gämlich,
gemlich,
lustig, wunderlich u. a., mhd. gemelîch,
in mundarten noch heute. 11)
ergötzlich, lustig, spaszig, 1@aa)
diesz ist die mhd. herschende bed., in verschiedenster abstufung, auch z. b. von höfischer heiterkeit (
Er. 7035,
Nib. 1612, 3),
von sinnlichem liebesscherze (Konr.
troj. kr. 15803. 16005),
von geschenken womit man einem '
eine freude macht' (
Helmbr. 1052).
diese urspr. bed. wird aber gegen die nhd. zeit hin seltener: es saszen in allen wirthshäusern so viele 'gämliche leut und genspeiner'. Gemeiner
Regensb. chr. 3, 386,
vom j. 1464 (Schm. 2, 46); under den schwarz affen, die gaben den leuten gar gämelich vorspil.
himml. braut Augsb. 1477 (Birlinger
Augsb. wb. 179
a). 1@bb)
bei Maaler 155
b vielmehr gämmelich, muotwillig, als ein jungs pferd,
lascivus (
zu dem subst. gammel),
jetzt gammlig
fröhlich, ausgelassen Stalder 1, 419;
auch in einem mrh. voc. von 1440 gammelich
ludibundus Dief. 338
b,
im voc. von 1482 gemmelicher
jocosus. bei Birl.
a. a. o. noch niederschwäb. gämelich
von mutigen rossen, gämmelig
ausgelassen Schmid 218,
wo auch gämmel
m. gleich gammel
übermut. Stielers gämelich
lascivus instar equi aut vituli 619
mag nur aus Henisch 1332
sein, der gämmelich
aus Maaler
entnahm. bei Denzler 2, 121
a gämelig
ferox, schweiz., gesteigertes lascivus, vielleicht mit beimischung von irritabilis unter 2,
d, β. 1@cc)
auch nd. im 15.
jh. jocosus gemelik, schimlik (schimplîk) Dief.
n. gl. 221
a,
vergl. gemmelig
läppisch, kindisch Brem. wb. 2, 498 (
dazu aber gemmeln
läppisch schwätzen, gemmelije
dergleichen geschwätz);
auch nrh. gemelick,
lechlick (
lächerlich)
Teuth. 103
a, ghemelick
jocosus, solaciosus (
kurzweilig),
ridiculosus, recreativus 58
a,
nl. ghemelick, gemmelick,
lascivus instar equi Kil. (
nur nach dem hd. bei Maaler?);
dann altengl. gameliche
jocose, gameli,
s. Stratm. 231, Hall. 391
a. 22)
später erscheint der begriff ausgeartet oder weitergebildet, nach sehr verschiedenen seiten hin. 2@aa)
spöttisch, spott treibend, mit wort oder that (
vergl.spotes gamen
heil. Elis. 3331): des abents under dem nachtessen, da was der wirt noch gemlich mit den kauflüten über dem wolf.
Eulensp. hist. 78
s. 115
Lapp., er neckt und höhnt sie wegen eines abenteuers mit einem wolfe, vorher s. 114 da was er ganz spöttisch uf sie.
auch von thätlichen späszen: elend und fast krank ward Ulenspiegel ... das (
für des) was der apoteker ouch etwas geil und gemlich und gab Ulenspiegeln ein scharf purgatz.
hist. 90
s. 131, geil
bezeichnet die schadenfreude (
diesz stabreimende geil und gemelich
auch Altswert 24, 29).
so ist schimpf,
ursprünglich nur scherz, bis zur '
beschimpfung'
gekommen, und scherz
und das so junge spasz
gehn schon denselben weg. 2@bb)
von sinnlichem liebestreiben, z. b. eine sinnliche frau, die sich gegen einen angriff nur scheinbar wehrt: auf mein grellen red ich das, das nie kain man so gemlich was.
fastn. sp., nachl. 328,
was denn zwischen tadel und anerkennung schwankt. von einem prediger, der auch ein entblöszt gekleidetes weib vor sich hat, heiszt es: secht da hept sich denn ain kib (
s. keib) under siner kutten wit gar ein gemelichen strit.
teufels netz 5247;
s. schon mhd. unter 1,
a, gemellîche
fem. von liebesschäkerei Neidh. 48, 33, in chonelîcher gamene spilen
gen. 48, 12
D., wie gemelîchen, '
scherzen',
übles weib 147
ff., MS. 2, 61
b,
und die ähnliche entwickelung von geil,
lat. lascivus. 2@cc)
närrisch, verrückt, ausgegangen von den spaszmachern (von kunst ein gemelichære
wb. 1, 461
a)
und in den begriff narr umgeschlagen (
man brauchte wirkliche thoren als spaszmacher): gemlich,
maniacus, mirabilis. voc. inc. teut. h 8
a; gemlich sein oder werden,
manisare. das.; bei Dief. 346
c wird maniacus
in vielen vocc. (
auch mrh., nrh.)
