fürwort,
n. 11)
ein vorausgehendes wort in beziehung auf das folgende, das was in beziehung auf das folgende wort gesprochen wird oder zu sprechen ist, einleitendes wort, einleitende rede, vorrede. fürwort,
praefatio. Henisch 1315, 27.
sprichwörtlich vom einzelnen vorausgehenden worte: wer jemand betriegen wil der macht der süessen fürwort vil. 29, dulcia praefatur, qui fallere praemeditatur.
heute vorwort (
s. d.). 22)
das vorausgehende wort der bedingung, die bedingung, der vorbehalt, conditio, reservatio: so sollen noch wollen wir uns, weder mit glubden, eyden, furworten, noch verschribungen verpflichten oder nichts furnemen noch gebruchen, geistlich noch werntlich (
weltlich) in kein weg, dadurch diese eynunge ... moge geirret, geschwechet oder gekrenckt werden.
Heidelberger urk. v. 1456
bei Gudenus
cod. diplom. 4, 321; dasz er, egenanter Heinrich, umb Martin Bloner den sattler gelehnt hat mit den fürworten, dasz er dem spital V libb. und V sz. geben solt von des obgenanten haus zu der megede wegen.
registrum sententiarum senatus minoris argentinensis v. j. 1417;
s. Scherz 458. fry on fürwort.
jus statutarium friburgense 6. ja oder nein, on fürwort. ... 863,
doch diese stelle könnte auch unter die bedeutung 6)
gehören. conditio, geding, beding, fürwort, andingung, fürbehalt. Schöpper
syn. nr. 30. da woltend etlich stett, Rapperswil und etlich mer (als man allweg widerspennig, unrwig, fürwitzig lüt findt) nit besiglen (
es ist die besiegelung eines friedbriefes gemeint), dann mit etwas fürworten und uszzü
gen. Tschudi
chron. 1, 665
b. 33)
ausnahme, exceptio: jedes jahrs die summam gelts ... geflissenlich und one alle furworth ze lyffern.
jus solodurense s. 226,
s. Scherz 458
und vgl. Frisch 2, 457
c. 44)
eine übereinkunft, ein vertrag: er sol mit den parthyen keinerley fürwort oder geding ... haben oder gewarten.
liber statutorum capituli thomani zu Straszb., bei Scherz 458; und dasz dessen nachfahr Clemens der vierte jme, graff Carln, die kron mit diser bedingung und dem fürwort auffgesetzt hat. Fischart
bienenkorb 128
b. 55)
anzugebender oder angegebener grund. nominibus honestis, mit eerlichen fürworten. Frisius (1556) 874
b und danach Maaler 151
c;
hoc uno nomine absolvi velle, von wägen der einigen ursach, oder mit dem einigen fürwort.
ebenda; causam reperire, ein ursach oder entschuldigung finden, ein fürwort erdencken. Frisius 1144
b und danach Maaler
a. a. o.; sine argumento maledicere alicui, on alle ursach und fürwort. Frisius 118
a und danach Maaler
a. a. o. mit dem beisatz einem ubel reden;
quid habeat argumenti ista manumissio, was sy doch für ein ursach oder fürwort habe.
ebenda, s. Cic. or. pro Cael. 29.
doch neigt sich in den ersten beiden belegen hier schon die bedeutung zu der folgenden. 66)
scheingrund, ausflucht, vorwand. prophasis, praetextus, ein fürwort. Alberus
dict. H ij
b. und yetzund umb ainen dienst, darumb ich dich bitt, verzeichstu mir mit hundert für wortten und auszreden. Wirsung
Cal. (1520) Q ij
b.
obtentu philosophiae nominis, under dem scheyn oder fürwort der philosophy. Frisius (1556) 900
a und danach fürwort,
obtentus, bei Maaler 151
c. fürwort,
praetextus. Henisch 1315, 27; der ist unverstä
n. dig, welcher vergebne fürwort sucht. 31, =
inanes praetextus- a er ist wol biszweilen bey hellem liechten tage daher kommen und hat zum fürwort gebraucht, er wolle frische eyer kauffen.
