fürsprecher,
m. ,
ein jüngeres wort, als fürsprech (
s. d.),
denn ahd. findet sich noch kein furisprëhhari, furisprëhhâri,
und mhd., wo die eigentliche form vürsprëchære
sein würde, setzt das im 14.
jh. bei Megenberg
vorkommende fürsprëcherin (
s. fürsprecherin)
das masc. fürsprëcher
als sein stammwort voraus. sein erstes erscheinen fällt also in das 14.
jh.; aus dem zweiten viertel des 15.
jh. findet es sich in einer gleich nachher folgenden stelle aus einer urkunde in Thomas
oberhof. aber daneben taucht dann auch in Diefenbachs
Erfurter wb. v. j. 1470
sp. 63
ein Mitteldeutschland entstammendes vorsprecher,
causidicus, prolocutor, auf, das als schon dem 14.
jh. angehörig wieder nach einem älteren mittetd. vorsprecherîn
sich voraussetzen läszt. 11)
einer der als rechtskundiger vor gericht stellvertretend eine rechtssache führt, ein anwalt, ein sachwalter, ein advocat. mhd. und sal Friderich sîn fursprëcher (=
Friderichs fürsprecher), dën ër itzund gewonnen hât, nemlich Henne Glocke, blîben.
urk. v. j. 1433
in Thomas
oberhof s. 552, 116.
nhd. herr marschalk ich ruof euch an, ich wil ain fürsprecher han.
fastnachtsp. 473, 25; doctor, der ein fürsprecher war. Pauli
schimpf u. e. 28
b; wenn ich aber von den juristen sage, meine ich nicht allein die doctores, sondern das gantze handwerk, als cantzler, schreiber, richter, fürsprecher, notarius und was zum rechte des regiments gehöret. Luther 5, 180
b; der heilige geist ein tröster und fürsprecher ist, der die sünde für gott entschuldigt.
dessen der prophet Sacharja Mij
a,
s. Ph. Dietz 1, 757
a; paracletus heisset ein advocat, fursprecher oder beystand für gericht, der den schüldigen tröstet, sterckt und hilfft. also thut der heilige geist auch uns im gewissen fur gottes gericht wider die sünde und des teuffels anklage.
derselbe am rande zu Joh. 14, 16; denn seine (
gottes) gnade ... nimpt uns gantz und gar auff in die hulde, umb Christus unsers fürsprechers und mitlers willen.
dessen vorrede auf die ep. s. Paul an die Römer, in Bindseils ausg. der bibelübers. 7, 436; solchs schreibe ich euch, auff das (
dasz) jr nicht sündiget. und ob jemand sündiget, so haben wir einen fursprecher bey dem vater, Jhesum Christ, der gerecht ist. 1
Joh. 2, 1,
in den drucken des neuen testamentes von 1522—1525 fursprechen,
die vulgata hat advocatum; das (
dasz) Moses ... vom herrn Jesu Christo zeuget, nemlich das er der eynige mitler, fürsprecher, hohepriester, versöner, gnadenthron, vesteburg und asylum ist, darunter wir verwarter und sicherer sitzen und rasten, denn unter allen plawen menteln Marie. Mathesius
Sarepta 44
a (1562 62
a); dasz sein herr und son oben inn der höhe gott gleych sitzen ... unnd siines volcks ewiger priester (
nach ps. 110, 4
) und fürsprecher sein (werde). dessen leichpred. 1, 17b; wir armen sünder haben beym vatter einen fürsprecher, der uns das wort redet oder uns ein gutes wort verleihet. 3, 59a, woneben fünf zeilen vorher fürsprech (s. d.); und trösten uns allein des einigen erlösers und fürsprechers unnd seines tröstlichen geistes. 60a; alles wohnplätze der herrlichkeit gottes, mitwissende zeugen
jener geheimen versöhnungsbitten des grossen fürsprechers.
Bodmer
Noah 12, 734.