erklärt mit gemelich, gemlich, gemmelich,
deutlicher mit gemmelich dore,
auch nd. ghemelic, ghemmelic
und jemelich man (
hor. belg. 7, 28
a), manisare
mit ghemelic zin,
oberd. gemleich
maniacus n. gl. 245
b. 2@dd)
daher wunderlich, wunderbar, '
närrisch'
im schwächeren sinne (
auch spaszhaft, lustig,
neuerdings heiter
haben diese bed. gewonnen). 2@d@aα)
ältere belege, vgl. '
mirabilis'
im voc. inc. teut. vorhin: gemmelicher, wunderlicher,
mirabilis. voc. 1482 l 4
a; ich sag dir ander mære, du starker ris gemeliche.
heldenb. 210, 7
Keller, antwort Wolfdietrichs auf eine unsinnige drohung des riesen; dâ sach der helt von sinnen ein wunder gemelich. 357, 37; daʒ ist ein gemellîcheʒ ding (
var. jæmerlîcheʒ), sprach der ritter vreissan, daʒ min ein gbûr sus spotten kan. Boner. 62, 48,
von einem bauer der gegen ihn als kemphe
auftritt; ich hör euch pitten gämlich sach, das pringt mir groszen ungemach.
fastn. sp. 406, 4,
so weist eine jungfrau einen ritter ab der sie um minnelust
bittet; es stet gar gemlich in der welt. 754, 10; da war aber ein unredlich münch .. mit gemlichen mancherlei geberden uf dem predigstul. Eschenloer 2, 58 (Weinh.
schles. wb. 25
b).
auch gleich schlimm, bös, bei Schm.
2 1, 910
aus einem voc. venez.-todesco von 1464 ein gemlich man, das weter ist gar gemlich (
stranio),
eig. sonderbar. bei Melissus
ps. S 4
a ist von gämlichem schmärze
die rede. 2@d@bβ)
auch nd. gemelick
mirabilis Dief. 362
c, wunderlik, gemelik
n. gl. 254
a,
und nrh. im Teuth. 103
a gemelick, wonderlick, noetlick, verworren,
mirus, mirabilis, pertinax, intricativus, imbractativus, prodigiosus, monstruosus, admirabilis, tediosus, provocativus, implicativus, perplexus etc., also auch von menschen und mancherlei äuszerungen der wunderlichkeit; ebenso mnl. een ghemelic man Oudem. 2, 481,
bei Kil. ghemelick, gemmelick
morosus, fastidiosus, irritabilis, difficilis, jetzt gemelijk
mürrisch, eigensinnig. 2@d@gγ)
in dieser bed. auch hd. im voc. 1482: gemelich,
desidue (
träg, unlustig),
morose, und gemmelicher, faulicher ..
morosus l iiij
a (
vgl. f am ende),
und noch im osten erhalten: ihr wüst wul, alde leute seen wünderlich unde gämlich. Gryphius
verl. gesp. 14 (57, 5
Palm),
wie noch schlesisch, besonders verdriesztich Weinh. 25
b,
in Posen Bernd 70,
oberlaus. mismutig, unbehaglich Anton 1, 11: ich könte wohl so ein ältlich mensch oder gar eine wittfrau nehmen, aber wenn zwei
gähmliche leute zusammen kommen, so essen sie gar zähe brod mit einander (
erschweren sich das leben). Chr. Weise
liebesall. 102. 2@ee)
merkwürdig aber in Schlesien unbehaglich, unwol Weinh. 25
b (
wie laus. unter d, γ), mir ist gar gämlich Frisch 1, 326
a aus einer schles. quelle; ostfries. gamelig, gammelig, gammel,
elend, unbehaglich von nüchternheit u. ä. Stürenb. 65
b (
auch '
angegriffen, venere fatigatus' 346
a).
in Posen mit einer beschränkenden andern wendung des begriffs von einem widerlichen geschmack im munde, mir ist so gämlich danach, das schmeckt so gämlich Bernd 70,
im bewuszten anschlusz an eine noch andere angabe des Brem. wb. 2, 478: gammlig,
was anfängt zu schimmeln und daher einen übeln geschmack erhält, an das gleichbed. nd. gälmerig,
subst. galm (
sp. 1199
unten)
erinnernd. Das '
unwol'
kann aus der bed. wunderlich, närrisch entstanden sein, mir ist so närrisch (närsch)
heiszt es von einem übelbefinden das man nicht näher bezeichnen kann. aber das gammlig
schimmelig werdend ist daraus nicht zu begreifen (
vgl.gammelmatt am ende). 2@ff)
eigen im adv. auch gleich allmälich: gämleich,
sensim, lente, gemach.