Lazarillo de Tormes (1624)
s. 3; under dem fürwort, einen krancken zu besuchen. Philander (1650) 2, 716.
höchst wahrscheinlich hat der ausdruck auch diese bedeutung bei Schottelius 432
a,
wenn er dabei setzt etwas zum fürwort gebrauchen
und es von »vorwort,
praepositio«,
unterscheidet. noch heute hat sich dieselbe in der Schweiz erhalten: und ohne einmal zu wissen, was man, um bei der wahrheit zu bleiben, für ein fürwort brauchen soll. Gotthelf
ges. schrift. 3, 375; das war auch ein schönes fürwort. 402.
übrigens hat der in dem zweiten jahrzehnt des 18.
jh. auftretende Züricher Dentzler
in diesem sinne, also für lat. praetextus so wol fürwort
als vorwort,
dann Weismann
sogar blosz dieses letzte; Kirsch, Aler, Steinbach, Frisch, Hederich, Matthiä
aber nehmen keines von beiden mehr in dem sinne auf, eben so wenig Adelung
und Campe. 77)
zusage, zusicherung, gewähr: dann wir in allen tröstungen, sicherheiten, fürworten und geleiten, von den die gegeben werden, solchen friedbruch ausgenommen und darinn nicht begrieffen haben wollen.
landfriede v. 1521 viii §. 1; wir wollen auch, dasz alle churfürsten, fürsten und andere stände des reichs in allen und jeglichen ihren tröstungen, sicherheiten, fürworten und geleiten erklärte ächter, auch denuncirte und verkündte friedbrecher mit nämlichen ausgedruckten worten ausnehmen und ausschlieszen. §. 2. 88)
ein für jemand oder etwas eingelegtes gutes wort, das was man bittend zum besten von jemand oder etwas spricht um zu gunsten desselben zu stimmen, benevola commendatio. diese bedeutung erscheint erst im 17.
jh. bei Stieler 2579,
der in derselben eben so wol vorwort
hat. o theure frau! es (
ein geschenk ist gemeint) kömmt durch deine hände, dein fürwort hat sehr viel dabei gethan: wo treff ich nun, wenn ich gleich reime fände, den rechten dank für de ne wohlthat an! Gottsched
ged. 2, 581; ein absehn dringet weit, das gott zum fürwort hat. Haller
ged., 12.
ausg. s. 100 (
d. verdorb. sitten); er ist um ein fürwort bei J. anzusprechen. Hippel 14 (
briefe 2), 348; versprich nicht dein fürwort, wenn du des erfolges nicht gewisz bist. Knigge
umg. m. menschen 3, 31;
Aubespine. o! dasz ein schimmer ihres (
der gnade) heitern lichts auf eine unglücksvolle fürstin fiele ... ... schon die ehre, die menschlichkeit verlangt —
Elisabeth. in diesem sinn weisz ich sein (
Frankreichs) fürwort nach gebühr zu schätzen. Schiller 417
a (
M. Stuart 2, 2). Göthe
dagegen zieht vorwort (
s. d.)
vor, das neben dem ursprünglichen fürwort
von Niederdeutschland aus geltend wurde. schon Nieremberger S sssss 3
a nimmt dieses auch in dem sinne auf, fügt aber bei »
beszer fürwort«,
und Moerbeek 2, 116
c verweist bei diesem auf fürbitte. Weber
deutschlat. universalwb. 792
a setzt »vorwort (fürwort)«
und weist, wie bereits auch Nieremberger,
auf vorsprach
hin. Adelung
endlich nimmt fürwort
als das richtigere und läszt die bedeutung hier für vorwort
als eine nur im niederdeutschen übliche gelten, womit Heyse 2, 1731
übereinstimmt, wenn er bei diesem worte bemerkt »
landschaftlich, besonders niederdeutsch für fürwort«.
auch Campe
bezeichnet dieses als richtiger, während Heynatz
antibarbarus 1, 437
lieber vorwort
will, weil, wie er irrig meint, die Deutschen früh, zum theil vielleicht noch vor Luthers
zeit, angefangen hätten, »
in der zusammensetzung lieber vor als für im anfange der wörter zu gebrauchen«.
