fundgrube,
f. ,
ein früh im 16.
jh. aufgekommenes wort der bergmannssprache. im 14.
und 15.
jh. sagte man nach den metallen, nach denen gegraben wurde, îsengruobe, goltgruobe, silbergruobe,
im 15.
jh. auch blosz grube (Diefenbach 241
b).
vgl.grube.
Das wort bedeutet zunächst 11)
bergmännisch ein in einer gewissen grösze (
s. unten)
an der stelle vermessenes stück feld, an welcher eine lagerstätte zuerst aufgefunden wurde oder, wie man sich ausdrückt, der gang zuerst entblöszt und kübel und seil eingehangen oder eingeworfen worden ist. bergwerkslex. (1743) 225. Richter 1, 345. Gätzschmann 31. Wenckenbach 51. Scheuchenstuel 87
erklärt kurz bergmännisch: »
jener grubenbau, mit welchem der edle aufschlusz eröffnet wurde«
d. h. der punkt der lagerstätte, der das mineral in abbauwürdiger menge zeigt. caput fodinarum, fundgruobe. Georg Agricola 704
a.
bei Mathesius
in der Sarepta natürlich häufig: es schreibet auch Plinius, das (
dasz) zu Hannibalis zeyten ein fundgrub in Hispanien gewesen, Bebelo genant, darausz er teglich drey centner silber genommen. (1562) 23
b; eine fundtgrube helt drey gewehr, das ist 42 bergklachter, der eine bisz in 3 elen 9 zöll lang ist. 89
b; da hertzog Albrecht von Sachsen inn Sanct Georgen fundgrub auff dem Schneberg auff einem gantz silbern tisch asz. 3
a.
auch mit schwacher biegung: (
Christus) macht sie (
die Sareptaner) zu ewigen gewercken auff der himlischen fundtgruben, die jm im 16. psalm verliehen und vermessen ist. a iiij
a; auf solche weis bekam diser, der erstmalen den gang ausgericht hat, die fundgruben, das ist siben einfache lehen. Bechius
Agricola 61.
die grösze oder das masz der fundgrube, d. h. der feldfläche, deren mitte der fundschacht bildet, in die länge, ist nicht überall gleich, denn zu Freiberg z. b. betragen sie 60,
in Ungarn 28
lachter oder 4
lehen, nach Wenckenbach
s. 51,
also wol in Nassau 84,
gewöhnlich aber, wie im Obererzgebirge, 42
lachter d. i. 3
wehre oder 6
lehen. auf gängen wird das masz nur der länge nach, wie der gang streichet, genommen, auf flötzen aber wird in die länge und breite, nach dem quadratmasze gemessen. Richter 1, 345.
In rücksicht auf dieses masz von 42
lachtern nimmt Adelung
und nach ihm Campe
sowie Heinsius
dann an, fundgrube
bezeichne zugleich auch ein so viel lachter in die länge und breite enthaltendes flächenmasz, dasz die eigentliche fundgrube oder der fund in der mitte der fläche befindlich sei. in solcher bedeutung aber kommt das wort nicht vor, und bereits Heyse
hat sie mit recht wieder weggelassen. bergmännische ausdrücke mit fundgrube
sind: eine fundgrube entblöszen,
an einem puncte derselben kübel und seil einwerfen und wirklich mit arbeit belegen. eine fundgrube forttragen,
auf demselben gange noch anderswo, als bereits geschehen ist, kübel und seil einwerfen, um die erze herauszufördern. eine fundgrube strecken,
sie vermessen, nachdem der fundgrübner vor dem bergamte sich erklärt, ob dies überhaupt so geschehen soll, dasz der fundschacht das mittel oder der mittelpunct sei, oder ob von diesem schachte ganz den berg hinauf oder ganz hinunter gemessen werden soll. bergwerkslex. (1743) 225
a. Richter 1, 345.
was den letzten ausdruck anlangt, so bemerkt Richter
unter fundgrube: gewöhnlich wird die fundgrube halb über und halb unter dem fund gestreckt, es stehet aber dem finder frei, dasz er, wenn es ohne nachtheil der feldnachbarn geschehen kann, solche ganz das gebirge hinauf oder hinunter vom orte der entblöszung strecken kann.
dann übergetragen und bildlich angewandt 22)
das was an fünden ergibig ist, gesuchtes reichlich oder doch zufriedenstellend enthält. diese anwendung und übertragung findet schon bei Luther
statt, dem, einem bergmannssohne, beides nahe lag: darumb las dein dünckel und fulen faren und halte von dieser schrift als von dem aller höhesten, edlesten heiligthum, als von der aller reichsten fundgruben, die nimer mehr genug ausgegründet werden mag.
vorrede zur bibelausgabe v. j. 1535 1; das ist der treffliche schatz und ein brunquell, ja die rechte fundgrube aller göttlichen güter, lebens, trosts und seligkeit, wer es nur gleuben künde.
werke 6, 201
b. die fundgrube menschlicher herzen. Butschky
Patmos 102; hiernächst sind die alterthümer daselbst (
zu Sassari) merkwürdig, die in Industria ausgegraben worden, wo man aber längst aufgehört hat, nachzusuchen. indeszen bleibt dem könige immer diese fundgrube, woraus er das museum bereichern kann, wenn und wie viel er will. Lessing (
Maltzahn) 11, 2, 34; jungen männern würde ich seine briefe und schriften als eine fundgrube von gedanken anpreisen. Herder; sobald die lehrmeinung ihn (
den kelch im abendmahl) zu einem todten andenken machte, das man zur unwerthen entsündigung gott vorzeigte, war der zweck des instituts (
die eucharistie ist gemeint) dahin, das durch pönitenzen und beichtpfennige, die man daran knüpfte, endlich gar in eine acharistie, in eine fundgrube des geizes, eine bude der sündenvergebung ... verwandelt wurde.
dessen z. rel. u. theol. 12, 292; dasz aus den fundgruben anderer alten literaturen mancher schatz gefördert worden und noch zu fördern ist. Göthe 32, 253.
weiter auch 3)
ein fünde an schriften enthaltendes und darbietendes buch: fundgruben des Orients von J. von Hammer; fundgruben für geschichte deutscher sprache und litteratur herausgegeben von dr. Heinrich Hoffmann.