voc. bei Scherz 468; leyse oder gemelich,
lente. voc. 1482 s 7
b;
sensim, paulatim, gemlich, hubschlich Melber x 7
a,
unter paulatim r 4
a aber gemechlich, gemecherlich,
in einer andern ausg. gemelich
sensim Dief. 527
a,
aber auch gemechlich
das.; dagegen merkwürdig für maniacus (
s. 2,
c)
neben gemelich
auch gemechlich Dief. 346
c,
für mania gemechlichheit
das. und nov. gl. 245
b.
beide verflieszen im 14. 15.
jh. in der schrift in gemelich,
d. i. gemêlich
oder gémelich;
aber gemlich
allmälich kann nach vorigem doch nicht blosz verlesen, es könnte aus dem mhd. höfischen gemelîch (
s. 1,
a, besonders Erec 7035)
geworden sein, wie ähnlich sittlich
zu der bed. allmälich kam (
sensim, sittlich, gemächlich Dasyp. 222
a,
gradatim sitlichen Dief. 268
a),
vgl. auch gemütlich
gleich heiter, behaglich und langsam. oder auch aus der bed. mürrisch, unlustig (
d, γ): gemmelicher, faulicher, langksamlicher,
perlongus, morosus, successivus, lentus, gradatus. voc. 1482 l 4
a,
oder aus beiden. 33)
herkunft, nebenformen. 3@aa)
die mhd. form war völliger gemellîch,
angeglichen aus gemenlîch,
ahd. gamanlîh
ridiculum Graff 4, 207 (
vgl. noch mhd. gamenlîch
unter d),
adj. zu mhd. gamen m. n. f., lust, spiel, scherz, ahd. alts. gaman,
ags. gamen, gomen
n. (gamenlîce
jocose),
altfries. game, gome
f., altn. gaman
n., also ein altgerm. wort (
verwandt vermutlich mit gampen,
s. d. 3,
c);
noch engl. game,
norw. gaman
und gama,
schwed. gamman,
dän. gammen,
auch neufries. ein rest in gammen
als ausruf Epkema 161 (Richthofen 772
b).
dagegen hd. (
nd.)
über das 14.
jahrh. hinaus verschwindend; die letzte form, in der es bestanden hat, zeigt gam (
acc.),
scherz Jeroschin 7922,
aus gamn
geworden, wie schon im 12.
jh. z. b. chom
für chomen
venire Rol. 298, 29. 304, 20
u. ö. 3@bb)
doch heute noch mundartlich gammel
m. (
s. d.)
und gämel,
schon mhd. einzeln gamel neben gamen,
vermutlich mit bequemerem -l
für -n
nach -m (
s. z. b. kümmel
aus cuminum,
vgl. schon ahd. himil
neben goth. himins
himmel),
wie auch ags. einzeln gomel
für gomen (Grein 1, 366);
so auch mhd. gamelen
für gamenen (
s.gämeln), 15.
jh. gamelstat
amphitheatrum Dief.
n. gl. 22
a für gamenstat.
zu diesem gamel
kann denn gemellîch, gämlich
ebensogut gehören. aber das adj. musz auch rückwirkung auf das subst. geübt haben nach dem umlaut in gämel, gämeln
neben gameln.
von der weiteren verwandtschaft s. gampen. 3@cc)
eigen ist Stielers gämel (
s. d.)
als adj. gleich gämlich,
das begreiflich wäre als nd., wie mnd. kostel
gleich köstlich (
s. d. I,
e),
s. auch md. kitzel
gleich kitzelich 5, 874;
so ostfries. gammel
neben gammelig
unter 2,
e. das bair. gamelhait
spasz Schm.
2 1, 911
verbürgt kein adj. gamel (
s. z. b. knechtheit). 3@dd)
zur form ist noch zu bemerken, dasz der umlaut ausblieb, wie in ahd. gamanlîh,
mhd. gamenlîch
lieders. 1, 231 (
alem.),
so noch im 15.
jh. in einem alem. (
bair.?)
voc. gamleich
maniacus, gamleichkait
mania Dief.
nov. gl. 245
b,
auch mrh. gammelich,
s. 1,
b, gamlich
Gudr. 354, 4
in der hs. Das nhd. schicksal der kurzen stammsilbe war wie oft ein doppeltes, verlängerung theils durch verdoppelung des cons. in gammelich, gammel, gemmelich (2,
c),
theils durch verlängerung des vocals, die denn auch schriftlich ausgedrückt auftritt in gähmlich (2,
d, γ).