procurator, anwalt, ... fürsprecher, redner. Schöpper
syn. nr. 30
. auf dasz er zeitlich sich um einen fürsprecher oder procuratorn bewerben und mit seiner notturft sich gefast machen könne. verordn. des hadelerschen landger. thl. 1 tit. 3, daneben aber tit. 5 fürsprach (s. d.); von fürsprechern, zungentröschern und ärtzten pflegt er zu sagen: jene ernehren sich von der menschen unverträglichkeit, diese von ihrer unmässigkeit. Zinkgreff
apophth. 1, 161
, vgl. 285; wann keine muhtwillige fürsprecher weren, so weren auch keine muhtwillige parteyen. 218; man sagt, ein kind habe allemahl einen advocaten oder fürsprecher bei seinem vater, der, was es mit wenig einfältigen worten fürträgt, weitläufiger erklärt und ihn mit gewaltiger rede zwinget, zu thun, was das kind verlanget. Scriver
seelenschatz 2, 645
; sogar aus verschiedenen städten in Asien kamen einige, die von den dortigen Christianern abgesandt waren, ihm hülfreiche hand zu leisten, seine fürsprecher vor gericht zu seyn und ihn zu trösten. Wieland 27, 11
. noch heute in der Schweiz neben dem echt und volksüblich schweizerischen fürsprech (s. d.): da waren ein dutzend oder was fürsprecher und dann noch etwelche prokuratoren. Gotthelf
schuldenbauer (1854)
s. 241; nebst dem graute es den leuten vor dem prozediren, die fürsprecher waren weit weg und von den prokuratoren wuszte man sonst nicht viel. ebenda; die herren seien runter, jetzt möchten fürsprecher und schreiber auf den thron. aber ohä, denen wollten sie (es sprechen bauern) zeigen, wer meister sei. dessen Käthi cap. 16 (schriften 1861 4, 248); sie begännen zu merken, warum das ding umgerührt und angerichtet worden, für niemand anders als hungrige fürsprecher und hochmüthige schulmeister. dessen Jakobs wanderungen cap. 29 (11, 459); der fürsprecher strich den schnauz. ebenda (s. 466). Wie aber schon im 15. jh. vorsprecher neben fürsprecher auftritt, so auch in der folgenden zeit, was bei dem ersten worte stellen belegen werden. Stieler 2100
hat »für- sive vorsprecher, et wortsprecher, advocatus, patronus,« und Rädlein
bringt jene beiden für anwalt, advocat, jedes an seiner stelle im alphabete. der Züricher Dentzler
kennt nur sein schweiz. fürsprech und läszt die beiden wörter unerwähnt, dagegen verzeichnen Weismann 2, 137
a, Kirsch (1723) 2, 125
b, Matthiä (1761) 2, 161
a fürsprecher und zwar die beiden letzten zugleich in dem durchbrechenden, bei Rädlein
wie Weismann
noch nicht angegebenen sinne von fürbitter, einer der zu gunsten eines andern oder anderer bittend spricht. in beiderlei bedeutung findet sich denn auch bei Hederich
fürsprecher, aber nur in der zuletzt angegebenen vorsprecher, gleicherweise bei Nieremberger
fürsprächer und vorsprächer. Ludwig
bringt neben einander vorsprecher, fürsprecher in beiden bedeutungen, Moerbeek
jedes an seiner stelle im alphabete, doch blosz in dem sinne von advocat. Crichton
hat fürsprecher für fürbitter, so auch Scheller,
der vorsprecher anführt, aber dabei kurzweg auf jenes verweist, während Bauer
fürsprecher wie vorsprecher auch für advocat verzeichnet. was blosz deutsche wörterbücher des 18. u. 19. jh. anlangt, so hat Steinbach 2, 642
»für- et vorsprecher« in jenen beiden bedeutungen, Frisch 2, 307
b »vorsprecher, fürsprecher,« = advocatus, wozu dann s. 408a die vertheidigung des vor hier zu vergleichen ist, für welches er nemlich geltend macht, dasz der, der für den andern, d. h. anstatt des andern, spricht, doch zuvor vor demjenigen stehen müsse, vor welchem er für den andern sprechen solle. Adelung
ist in beiden bedeutungen, von welchen die eine, nemlich wenn das wort für advocat steht, als dem oberdeutschen eigen angegeben wird, entschieden für fürsprecher, was sich ohne ausdrückliche erklärung darin kund gibt, dasz er bei vorsprecher ohne weiteres auf jenes verweist; dagegen bezeichnet Campe 5, 506
b, der sonst Adelung
folgt, fürsprecher als »gewöhnlicher und richtiger«. Heinsius
nimmt vorsprecher gar nicht auf, und Heyse 2, 1736
läszt es nur landschaftlich für fürsprecher gelten. dasz aber gleich diesem auch jenes feststeht und die gewichtigsten namen, wie Lessing
und Göthe,
für sich hat, ergibt sich aus der geschichte des wortes und werden die stellen unter vorsprecher zeigen. 22)
einer der für eine gesammtheit oder eine genossenschaft und in ihrem namen spricht, ein wortführer, ein worthalter. bald wurde die kleine zahl der redlich gesinnten fürsprecher des volks von einer menge anderer verdrängt, die ... keine andre absicht haben konnten, als die miszvergnügten noch mehr aufzuhetzen und eine revoluzion zu beschleunigen, in welcher sie eine bedeutende rolle zu spielen hofften. Wieland 7, 369.
jene fürsprecher
gedachten nemlich, ihre beschwerden der regierung in einem anständigen, aber männlichen tone vorzutragen. die fürsprecher einer gemeinde.
vgl.fürsprech 2). 33)
einer der für jemand oder etwas ein gutes wort einlegt, der zu gunsten von jemand oder etwas bittend spricht oder sich verwendet. dasz diese bedeutung sich erst später aus der unter 1)
angegebenen entwickelt hat, von der sie, wie die stellen bei Luther
und Mathesius
zeigen, mitunter nicht zu scheiden ist, ergibt sich aus der bei dieser dargelegten geschichte des wortes. sie ist auch bereits im 18.
jh. die schriftdeutsch vorherschende geworden. o hätt ich nur einen fürsprecher, der ihn (
gott) bäte, von mir den geist, der denket, zu nehmen! Bodmer
Noah 8, 658; aber, habe ich mit allem, was ich bisher als sein (
J. J. Rousseaus) fürsprecher vorgebracht, erhalten, dasz auch Sie, mein freund, von der strenge Ihres urtheils nachlassen, dasz auch Sie ihm verzeihen? Wieland 15, 227. er war sein fürsprecher bei dem fürsten und verhalf ihm zu der stelle.
bildlich: die poesie ... soll nie die gelehrsamkeit zu ihrer auslegerin, nie den eigennutz zu ihrem fürsprecher machen. sie soll das herz treffen, weil sie aus dem herzen flosz. Schiller 1132
b.