s. 104 Lapp., lustiger po…

Ableitungen von gaemlich (1 von 1)

Gämliche

Wander

Gämliche Die Gämlichen sind die Grämlichen.