richtiger dagegen setzt er in seinem orthographischen wb. 271
b unter die wörter, worin, wie er sagt, für
sich nach der herleitung behaupten läszt, als fürbitten, fürsprecher, fürlieb, fürschreiben
oder fürschrift,
noch »fürwort (
für fürsprache),«
und in wirklichkeit scheint fürwort
in diesem sinne auch geläufiger als vorwort (
s. d.).
als gleich geläufig dürfte beide nur Heinsius
genommen haben, der sie, jedes an seiner stelle im alphabete, anführt, ohne auch nur eine bemerkung beizufügen. 99)
ein wort das stellvertreter des substantivs ist, das pronomen. dieser ausdruck der lateinischen terminologie in der grammatik findet sich schon in dem der ersten zeit des 11.
jh. angehörigen briefe meister Ruodperts
von S. Gallen durch fure daʒ nomen (
s. W. Wackernagels
altd. leseb. 2.
ausg. sp. 138, 6)
wenigstens zum theil übertragen, aber völlige verdeutschung trat erst nhd. ein, und hier hat Schottelius
teutsche sprachkunst (
Braunschweig 1641)
s. 207
u. 396
ff. für pronomen,
dem gemäsz dasz er nomen
durch nennwort
ausdrückt, vornennwort,
welche benennung auch Bödiker
grundsätze (
Cölln a. d. Spree 1690)
s. 48
und Stieler in seiner
dem sprachschatze angehangenen kurzen lehrschrift von der hochteutsch. sprachkunst s. 50
u. 116
annehmen. erst Gottsched
grundlegung einer deutschen sprachkunst (1748)
s. 120
ff. u. 228
ff. gebraucht fürwort,
welchen ausdruck auch sein sechs jahre später als grammatiker auftretender gegner Popowitsch
so wie dann Bodmer
in seinen grundsätzen der deutschen sprache s. 24
ff., Adelung, Heynatz
aufnehmen, nach welchen derselbe in der deutschen grammatik bis heute völlig geläufig geblieben ist. Adelung
lehrgeb. 1, 670
bemerkt über ihn ausdrücklich, dasz er buchstäbliche übersetzung sei, meint aber 2, 111
noch, dasz, da vor
in der zusammensetzung nicht so bestimmt sei, als auszer derselben, vorwort
eben so gut auch das pronomen bedeuten könne. obwol ihm hierin nicht zuzustimmen ist, so haben doch bereits vor ihm Aler, Steinbach, Hederich, Nieremberger, Schmotther vorwort
für pronomen, nicht fürwort. Kirsch
und der ihm folgende Matthiä
verweisen bei diesem auf jenes, das sie demnach als den vorzuziehenden ausdruck nehmen, und Weber
deutschlat. universalwb. 792
a setzt vorwort
für pronomen noch fürwort
bei. später, wie z. b. bei Haas in seinem 1786
erschienenen teutschen und franz. wb. werden fürwort
und vorwort
wieder, wie bei Gottsched,
streng geschieden. 1010)
Dagegen hat Stieler 2579
neben vor-
eben so wol fürwort
für praepositio, während er doch diese wortart in seiner vorhin erwähnten, dem sprachschatze angehangenen kurzen lehrschrift nur mit vorwort
bezeichnet. fürwort
hier in seinem für
erinnert an fure
in ahd. furesezeda
f., womit der genannte Ruodpert
in seinem briefe praepositio
als redetheil verdeutscht, s. W. Wackernagels
altd. leseb. 138, 9.
übrigens dürfte auszer dem sprachschatze Stielers fürwort
kaum sonst noch für praeposition vorkommen. 1111)
Endlich was ist fürwort
in den Kolmarer meisterliedern s. 12, 75
als bezeichnung eines liedes das s. 266
nr. 18
die überschrift ein fürwurf
führt? etwa so viel als herausforderndes lied? vgl. fürwurf 2).